Krummacher, Gottfried Daniel - Die Wanderungen Israels durch die Wüste nach Kanaan - Neunundachtzigste Predigt. Kemuel
Text: 4. Buch Mosis 34, 24. Jesaia 52, 2.
Mache dich aus dem Staube, stehe auf, du gefangenes Jerusalem; mache dich los von den Banden deines Halses, du gefangene Tochter Zions.
Neulich habe ich angekündigt, dass ich mich durch den Namen Kemuel veranlasst fände, einige Betrachtungen über etliche Schriftsprüche anzustellen, wo das Zeitwort dieses Namens, in dessen erster Silbe dasselbe enthalten ist, vorkommt. Deswegen habe ich gleich Jesaja 52, 2 verlesen. Hier wird das Wort durch stehe auf gegeben. Damit verbinde ich Jesaja 60, 1, wo es heißt: mache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.
Das vorige Mal betrachteten wir Zion im Ganzen, und zwar so, wie es sich in Unstand1) befindet, wodurch es sich gedrungen fühlt, zu schreien: Herr, du wollest dich aufmachen. Sie reden von Zions Staub und Asche, und bezeugen ihr Mitleid damit, Gott aber verheißt Schmuck für Asche. Jetzt wollte ich mehr und insbesondere von den einzelnen Gliedern Zions reden, von Zions als einem dürren Ort, als in Unstand, als mit Staub und Asche bedeckt, als einen Gegenstand des Mitleids betrachtet, nicht in seiner Herrlichkeit und Schöne.
Darauf beziehen sich ja die beiden Stellen aus Jesaja. Die Anrede ist köstlich: du heilige Stadt Jerusalem. Aber wenn es heißt: Zion, zeuch deine Stärke an, so deutet das ja auf Schwachheit, worin es sich grade befindet; schmücke dich herrlich, du heilige Stadt, deutet auf eine schmucklose Lage. Mache dich auf aus dem Staube also steckte es drinnen; stehe auf also saß oder lag es gar drinnen. Was für einen kläglichen Begriff bringt es von Jerusalem mit, wenn es: du Gefangene heißt, wenn von einer gefangenen Tochter Zions geredet wird und von Banden seines Halses, wovon er sich los machen solle. Und wenn es im 60. Kapitel heißt: mache dich auf, werde Licht, so deutet das ja offenbar auf Dunkelheit und Finsternis hin. Wie viele Sprüche in den Psalmen sind von einem, dies bestätigenden Inhalt, deren wörtliche Anführung unnötig sein möchte.
Wenn ich nun von einem Unstand, von einem Verfall Zions in seinen einzelnen Gliedern etwas bemerken will, so nehme ich es zuerst mit dem Zion so genau nicht, dass ich ausschließlich nur echte Gottselige darunter verstände. Es gibt auch eine Mittelklasse, wovon man eigentlich nicht weiß, wohin man sie zählen soll, ob sie zu den wirklichen Schafen gehören oder nicht. Es regt und zeigt sich viel Gutes bei ihnen, und wenn sie auch noch nicht zu denen gehören, die der Herr Jesus eine Ähre im Grase, will geschweigen dem vollen Weizen in der Ähre vergleicht, so hat man doch Hoffnung, dass sie zu dem Grase gehören, dass sich also gestalten wird; dass sie, wenn auch noch nicht bekehrt und gläubig, doch erweckt seien und es mit ihnen nach dem Sprichworte gehen werde: wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe. So geht es auch mit manchen wirklich. Sie wachsen. Es gestaltet sich entschiedener. Es kommt etwas Durchgreifendes in sie. Man kann sich über sie und mit ihnen freuen. Mit andern aber gestaltet es sich nicht so erwünscht. Sie bleiben stets auf einem Fleck stehen und kommen nichts vorwärts. Ja, viele gehen zurück und geraten in Verfall. Dies stimmt auch mit der Schrift überein. Es gibt wie Christus sagt Leute, welche das Wort alsbald mit Freuden annehmen und eine Zeitlang glauben, aber zur Zeit der Anfechtung fallen sie ab, denn sie haben nicht Wurzel. Zu Johannis Zeiten gab es Leute, von welchen es schien, sie gehörten mit dazu, später aber gingen sie vor ihnen aus und bewiesen damit, dass sie eigentlich nie zu ihnen gehört hatten, denn wo sie von uns gewesen wären, so würden sie bei uns geblieben sein. 1. Johannes 2, 19. Demas war ein guter Bekannter, ja Freund Pauli, gewann aber die Welt wieder lieb, von der er sich geschieden hatte, und schied sich von dem teuren Apostel. 