Krummacher, Gottfried Daniel - Die Wanderungen Israels durch die Wüste nach Kanaan - Fünfundachtzigste Predigt. Elizaphan rc.

Eingang.

Gelobet sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergeboren hat zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das uns behalten wird im Himmel, Euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, welche zubereitet ist, dass sie offenbart werde zu der letzten Zeit, so schreibt Petrus, 1. Petri 1, 4. Als den Ursprung all des Guten wahrer Christen nennt er Gott, den Vater unseres Herrn Jesu Christi. Er bezeichnet besonders die Barmherzigkeit Gottes als die Quelle all des Guten, welche Barmherzigkeit sich an Elenden erweist, die kein Verdienst noch Würdigkeit besitzen. Groß nennt er sie, wegen der Größe des Elendes, wovon sie befreit und wegen der Herrlichkeit, die sie schenkt, so wie wegen des anbetungswürdigen Weges, in welchem sie uns zugewandt worden ist. Das Gut ist ein Erbe, und zwar ein unvergängliches, da sonst nichts besteht, es vergeht was alles, weltlich, immer gleich frisch und anmutig, unbefleckt mit Sünden. Zu diesem Erbe schenkt Gott auch den erwählten Fremdlingen nach der Vorsehung Gottes des Vaters durch die Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Besprengung des Blutes Jesu Christi, die Tüchtigkeit in der Wiedergeburt, ohne welche niemand das Reich Gottes sehen kann. Dies Erbe hat zwei köstliche Eigenschaften. Die erste, es wird für uns behalten oder verwahrt im Himmel. Freilich hier auf Erden müssen wir uns mit dem Recht daran und mit der Hoffnung genügen lassen und den Vollgenuss nicht begehren. Aber es ist sicher. Nichts kann dies Erbe rauben. Es ist in festen Händen. Die zweite vortreffliche Eigenschaft ist die, dass die Auserwählten auch aus Gottes Macht bewahrt werden zur Seligkeit. Die Seligkeit ist durch Christum bereitet, um zur letzten Zeit offenbart zu werden. Aber welche Ungewissheiten und Gefährlichkeiten liegen zwischen heute und dann. Auch die Schwierigkeit ist gehoben, denn hier ist die Macht Gottes auf die Seite wahrer Christen getreten. Sie, sie ist es, die, da wir mit einem Heerlager, wie in einer Burg, uns bewahrt, und das gewährt doch die höchste Sicherheit. Durch den Glauben, wird hinzugesetzt. Durch den Glauben, die Zuverlässigkeit Gottes, der euch bewahren kann, so wie er auch euren Glauben bewahren wird und muss.

Darauf hat der Name Elizaphan Bezug, von welchem wir in dieser Stunde noch ein Mehreres reden werden.

Text: 4. Buch Mosis 34, 25. .

Dies ist der Name des sechsten derjenigen Männer, die den göttlichen Auftrag hatten, den Kindern Israel ihr Erbe im Lande Kanaan auszuteilen, deren Name wir in alphabetischer Folge zu betrachten unternommen haben. An diesen Namen ist uns an sich weiter nichts gelegen. Wir finden aber in der Bedeutung derselben angenehme Winke, was es eigentlich sei, das auch uns zum Besitz des Erbes in dem himmlischen Kanaan führt. Wir finden deutlichen und ausführlichen Unterricht darüber in der Schrift; aber da derselbe sich auch hinter diesen Namen versteckt, so entfalten wir die Schale um ihres süßen Kerns willen gern und mit Vergnügen und so auch diesen sechsten Elizaphan. Unsere Betrachtung zerfällt in zwei Abteilungen. Die erste bildet das Wort Eli, die andere das Wort Zaphan.

Das Wort Eli kennt und versteht ihr ohnehin. Der Herr Jesus hat es einmal selbst gebraucht, und zwar unter den schauerlichsten, entsetzlichsten Umständen nach Leib und Seele, nämlich nach den drei Stunden, die er im tiefsten Stillschweizen in der Verlassung von seinem Gott am Kreuz zubrachte, da die Sonne ihren Schein verloren hatte. So war es 1000 Jahre vorher im 22. Psalm von ihm geweissagt worden, und es ist auch das merkwürdige dabei, dass dies die einzige Stelle in der ganzen Heiligen Schrift ist, wo dieses Wort Eli zweimal nacheinander gebraucht wird.

