Hauber, Friedrich Albert - Predigt am Fest Trinitatis

Hauber, Friedrich Albert - Predigt am Fest Trinitatis

von Prälat Hauber in Ludwigsburg.

Ev. Matth. 28, 18-20. (II. Jahrgang.)
Und Jesus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und lehrt alle Völker, und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Geliebte in dem Herrn! Diesen Worten, welche wir aus dem Evangelium gehört, verdanken wir Alle, dass wir Christen sind, dass wir getauft sind, unterrichtet sind, dass wir den wahren Gott erkennen, den Weg des Lebens wissen und eine gewisse Hoffnung des ewigen Lebens haben. Diese große, unschätzbare Wohltat, wir verdanken sie dem großen Missionsgebot, welches Jesus vor seinem Scheiden aus der sichtbaren Welt seinen Jüngern ans Herz gelegt, auf ihr Gewissen gebunden hat: Geht hin und lehrt alle Völker.

Sie haben es befolgt, und sind als Apostel seines seligen Evangeliums ausgegangen, es zu verkündigen aller Kreatur. Und so ist dieses Evangelium auch zu uns gekommen und dürfen wir uns allesamt erquicken an der frohen Botschaft der Versöhnung und des Heils. Dafür sei Er gepriesen, der auch unser gedacht und uns berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.

Es enthält aber das Gebot unseres Heilandes, womit er seine Apostel hat ausgehen heißen zu allen Völkern, sie zu seinen Jüngern zu machen, zugleich auch die ganze Lehre des Christentums in wenige bedeutungsvolle Worte eingeschlossen, denn da er spricht: Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, spricht er den Hauptinhalt des Glaubens aus, auf welchem die Christenheit steht, des Glaubens an den dreieinigen Gott, Vater, Sohn und Geist. Alle einzelnen Lehren des Evangeliums fließen aus dieser Grundlehre, haben ihr Licht aus der Erkenntnis des dreieinigen Gottes und beleuchten dieselbe wiederum.

Daher, indem wir heute das Fest der Dreieinigkeit feiern, will uns unser Festevangelium dazu anleiten, dass wir uns mit dankbarem Sinne unseren ganzen Christenglauben vergegenwärtigen, und das lasst uns jetzt mit Gottes Hilfe tun und eine volle Antwort suchen auf die Frage:

Was glauben wir Christen?

Wir Christen glauben an den Gott, auf welchen wir getauft sind, und getauft sind wir nach dem Gebot Christi im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Also wir glauben an den dreieinigen Gott.

In diesem Glauben finden wir fürs Erste einen ahnenden Einblick in das Geheimnis der Gottheit; wofür freilich unser menschliches Denken und Sprechen keine vollkommene Ausdrücke hat. Es ist Ein göttliches Wesen, das halten wir fest wider alle heidnische Vielgötterei - aber in diesem Einen göttlichen Wesen sind Unterschiede, Personen, und wenn auch die Heilige Schrift selbst diesen Ausdruck nicht gebraucht, so spricht sie doch so von Vater, Sohn und Geist, dass wir's nicht anders zu bezeichnen vermögen. Das Tiefste, was uns hierüber gesagt ist, steht im Eingang des Evangeliums Johannis zu lesen und lautet also: Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Also bei Gott ist das Wort und ist Gott - nebeneinander stellt so Johannes Gott und das Wort und nennt zugleich doch das Wort Gott also ein Unterschied, und dennoch das Wort, das von Gott unterschieden wird, im Wesen Gott. Von diesem Wort aber verkündigt Johannes weiter: Es ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater. Und wie vom Wort und Sohne, so redet auch die Schrift vom Heiligen Geiste, dass sie ihn unterscheidet vom Vater und Sohn und zugleich ihm den göttlichen Namen gibt.

So wird uns ein Einblick in das Geheimnis der Gottheit gegeben, daran wir viel zu denken haben und denken es doch nicht aus, sondern stehen davor mit gläubiger Ahnung und warten der vollkommenen Einsicht in einem höheren Zustand mit dem Apostel, der da spricht: Jetzt erkenne ich's stückweise, dann aber werde ich's erkennen, gleichwie ich erkannt bin.