2. Timoth. 4, 10. Früher richtete der Apostel sogar einen Gruß von ihm aus an die Kolosser, 4, 14, so auch an den Philemon, wo er ihn seinen Gehilfen nennt, und am Ende gewann er doch die Welt wieder lieb. Wer hätte das gedacht. 1. Timotheus 1, sagt der Apostel sogar: es sind etliche, die haben Glauben und gut Gewissen von sich gestoßen und Schiffbruch am Glauben erlitten, und nennt einige mit Namen, welche er habe dem Satan übergeben, dass sie gezüchtigt werden, nicht mehr zu lästern. Er findet es Hebräer 3, 13 für zweckdienlich, auch Christen zuzurufen: ermahnt euch selbst alle Tage, so lange es heute heißt, dass nicht jemand unter euch verstockt werde durch Betrug der Sünde. Die Gefahr ist also da, und es kommt darauf an, durch die rechten Mittel ihr zu entgehen oder daraus errettet zu werden. Schreibt nicht Petrus 2, 2. 20: Sind sie durch die Erkenntnis Jesu Christi entflohen dem Unflat dieser Welt, werden aber wieder in dieselbige verflochten und überwunden, ist ihnen das Letzte ärger geworden denn das Erste. Es wäre ihnen besser, dass sie den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt hätten, denn dass sie ihn erkennen und sich kehren von dem heiligen Gebot, das ihnen gegeben ist, und bestärkt das Ganze durch ein ekelhaftes Sprichwort von Hunden und Säuen, denen solche Menschen sich gleichstellen. Darum ermahnt er auch und spricht: tut allen euren Fleiß daran, euren Beruf und Erwählung fest zu machen. Paulus fragt die Galater: ihr lieft fein, wer hat euch aufgehalten, der Wahrheit nicht zu gehorchen? Hätte jener fünf- oder sechsmal geschlagen, würde er seine Feinde überwunden haben, aber er tat es nur dreimal, da war es gefehlt. Seid nicht träge, was ihr tut, seid brünstig im Geiste.
So gehen manche nicht vorwärts, sondern zurück, werden aufgeweckt und schlafen wieder ein, entsprechen der Hoffnung nicht, die man von ihnen fasste, blühten allenfalls und fielen wieder ab, versäumten wie der Apostel Hebr. 12 redet die Gnade Gottes, wurden wohl gar bittere Feinde, oder höchstens Schwätzer, und bringen ein böses Gerücht über das Reich Gottes. Besonders geschieht dies bei zahlreichen Erweckungen, wovon oft wenig oder gar nichts bleibt. Der Apostel Judas nennt sie kahle, unfruchtbare Bäume, zweimal erstorben und ausgewurzelt, Wolken ohne Wasser, wo man meint, es würde Regen geben, aber der Wind jagt es alles wieder weg.
Solche Seelen, wovon wir hier reden, an denen man eine Zeitlang Äußerungen bemerkte, so dass man sich des Besten zu ihnen versah, geraten mit der Zeit in einen jämmerlichen Verfall. Es mangelt ihnen sowohl an einer gründlichen Erkenntnis ihrer selbst, als der Gnade. Sie sprechen andern, besonders solchen, die im Ansehen stehen, nach, ohne eigene Erfahrung gemacht zu haben und reden vielleicht hohe Worte, wo doch nichts hinter ist. Vielleicht beweisen sie einen besonderen Fleiß, in allerhand äußerlichen, gut scheinenden Dingen, und gleichen den Pharisäern, die gute Dinge übten, um vor den Leuten zu scheinen und sich Ruhm bei ihnen zu erwerben, die sich aber wohl würden zurückgezogen haben, wenn sie Schimpf und Verdruss davon geerntet hätten. Häufig aber bricht ihr innerlicher Verfall auch in äußerlicher Handlungsweise durch, so dass sie das auch nicht mehr scheinen, was sie nie waren. O wie wohl sind diejenigen dran, von welchen das Wort Petri gilt: das ist die rechte Gnade, darin ihr steht. Wer nicht zur rechten Tür eingeht, der ist ein Dieb und Mörder. Wie kläglich, wenn das Wort in der Offenbarung 3, von Jemand gilt: du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot. Seid daher fleißig und tut Buße. Wo aber nicht, so müsst ihr sterben, Ezechiel 18, 26. Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt, die werden ausgereutet. Jeglichen Reben, der nicht Frucht bringt, wird er wegnehmen.