El, wie ihr wisst, heißt auf Deutsch Gott und deutet hauptsächlich auf seine Kraft und Stärke. Der Buchstabe i heißt in der hebräischen Sprache mein, Eli also: mein starker Gott. Dies Wort ist also ein Wort des Glaubens; derselbe spricht das zueignende mein aus. Er eignet sich Gott, er eignet sich namentlich den Sohn Gottes Jesum Christum zu mit aller seiner Kraft und Stärke, mit allem seinem Verdienst, mit seinem Gehorsam und Leiden. O! dies mein ist das schwerste Wort auszusprechen, obschon es im Hebräischen nur ein Buchstabe, nämlich der Selbstlauter i ist. Das Wörtlein unser ist schon leichter, und oft versteckt sich der Un- oder Schwachglaube dahinter, der hervortritt, wenn aus dem unser ein mein werden soll. Zu sagen: Christus ist für uns gestorben, hat nicht so viel zu bedeuten, als wenn man sagen soll: Christus ist für mich gestorben. Zu sagen: Er hat uns geliebt, das geht noch wohl; aber von weit größerer Bedeutung ist, von Herzen zu sagen: Er hat mich geliebt und sich selbst für mich gegeben. Ohne dies zueignende Vermögen ist aber doch alles nichts. Ich muss sagen dürfen und können, dass nicht allein andern, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt sei. Das ist nicht leicht, das ist schwer, ja unmöglich, mit freudiger, völliger Zuversicht, ohne Furcht und Zweifel auszusprechen. Alle Anstrengungen sind da fruchtlos, und statt des mein, will immer ein nein heraus. Und wem es noch nicht schwer, ja unmöglich worden ist, hat Ursache an der Richtigkeit seines Glaubens zu zweifeln. Nicht wir selbst, sondern der Heilige Geist ist es, der das Vertrauen des Evangeliums in dem Herzen wirkt, wo, so oft, wie lange, und in welchem Maße es ihm gefällt, wie wohl ihm seine Gaben und Berufungen nicht gereuen. Alsdann ist auch das Zueignen eine ungemein leichte Handlung, die gar keine Anstrengung und Mühe verursacht, sondern wie von selbst und so natürlich erfolgt, dass ungeübte Seelen wohl glauben, es könnte nie anders werden, und wohl auf andere verdrießlich werden, bei denen es mit dem Glauben so nicht fort will. Aber sie wird es selbst noch wohl anders erfahren. Das Zueignen durch den Glauben ist eine unaussprechlich wichtige Handlung. Alles hängt davon ab. Ohne Glauben ist es unmöglich Gott zu gefallen, durch den Glauben aber wird man gerecht, heilig und selig. Wer glauben kann, kann alles, was erforderlich ist. An diesem einfachen i, mein, hängt alles; das macht reich, stark, fröhlich. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wohl mit Recht vergleicht der Apostel Petrus den Glauben nicht nur dem köstlichen Golde, das mit Feuer durchläutert ist, sondern zieht ihn weit vor und sagt: er werde viel köstlicher befunden werden. Will jemand wahrhaft reich werden, so werde er gläubig. Das ist aber Gottes Werk, dass ihr glaubt an den Namen seines Sohnes.

Das Wörtlein oder die Silbe i, mein, ist ferner eine Bezeichnung der Liebe. In dieser Bezeichnung sagts David im Anfang des 18. Psalm achtmal. Der Glaube ist unausbleiblich tätig in der Liebe, und je gewisser der Glaube erkennt, dass das die Liebe nicht ist, dass wir ihn geliebt haben, sondern dass er uns zuerst geliebt, desto lauterer und inniger ergießt sich die Liebe. Und was ist seliger, als völlig im Glauben und brünstig zu sein in der Liebe. Wie leicht wird dann alles, was sonst zu schwer sein würde. Und wie viel tausend haben schon durch die Liebe Christi gedrungen, mit Freudigkeit ihr Hab und Gut, ihre Freiheit und ihr Leben selbst in den grausamsten Tod gegeben, und haben es mit Freuden getan, und wie viele haben eine volle Bereitwilligkeit gefühlt, gleiches zu tun und zu leiden, wiewohl ihnen die Gelegenheit dazu nicht verliehen wurde. Und wohin sind denn die Gedanken, die Neigungen und Begierden wahrer Christen gerichtet, als zu Jesu, mag es auch nicht immer in derselben Lebhaftigkeit sein. Ja, komm Herr Jesu! ist ihr Flehen. Wenn ich nur dich habe, ihr Bekenntnis. Das i, das mein drückt auch die Hoffnung aus. Das Beste, das Eigentliche, das Rechte ist noch zurück, ist noch vorhanden. Gott ist ein Gott der Hoffnung. Wir sind wohl selig, aber in der Hoffnung. Es ist noch nicht erschienen, wir wissen aber, dass es erscheinen wird. Er hat uns erlöst, er erlöst uns noch täglich und so hoffen wir auch, dass er uns erlösen werde. Wir sehen auf das Unsichtbare, denn das ist ewig, und halten dafür, dass unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maße wichtige Herrlichkeit. Er hat uns wiedergeboren zu einem unvergänglichen, unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel.

