Gerok, Karl von – Andachten zum Psalter - Psalm 115.
(1) Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre, um deine Gnade und Wahrheit. (2) Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist nun ihr Gott? (3) Aber unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will. (4) Jener Götzen aber sind Silber und Gold, von Menschen-Händen gemacht. (5) Sie haben Mäuler, und reden nicht; sie haben Augen, und sehen nicht; (6) Sie haben Ohren, und hören nicht; sie haben Nasen, und riechen nicht; (7) Sie haben Hände, und greifen nicht; Füße haben sie, und gehen nicht, und reden nicht durch ihren Hals. (8) Die solche machen, sind gleich also, und alle, die auf sie hoffen. (9) Aber Israel hoffe auf den Herrn, der ist ihre Hilfe und Schild. (10) Das Haus Aarons hoffe auf den Herrn; der ist ihre Hilfe und Schild. (11) Die den Herrn fürchten, hoffen auf den Herrn; der ist ihre Hilfe und Schild. (12) Der Herr denkt an uns, und segnet uns; er segnet das Haus Israels, er segnet das Haus Aarons; (13) Er segnet, die den Herrn fürchten, beide Kleine und Große. (14) Der Herr segne euch je mehr und mehr, euch und eure Kinder. (15) Ihr seid die Gesegneten des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. (16) Der Himmel allenthalben ist des Herrn, aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben. (17) Die Toten werden dich, Herr, nicht loben, noch die hinunterfahren in die Stille. (18) Sondern wir loben den Herrn von nun an bis in Ewigkeit, Halleluja.
Es ist eines der merkwürdigsten und erhabensten Schauspiele der heiligen Geschichte, das uns vorgeführt wird im 18. Kapitel des ersten Buchs der Könige. Der Schauplatz ist die hohe Felsenplatte des Berges Karmel. Die Zuschauer sind Ahab, der König von Israel, und sein ganzes Volk. Die handelnde Hauptperson ist Elias, der Thisbit, die Feuerflamme des Herrn, der gewaltige Prophet des lebendigen Gottes, und ihm gegenüber 450 Baalspriester und falsche Propheten. Und auch hinter den Wolken handelt einer mit, der lebendige Gott selber, der Herr Himmels und der Erden. Den Gang jenes Schauspiels kennt ihr. Wie in jener bösen Zeit Elias seinem abgöttischen Volk zeigen wollte, welcher der lebendige Gott sei, Baal oder der Gott Israels; wie er zween Altäre errichten ließ auf dem Berge Karmel und zween Farren schlachten, einen für Baal, den andern für den Herrn Zebaoth; wie er den Baalspfaffen den Vorschlag machte: Ruft ihr an den Namen eures Gottes und ich will den Namen des Herrn anrufen; welcher Gott nun mit Feuer antworten wird, der sei Gott. Und das ganze Volk antwortete und sprach: Das ist recht. Und die falschen Propheten riefen an den Namen Baals von Morgen an bis Mittag und sprachen: Baal erhöre uns, und hinkten um den Altar. Aber es war da keine Stimme noch Antwort. Und Elia spottete ihrer: Ruft laut, denn er ist ein Gott; er dichtet oder hat zu schaffen oder ist über Feld oder schläft vielleicht, dass er aufwache. Und sie riefen laut und ritzten sich mit Messern nach ihrer Weise, dass Blut lief, und es ward Abend, aber da war keine Stimme noch Antwort. Da sprach Elia zum Volk: Kommt her alles Volk zu mir. Und heilte den zerbrochenen Altar des Herrn und baute ihn neu aus zwölf Steinen nach den zwölf Stämmen Israel und ließ Wasser gießen über den Altar und das Opferfleisch und das Opferholz, also dass noch die Grube um den Altar voll Wassers ward. Und trat zum Altar, breitete die Hände aus, betete und sprach: „Herr Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, lass heute kund werden, dass du Gott in Israel bist und ich dein Knecht, und dass ich solches alles nach deinem Wort getan habe. Erhöre mich, Herr, erhöre mich, dass dies Volk wisse, dass du Herr Gott bist, dass du ihr Herz danach bekehrst.“ Da fiel das Feuer des Herrn herab und fraß Brandopfer, Holz, Steine und Erde und leckte noch das Wasser auf in der Grube. Da das alles Volk sah, fiel es auf sein Angesicht und sprachen: Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott! Die falschen Propheten aber und losen Volksverführer wurden erwürgt unten am Berg am Bache Kison. Augenscheinlicher und handgreiflicher, als dort geschah, sind der lebendige Gott und die toten Götzen einander nie gegenüber gestanden; gewaltiger als damals hat sich's nie erfüllt, das Wort unseres Liedes:
Die falschen Götzen macht zu Spott,
Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott,
Gebt unsrem Gott die Ehre!