Gleichwie es aber von Zion überhaupt wahr ist, dass es für eine Zeitlang in Unstand, in Verfall geraten kann, so wird es auch wohl ausnahmsweise bei einzelnen wahren Gliedern der Fall. Sie können den Obstbäumen im Winter ähnlich werden, und zwar im Äußeren und im Inneren, und ich meine, man könnte auch unterscheiden, in selbst verschuldete und von Gott verhängte Leiden geraten, wie denn Hiobs Leiden zu den letzteren, viele Leiden Davids zu den ersteren gehörten und ihm deswegen überkamen, weil er die Feinde hatte lüstern gemacht, so dass das Schwert siebzig Tausend Maun hinwegraffte. Von Hieb aber sagt Gott selbst zu Satan: du hast mich bewogen, dass ich ihn ohne Ursache verdorben habe.
Was nun äußerliche Umstände betrifft, welche Zion in seinen Gliedern gedrückt haben, so hatte Zion mehrere Mal Ursache, sich als von Paulo bezeichnet zu halten, wenn er sagt: als dem Tode übergeben; wir sind geachtet wie die Schlachtschafe, da er von Trübsal, Angst und Widerwärtigkeit redet. Grauen und Entsetzen würde uns überfallen, wenn uns die Martern geschildert würden, welche die Römisch-katholischen den Christen unseres Glaubens in Cabrieres und Meridol antaten, so dass sie ihre Brunnen mit Steine verstopften, die Gärten und Äcker verdarben, die Obstbäume all ihrer Kronen beraubten, und in der Mitte kappten, dass sie die Menschen, alt und jung und kleine Kinder in Scheunen zusammentrieben und sie sodann anzündeten, diejenigen aber, die den Flammen entsprangen, mit Spießen in dieselben zurückstießen. Hatte Zion da nicht Anlass zu klagen: der Herr hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen; zu fragen: ist der Herr mit uns, warum ist uns denn solches alles widerfahren? Und was meldet der Apostel, Hebr. 11, von Leuten, von denen er sagt: die Welt war ihrer nicht wert? Ist das nicht ein verwickeltes Rätsel der Vorsehung? Und wie geht es manchen teuren hochbegnadigten Kindern Gottes im Äußern? So, dass sie mit David sagen möchten: ich bin zu Leiden gemacht. Ich sah Fürsten zu Fuße gehen, wie Knechte. Davon ist denn nun eben nichts Besonderes zu reden, denn es geht im Äußern häufig dem Frommen wie dem Gottlosen, und Salomo war der Einzige nicht, der Gerechte sah, denen es ging, als hätten sie Werke der Gottlosen, und Gottlose, denen es ging, als hätten sie Werke der Gerechten. Merkwürdig aber ist es, dass es zuweilen Personen von der Zeit anfängt übler zu gehen, da sie anfingen, gottselig zu werden. Jesus begegnet ihnen mit einem schweren Kreuz, da sie vom Felde kamen. Diese äußerlichen Leiden können allerdings wohl sehr selbst verschuldet sein und die Frage: womit habe ich das verdient? ist nicht jedenfalls verwerflich. So wir uns selbst richten, so werden wir nicht gerichtet. Du bist arm. Aber du bist vielleicht auch nicht sparsam, nicht haushälterisch, nicht fleißig, verwundere dich denn nicht; du bist kränklich vielleicht eine Wirkung früherer Sünden und Ausschweifungen. Ihr Sünder, geht in euer Herz, demütiget euch unter die gewaltige Hand Gottes. Vielleicht hast du ein so hartes, unbändiges Herz, dass solche harte Schläge und empfindliche Stöße dir notwendig und heilsam sind. Es ist deiner Bosheit Schuld, dass du so gestäupt wirst. Und vor Dir ist keiner unschuldig. Dennoch sind des Herrn Wege lauter Güte und Wahrheit denen, die sein Bund und Zeugnis halten.
