Doedes, Jacobus Isaac - Der Glaube an Jesum.

Doedes, Jacobus Isaac - Der Glaube an Jesum.

Apostg. 16, 30-31.

Und führte sie heraus, und sprach: Liebe Herren, was soll ich tun. dass ich selig werde? Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du und dein Haus selig.

Sich zu beunruhigen ohne Ursache, das wird niemandem zugemutet, aber ruhig fortzuleben, wenn man sich sehr beunruhigen muss, das verdient den Namen Ruchlosigkeit. Wie viele leben aber fort, als ob sie nichts zu fürchten, nichts zu entfliehen hätten, während sie einer schrecklichen Zukunft entgegen gehen, einer Zukunft von Heulen und Zähneklappern! Fragt ihr, von welchen wir dies sagen? Von den Sündern, die noch nicht gerettet sind und die gleich wohl fortleben, als ob sie von Gottes gerechtem Urteil nichts zu fürchten hätten. Kämen sie doch zu sich selber und schauten sie doch aus nach der Erlösung von dem ewigen Verderben. Könnten sie doch nicht ruhen, bevor sie versichert wären, des Himmels Freude und Herrlichkeit als ihr Erbteil betrachten zu dürfen!

Wenn es unter euch noch welche gibt, die sich nicht errettet halten dürfen, denen rufen wir zu: wacht doch auf und steht auf und entflieht dem zukünftigen Zorn. Es gibt kein Drittes zwischen selig werden und verdammt werden, ebenso wenig als zwischen Ruhe und Unruhe, Licht und Finsternis, Himmel und Hölle. Es gibt auch keine Vereinigung zwischen den beiden. Sie reichen einander nimmer die Hand. Selig werden, das ist über alles lieblich, herrlich, wünschenswert. Verdammt werden, das ist entsetzlich, furchtbar, schrecklich. Selig werden oder verdammt werden, was wählt ihr? Selig werden, selig werden, rufen alle.

Geht ein durch die enge Pforte, hat Jesus gesagt, denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt und ihrer sind viele, die darauf wandeln. Und die Pforte ist enge und der Weg ist schmal, der zum Leben führt und ihrer sind wenige, die ihn finden. Wer ihr auch seid, in welcher Lebenszeit auch, ihr befindet euch entweder auf dem breiten oder auf dem engen Wege. Ihr gehört zu den Vielen oder zu den Wenigen. Von diesen beiden Eins, ihr habt die Pforte, die zur Verdammnis führt, oder die Pforte, die zum Leben führt, vor euch.

Der breite Weg, die weite Pforte, das Verderben, das ist das Teil derjenigen, die verdammt werden. Der schmale Weg, die enge Pforte, das Leben, - das ist das Teil derjenigen, die selig werden.

Auf welchem Wege seid ihr? Welcher Pforte naht ihr euch? Welches ist das euch bereitete Teil?

Auf dem breiten Wege befinden sich nicht bloß die meist Verwahrlosten, die am fernsten Verirrten, die am tiefsten Gesunkenen, die am schwersten Gefallenen; nicht bloß die groben Missetäter, die wohlbekannten Gottlosen, die allgemein Verabscheuten. Auf diesem Wege befinden sich Alle, die nicht bekehrt sind, Alle, so lange zwischen dem Augenblick ihrer Geburt und heute nicht ein Tag oder Monat oder Jahr liegt, wovon sie sagen können: damals verließ ich den breiten Weg. Wie aber von diesem breiten Wege des Verderbens zu kommen auf den Weg des Lebens, zu kommen zu der Pforte, die man für den Eingang des Himmels halten kann?

Auf diese Frage eine genügende Antwort zu empfangen ist viele Schätze wert. Diese Frage wie die rechte Antwort darauf verdient alle unsere Andacht in Anspruch zu nehmen.

Was muss ich tun, dass ich selig werde? fragte einst der Gefängniswärter zu Philippi. Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du selig werden, antworteten ihm Paulus und Silas.