Auf dieselbe Lehre wie jene Geschichte, an die ich euch soeben erinnert, läuft unser schöner 115. Psalm hinaus. Auch ihn können wir kurz in die Liedesworte fassen:
Die falschen Götzen macht zu Spott,
Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott,
Gebt unsrem Gott die Ehre!
„Die toten Götzen und der lebendige Gott.“ Das ist in Kürze das Thema dieses Psalms. Die toten Götzen werden uns geschildert hauptsächlich in der ersten Hälfte des Psalms bis V. 8; der lebendige Gott wird gepriesen in der zweiten Hälfte, V. 9-18. Wie dort Elia in einer finsteren Zeit, wo Aberglaube und Abgötterei unter dem auserwählten Volke Gottes triumphierte, den lebendigen Gott anrief, dass er seine Macht kundgeben und seine Ehre retten möchte vor Freund und Feind, so hören wir auch unsern Psalmisten wahrscheinlich in einer bösen Zeit, wo Israel von den Heiden unterdrückt und samt seinem Gotte verhöhnt war gen Himmel rufen, dass doch der Herr seines Namens Ehre retten wolle.
1) Von den toten Götzen weg ruft:
V. 1: „Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre um deine Gnade und Wahrheit.“ Das heißt, nicht um unseretwillen, denn wir haben's freilich nicht verdient mit unserem Undank, Unglauben und Ungehorsam, wir abtrünniges Volk leiden billig Schmach und Schande nicht um unseretwillen, Herr, aber um deinetwillen tritt auf und sprich ein Wort. Weil dein heiliger Name verlästert wird und von Buben in den Staub getreten; weil deine Gnade in Zweifel gezogen wird, die du doch deinem Volke verheißen hast; weil deine Wahrheit verspottet, dein wahrhaftiges Wort verhöhnt wird, wenn du länger schweigst, darum, o Herr, tritt auf und rette deine Ehre. So, meine Lieben, muss man ja auch heute noch oft gen Himmel seufzen. „Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre.“ Wir, dein Volk, haben's freilich nicht verdient mit unserem Undank und Kaltsinn; wir müssten oft geradezu für die gute Sache verzweifeln bei der Macht der Finsternis in der Welt, bei soviel Bosheit der Bösen und soviel Schwachheit der Guten, wenn wir nur auf uns gestellt wären; aber nein, es gilt ja deine Sache, es gilt die Ehre deines hochgelobten Namens, den du doch nicht kannst zu Schanden werden lassen in Ewigkeit; es gilt die Wahrheit deines Wortes, das ja doch bleiben soll, wenn auch Himmel und Erde vergehen; es gilt den Sieg deines Reiches, das ja auch die Pforten der Hölle nicht überwältigen sollen. Darum beten wir alle Tage wieder im Glauben: Dein Reich komme; darum hoffen wir auch in finsterer böser Zeit: Das Reich muss uns doch bleiben.
V. 2: „Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist nun ihr Gott?“ Wo ist nun ihr Gott, ihr vielgepriesener Bundesgott, ihr hochgelobter Jehovah? Seht, er hat sie im Stich gelassen; er kann nichts, er ist nichts. So höhnten die Heiden das Volk Israel, so oft es im Unglück darniederlag, und solche Verhöhnung seines Glaubens musste einem treuen Gottesknecht jeden Blutstropfen in den Adern empören.
