Fischer, Hans - Die Gemeinde eine Adventspredigerin.

Fischer, Hans - Die Gemeinde eine Adventspredigerin.

3. Advent.

1. Petri 2, 6-10:
Siehe da, ich lege einen auserwählten köstlichen Eckstein in Zion; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zu Schanden werden. Euch nun, die ihr glaubt, ist er köstlich; den Ungläubigen aber ist der Stein, den die Bauleute verworfen haben, und zum Eckstein geworden ist, ein Stein des Anstoßes und ein Fels der Ärgernis; die sich stoßen an dem Wort, und glauben nicht daran, darauf sie gesetzt sind. Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Tugenden des, der euch berufen hat von der Finsternis, zu seinem wunderbaren Licht. Die ihr weiland nicht ein Volk wart, nun aber Gottes Volk seid, und weiland nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid.

Immer näher rückt das liebe Christfest. Schon zählen unsere Kleinen die Tage ab. Immer eifriger üben sie die schönen Weihnachtslieder, und möchten in ihrer Ungeduld das herrliche Fest wo möglich herbeisingen. Ist dir's auch so ums Herz, lieber Christ? Ja, wenn du ein Christ bist und nicht bloß so heißt - dann musst du auch mit gleichem, mit viel innigerem Sehnen des Heilands warten. Viel besser noch, als die Kleinen, musst du's wissen, was du an diesem Christkind hast. Oder sollte die heilige Christfreude wirklich nur ein schöner Kindertraum sein, womit wir Alten nichts mehr anzufangen wüssten? In der Welt ist das allerdings die gemeine Rede. Gar viele, die als Kinder ihren Heiland geliebt, haben sich hernach an ihm geärgert. Wie vor bald 2000 Jahren, kann darum auch heute noch die alte Johannesfrage des 3. Adventsevangeliums nicht zur Ruhe kommen: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?“ Den Johannesjüngern entgegnet der Herr: „Geht hin, und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört. Die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert (Matth. 11, 45)“. Der Herr weist damit hin auf die stille Tatpredigt seines Kommens in die Welt. Und heute? Woran können wir merken, dass auch heute noch, wie in den Tagen seines Fleisches, derselbe Heiland fort und fort zu uns und in uns kommt und wirkt? Ich achte: der Herr braucht auch heute der zweifelnden Frage die Antwort nicht schuldig zu bleiben. Hat er sich nicht eine Gemeinde gegründet, die von ihm zeugt? Ja, diese Gemeinde, das Werk seiner Gnade, ist auch seine Adventspredigerin. „Zion, du Predigerin“, ruft darum Gottes Wort der Gemeinde zu, „hebe deine Stimme auf mit Macht, heb' auf und fürchte dich nicht, sage den Städten Juda: Siehe da ist euer Gott! Denn siehe, der Herr kommt!“ (Jes. 40, 10). Die Gemeinde ist also die berufene Botin von Christi gnadenreichem Kommen in die Welt. Sie ist's, denn: Christus ist der feste Grund, auf den sie erbaut ist, und von Christo zeugt ihr herrlicher Beruf, zu welchem sie verordnet ist.

I.