Paulus und Silas zu Philippi, ihr erinnert euch, wie sie dort gekommen, empfangen, behandelt waren. Ihr erinnert euch des merkwürdigen: „komm herüber nach Makedonien und hilf uns;“ des Ausrufs der Wahrsagerin: „diese Menschen sind Knechte Gottes des Allerhöchsten, die euch den Weg der Seligkeit verkündigen;“ der Gewalt, die ihnen angetan wurde. Da wurden sie in den Kerker geworfen, wohl bewahrt durch Menschen und durch Gott. Ein Erdbeben kommt. Türen werden geöffnet, Bande gelöst. Entsetzt, erschrocken, verzweifelnd hätte der Kerkermeister sich ums Leben gebracht, wenn Paulus ihm nicht versichert hätte, dass keiner der Gefangenen entflohen wäre. Der Mann ist aber ganz und gar bestürzt. Nachdem er Paulus und Silas herausgeführt, fragt er schnell: „Was soll ich tun, dass ich selig werde?“ Diese Frage muss in Verbindung gebracht werden mit der Predigt Pauli, der schon einige Zeit in Philippi verweilt hatte. Ebenso gut als die Wahrsagerin konnte der Kerkermeister wissen, dass diese Menschen den Weg der Seligkeit d. h. den Weg der Rettung verkündigten. Auch braucht er Paulum selbst nicht gehört zu haben. Er konnte durch die Wahrsagerin etwas von des Apostels Predigt vernommen haben, da sie Paulus und Silas viele Tage lang auf der Straße mit ihrem Geschrei gefolgt war. Tief erschüttert nimmt er jetzt denn seine Zuflucht zu ihnen und sie geben ihm eine kurze und bestimmte Antwort: „Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du selig werden,“ und nicht bloß er, sondern wenn sein Haus den Herrn Jesum auch annähme, solle auch sein Haus mit ihm dasselbe Heil teilen. Nun predigen sie ihm das Wort des Herrn. Die zu seinem Hause gehören, nehmen es mit an, und der Kerkermeister wird froh in seinem Gott in derselben Nacht.

Wir hörten da eine Frage und Antwort, bei der wir einige Augenblicke still stehen wollen, erst bei der Frage, dann bei der Antwort. Wer unter euch sollte keine Teilnahme haben für das, was auf den Glauben Bezug hat, durch den man selig wird!

Was muss ich tun, dass ich selig werde? Diese Frage kommt nicht in uns auf, so lange wir uns nicht verloren halten, und dazu kommen wir aus uns selber nicht. Wir müssen aufmerksam darauf gemacht werden, dass wir nicht sind, wie wir sein sollten, dass wir nicht gelebt haben, wie wir hätten leben müssen, um Gott zu gefallen und um zu Gottes Gemeinschaft zugelassen werden zu können. Man muss uns hinweisen auf unsere Übertretungen der Gebote Gottes, auf die Unreinheit unseres Herzens, aus der alle unsere Sünden hervorgehen und darauf, dass wir schuldig sind und bestraft werden sollen und durchaus nichts tun können, um unsre Schuld vor Gott auszuwischen, die begangenen Sünden wieder gut zu machen. Übersehen wir unsere Übertretungen und die Unreinheit unseres Herzens, wie sollten wir dann glauben können, dass wir verloren sind? Eine Predigt, die von der Voraussetzung ausgeht, dass jeder Sünder ein Verlorener ist, nennt man schwarz gefärbt, übertrieben. Gott ist doch gnädig. Man kann um Vergebung bitten und sein Leben bessern. Auch lässt sich wohl noch etwas zur Entschuldigung und Beschönigung sagen. Verloren! man schüttelt das Haupt. Übertrieben ist es aber nicht. So viele ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verloren gehen, und so viele unter dem Gesetze gesündigt haben, werden durch das Gesetz verurteilt werden. Nicht die das Gesetz hören, sondern die das Gesetz erfüllt haben, können als gerechtfertigt vor Gott erscheinen und wer kann sagen, dass er das Gesetz Gottes erfüllt, den Willen Gottes immer getan, Gott in Allem gehorcht hat? Niemand, ja Niemand und so kann Niemand aus seinen Werken gerechtfertigt werden. Aber wer nicht als ein Gerechtfertigter vor Gott erscheinen kann, wird bestraft werden, und wer bestraft werden soll, ist doch verloren.