„Wo ist nun ihr Gott?“ Ach, so sprechen ja auch die Heiden von heutzutage, die Heiden mitten in der Christenheit, die getauften Heiden, die Ungläubigen, wenn der Herr oft sein Antlitz verbirgt: „Wo ist nun ihr Gott?“ Er ist eben in ihrer Bibel, ein totes Wort, ein altes Märlein; er ist eben in ihrem Kopf, ein selbstgemachtes Phantasiebild, ein wesenloses Hirngespinst; er ist eben ein Pfaffengott, von Priestern erdacht, um das Volk im Zaum zu halten; ein Frauen und Kindergott, gut genug für schwache Frauen und leichtgläubige Kinder; aber in Wahrheit existiert er nicht. So, meine Lieben, denken und sprechen auch heute noch Tausende: Wo ist nun ihr Gott?“
V. 3: „Aber unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will.“ So wollen auch wir getrost antworten jenen Gottesleugnern. Wir können ihn euch freilich nicht mit Augen zu sehen und mit Händen zu greifen geben, denn er ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten; wir können ihn euch nicht im Bilde zeigen, wie die Heiden in ihren Tempeln und auf ihren Altären, denn der Himmel und aller Himmel Himmel mögen ihn nicht fassen. Aber darum lebt er doch; hoch über dieser armen Erde, hoch über eurem armseligen Spott wohnt und thront er in einem Lichte, da niemand zukommen kann, und all eure Lästerungen treffen ihn nicht und berühren ihn nicht, so wenig als der hölzerne Pfeil die Sonne trifft, den ein Knabe abschnellt von seinem Bogen. Eure Götzen sind auf der Erde und irdisch, unser Gott ist im Himmel und himmlisch. Er kann schaffen, was er will! Wohlgemerkt! Nicht so ist er im Himmel, wie ihn der Halbglaube sich oft denkt, dass er als ein nebelhaftes höchstes Wesen weit in grauer Ferne wohnte und sich um die Welt nichts bekümmerte und nicht gegenwärtig wäre auf Erden und nicht wirksam unter seinen Menschenkindern und kein Gebet zu ihm hinaufdränge und sein Arm nicht herabreichte auf Erden. Nein, unser Gott ist im Himmel; das heißt nicht: er ist ein ohnmächtiger Gott, sondern er ist ein allmächtiger Gott; er kann schaffen, was er will, denn er ist erhaben über die Schranken irdischer Schwachheit und menschlicher Ohnmacht, und wie die hohe Sonne mit ihrem goldenen Licht alles erleuchtet und mit ihrer holden Kraft alles durchdringt, trotzdem dass sie so hoch über der Erde steht, ja gerade weil sie so hoch am Himmel thront, so heißt's auch von dem, der die Sonne gemacht hat: „Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will.“ Er ist erhaben über Raum und Zeit, über irdische Schranken und menschliche Gebrechen, und eben darum ist er der lebendige, der ewige, der allgegenwärtige und allmächtige Gott.
V. 4-7: „Jener Götzen aber sind Silber und Gold, von Menschenhänden gemacht. Sie haben Mäuler und reden nicht; sie haben Augen und sehen nicht; sie haben Ohren und hören nicht; sie haben Nasen und riechen nicht; sie haben Hände und greifen nicht; Füße haben sie und gehen nicht und reden nicht durch ihren Hals.“ Treffender kann man die Torheit des Götzendienstes nicht bezeichnen, als hier geschieht. Wie dort Elia auf Karmel des Lügengottes Baal spottete: Er dichtet vielleicht, oder hat zu schaffen, oder ist über Feld gegangen, oder schläft, so verhöhnt hier mit heiligem Spott der Psalmist die Torheit des Götzendienstes, so dass ein Kind es fassen, ein blinder Heide es begreifen kann. Was ist denn das Göttliche an diesen Götzen? Ist's der Stoff? Wie, vor einem Stück Silber oder Gold oder Marmor oder Elfenbein oder Stein oder Holz kannst du Mensch, eine lebendige Seele, ein gottgeschaffener Geist, deine Knie beugen? Oder ist's die Form? Wie, was Menschenhände gemacht, was der Steinhauer aus der Erde gebrochen, der Goldschmied im Feuer geschmolzen, der Holzschnitzer aus Holz geschnitzt, der