Flügge, Carl August - Prüft Alles, und das Gute behaltet.

Flügge, Carl August - Prüft Alles, und das Gute behaltet.

Auch unter unseren religiös interessierten Mitbürgern (von anderen ganz zu schweigen) sind nicht wenige, die zwar wissen, dass es Baptisten gibt; wer diese aber sind sind und worin sie sich von anderen Christen unterscheiden, ist ihnen unbekannt. Dass die Gottlosen die widersinnigsten Gerüchte von „dieser Sekte, der an allen Enden widersprochen wird“ (Apg. 28, 22), verbreiten und sogar zum Teil glauben, ist nicht weiter verwunderlich, hat es doch unser Meister zuvor gesagt, dass die, die Ihm am ähnlichsten sind, um Seinetwillen am meisten geschmäht und verfolgt werden und dass man den Christen, die es mit der Bibel genau nehmen, allerlei Übles lügenhaft nachreden wird. (Mt. 5, 11.)

Unbegreiflich aber ist es uns, dass so viele bibelgläubige Jünger unseres einigen Meisters sich scheinbar so ruhig mit der Tatsache abfinden, dass viele Millionen wiedergeborener Gotteskinder seit Jahrhunderten protestieren gegen das Staats- und Landeskirchentum, gegen die widerbiblische Tauf- und Konfirmationspraxis, gegen die heillose Weltförmigkeit der Kirche, gegen das grundstürzende Antichristentum auf den Kanzeln und beim Abendmahl, indem man erklärte Ungläubige als Hirten und Lehrer der Christenheit ansieht und besoldet (2 Joh. 7-11) und sich durch unwürdigen Missbrauch des Abendmahls fremder Sünden teilhaftig macht. (1 Kor. 5, 11-13; 10, 16-22; 11, 23-32.)

Entweder haben die Baptisten offenbar unrecht, wenn sie unter Berufung auf die Bibel oft das gerade Gegenteil von der landläufigen Tauf- und Kirchenlehre verkündigen, und man sollte sie mit Schriftgründen widerlegen, was bis jetzt von den dazu Berufenen kaum ernstlich versucht worden ist, oder aber sie stehen auf dem Boden des Wortes Gottes, und dann wäre es Zeit, die eigenen Anschauungen zu revidieren, zu prüfen, ob das Denken, Glauben, Lehren und Tun auch wirklich gottgemäß, d. h. in Übereinstimmung ist mit der Heiligen Schrift.

Wahrheiten, Grundsäge, die zurzeit mehr als zwanzig Millionen Menschen verteidigen, für die heute mehr als sieben Millionen als aufrichtige Gotteskinder bekannte Baptisten wie vorzeiten ihre Väter mit Gut und Blut eintreten würden, müssen etwas zum Gehorsam Zwingendes in sich haben. Sie sollten von keinem religiös Interessierten unbeachtet und von keinem ungeprüft gelassen werden, der aus der Wahrheit ist und dem göttlichen Worte und dem Heiligen Geiste folgen will, der ein Christ ist oder zu sein meint und halten will alles, was Jesus befohlen hat. (Mt. 28, 20.)

Wenn auch hervorragende Geister in allgemeine Zeitirrtümer verstrickt und im Wandel nach väterlicher Weise überkommene Anschauungen ungeprüft als Wahrheiten annehmen und weitergeben, so ist dies nicht weiter auffällig; wenn aber aufrichtige, ernste Männer, wie z. B. Luther, sich plötzlich gegen die ganze Welt wenden und von aller Christenheit und den meisten ihrer hervorragenden Gottesmänner behaupten, sie wären in den und den Punkten alle auf verkehrten Wegen, und es dann wagen, allein zu stehen, überhäuft mit Spott und Schmach, weil sie es weder für recht noch geraten halten, etwas wider das Gewissen und wider das Wort Gottes zu tun, dann ist es entweder Vermessenheit, oder die Sache ist aus Gott, und man darf sie nicht dämpfen.