Aber die Bürger zu Zion geraten auch wohl in innerliche geistliche Unstände. Wenn wir nun davon etwas sagen wollen, so können wir das nur mit einer gewissen Zurückhaltung tun, und müssen uns begnügen einige Andeutungen zu geben. Es ist eine schwere, aber auch unnötige Aufgabe, genau bestimmen zu wollen, wie weit ein Mensch in Licht und Gabe kommen könne und doch nur ein natürlicher Mensch sein, und auf der andern Seite, wie weit ein Mensch sinken und verfallen könne, und sein und bleiben doch ein Kind Gottes. Der Herr kennt die Seinen. Wir sind im Ganzen angewiesen, die Bäume, wenn wir sie ja beurteilen wollen an den Früchten zu erkennen. Wer kann das aber im Winter? Es gibt aber einen Verfall in der Erkenntnis. Und wenn Christus von Zeiten redet, wo, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführt würden, so liegt in dieser Ausdrucksweise zwar eine vollkommene Sicherstellung im Ganzen, im Einzelnen aber lässt sich doch nicht bestimmen, inwieweit auch ein Kind Gottes mit in allerlei Irrtum verflochten werden kann. Ein Augustinus, den wir mit Recht als einen hocherleuchteten Heiligen ehren - verstand die Lehre der Rechtfertigung doch nicht, und verwechselte oder vermengte sie mit der Heiligung, obschon er dem freien Willen nichts einräumte. Und wegen der Korinther war Paulus besorgt, dass nicht, wie die Schlange Eva verführte mit ihrer Schalkheit, also auch ihre Sinne verrückt würden von der Einfältigkeit in Christo. Es gibt neuerungssüchtige Menschen, denen das Alte nicht genügt, und die etwas Neues auch in der Religion sagen und hören wollen; es gibt lesesüchtige Menschen ohne Prüfungs-Geist, deren Herz noch nicht festgeworden ist, die sich also hin und her werfen lassen durch allerlei Wind der Lehre und so je länger je unfester werden; es gibt ungedemütigte Menschen, die solche Verstellungsarten lieben, die ihrer Eigenliebe und Selbstruhm noch etwas vorbehalten und einräumen; es gibt Vernünftlinge, die ihre eigene Meinungen und Gedanken zu Richtern auch im Geistlichen machen wollen; viele stecken voll Vorurteile, so dass nur der Name dessen, der etwas behauptet, genannt werden darf, um die wichtigsten Wahrheiten verdächtig zu machen. Diese sind fleischlich, wie der Apostel die Korinther nennt. So lange jemands Natur also in voller Blüte steht, so lange das Messer der Beschneidung die Wasserschößlinge noch so wenig weggenommen hat, so lange Jemand seines Eigenen noch so voll ist, ist es ein deutlicher Beweis, dass er vor lauter eigener Weisheit noch tief in der Torheit steckt, Menschen wie Bäume wandeln sieht, und es bedarf, dass Jesus ihm die Hände nochmals auflege. Lasst uns aber die beiden Hauptstücke des Christentums wohl verstehen lernen, nämlich Sünde und Gnade.
Es gibt auch einen Verfall und Unstand des Lebens, der Einzelne in Zion treffen kann. Ich will jetzt nicht von Sündenfällen reden, die, wie das Wort Gottes selber lehrt, so wenig beweisen, dass jemand ohne Gnade sei, als ein natürliches Fallen beweist, dass jemand lahm sei. Jedenfalls sind aber solche Fälle etwas sehr gefährliches, etwas sehr beklagenswertes, böse Zeichen, und umso böser und gefährlicher, wenn ein solcher leichtsinnig, frech, sicher wird. Es ist Gefahr vorhanden, dass ein solcher verstockt werde durch Betrug der Sünde, und er beweist, dass es um sein Inneres nicht gut steht, vielleicht nie gestanden hat und er nicht befugt ist, sich für einen Bürger zu Jerusalem zu halten, sondern vielmehr zu bedenken, wovon er gefallen ist und Buße zu tun.
