Flügge, Carl August - Was wir predigen und wer wir sind
Mögen andere predigen, wonach ihren Hörern die Ohren jucken, wir wollen bleiben bei der heilsamen Lehre unseres Herrn Jesu Christi (1 Tim. 6, 3; 2 Tim. 4, 2-5) und das Wort (4, 2), und zwar das ganze Wort und nichts als das Wort predigen, das Evangelium, das uns vom Herrn durch Seine Apostel anvertraut ist als wahrhaftiges Gotteswort. (Mt. 28. 19; 1 Thess. 2, 13.) Wir versuchen durch Gottes Gnade in einer gekreuzigten Weise den gekreuzigten Christus zu predigen; nicht Schulgezänk der Theologen, nicht modernisiertes Christentum, nicht Menschensatzungen, nicht eigene Weisheit, sondern das Wort vom Kreuz, das zwar vielen abgeschmackte Torheit ist, wir aber erfahren es als eine Gotteskraft. (1 Kor. 1, 18-2, 5; Röm. 1, 16.)
Hierin stimmen wir mit allen wahrhaft „evangelischen“ Predigern überein. Dieselbe Bibel, die die Reformatoren als Gottes Wort hochhielten, ist auch uns Brot und Samen und Schwert zugleich, derselbe Christus, der Luthers Heiland war, ist auch unser Erlöser, die Theologie des Paulus soll auch die unserige sein, und die Gemeindeverfassung der ersten Christen ist auch die der heutigen Baptistengemeinden.
Als Beweis unserer Geisteseinheit mit allen wiedergeborenen Gotteskindern sehen wir folgende Worte des ebenso gründlich gelehrten wie kindlich gläubigen Theologen Professor D. Franz Delitzsch hierher (nicht zu verwechseln mit dem Babel-Delitzsch), die in allem unsere vollste Zustimmung finden:
„Wenn ein Gegner des Christentums sich doch einmal die Mühe nähme und Christen der entlegensten Weltgegenden über ihre inneren Erfahrungen verhörte (oder schriftliche Zeugnisse, die Jahrhunderte auseinanderliegen, vergliche), er würde bei aller Mannigfaltigkeit der Führungen überraschend gleichartige Erlebnisse vernehmen. Denn der Weg, der zum Leben führt, ist einer, und der Heilige Geist leitet mit Seinem allgegenwärtigen sanften Zuge alle, die ihn gehen, und bekräftigt ihnen die Wahrheit des Evangeliums mit tausend Siegeln übernatürlicher Gnadenerfahrung.“
„Unter diesen Gnadenerfahrungen steht die Sündenvergebung obenan. Sie ist eine Tatsache, welche innerlich erlebt wird. Dies ist die Grundlage eines neuen Anfanges in seinem Leben. Denn der Mensch bricht da mit seiner Vergangenheit, indem er sich selbst verurteilt und der Gerechtigkeit Gottes die Ehre gibt und sich mit allen Kräften seiner Seele nach der durch Christum beschafften Versöhnung ausstreckt. Wer diese Halbierung des Menschenlebens in zwei grundverschiedene Perioden nicht an sich erfahren hat, der hat überhaupt noch kein erfahrungsmäßiges Wissen um das, was Rechtfertigung ist; der ist noch kein Christ.“
„Die wahren Christen, die Wiedergeborenen, erkennen in solchen, die noch ohne Leben aus Gott dahingehen, mit Schrecken sich selbst, wie sie waren. Sie wissen, wie ihnen zumute ist, sie können sich in ihre Lage versehen und rufen ihnen zu: Kommt und seht, untergebt euch der Gnade, so wird das Christentum sich an euch beweisen; glaubt, so werdet ihr die Herrlichkeit Gottes sehen.“
„Man gehe in eine Gemeinde, wo das Wort Gottes gehandhabt wird, welches die Wüste in ein Paradies umschafft: Bauern, Knechte und Mägde zeigen da eine Bildung, wie sie die Welt nicht geben kann. Was sie reden und schreiben, ist sanft und zart und wie vom himmlischen Licht durchleuchtet. Ich habe das Glück gehabt, solche Gemeinden im sächsischen Muldentale kennen zu lernen und habe dort aus dem Munde gemeiner Leute mehr Theologie gelernt als unter allen Kathedern.“
Soweit Delitzsch in seiner Apologetik. Wir, die Verbreiter dieser Schrift, haben das Glück, solcher Gemeinde anzugehören, und möchten, wie Delitzsch oben, allen zurufen: Kommt und seht!
Wer den Herrn anbeten will im Geiste und in der Wahrheit unsere Gotteshäuser stehen ihm jederzeit offen. Wer mit uns unseren hochgelobten Herrn als seinen Heiland und Meister bekennt - als Bruder heißen wir ihn allezeit herzlich willkommen.
Werden wir gefragt wie Paulus: „Was soll ich tun, dass ich selig werde?“, so antworten wir mit ihm: „Glaube an den Herrn Jesum Christum;“ und obwohl wir weiter auch ganz in des Apostels Sinn reden: „Christus hat mich nicht gesandt, zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen,“ und solches auch treulich zu tun versuchen, so er achten wir doch auch das Wort des Petrus als eingegeben von dem Geiste, der Sich nie widerspricht. (Apg. 2, 38-47; 8, 37; 10, 48; 16, 30-33.) „Tut Buße und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes. Die nun 1. Sein Wort gerne an nahmen, ließen sich 2. taufen und wurden 3. so hinzugetan zu der Gemeinde. (1 Kor. 12, 13; 1, 17; 10, 1-4.) Sie (und zwar diese so Getauften) blieben aber beständig in der Apostel Lehre, in der Gemeinschaft, im Brot brechen (Abendmahl) und im Gebet.“ Petrus, unter dem Eindruck der soeben empfangenen Geistestaufe, fordert ausdrücklich und bestimmt die Wassertaufe von einem jeglichen, der ein Glied des neuen Bundes, ein Geistesmensch, ein geretteter Jünger Jesu werden oder sein und bleiben will; ja, er befiehlt sie sogar denen, die die Geistestaufe empfangen haben. (Apg. 10, 44. 48; 19, 1-7.)
In letzterer Stelle veranlasst Paulus die gläubigen Jünger, die wohl eine Taufe in bester Absicht, aber nicht die rechte Taufe gemäß dem Befehl Christi empfangen hatten, sich noch einmal mit der biblischen Taufe (schriftgemäß nach Form und Zeit und Würdigkeit des Täuflings) taufen zu lassen. Wer mag ihn deswegen einen Wiedertäufer schelten? Die christliche Taufe soll nur einmal, sie soll aber auch einmal recht vollzogen werden.
Gemeinschaftspflege ist gut; Bleiben in dieser Apostellehre aber wird dem vorangestellt. Prüfe jedoch selbst, lieber Leser, im Lichte deiner Bibel unter Gebet folgende Hauptpunkte:
Worin wir uns als Baptisten von anderen Christen unterscheiden:
1. Eine biblische Gemeinde darf nur aus glaubwürdigen Bekennern des Glaubens bestehen.
2. Nur solche Gläubige, die auf das persönliche Bekenntnis ihres Glaubens getauft sind, dürfen der Gemeinde hinzugetan werden.
3. Die gläubig Getauften sollen nicht einzeln stehen bleiben, sondern müssen Gemeinden bilden.
4. Nur getaufte Gläubige sollen am Abendmahl teilnehmen.
„Der Geist wird euch (durchs Wort) in alle Wahrheit leiten.“ (Joh. 16, 13.) C. A. F.