Bildhauer mit dem Meißel ausgehauen das Gebilde aus Menschenhand willst du anbeten, als wär's dein Schöpfer? Wie köstlich verhöhnt auch Jesaja diese Torheit (Kap. 44), wie der Götzendiener in den Wald geht und sich eine Zeder aussucht und fällt sie und die Hälfte macht er zu Holz, heizt seinen Ofen damit, brät sein Fleisch davon, wärmt seine Hände daran; aber das Übrige macht er zu Gott, dass es sein Götze sei, davor er kniet und niederfällt und betet und spricht: Errette mich, denn du bist mein Gott. Ja, und kann so ein Götze retten? kann er etwas tun und ausrichten? Nein sie haben Mäuler und reden nicht, Augen und sehen nicht, Ohren und hören nicht, Nasen und riechen nicht, Hände und greifen nicht, Füße und gehen nicht. Ist es da nicht wahr, was der Psalmist sagt, V. 8: Wer solchen toten Götzen dient, ist nicht besser als ein Klotz? Ist's da so schwer, einem Heiden die Torheit seines Götzendienstes zu beweisen? Wie Elia dort auf Karmel es den Baalspriestern bewies: Sie haben Ohren und hören nicht, wie Daniel es dem König Cyrus vom Bel zu Babel bewies: Sie haben Hände und greifen nicht, als er heimlich Asche streuen ließ im Tempel und an den Fußstapfen am Morgen zeigte, dass die Priester gekommen waren und hatten selber die Speise weggeholt, die sie dem Götzen alle Tage vorsetzten, und logen das Volk an: Bel selber, der Gott, esse sie? Ist es da ein Wunder, wenn die Götzen zum Spott werden vor den Götzendienern selber, wie der Kalmücke seinen Götzen prügelt, wenn ihm etwas gegen den Sinn geht, der Japaner seinem Götzen ein Tuch über den Kopf hängt, wenn er etwas tun will, was der Gott nicht sehen soll?
Doch werdet ihr sagen, das ist heute, das ist hier nicht nötig, zu warnen vor den toten Götzen. Gottlob, über die Torheit des Götzendienstes sind wir als Christen und als evangelische Christen zumal hinweg! Aber, Geliebte, die Abgötterei zu strafen, ist darum auch unter Christen nicht überflüssig. Es gibt noch mehr tote Götzen als Baal und Moloch, mehr falsche Götter als Jupiter und Apollo. Wer den Mammon zu seinem Götzen macht und nichts Höheres kennt als Geld und Gut, gilt's von dem nicht auch: Ihre Götzen sind Silber und Gold; dient er nicht auch einem toten Götzen, der keine Hand hat ihm zu helfen, keinen Mund ihn zu trösten, keinen Fuß ihm nachzufolgen, wenn's zum Sterben geht? Wer den Bauch zu seinem Gott macht und nichts Besseres weiß, als seinen Leib zu mästen und seinem Fleische wohlzutun, dient der nicht auch einem Götzen, einem toten Götzen, der in ein paar Jahren in der Erde modert und der Würmer Speise ist? Wer Weltruhm und Menschenlob zu seinem Abgott macht und darüber Gottes Gebote vergisst und seine Lebensruhe opfert, dient der nicht auch einem Götzen, einem blinden Götzen, der kein Auge hat, das wahre Verdienst vom falschen Schein zu unterscheiden und seine Kränze oft ungerecht austeilt und seine Diener über Nacht im Stich lässt? Wer einen Menschen zum Abgott macht und über dem Geschöpf den lebendigen Schöpfer vergisst, o auch der kann's bitter inne werden, wenn ihm der Herr seinen Abgott nimmt, oder wenn Treue in Untreue sich verkehrt: Sie haben Ohren und hören nicht, sie haben Hände und helfen nicht. - Darum wollen auch wir uns immer wieder gesagt sein lassen das erste Gebot: Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine andere Götter neben mir haben; und nie vergessen, was das heißt, nämlich: Du sollst Gott über alles fürchten, lieben und ihm vertrauen. Darum wollen auch wir von den toten Götzen immer mehr mit ganzem Herzen uns wenden:
2) Zu dem lebendigen Gott.
Der wird nun gepriesen in der zweiten Hälfte des Psalms, V. 9-18. Wie schön der dreifache Aufruf an das Volk des Herrn: Aber ihr bleibt bei dem lebendigen Gott.