„Es geschehen in der Welt keine Wunder mehr“, hört man jetzt oft die Leute sagen. Auf Grund dieser vermeintlichen Tatsache meint man denn auch die Wunder der Heiligen Schrift mit Recht anzweifeln zu dürfen (vergl. Joh. 14, 17; 1. Kor. 2, 14). Aber ist denn nicht das Bestehen einer Gemeinde Gottes in dieser argen Welt der Sünde und des Todes ein Wunder ohne Gleichen, welches alle anderen Wunder der heiligen Geschichte in den Schatten stellt? Ja, es gibt eine Gemeinde Christi auf Erden. Fest steht diese Gemeinde da in der Welt, wie ein Fels im Meere, der allen Stürmen und Wettern trotzt, an dem alle brandenden Wogen der Zeit und Welt sich brechen müssen. Wahrlich, diese Gemeinde muss auf einem festen Grunde ruhen, sonst wäre sie längst dem Geschicke alles Irdischen verfallen. Vieles hat die Welt im Laufe der Jahrhunderte geplant, versucht, gebaut. Von den meisten stolzen Bauten der vorigen Zeiten sind uns aber nur Ruinen geblieben, als ebenso viele lautredende Zeugen der Vergänglichkeit alles Menschenwerks. Mächtige Reiche sind von den Großen dieser Erde gegründet worden. Sie schienen für alle Ewigkeit bestimmt. Und heute? Von ihrem einstigen Dasein erzählen uns nur noch die Blätter der Geschichte. Die großen Weltreiche sind untergegangen; der Strom der Zeit hat sie hinweggerissen, und ihre Stätte kennt sie nicht mehr. Die babylonischen Türme, an welchen die Welt von Alters her mit Fleiß baut und baut, stürzen immer wieder zusammen eines aber bleibt unwandelbar, ja es wächst und verherrlicht sich immer mehr: Gottes Reich auf Erden, der Tempel des lebendigen Gottes d. i. die Gemeinde des Herrn, die Tochter Zion, die sich der Herr aus der Welt heraus erwählt hat. Ist dieser Bestand Zions mitten in der widergöttlichen Welt nicht ein wundersames Rätsel? Wodurch vermochte dies Zion, allen Anläufen des Bösen zu widerstehen? Wodurch müssen immer wieder alle Mächte der Finsternis vor dem verachteten Zion zu Schanden werden? Was macht die Kirche des Herrn so stark, dass auch die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen können? Wo sind die starken Wurzeln ihrer Kraft? In ihr selbst liegen sie wahrlich nicht. Noch heute trägt die Zionsgemeinde dasselbe Gepräge, wie zu der Apostel Tagen, da es hieß: „Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Gewaltige, nicht viele Edle sind berufen. Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, dass er die Weisen zu Schanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, dass er zu Schanden mache, was stark ist auf dass sich vor Ihm kein Fleisch rühme (1. Kor. 1, 26, 27)“. Die Kraft der Gemeinde liegt in dem Felsen, auf den sie gegründet ist. Das Haus der Kirche ruht auf einem unerschütterlichen Felsengrund. Dieser Fels aber ist Christus. Also steht geschrieben: Siehe da, ich lege einen auserwählten köstlichen Eckstein in Zion, und wer an ihn glaubt, der soll nicht zu Schanden werden (V. 6).

Unser Gotteswort weist uns zurück in den ewigen, vorbedachten Rat Gottes. Schon von Ewigkeit her hat Gott beschlossen und vorbereitet, was er der Welt offenbart, als die Zeit erfüllt war. Schon vor Grundlegung der Welt hat er seinen geliebten Sohn zum Heiland der Welt erkoren. Der Eckstein und Grundstein in Zion, den hier Jesaia 800 Jahre vor Christo seinem Volke verheißt, ist ja kein anderer, als Christus selbst, der Inhalt und das Ziel aller Weissagungen.

In Zion legt Gott diesen Grundstein. Zion ist die Stätte des Heiligtums, die Wohnung Jehovahs, der Mittelpunkt aller Offenbarung der Macht und Gnade Gottes. Aus Zion, das festgegründet steht auf den heiligen Bergen, strahlet Gott hervor (Ps. 50, 2). An dies Zion knüpfen sich darum in der alttestamentlichen Weissagung alle Hoffnungen auf die Verherrlichung und Vollendung des göttlichen Reiches. In diesem Zion Jerusalem sollen einst alle Völker der Erde Bürgerrecht erhalten (Ps. 87). Die in diesem Zion wohnen, die zu ihm gehören, heißen nun die Tochter Zion, oder kurzweg Zion.

Wenn Jehovah durch seinen Propheten Jesaia (28, 16) verheißt: „Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen köstlichen Eckstein, der wohl gegründet ist. Wer glaubt, der fleucht nicht“ - so verheißt er damit den Seinen ein festes Heilsfundament, einen unerschütterlichen Grund, auf den sie sich gründen und stützen können, dass sie nimmer zu Schanden werden. Israel war, in der Zeit jenes Gottesspruchs in großer Versuchung, Fleisch für seinen Arm zu halten, und in Menschen und Kreaturen einen Halt zu suchen. Von allen diesen falschen Stützen verweist hier der Herr sein Volk auf seinen auserwählten, von ihm selbst gelegten Eckstein und Grundstein in Zion, auf den rechten Spross aus dem Königshause Davids. Der Seher des Altem Testaments schaut hier hinaus in die vollendende neutestamentliche Zukunft, auf den, in welchem alle Gottesverheißungen Fa und Amen sind, auf Christum. Christus ist der Fels, auf welchem die neutestamentliche Tochter Zion gegründet und erbaut ist zu einer Behausung Gottes im Geiste.