Dies leitet uns zu dem zweiten Teil unserer Betrachtung, der in dem Worte Zaphan liegt.

Was heißt denn Zaphan auf Deutsch? Es heißt bergen, verbergen, aufheben, verwahren. Lasst mich einige Stellen anführen, wo dies Wort vorkommt. Es wird gebraucht von der Mutter des kleinen Moses 2. B. Mos. 2: sie verbarg ihn 3 Monate, und sah nun, dass sie ihn nicht länger verbergen konnte. So heißt es auch Josua 2 von der Hure Rahab, sie habe die israelitischen Kundschafter auf dem Dache verborgen unter die Flachsstängel; dies war ein schützendes Verbergen. David braucht dieses Wort Zaphan auch Psalm 27, 4: Er verbirgt mich heimlich in seinem Gezelt, und Psalm 31: Du verbirgst die, die dich fürchten, und vor den Leuten auf dich trauen, heimlich bei dir vor Jedermanns Trotz, und Ps. 83 nennt er des Herrn Volk seine Verborgene. Sie machen listige Anschläge wider dein Volk, und ratschlagen wider deine Verborgenen. Ich führe diese Stellen an, damit die Bedeutung des Worts Zaphan desto deutlicher hervortrete. Es deutet auf ein weglegen, aufheben, verwahren, so wie auf einen Schatz, so dass man den Namen Elizaphan so übersetzen möchte: mein Gott hat als einen Schatz aufgehoben. Wahrlich ein schicklicher Name für einen Austeiler des ewigen Erbes im himmlischen Kanaan.

Wir sagen denn erstlich: Elizaphan, Gott verbirgt. Er verbirgt wohl sich selbst vor seinen Kindern. Darüber hören wir wohl ihre Klagen: wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? ihre Bitte: verbirg dein Antlitz nicht vor mir, ihre Äußerung: Da du dein Angesicht verbargst, erschrak ich. Dies ist ein Seelenleiden, ein empfindlich Leiden, ein Leiden, das nur Gottes Kindern bekannt ist, die da geschmeckt haben, dass der Herr freundlich ist. Es ist, wie wenn im Natürlichen nach schönen Tagen eines lieblichen Sonnenscheins unangenehme Stürme, Hagel und Regenschauer eintreten, und Wolken und Nebel eine Zeitlang das liebliche Angesicht der Sonne verbergen. Freilich gehört auch dies zu der Tüchtigmachung, zu dem Erbteil der Heiligen im Licht, und hat seinen großen Nutzen, wenn es gleich schmerzhaft ist. Es dient dazu, die Kostbarkeit der holdseligen Strahlen des göttlichen Angesichtes zu erheben, dass sie desto höher geschätzt, desto sorgfältiger bewahrt, desto dankbarer genossen worden. Gott verbirgt auch wohl sein Vorhaben, wie Jesus zum Petro sagte: was ich jetzt tue, weißt du nicht. Er meinte das vom Fußwaschen; das schien dem Petrus eine ganz widersinnige Handlung, zumal da sein Herr und Meister dieselbe verrichten wollte. Solltest du mir die Füße waschen, du mir? Der Abstand ist allzu groß. Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen. In ähnliche Lagen kann der Christ noch kommen, wo er, bei einer gründlichen Übergabe an den Herrn, seinen Augen des Herrn Wege soll wohlgefallen lassen. Wann verbarg der Herr sein Vorhaben mehr, als in den Stunden des Leidens Jesu. Kein Mensch verstand es, und doch geschah in diesen finsteren Stunden das größte Heil. Sein Fuß ist nicht selten in tiefen Wassern und sein Pfad im Meere. Die Kirche hat im Ganzen, wie in ihren einzelnen Gliedern oft Wege zu durchwandeln, wo sie auch fragen möchte: ist der Herr mit uns; warum ist uns denn solches alles widerfahren? warum hast du uns das getan? Besehen wir Jakobs Wege, warum muss er in so langer Trauer leben? warum findet sich Joseph nicht bewogen, etwas von sich hören zu lassen? Überhaupt ist die Frage: warum? uns häufig zu hoch, und uns zu raten, da zu glauben, wo wir nicht sehen, an einen zwar Alles wohlmachenden, aber unbegreiflichen Gott zu glauben. Je wunderlicher der Anfang, desto herrlicher der Ausgang. Von hintennach sollst du mich sehen. Meinen wir, den Weg Gottes erraten zu haben, und ihn im Voraus zu sehen, so machts sich doch plötzlich gar anders. Es geht links, da wir rechts meinten, bergauf, da wir bergab meinten. Am besten lässt man sich selbst und alles das Seine fahren, geht mit Abraham aus, ohne zu wissen wohin, jedoch aus Glauben in Glauben. Aber wer ist dazu tüchtig? Gott ist es, der uns tüchtig macht.