Das ist keineswegs übertrieben. So nennt ihr es vielleicht, wenn ihr sehr leichtfertig und leichtsinnig über Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit, über Gottes Gesetz und eure Pflicht denkt. Der aber weiß, wer Gott ist und der dann sich selber kennt, ruft aus: ich habe gesündigt gegen Gott, für mich ist der Himmel geschlossen. Wenn der Himmel für dich geschlossen ist, was dann?

Der sich selber kennt, sagte ich; es kommt hierbei auf die Selbsterkenntnis an. Es genügt nicht, dass man sich das Wort Gottes verkündigen hört. Die Wahrheit muss Wiederhall im Herzen finden, wenn man ihr das Zeugnis geben soll, das ihr zukommt. Wir müssen uns als Sünder erkennen lernen, schuldig vor Gott, strafwürdig und dabei außer Stande wieder gut zu machen, was von uns verdorben ist. Unsere Augen müssen geöffnet werden, so dass wir einsehen, wie abscheulich die Sünde ist, wie gottlos wir sind. Erkennen wir uns selbst, so werden wir nicht anstehen einzustimmen, dass wir verloren sind; aber zu dieser Erkenntnis zu kommen, dazu gehört mehr, als dass die Wahrheit uns gepredigt wird. Dazu müssen wir unser Herz und Leben untersuchen und muss es uns wie der Lydia zu Philippi gehen, welcher der Herr das Herz auftat, dass sie Acht hatte auf das, was von Paulo geredet ward. Dazu müssen auch wir gebracht werden, dass wir Acht geben auf das, was durch das Evangelium gepredigt wird. Es geht von dem Grundsatz aus, dass der Sünder verloren ist. Es spricht von errettet werden und Rettung, Worte, die besser als das gewöhnliche selig werden und Seligkeit ausdrücken, was eigentlich gemeint ist. Der Herr Jesus sagte, er sei gekommen zu suchen und zu retten, was verloren ist. Der Kerkermeister zu Philippi fragte: was soll ich tun, dass ich errettet (selig) werde? So fragt man, wenn es mit der Ruhe zu Ende geht, worin man bis dahin fortgelebt hat, aber worin man nicht länger fortleben kann, wenn durch Selbsterkenntnis Unruhe ins Herz gekommen ist.