In solchem Glauben an den dreieinigen Gott finden wir aber neben dem, was uns hier zu denken und zu ahnen gegeben wird, eine Befriedigung für das Bedürfnis unseres Herzens und Lebens, und das ist ja gewiss das allerwichtigste und gesegnetste.

Was bedarf ein Mensch für Leben und Sterben? für sein Arbeiten, Ringen und Kämpfen? was bedürfen wir, dass wir mutig und getrost durch diese Welt gehen können? Wir bedürfen eines Gottes, der über uns ist, der bei uns und für uns ist, und der in uns wirkt. Und diesen Gott verkündigt uns das Evangelium Jesu Christi, auf ihn sind wir getauft im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. So haben wir denn einen Gott, der über uns ist, nämlich Gott Vater, den allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde. Ach, und wie deutlich und wie kräftig weist uns das Wort des Sohnes zu diesem Vater! Das Gebet, das er uns gelehrt, hebt ja also an: Unser Vater, der du bist im Himmel! Unser ganzes Vertrauen lehrt uns der Sohn auf die Liebe und Weisheit des himmlischen Vaters setzen, des Vaters, der alles weiß, was wir bedürfen, der für uns sorgt vor unserem und über unserem Sorgen, der die Vögel unter dem Himmel nähret und die Lilien auf dem Felde kleidet, und wir sind viel mehr denn sie vor seinen Augen. An diesen Gott, der über uns ist, weist uns das Evangelium Jesu Christi als an unseren und aller Welt Vater, und heißt uns an ihn glauben mit aller Zuversicht des Herzens.

Und warum vermögen wir an diesen erhabenen Gott über uns zu glauben und daraus Mut und Trost fürs ganze Leben zu schöpfen? Darum, weil wir glauben und wissen: Gott ist nicht nur über uns und aller Welt, sodann auch bei uns und für uns. Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, der eingeborene Sohn vom Vater ist Mensch und unser Bruder worden.

Das ist das tiefste unvertilgbare Bedürfnis des menschlichen Herzens; ich bedarf eines Gottes, der mir nahe ist und ich ihm, eines Gottes, mit dem ich umgehe und er mit mir. Aus diesem Bedürfnis heraus erklärt es sich, dass die Heiden sich ihre Götter gemacht haben, dass sie Menschen, Tiere, ja Bäume, Flüsse, das Meer, das Feuer, die Sonne, den Mond angebetet haben als Gottheiten; es war eine große Verirrung ihres Verstandes und die Ursache grober sittlicher Verirrungen, aber es war doch die Verirrung eines dem Herzen eingeborenen Triebes, des Bedürfnisses, Gott bei sich zu haben, ihn zu fühlen. Nun diesem Bedürfnis ist Gott entgegengekommen, der Sohn Gottes ist Mensch worden, es hat uns besucht der Aufgang aus der Höhe, Gott ist offenbart im Fleisch. Das ewige Licht ging da herein, gab der Welt einen neuen Schein. Siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen!

Und bei uns ist Gott als ein gnädiger, barmherziger Gott, dass wir nicht vor ihm uns fürchten müssen, sondern dürfen ein ganzes Herz zu ihm fassen, denn wir sind mit ihm versöhnt. Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber. Das ist der Sohn, in dessen Namen wir getauft sind und an den wir glauben, als an unseren Bruder und Versöhner, und wissen: der Gott über uns ist ein Gott für uns. Ist aber Gott für uns, wer mag wider uns sein?

Und auch dessen sind wir bedürftig, einen Gott zu kennen und zu haben, der in uns wirkt. Einen solchen verkündigt uns das Evangelium, daher der Apostel sprechen kann: Gott ist's, der in euch wirkt, beide, das Wollen und das Vollbringen. Dies göttliche Wirken aber geschieht durch den Heiligen Geist, davon im Evangelium vor acht Tagen Jesus bezeugt hat: Ich will den Vater bitten und er soll euch den Tröster geben, dass er bei euch bleibe ewig, der Geist der Wahrheit. Diesen Geist der Wahrheit nennt Jesus unseren Tröster, das ist unseren inwendigen Beistand; durch denselben sollen wir in unserer Gotteskindschaft befestiget werden, indem er uns inwendig antreibt, denn welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder; durch diesen Heiligen Geist lernen wir Jesum einen Herrn heißen,