Gott verbirgt auch wohl seine Freundlichkeit, sowohl was den Blick, als den Genuss anbetrifft. Der 136. Psalm rühmt in seinem 26. Vers eben so oft, dass der Herr freundlich sei und seine Güte währe bis in Ewigkeit; Hiob aber klagt: Du bist mir verwandelt in einen Grausamen. Es war noch nicht lange hin, dass Maria gesungen hatte: meine Seele erhebt den Herrn, denn Er hat seine elende Magd angesehen, so hieß es auch zu ihr: ein Schwert wird durch deine Seele dringen. Auch der neue Mensch hat seine Zeit, wo er sich verbirgt und sich seiner selbst so nicht bewusst ist, wie zu andern Zeiten. Der Herr Jesu selbst fragte seine Jünger einmal: wo ist euer Glaube? Er hatte sich so versteckt, dass man ihn bei ihnen gar nicht bemerkte, wohl aber den Unglauben, der sich ängstigte und schrie vor Furcht. Er sagte einmal zu ihnen: wie? dass ihr so unverständig seid. Der neue Mensch aber besteht einesteils in der Weisheit des Verstandes, so wie andernteils in der Heiligung des Willens. Er war also recht verborgen bei ihnen. Wenn David klagt: das Licht meiner Augen ist nicht bei mir, so meint er schwerlich das natürliche Augenlicht, sondern vielmehr das geistige, und wenn er klagt: ungerechte Dinge haben die Oberhand über mir, so deutet dies sicher nicht auf einen blühenden Zustand in der Heiligkeit, sondern vielmehr auf einen Zustand, den die Kirche in den Worten ausdrückt: Herr, unser Gott, es herrschen wohl andere Herrn über uns, denn du; aber wir gedenken doch allein deiner und deines Namens. Jes. 26, 13; oder, wie Paulus es ausdrückt: Ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte, und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in meinen Gliedern. Röm. 7, 23. Dagegen gibt's auf solche prächtige Seelenzustände, wo die Gnade herrscht im Leben, und wo der neue Mensch hervorbricht wie die Morgenröte wo der alte Feind zu meinen Füßen liegt, und das wäre freilich meines Herzens Lust, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben konnte.