Liebliches Wort: „Was muss ich tun, dass ich errettet werde?“ Es tut nichts zur Sache, ob es über eure Lippen kommt. Ist es in eurem Herzen, dann werdet ihr auf eure Rettung bedacht sein. Selten ist Jemand darauf schon in seiner Jugend bedacht. Erinnert euch nur eurer ersten Lebensjahre. Unbesorgt lebtet ihr fort von einem Tage zum andern, und kanntet ihr auch schon Sorgen, als ihr allmählig aufhörtet Kind zu sein, es war nicht der Gedanke: was muss ich tun, dass ich errettet werde? welcher euch beherrschte. Wie glücklich seid ihr, wenn ihr eine Erziehung erhalten habt, wodurch ihr schon früh mit Gottes Wort, dem Worte der Wahrheit, in Berührung gebracht seid. Viele werden grade durch ihre Erziehung verhindert, die Wahrheit kennen zu lernen. Wenn die Wahrheit vor uns verborgen gehalten wird, wie sollen wir dann in unserer Jugend schon zu dem Gedanken kommen, dass wir auf unsere Rettung bedacht sein müssen? Aber die Jugend geht vorüber; die Jahre fliegen dahin; schon hat man oft gehört von des Menschen Elend durch die Sünde und von der Erlösung durch den Herrn Jesus; schon hat man manchmal die Bibel vor sich und in Händen gehabt und unter der Predigt des Evangeliums vernommen, was Gott durch den Herrn Jesus getan hat, um Sünder selig zu machen, und was der Sünder tun muss, um durch den Herrn Jesus selig zu werden; doch ist es lange so, als ob man es auf sich selbst nicht anzuwenden braucht. Es macht keinen Eindruck. Es lässt keinen Eindruck zurück. Man begreift es eigentlich nicht. Aber was geschieht? Wer bis heute gesund war, wird krank. Wer bis heute nur Glück kannte, gerät in Unglück. Man sitzt an einem Krankenbette. Man muss das Trauerkleid anziehen. Nein, das ist nicht durchaus nötig, um Jemand endlich stille stehen zu lassen, aber Gott gebraucht es oft dazu. Unverhofft trifft auch ein Wort. Welches Wort? Ja, bisweilen ein Wort, das man schon oft gehört hat, bisweilen eins, das sich erst jetzt in einem helleren Lichte uns darstellt. Den Einen ergreift dieses, den Andern etwas anderes. Gott bedient sich vielerlei Mittel, um den Sünder auf den Irrtum seines Weges aufmerksam zu machen; Mittel, die wohl mal verborgen bleiben für den, dessen Erwachen, Aufstehen und Rettung die Folge davon ist. Trifft die Wahrheit das Herz eines Menschen, dann ist er deshalb jedoch noch nicht in demselben Augenblick gehorsam. Aber ist er wirklich getroffen, der Pfeil ins Herz, das Schwert des Geistes durch seine Seele gegangen, dann hat er nur die Wahl zwischen mutwilliger Verhärtung und demütiger Übergabe an die Stimme des Rufenden. Wie wenig Kampf würde diese Übergabe kosten, wenn das Herz nicht arglistig, nicht hochmütig, wenn das Evangelium nach dem Menschen, wenn Er, der den Sünder zur Bekehrung ruft, nicht heilig wäre; oder auch, wenn sich nicht Blutsverwandte oder Freunde, wenn sich nicht Erde und Welt mit dem, was in ihnen ist, zwischen das gute Teil und denjenigen stellten, der das gute Teil erwählen muss.

Einen gibts, dem zu viel liegt an dem Einschlummern der Erwachenden, an dem Betäuben der zu sich selber kommenden Sünder, als dass er nicht alles anwenden und versuchen sollte, um der Wirkung des Wortes Gottes entgegenzuwirken. Es gibt einen Feind für die, welche anfangen ernstlich nachzudenken über die Bedürfnisse ihres Herzens und das Elend ihres Zustandes. Der Feind, welcher das Unkraut säet, wo der Menschensohn guten Samen säet, ist der Teufel. Wie ein brüllender Löwe geht er umher und sucht, wen er verschlinge. Wie ein Engel des Lichts kommt er zu dir und zu dir, der du anfängst zu glauben, dass du nicht selig werden kannst, wenn du dich nicht bekehrst. Widersteht dem Teufel und lasst euch nicht in seine Stricke gefangen nehmen. Nein, keine Ableitung, keine Zerstreuung gesucht, wenn ihr ernstlich über euch selbst beunruhigt werdet. Dann ist Ableitung Verleitung und Zerstreuung ist dann Verwüstung. Nein, nicht zurückgekehrt zu dem, was ihr verlassen müsst. Bekehrt euch, erneuert euch im Geiste eures Gemüts. Habt nicht lieb die Welt; ringet einzugehen in die enge Pforte; denn Viele werden trachten hineinzugehen und werden es nicht tun können, nämlich, wenn es zu spät ist. Jetzt ist es noch nicht zu spät, jetzt ist es noch der Tag des Heils. Jesus ruft euch. Kommt zu ihm. Folgt ihm, wenn ihr vor der Hölle zittert. Fliehet dann gen Himmel. Wenn ihr der Hölle im Himmel entfliehen wollt, hört dann auf ihn, der vom Himmel herabgekommen ist, euch zu erlösen, zu retten, unter die Seinen aufzunehmen. Hier ist der Weg des Heils, der Weg nach dem Himmel; hier bei Jesus, welcher sagt: Niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Jesus ist die Tür für die Schafe. So Jemand durch ihn eingeht, der soll errettet werden.