V. 9-11: „Aber Israel hoffe auf den Herrn; der ist ihre Hilfe und Schild. Das Haus Aarons hoffe auf den Herrn; der ist ihre Hilfe und Schild. Die den Herrn fürchten, hoffen auf den Herrn; der ist ihre Hilfe und Schild.“ Das ganze Volk insgemein zuerst wird aufgerufen: Aber Israel! dann die Priesterschaft besonders: Das Haus Aarons! dann die Gemeinde besonders: Die den Herrn fürchten! Und dieser Aufruf, sollte er nicht freudigen Anklang finden auch im neutestamentlichen Israel? Dürfen nicht auch wir es rühmen in vielfachem Chor von Bank hier zu Bank und von Mund zu Mund: Er ist unsere Hilfe und Schild? Dürfen nicht auch wir es bekennen zur Ehre des lebendigen Gottes:
V. 12. 13: „Der Herr denkt an uns und segnet uns; er segnet das Haus Israels, er segnet das Haus Aarons; er segnet, die den Herrn fürchten, beide Kleine und Große.“ Er ist nicht ein toter Gott, der keine Augen hätte zu sehen, keine Ohren zu hören, keine Hände zu helfen; nein er ist ein lebendiger Gott, der an uns denkt, der uns segnet, beide Große und Kleine, mit geistlichem und leiblichem Segen. Ja, das ist einem frommen Herzen der beste Beweis, dass ein Gott ist, ein lebendiger Gott; dieser Segen, den wir täglich und stündlich von ihm genießen an Leib und an Seele. Und wenn uns die Ungläubigen fragen: Wo ist euer Gott? o so können wir zwar ihn selber ihnen nicht zeigen, aber seine Werke und Wirkungen um uns und an uns und in uns. Dann dürfen wir hindeuten auf die Blume zu unsern Füßen: sieh, die hat er gemacht; und auf den Stern zu unsern Häupten: sieh, der predigt von ihm; auf das Brot auf dem Tisch: sieh, das hat er mir geschenkt; auf die Kindlein um den Tisch: sieh, die hat er mir erhalten in tausend Gefahren; dürfen die Hand auf unser Bibelbuch legen: sieh, darin spricht er mit mir wie ein Vater mit seinem Kind; und dürfen die Hand auf unser Herz legen: sieh, da drinnen spüre ich seinen Geist, der meinem Geiste Zeugnis gibt; dürfen hinweisen auf unsere Lebenspfade hinter uns und rühmen: sieh, da hab ich's schon tausendmal erfahren sein Wort: Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; und dürfen gen Himmel deuten: sieh, dort ist des Vaters Haus; dort werd ich ihm einst noch näher kommen und ihn besser erkennen als hienieden. Der Herr denkt an uns und segnet uns leiblich und geistlich, zeitlich und ewig, darum ist er der lebendige Gott, was brauchen wir weiter Zeugnis? Und darum wohl allen, die an ihn glauben und auf ihn trauen; darum wohl auch euch, Geliebte.
V. 14: „Der Herr segne euch je mehr und mehr, euch und eure Kinder.“ Er segne euch je mehr und mehr mit allerlei leiblichem Segen, aber vor allem mit geistlichem Segen, mit Glaube, Liebe, Hoffnung, Gnade, Friede, Freude im heiligen Geist. Dann heißt's auch von euch und kein Feind kann's euch rauben:
V. 15: „Ihr seid die Gesegneten des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Aber ebendarum macht auch die Erde voll seiner Ehre; bekennt seinen Namen vor aller Welt, denn dazu hat er seinem Volke die Erde gegeben, dass sie durch uns ein Schauplatz seiner Ehre, ein Tempel seines Ruhmes werde, und dass die Loblieder, die ihm die Engel im Himmel bringen, auch auf Erden widerhallen in seiner Gemeinde. Tut das, dieweil ihr noch Zeit habt, denn:
V. 17: Die Toten loben ihn nicht; die geistlich Toten nicht, denn sie wissen nichts von ihm in ihres Herzens Finsternis; auch die leiblich Toten können ihm im Grabe nicht nachholen den Dank, den sie ihm im Leben vorenthalten. Darum gebt unsrem Gott die Ehre! Ja, V. 18: Wir wollen ihn loben von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja. Ich will dich all mein Leben lang, o Gott, von nun an ehren; Man soll, Gott, deinen Lobgesang an allen Orten hören;
Mein ganzes Herz ermuntre sich, mein Geist und Leib erfreue dich!
Gebt unsrem Gott die Ehre!
Ihr, die ihr Christi Namen nennt, gebt unsrem Gott die Ehre;
Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt, gebt unsrem Gott die Ehre!
Die falschen Götzen macht zu Spott, der Herr ist Gott, der Herr ist Gott;
Gebt unsrem Gott die Ehre!
Amen.