Gott als unseren Vater anrufen; der Heilige Geist ist es, der uns inwendig richtet und züchtiget, wenn wir von des Herrn Wegen abweichen, der uns zur Gemeinschaft treibt mit allen Gläubigen und zur Liebe gegen Gott und Menschen, und der uns durch seinen kräftigen Beistand ermutigt zu einem rechtschaffenen Wesen und christlicher Tapferkeit, wie Paulus sagt: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Zucht und der Liebe. Und nun diese Drei, an die wir glauben, Vater, Sohn und Geist sie sind Eines Wesens; kein Zwiespalt ist zwischen dem Gott, der über uns ist, der für und bei uns ist, und der in uns wirkt, sondern es ist der dreieinige Gott, der unserem Gottesbedürfnis entgegenkommt, sich offenbart und uns versöhnt, sich uns mitteilt. Das ist der Gott, in dessen Namen wir getauft sind.

Aber nun lasst uns fragen: Ist das auch wirklich unser Glaube? Steht unsere christliche Überzeugung so fest, dass wir darauf leben und sterben können? Durchdringt dieser unser Glaube auch wahrhaft unsere Gedanken und Sinne, unser Tun und Lassen? Und ist er Stütze und Trost für uns bei unserer Anfechtung?

Da bemerkt, was heute Jesus hinzufügt, da er seine Jünger hingehen heißt, alle Völker zu lehren und zu taufen, er fügt hinzu: „Und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“

Lehrt sie halten, spricht er. Ja, seht, das ist erst der rechte und ganze Glaube, der ebenso, wie er sich an den dreieinigen Gott hält, auch bemüht ist, dieses Gottes Befehle zu halten und also das Leben nach Gottes Geboten einzurichten. Es gibt einen Glauben, der ist gar geschwinde, nimmt schnell an, was das Evangelium Beruhigendes, Tröstliches enthält, lässt sich die Sünden vergeben im Namen Jesu und dann ist er fertig. Was weiter im Evangelium zu lesen und zu lernen ist von gründlicher Umkehr und Heiligung, von guten Werken als den Glaubensfrüchten davon will man dann nichts wissen, nimmt die Gebote Gottes auf die leichte Achsel und denkt: Gott ist ja barmherzig, er wird nicht so genau mit mir rechnen.

Das ist aber dann nicht wahrer Glaube, sondern nur eine Meinung und eine gefährliche Meinung, denn sie leistet der natürlichen Trägheit Vorschub und schmeichelt den bösen Neigungen des Herzens.

Dieser gefährlichen Meinung, dieser fleischlichen Glaubenssicherheit tritt Jesus heute entgegen mit seinen Worten an die Apostel: Lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Jesus aber hat seinen Aposteln beides anbefohlen die frohe Botschaft zu bringen aller Welt von der Versöhnung der Welt mit Gott, dass wir nun dürfen Gottes Kinder heißen, und dann die Vorschriften für Gottes Kinder, wonach sie ihr ganzes Leben sollen einrichten. Da dürfen wir nur nicht scheiden und teilen, und dies herausnehmen, jenes aber bei Seite lassen, sondern lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe.

Und was Jesus uns anbefiehlt, das wissen wir. Ein neues Gebot gebe ich euch, spricht er, dass ihr euch untereinander liebt: Ihr sollt barmherzig sein, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist. Ja vollkommen sollt ihr sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Und wir sollen darauf nicht bloß hören, was er uns mit ausdrücklichen Worten befiehlt, sondern auch sehen, was er mit seinem heiligen Vorbild uns befiehlt, dies alles sollen wir lernen halten.