Ihr, die ihr nicht mit euch selbst zufrieden seid, die ihr über euren Zustand beunruhigt seid, hört des Herrn Wort. Lasst euch nicht abschrecken durch das, was ihr hört von Selbstverleugnung, von Kreuzigung des Fleisches. Lasst euch vielmehr abschrecken von dem Wege, den ihr bis heute inne hieltet. Das Ende dieses Weges ist entsetzlich. Werfet euch nicht in Ableitung und Zerstreuung, wenn sich in eurem Innern einige Unruhe des Gewissens, des Herzens, der Seele fühlen lässt. Heilsame Unruhe, die aus der Furcht kommt, dass ihr zu den Verlorenen solltet gerechnet bleiben müssen. Wir predigen euch nicht, dass ihr nicht verloren seid. Wir predigen euch, dass ihr errettet werden könnt. Vertraut denen nicht, welche sagen: „Friede, Friede und keine Gefahr,“ so lange ihr nicht wiedergeboren seid, so lange ihr nicht festen Grundes in der Vergebung eurer Sünden euch rühmen, euch nicht über die Erneuerung eures Herzens freuen könnt. Es muss nicht eure vornehmste Frage sein, ob ihr ruhig seid, sondern ob ihr ruhig sein dürfet. Ihr dürfet vor eurer Bekehrung nicht ruhig sein, Sünder, denn ihr habet Feindschaft wider Gott ausgeübt, euch als Feinde Gottes betragen. Ihr dürft also nicht ruhig sein, so lange ihr euch nicht habt mit Gott versöhnen lassen, unter die Kinder Gottes aufgenommen seid. Lasst euch doch erretten von dem verkehrten Geschlecht, zu welchem ihr gehört.

Gehen diese Worte zu euren Ohren ein und dringen sie zu eurem Herzen durch; antwortet ihr: ja ich bin schuldig und verdorben, dann wird es auch heißen: was muss ich tun, dass ich errettet werde? Ist es so weit noch nicht bei euch, dann wünsche ich auch, dass ihr auf die eine oder andere Weise gezwungen werden mögt, Acht zu geben auf diese Worte, durch Krankheit oder durch Unglück, durch Trauer oder durch Leiden, durch Betrübnis oder durch was es auch sei. Es ist doch besser, gebückt zu gehen unter einem schweren Kreuze, und dadurch zum Fragen nach dem Wege des ewigen Lebens gebracht zu werden, als wohlgemut, fröhlich, aufgeräumt dem offenen Abgrunde entgegen zu eilen. Hat die Frage, bei der wir jetzt verweilten, euch einmal zu dem Herrn Jesu gebracht, hat das gefühlte Bedürfnis nach einem Retter, wie es Jesus ist, euch die Zuflucht zu ihm nehmen lassen, so danket Gott, dass er den Hunger und Durst nach dem ewigen Leben in euch gewirkt hat und vergesst nicht, dass ihr heute noch ohne Hoffnung der Herrlichkeit sein würdet, wenn das Wort Gottes euch nicht gesagt und der Geist Gottes euch nicht davon überzeugt hätte, dass ihr zu den Verlorenen gehörtet.

Aber nun die Antwort.

Stellt euch vor, dass Niemand antworten könnte auf eure Frage, was ihr tun müsst, um selig zu werden, dass wir nach der Antwort suchen müssten als nach einer unbekannten; dass wir uns mit Vermutungen begnügen müssten. Es ist keine Kleinigkeit, gerettet zu werden. Es ist also auch keine Kleinigkeit, nicht zu wissen oder nicht mit Sicherheit zu wissen, was man dafür zu tun hat!