Lasst uns aber das Wort Zaphan noch in einigen andern Beziehungen erwägen. Und da haben wir vernommen, dass im 83. Psalm die Gottseligen deine Verborgenen genannt werden. Dies steht in Verbindung mit Kol. 3, 3, wo es heißt: euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott, und weiter: wann aber Christus euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden, mit ihm in der Herrlichkeit. Sind die wahren Christen manchmal sich selbst verborgen, dass sie gefragt werden: kennst du dich nicht, du Schönste unter den Weibern? sind sie manchmal einer dem andern verborgen, dass sie sich gegenseitig nicht verstehen, und fragen möchten, wie Josua jenen Mann, der mit einem bloßen Schwert gegen ihn übertrat, fragte: gehörest du uns an oder den Feinden? (5, 13) wie vielmehr werden sie der blinden Welt Rätsel sein! Ja, sie sind wirklich Wunder. Christus ist ihr Leben; dies Leben ist in ihnen, und auch nicht in ihnen, sondern in Gott verborgen. Es wird aber nicht verborgen bleiben, sondern in der Herrlichkeit offenbar werden, aber nicht eher, als bis Christus selbst in der Herrlichkeit offenbar werden wird, dann werden sie leuchten wie die Sonne, ja der Mond wird sich vor ihnen als armselig schämen und die Sonne mit Schanden bestehen vor ihrer Herrlichkeit, nach Jesajas 24, 23. Mag dann die Welt ratschlagen wider deine Vorborgenen!

Ferner haben wir aus den Psalmen vernommen: Gott verberge die Seinen vor jedem Trotze. Er bewahrt sie. Er tut das teils im Ganzen, teils in einzelnen Besonderheiten. Im Ganzen verbirgt, das ist, bewahrt der Herr die Seinen vor jedem Trotze in dem Stand der Gnade, wovon er ihnen in seinem Worte und sodann auch in ihrem Herzen eine süße Versicherung gibt. Dies köstliche Kleinod der Lehre, nach welcher die Gläubigen im Stande der Gnade beständig bewahrt werden, wodurch ihr Stand besser ist, als der Stand Adams vor dem Falle war, ist der reformirten Kirche anvertraut, da außer derselben noch überall die Möglichkeit des Ab- und Rückfalls behauptet wird. Und warum? Ich lasse den seligen Pastor Merken darauf antworten, welcher sagt in seiner Katechisierung: weil man außer der reformirten Kirche überall noch was dem freien Willen zuschreibt, und was ist veränderlicher und zuverlässiger als der? Was wäre aber auch der Gnadenstand, wenn die kräftige Bewahrung daran fehlte? Dann fehlte in der Krone die edelste Perle, und dem Golde sein eigentlicher Gehalt, nämlich die Unzerstörbarkeit. Das ist aber der Wille des Vaters, dass ich nichts verliere von dem, was er mir gegeben hat, sondern es auferwecke am jüngsten Tage. Im Besondern wirds aber auch wohl auf merkwürdige Weise kund, wie der Herr die Seinen verbirgt vor dem Trotze. Ist es wohl anders begreiflich, dass Luther, Calvin und andere eines natürlichen Todes starben, da sie die ganze Welt zu Feinden hatten, und besonders das arglistige Italien. Durch welche merkwürdige Mittel erhielt Gott manchen seiner Knechte, z. B. den Dichter verschiedener unserer Kirchenlieder, Neander, der vor seinen Verfolgern, den Spaniern, in eine Scheune flüchten musste, tut sich da zu verstecken, wo jeden Morgen ein Huhn kam und ein Ei dahinlegte, das einzige Nahrungsmittel, was dem lieben Manne übrig blieb, und ihn am Leben erhielt. Ein Anderer, Namens Junius, musste auch vor den Spaniern in Brabant flüchten, die ihm nachsetzten. Dieser wurde durch einen grimmigen Hund gerettet, der ihn anfiel, und so übel zurichtete, dass er seine Flucht einstellen und einen Wundarzt brauchen musste. Die Spanier, die von diesem Umstande nichts wussten, eilten durch das Dorf, wo Junius lag, der dadurch Zeit gewann, sich heilen zu lassen und zu entkommen. Also Elizaphan - mein Gott, der mich verbirgt, dass kein Unglück mich trifft oder mir schadet.

Endlich bezeichnet der Name Elizaphan: mein Gott hat als meinen Schatz aufgehoben. Seht also, wie geeignet derselbe sei, das Erbe im himmlischen Kanaan auszuteilen. Er ist El, der starke Gott. Er ist Eli, mein Gott, vermöge des ewigen Gnadenbundes, kraft des Opfers Christi. Er ist Zaphan, der mich schützend verbirgt, und der mir meine Beilage bewahrt bis auf jenen Tag.

Glückseliges Israel, wie gewiss wirst du zum Besitz des himmlischen Kanaans gelangen, da dessen Verteilung solchen Personen anvertraut ist, zu dem unvergänglichen, und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel. Amen! Gelobt sei Gott.

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