Wahrlich, auserwählt ist dieser lebendige Eckstein und Grundstein, der das ganze Heilsgebäude in seinen Grundmauern zusammenhält. Nicht wahr, die ihr auf ihn euch gründet, die ihr an ihn glaubt, euch ist er köstlich (V. 7)? Was ihr seid, ihr seid's einzig in Ihm und durch Ihn, was ihr habt, ihr habt's nur in Ihm und durch Ihn. Ohne Ihn seid ihr nichts. Er ist euer Eins und euer Alles. In euch selbst haltlos, habt ihr in Ihm allein euren Halt und Grund. Euer Zusammenhalt, eure Gemeinschaft, ihr von Natur armen, sündigen Menschen, eure Liebe, eure Hoffnung, beruht es nicht alles einzig auf Ihm? In Christo seid ihr ein Gottesvolk geworden, durch Christum seid ihr bei Gott in Gnaden (V. 10). Was ist denn alles Christentum in der Tat anders, als ein Gegründetsein auf diesen auserwählten, köstlichen Eckstein in Zion? In Ihm ruhend, lebt seine Gemeinde; auf Ihn sich immer aufs Neue erbauen, das ist Zions Glaube.

Schon durch ihr Dasein allein ist somit die Gemeinde Christi ein Zeuge seines gnadenreichen Kommens in die Welt. Ohne diesen Christus, der in der Fülle der Zeit gekommen, und noch fort und fort zu uns und in uns kommt, ohne Christus wäre es nichts mit einer Gemeinde Gottes auf Erden. Die gläubige Gemeinde ist demnach das liegt ganz in der Natur der Sache schon als solche Christi Adventspredigerin.

Seht doch, wie die Feinde mit aller Macht und List vergeblich wider dies Haus anrennen, das auf den ewigen Felsen gegründet ist! Sie vermögen mit all ihrer Macht und List so wenig dem Königreiche Jesu einen Abbruch zu tun, dass sie vielmehr selbst in ihrer Weise dem Herrn Zeugnis geben müssen. Indem sie vergeblich wider diesen Felsen anlaufen, müssen sie dessen unwandelbare Festigkeit dartun. Indem sie die Gemeinde zu vernichten suchen, nötigen sie dieselbe, der Welt die Siegeskraft ihres Glaubens zu zeigen, ihre Glaubensfreudigkeit offen vor aller Welt zu bezeugen. So hat sich gerade in den Verfolgungs-Zeiten die Wahrheit des Evangeliums je und je am herrlichsten offenbart.

Die sich an diesem Felsen stoßen und ärgern, bezeugen gerade damit, dass er nicht von ihrer Art ist, nicht von dieser Welt. Weil sie die Welt lieber hatten als Gott, darum haben die Bauleute Israels, die Obersten des Volkes, ihn verworfen. Ihnen war er ein Stein des Anstoßes, ein Fels der Ärgernis, während sie doch gerade als die ersten berufen waren, sich auf den von Gott in Zion gelegten Eckstein zu gründen und zu erbauen. Dennoch müssen diese Bauleute wider ihren Willen als Gottes Handlanger den ewigen Ratschluss erfüllen helfen. Da sie ihn von sich stießen und ans Kreuz schlugen, haben sie ihn erst recht zu dem unerschütterlichen Eckstein und Grundstein der Zionsgemeinde gemacht. Sie haben nur erfüllen müssen, was schon im 118. Psalm geschrieben steht: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Indem sie wähnen, Gottes Werk niederzureißen, müssen sie noch daran bauen helfen. Noch immer muss so der Feinde Macht und List zur Verherrlichung des Reiches Gottes dienen. Die sich an diesem Felsen in Zion stoßen und ärgern, beweisen sie nicht gerade durch ihre Heillosigkeit, dass eben alles Heil allein in dem Heiland, in Jesu Christo, erschienen ist? Wer sich nicht auf diesen Felsen gründet, der geht zu Grunde. Es ist nun einmal in keinem andern Heil, denn allein in diesem Heiland wer ihn verwirft, wird verworfen, der ist gesetzt zum Falle (V. 8).

Die auf diesen Grundstein sich erbauen das heißt ja: an Ihn glauben die mit Ihm also verbunden werden, wie die Reben mit dem Weinstock, die sind die lebendigen Zeugen seines herrlichen Advents. Auf Christum gegründet, frohlockt die gläubige Gemeinde:

„Ich weiß, an wen ich glaube,
Ich weiß, was fest besteht,
Wenn alles hier im Staube
Wie Staub und Rauch verweht.
Ich weiß, was ewig dauert,
Ich weiß, was nie verlässt;
Auf ew'gen Grund gemauert,
Steht diese Schutzwehr fest.
Das ist das Licht der Höhe,
Das ist mein Jesus Christ,
Der Fels, auf dem ich stehe,
Der diamanten ist.“

Fürwahr ein köstlicher, herrlicher Heilsgrund, den der ewige Gott seiner Zionsgemeinde in Christo geschenkt hat! Und was hat sich denn auf diesem Fundamente auferbaut? Was macht der Herr aus denen, die sich auf Ihn gründen? Wie steht die gläubige Gemeinde da in der Welt? Welchen Beruf haben die Gläubigen, die auf diesem Grunde, außer dem kein anderer gelegt werden kann, auf Christo ruhen? hört doch, zu welchem herrlichen Berufe der Herr sein Volk verordnet hat!