Fragt mal Diesen oder Jenen danach. Der Eine sagt: beten. Der Andere: Gottes Willen tun. Beten, um errettet zu werden. - Sehr gut; aber was muss ich beten? Dass Gott mir die Sünden vergebe, dass Gott mich nicht strafe, dass Gott mich in den Himmel aufnehme? Wenn ich so bete, werde ich dann selig werden? Nein, sagt man, du musst auch Gottes Willen tun. Sehr gut. Aber wenn ich Gottes Willen nicht tue, - ich tue seinen Willen nicht, ich habe Gottes Willen nicht getan, ich bin ein Sünder, ich sündige täglich. Sag mir, was muss ich tun, um nicht verdammt zu werden, so wie ich verdiene?

Wenn es so weit mit dir gekommen ist, dass du diese letzten Worte mit einem zerschlagenen, tief bewegten Herzen aussprichst, dann hast du etwas anderes nötig, als den Rat zu beten und Gottes Willen zu tun, das heißt dann, nicht mehr zu sündigen.

Ein Kranker fragt, was er tun muss, um wiederhergestellt zu werden und man antwortet ihm: aufhören, krank zu sein! Was muss ich tun, um gerettet zu werden? Antwort: sündige nicht mehr. Das ist bitter!

Ist das bitter? Und der Herr Jesus! Einst kam Jemand zu ihm mit der Frage: was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu haben? Der Herr antwortete: halte die Gebote. Aber das ist gut geantwortet; denn der reiche Jüngling fragte nicht, was er tun müsste, um gerettet zu werden. Er hielt sich auch nicht für verloren. Der Herr wollte ihn fühlen lassen, dass er die Gebote nicht gehalten hatte, nicht halten konnte. Hängt es vom Halten der Gebote ab, dann ists für uns unmöglich, selig zu werden; nicht, weil Gottes Wort zu viel von uns fordert, sondern weil fleischlich gesinnt sein eine Feindschaft wider Gott ist und weil wir durch unsere Geburt aus Fleisch fleischlich gesinnt, unter die Sünde verkauft sind. Wir elenden Menschen, wer wird uns erlösen?

Glaube an den Herrn Jesum und du wirst gerettet werden. Gerettet durch den Glauben? Dann müssen wir näher kennen lernen, was Glauben ist.

Alles Glauben ist eine Tat des Vertrauens. Ohne Vertrauen kein Glauben. Der Glaube an Jesum ist an erster Stelle das Vertrauen auf ihn, woraus alsbald folgen muss: ihn annehmen und sich ihm übergeben. Jesus fordert Vertrauen und verdient es auch. Dass er es fordert, ist ersichtlich aus seinem Worte: kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid und ich will euch Ruhe geben. Folgt mir und ihr werdet das Licht des Lebens haben. Er will, dass wir seinen Worten sollen glauben, seinem Zeugnis von ihm, dass wir ihn sollen annehmen als von dem Vater zu unserer Rettung gesandt, und uns ihm übergeben sollen, um durch ihn zum Vater gebracht zu werden. Wer zu mir kommt, den will ich nicht hinausstoßen, sagte er, um vollkommenes Vertrauen und Freudigkeit einzuflößen. Alles Vertrauen ist eine Tat des Herzens. Misstraut man Jemandem, dann erschließt man sein Herz nicht vor ihm, dann gibt man ihm sein Herz nicht. Jesus will, dass wir unser Herz vor ihm öffnen, ihn in unser Herz aufnehmen sollen. Jesus will, dass wir uns ihm sollen anschließen, auf die innigste Weise mit ihm sollen vereinigt werden. Ich bin das Brot des Lebens, sagte er; wer mich isst, wird durch mich leben. Ihn zu essen, uns so innig mit ihm zu vereinigen, wie wir es mit der Speise tun, die wir essen, das gebietet der Herr. Aber dazu ist vollkommenes Vertrauen des Herzens nötig und das verdient er auch. Er ist von Gott gesandt, die Welt zu erretten. Dazu ist er vollkommen im Stande als der Sohn des lebendigen Gottes, gleich dem Vater, Eins mit dem Vater. Von den Seinen hat er gesagt: Ich gebe ihnen das ewige Leben und sie sollen nimmermehr umkommen und Niemand soll sie mir aus meiner Hand reißen. Aber zweifeln wir auch nicht an der Macht des Sohnes Gottes, mögen wir doch nicht fragen, ob er Sünder in den Himmel bringen kann? Für Sünder ist der Himmel doch geschlossen.