Aber darum wird oft unser Glaube so schwach und werden wir kleinmütig, verzagt, von Zweifeln angefochten, weil wir oft so lässig sind im Halten dessen, was Jesus uns befohlen hat. Das ist die Hauptursache, warum so Viele, welche noch den Christennamen tragen, sich wider die Lehren der Offenbarung sträuben. Sie halten eben die Gebote Christi nicht, wollen sie nicht halten; so wollen sie auch nichts halten von den Glaubenssätzen des Evangeliums und freuen sich darüber, wenn sie hören, dass der oder jener diesen Glauben angreift, das Evangelium verdächtigt und gering macht. Nun sagen sie freilich, es stehe eben Manches in der Schrift, was die Vernunft nicht begreifen, nicht annehmen könnte. Doch das ist nur eine Ausrede. O, die Welt glaubt eine Menge Dinge, die ganz und gar unvernünftig sind, es wimmelt in ihr von abergläubischen Meinungen, nichts ist so verkehrt, das nicht Beifall fände bei denen, die verkehrten Sinnes sind, und auf wie viele Dinge verlässt man sich, daraus ewig nichts wird, und fasst fort und fort Hoffnungen, die immer wieder zu Schanden werden. Also dies, dass im Evangelium Glaubenssätze seien, welche über unsere natürliche Vernunft gehen, das kann nicht die Hauptursache sein, warum man von Christus sich abkehrt, sondern der Ernst des Evangeliums ist es, es ist der heilige Sinn, den es atmet, der Anspruch, den es an uns macht, dass wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt das: Lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe davor scheut sich das natürliche Herz, und nimmt die schwierigeren Glaubenssätze zur Ausrede.

Es sind auch wirklich große Forderungen, welche da an uns gestellt werden, aber siehe, der Glaube ist's, der dazu immer wieder Mut machen kann; der Glaube an den dreieinigen Gott, Vater, Sohn und Geist, in dessen Namen wir getauft sind, der mit der Taufe uns hat angenommen, und als der allmächtige große Gott über uns, als der versöhnte Gott bei uns und für uns steht und mit seinem Heiligen Geist in uns wirken kann das Wollen und das Vollbringen.

Erst dann aber wird unser Christenglaube uns wirklich zu Stütze und Trost in aller Anfechtung dieses Lebens werden, wenn wir mit Gottes Hilfe auch damit Ernst machen, dass wir die Gebote Jesu halten. Vor solchem lebendigen Glauben wird nicht bloß die Mutlosigkeit des Unglaubens, sondern auch die Furcht des Aberglaubens weichen. Lasst mich nur ein Beispiel sagen, worauf uns heute Jesu Wort leiten kann: Er spricht zu seinen Jüngern: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Nun frage ich: wer das glaubt, dass Jesus alle Tage bei den Seinen ist, kann der auch noch einen Unterschied der Tage machen wollen und meinen, an diesem oder jenem Tag dürfe man keine Arbeit anfangen, keine Reise antreten, dürfe man in keinen neuen Dienst gehen? Ich sage, welcher Tag soll dir denn ungesegnet sein, wenn Jesus bei dir ist, auf deiner Reise, bei deiner Arbeit, in deinem Dienst? Wenn der bei dir ist, der da spricht: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden? Wer oder was vermag denn seiner Gewalt entgegenzutreten? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Fürwahr, ungesegnet ist kein Tag unseres Lebens für sich, ungesegnet sind nur die Tage, da wir unseren Gott und Heiland vergessen, da wir seine Gebote nicht halten, da wir unser Leben einrichten nach unserem eigenen Willen und Gutdünken, oder nach den sündlichen Gewohnheiten der Welt, anstatt nach dem Willen und Geboten Gottes. Nichts ist dem Menschen schädlich als Sünde tun, denn die Sünde ist der Leute Verderben. Mit Angst braucht Niemand zu leben, als wer mit einem bösen Gewissen leben muss; aber wer sich an seinen Gott und Herrn hält mit lebendigem Glauben, der kann frei und mutig an jedem Tag seinen Weg gehen, sein Werk ausrichten, denn er weiß: Der Gott über mir ist bei mir und für mich; Er, der große Gott, hat mir in der Taufe versprochen, mein gnädiger Gott und Vater zu sein; er ist treu, der es verheißen hat.

Und kommen dann die Tage, die uns nicht gefallen, dann halten wir uns an den, der bei uns sein will alle Tage bis an der Welt Ende, der also auch an den trüben und schweren Tagen, in denen kein Mensch uns helfen kann, bei uns sein wird. Das lehrt und dazu ermutigt uns unser Christenglaube. Und so wollen wir ihn bewahren und festhalten für Leben und Sterben und uns freuen, dass auch wir gelehrt und getauft sind im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, und danksagen dem Gott aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu. Er wolle uns vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Ihm sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

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