II.

„Ihr seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Tugenden des, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Lichte!“ Seht da den Beruf und die Bestimmung Zions! - „Aber“, fragst du, „ist das denn auch für uns, was hier Petrus in die apostolische Christengemeinde hineinruft?“ Allerdings! Auch die „Fremdlinge in der Zerstreuung“, an welche der Apostel schreibt, sind nichts weniger, als vollendete Heilige. Auch sie müssen noch vollbereitet, gekräftigt, gegründet werden. Auch sie haben noch abzulegen: Bosheit, Betrug, Heuchelei, Neid und Afterreden, auch sie werden noch ermahnt, sich der fleischlichen Lüste zu enthalten, welche wider die Seele streiten. Als Anfänger, als die jetzt geborenen Kindlein, sollen sie begierig sein nach der vernünftigen, lauteren Milch des Wortes Gottes (2, 2). Und dennoch stellt ihnen der Apostel hier diesen herrlichen Adelsbrief aus. Um ihrer Sünde willen müsste Gott auch sie verstoßen, dennoch hat seine unergründliche Gnade sie schon von Ewigkeit in Christo aus der Welt des Verderbens heraus erwählt zu seinem heiligen Volk, sie in Christo verordnet zu seiner Kindschaft. Um Christi willen hat Gott Wohlgefallen an Zion, seinem Volke. In Christo sind sie begnadigt, abgewaschen, geheiligt, gerecht geworden. In Christo hat er sie erkauft zu seinem Eigentum. Im Blick auf den, der kommen sollte, wird schon das Israel des Alten Bundes in der Verheißung Gottes auserwähltes Eigentum, ein priesterliches Königreich und ein heiliges Volk genannt (2. Mos. 19, 5; Jes. 43, 21 f.). Erst in Christo konnte Israel seinen Reichsberuf erfüllen. Die sich im Glauben auf Christum gründen, als den lebendigen Stein (V. 4), treten nun in das volle Erbe Israels, als das rechte Gott erkorene Zion. Die „Gläubigen in Christo“ heißen darum in den apostolischen Briefen durchweg Heilige. Gott sieht sie nicht mehr an in ihren Sünden, sondern in Christo. So werden die Verstoßenen in Christo zu Erwählten, die Unreinen werden rein, die Unheiligen heilig.

Ja, in Christo ist die gläubige Gemeinde ein königliches Priestertum. Christus, der uns geliebt und gewaschen von unseren Sünden mit seinem Blut, hat uns zu Königen und Priestern gemacht vor Gott und seinem Vater (Offenb. 1, 6). Durch Christi Blut dem Weltverderben entrissen, werden wir mit Christo blutsverwandt, und sind darum königliche n Geschlechts. Waren wir vordem Sklaven der Sünde, in Christo werden wir freie Könige über Sünde, Tod und Welt.

Die Gläubigen sind aber zugleich Priester Gottes, des Höchsten. Auch dies freilich nur in Christo, dem wahrhaftigen Hohenpriester, als die Glieder seines Leibes. Als Priester Gottes haben sie allezeit freien Zutritt zum Heiligtum, haben sie Vollmacht, allezeit zu opfern geistliche Opfer, die Gott angenehm sind durch Jesum Christum (V. 5), ihm zu dienen in heiligem Schmuck. In Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung können sie jederzeit vor den Vater bringen, was ihr Herz bewegt - und das alles im Namen Jesu, als die auf Ihn, den lebendigen Grundstein in Zion, sich gegründet. Die vordem nicht ein Volk waren - die in der Irre gingen wie Schafe, und jeglicher sah auf seinen Weg (Jes. 53) - sind nun in Christo Gottes königliches Priestervolk geworden. In dieser hohen Stellung ist ihr Lebensberuf fortan kein anderer, als: zu verkündigen die Tugenden des, der sie aus der Finsternis berufen zu seinem wunderbaren Lichte (V. 9).