Es gibt aber noch einen Unstand anderer Art, wo die Seele mehr ihrer Meinung und Gefühl nach, als in der Wirklichkeit in Verfall geraten ist. Dies begegnet vornehmlich solchen Seelen, welche mit besonderen Gnadengaben geschmückt wurden, und denen sie entzogen wurden, sei es nach einem vorherigen Versehen, sei es ohne solche Verschuldung. Sie hatten etwa ein ausnehmendes Licht und sahen den herrlichsten Wahrheiten auf eine entzückende Weise gleichsam bis auf den Grund. Nun aber ist das Licht ihrer Augen nicht mehr bei ihnen, und sie können kaum ein wenig schimmern sehen. Sie befanden sich in einem so kräftigen Glauben, dass sie sich den ganzen Christum, in dem alle Verheißungen Ja und Amen sind, ohne alles Bedenken und mit Freudigkeit zueignen konnten, was sie jetzt nur mit zitternder Hand und das noch kaum dürfen. Sie genossen so reiche Tröstungen und fühlten sich von denselben so durchdrungen, dass sie die bekümmerten Christen nicht wohl ertragen konnten und nicht anders dachten, als ihr weiterer Weg werde kein anderer, als der im 23. Psalm bezeichnete sein, dass sie ausrufen zu dürfen glaubten: ich werde nimmermehr darnieder liegen. Sie erkannten und hielten sich als in Christo so gerecht und heilig, als hätten sie nie eine Sünde begangen noch gehabt, und hatten Freudigkeit auch auf den Tag des Gerichts. Sie wurden auch reichlich gewahr, dass sie eben damit auf dem rechten Boden standen, wo die Heiligung und Gottseligkeit am besten und leichtesten vonstattengeht, wo Jesu Joch wahrlich sanft und seine Last leicht wird, der alte Feind zu meinen Füßen liegt. Dabei war nun der Gedanke, es werde nicht nur so bleiben, sondern auch alle Tage herrlicher werden. Aber wie hat sich das so betrübt verändert. Aus dem Schmuck ist Asche geworden und Traurigkeit, aus dem Freudenöl und aus den schönen Kleidern ein betrübter Geist. Das ist ein ganz betrübter Stand, der Empfindung nach, nützlich aber in seinen Wirkungen, verschieden in seinen Staffeln, so wie in seiner Dauer.
Er dauert aber fort, so lange er soll. Alle eigenen Bemühungen, sich herauszuwinden, schlagen fehl. Jerusalem ist gefangen. Sie sitzt im Staube. Sie liegt da, die heilige Stadt, im Kot. Ihr Hals ist in Banden. Es dauert aber, bis ihr geboten wird: mache dich auf und werde Licht, denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir, bis ihr geboten wird. Jesaja 52, 1. 2. O! welch ein liebliches Gebot. Wie wendet sich durch dasselbe alles wieder um, so dass ihr nun wieder Schmuck für Asche und Freudenöl für Traurigkeit und schöne Kleider für einen betrübten Geist zu Teil werden. Zion zeucht seine Stärke an, so dass es stark wird aus der Schwachheit, ja alles vermag durch den, der es mächtig macht, Christum. Es schmückt sich herrlich, indem es gekleidet wird mit Kleidern des Heils und angetan mit dem Rock der Gerechtigkeit. Es befindet, dass Gott es für eine heilige Stadt anerkennt, und es hält sich auch dafür. Dem Simson wachsen seine Haare wieder und wehe nun den Philistern. Die Bitte des Psalmisten 119, 28 wird erfüllt: stärke mich nach deinem Wort.
So blüht Israel wie eine Lilie, wenn der Herr ihm ist wie ein Tau, Hosea 14, 6. Aus mir wird deine Frucht hervorgehen. V. 9.
Prüft euch nun selbst. Was seid ihr? Wo gehört ihr hin? Seid ihr in der Geburt stecken geblieben? Ist allerhand in euch vorgegangen, etwa schon bei der Konfirmation? aber was ist daraus geworden? Hat euch niemand gedingt und steht deswegen noch unschlüssig am Markt? Seid ihr Wolken, aber ohne Regen, zweimal erstorbene Bäume? O! kehre wieder, kehre wieder. Seid fleißig und tut rechtschaffene Früchte der Buße.
Seid ihr noch tätig, noch an einem ernstlichen Bitten, Suchen, Anklopfen? Wohlan, tut allen euren Fleiß daran, euren Beruf und Erwählung fest zu machen. Bittet, so wird euch gegeben, sucht, so werdet ihr finden, klopft an, so wird euch aufgetan, klopft immer heftiger, bis euch wirklich aufgetan wird.
Seid ihr in einen wirklichen Verfall geraten, wohl euch, wenn ihr euch das selbst gesteht, wenn es euch bekümmert macht, wenn es euch geht, wie Gott beim Jeremias fragt: wo ist jemand, so er fiele, der nicht gern wieder aufstünde? Fällst du, stehe eilend auf.
Bist du ein klagendes Zion: mache dich auf, mache dich auf, Zion, zeuch deine Stärke an. Mache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir. Amen.