Die Wahrheit richtet sich nicht nach uns, wir müssen uns nach ihr richten. Im ererbten „Glauben“ auch sterben und denselben vererben wollen kann jeder, am leichtesten der, der gar keinen wirklichen, Herz und Leben umgestaltenden Glauben hat. Hätten unsere Väter alle so gedacht, wären sie Heiden oder mindestens Katholiken geblieben - und wir?

Nach dem Vorbild und Befehl Jesu haben Seine Apostel und die ganze älteste Christenheit der ersten Jahrhunderte nur Gläubige durch Untertauchen getauft, wie das von den Theologen ohne Zögern zugegeben wird (z. B. Luther, Calvin, Beza, Neander, Beck, Beyschlag, Weiß u. a.). Die auf uns gekommenen Schriften der Kirchenväter bekunden auch nichts anderes. Die Baptisterien oder Taufhallen waren zum Untertauchen Erwachsener, die alten Taufsteine zum Untertauchen der Kinder eingerichtet.

Bis in die Reformationszeit wurde durch Untertauchen getauft, das beweist folgende interessante Stelle aus einer Schrift Bugenhagens, Luthers Mitarbeiter, der auch eine Äußerung des großen Reformators hierüber wiedergibt: „Da ich war zu Hamburg 1529, stund ich Gevatter; da nahm der Teuffer das Kind zu sich in den Kleidern und Windeln und teuffets alleine oben auff dem Kopffe. Da erschrak ich für, weil ich's nie gesehen noch gehöret hatte, auch hatte ichs in keinen Historien gelesen, dass es je also geschehen were… Vater Lutherus (den wir derhalben fragten) schrieb uns nach Hamburg, dass solch's ein Missbrauch sei, den sollen wir weg tun.“

John Wesley wollte z. B. 1736 die Taufe nur vollziehen, wenn er untertauchen dürfe. Das griechische Wort baptismos (daher kommt der Name: Baptisten) kann nie anders als mit Untertauchung übersetzt werden, darum vollzieht die griechische Kirche, so unbiblisch sie sonst auch ist, die Taufe nur in dieser Form; z. B. die gegenwärtige Zarin von Russland, die als deutsche Prinzessin nur besprengt war, musste sich darum durch Untertauchung wieder taufen lassen. Die Baptisten sind nun nicht Wiedertäufer (mit den Münsterschen haben sie nichts gemein), aber sie verlangen und vollziehen die Taufe da (jedoch nur einmal), wo sie noch nicht nach Christi Befehl und Ordnung vollzogen ist. (Apg. 19, 1-7.)

Wenn aus diesen, sowie aus vielen anderen Schriftgründen nun allbekannte Männer wie Bunyan, Milton, Carey, Spurgeon, Georg Müller, F. B. Meyer (von deutschen, jetzt noch lebenden Führern der Gemeinschaftsbewegung ganz zu schweigen) sich biblisch taufen ließen und damit alle übrigen für ungetauft erklären, so sollte man nach den Gründen hierfür suchen.

Hier wurde nur die Lehre von der Taufe erwähnt, die biblische Lehre von der Gemeinde ist aber wohl ebenso bedeutungsvoll. Jeder Baptistenprediger, ja, jeder Baptist ist zur weiteren Auskunft hierüber gerne erbötig, auch steht für wenige Pfennig eingehende, vielseitige Literatur über diese Fragen jedem zur Verfügung.

So wichtig nun solche Glaubensfragen auch au sind, wichtiger ist die Frage nach dem Glauben überhaupt. Eins aber ist not, dass Jesus dein Erlöser und du durch den Glauben an Ihn ein Gotteskind und Erbe des Himmelreichs werdest. Drum:

„Suche Jesum und Sein Licht, Alles andre hilft dir nicht.“

C. A. F.

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