Sie können ja auch nicht anders. Bei denen Christus seinen Advent gehalten, die können es nicht lassen, seinen Ruh m zu verkündigen. Sie haltens mit dem Wort des gottseligen Tersteegen: „Auserkorene, Hochgeborene, standesgemäß man wandeln muss!“ Durch seine Gläubigen will Christus in der Welt seine Tugenden verkündigt haben. Durch die stille Tatpredigt ihres gottseligen Wandels will er der Welt zeigen, was dieser Eckstein in Zion aus einem vordem in Sünden toten Menschenkinde machen kann. Was sie vermögen durch den, der sie mächtig macht, sollen sie bezeugen, indem sie sein Heilandsleben, das er ihnen vorgelebt, nachleben, indem sie die Tugenden Christi, seine Weisheit, seine Gerechtigkeit, seine Liebe in ihrem eigenen Leben darstellen. Der heilige Wandel Christi, der sie berufen aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Lichte, soll sich wiederspiegeln in dem Wandel seiner Gläubigen, also dass:

„In Wort und Werk und allen Wesen,
Sei Jesus und sonst nichts zu lesen.“

So soll nach Gottes Willen auf dem Wege der Anschauung das Evangelium von Jesu der Welt vorgelebt und vorgeliebt werden. Der Lichtwandel der Gläubigen soll die Bibel sein, die in unmissverständlicher Bildersprache zu den Kindern der Welt redet, zu einem Zeugnis über sie.

Wie aber können sündige Menschen dazu tüchtig werden? Sie könnens in Christo, nur in Christo. Die sich im festen Glauben auf diesen Heilsgrund stellen und sich zu Königen und Priestern machen lassen, die können und dürfen auch des Herrn Ruhm verkündigen. Seine Gläubigen, die er sich auserlesen, heiligt er auch fort und fort mit seinem Geiste, erfüllt er immer reicher mit Kraft aus der Höhe. Die er zu Königen macht, befähigt er auch zu standesgemäßem, königlichem Wandel. Der im Alten Testamente so treulich dafür gesorgt, dass seinen Priestern die Hände gefüllt wurden, sollte er es seinem Priestervolk im Neuen Bunde fehlen lassen? Das Alte Testament enthält viele Vorschriften über das Verhalten der Priester. In ihrer ganzen Erscheinung, selbst in ihrer Kleidung, sollten sie ihre Heiligkeit bekunden. Am Priester sollte alles erinnern an seinen hohen Beruf der ausschließlichen Hingabe an den Herrn. In wie viel höherem Sinne gilt das doch von den Priestern und Königen des Neuen Testamentes. Ihr ganzes Leben soll es bezeugen, was als bedeutsame Inschrift auf dem Stirnblatte des Hohenpriesters zu lesen war: Heilig dem Herrn!

Hat denn nicht der Herr auch heute noch, wie in der Apostel Tagen sein Volk, seine Leute, die ihn also verkündigen? Hat er nicht überall wo sein Wort lauter und rein verkündigt wird, seine treuen Reichsgenossen? Stehen nicht die Gläubigen trotz aller ihnen noch anklebenden Sünden dennoch durch ihre Liebe, ihren Frieden, ihre Freude im Heiligen Geiste da, als die Zeugen des herrlichen Kommens Jesu in die Welt?

Seht doch, wie Christus sich in schwachen, verlorenen Sündern verherrlichen kann! Was ist's, dass sie dahingehen als die Traurigen, und doch allezeit fröhlich, als die Armen, und die doch viele reich machen (2. Kor. 6)? Sie haben den Grund gefunden, der ihren Anker ewig hält; sie stehen in dem herrlichen Berufe, in den der Herr selbst sie gestellt, zu dem er selbst sie ausrüstet. Ja, Christus, der Herr seiner gläubigen Gemeinde, Christs, der da kommen sollte. Wir brauchen keines anderen mehr zu warten.

Die Nacht ist vergangen, der Tag ist herbeigekommen (Röm. 13, 12), der Tag des Heils für alle, die den einen Eckstein in Zion erwählen. Aufs Nene hält der Herr seinen Advent in der Christenheit, aufs Neue bietet er sich uns allen an. Zu allen will er kommen, denen er willkommen. Für uns alle ist dieser göttliche Adelsbrief ausgestellt, auch für dich.

Nur herzu, zu dem, der euch bis in den Tod geliebt! Glaubt an Ihn, gründet euch auf Ihn! Keiner braucht zurückzubleiben! Ihr sollt alle wenn ihr nur aufrichtig wollt noch eingetragen werden in die königlichen Standesregister des Reiches Gottes, als sein auserwähltes Geschlecht, sein königliches Priestertum, sein heiliges Volk.

Kommet nur zu Jesu! In Ihm ist euch alles geschenkt.

Suchet Jesum und sein Licht,
Alles Andere hilft euch nicht!

Amen.

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