In Jesu ist der Himmel für Sünder erschlossen! Wer den Sohn anschaut und an ihn glaubt, hat nach dem Willen Gottes das ewige Leben und wer dieses ewige Leben hat, kommt nicht in den Tod, nicht in das Gericht, nicht in die Hölle. Wer zu Jesu als zu dem Brote des Lebens kommt, wird nimmermehr hungern und wer an ihn als den Erlöser der Sünder glaubt, wird nimmermehr dürsten. Jesus hat seine Seele gegeben zu einem Lösegeld für Viele, ist gestorben für unsere Sünden, er, der Gerechte für die Ungerechten, um uns zu Gott zu bringen. Er hat unsere Sünden an seinem Leibe auf dem Holze getragen, ist für uns ein Fluch geworden. Sein Blut ist vergossen zur Vergebung der Sünden und die an ihn glauben, haben an ihm die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung ihrer Sünden; sie sind gerechtfertigt, mit Gott versöhnt, Kinder Gottes geworden. Sie haben Friede mit Gott und dürfen sich rühmen der Hoffnung der Herrlichkeit. Jesus ist die Versöhnung ihrer Sünden, nachdem er an ihrer Statt den Tod erlitten hat. An ihn glaubend ist man gereinigt von aller Sünde, wie gewaschen in dem Blute des Lammes Gottes. Glaubt an den Herrn Jesus und ihr werdet errettet werden!

Gleichgültig nun, welch eine Last von Sünde und Schuld dich drückt, gleichgültig, welche Gräuel du getrieben hast, welche Ungerechtigkeiten dich vor Gott verdammlich machen, du kannst gerettet werden. Und wärest du ein Brudermörder wie Kain und leichtsinnig wie Ham oder wie Esau; und wärest du ein Ahab in Gottlosigkeit, ein Judas in Ungerechtigkeit; auf deine Frage: was muss ich tun, dass ich errettet werde? würde Niemand anstehen mögen zu antworten: glaube an den Herrn Jesus. Er ist gestorben für Gottlose, in den Tod gegangen für Gottes Feinde. Wer errettet werden will, ist wie ein Durstender, und wen da dürstet, der komme zu Jesu und trinke. Das ist je gewiss wahr und ein teuer wertes Wort, dass Jesus Christus kommen ist in die Welt, die Sünder zu erretten, und er hat die Verlorenen zu lieb, als dass er sie, wenn sie zu ihm kommen, um durch ihn gerettet zu werden, von sich stoßen sollte.

Ohne diesen Glauben ist es nicht möglich von dem zukünftigen Zorn erlöst zu werden, Vergebung der Sünden zu haben, in den Himmel aufgenommen zu werden. Wer nicht glaubt, wird verdammet werden. Gleichgültig was du für deine Lebens-Kreise, Freunde, Nächsten, für dein Haus und deinen Wohnplatz, für die Gemeinde, die Wissenschaft, die Kunst, für dein Vaterland oder für die Menschheit getan haben magst, - wenn du nicht an Jesum glaubst, bleibst du aus dem Himmel ausgeschlossen. Keine andere Rechtfertigung denn durch den Glauben an ihn.

Aber warum ist dies doch das Einzige und Unentbehrliche, um errettet zu werden? Weil Jesus der Einzige und Unentbehrliche zur Rettung eines verlorenen Sünders ist und weil man ihn nicht angenommen und nicht ergriffen hat, wenn man nicht an ihn glaubt. Ohne dies letzte hat man nichts an seiner Erscheinung. Was nützt es Einem, dass da Brot für ihn steht, wenn er es nicht isst; Wasser, wenn er es nicht trinkt? Was nützt ein Arzneimittel, das man nicht gebraucht, ein Zufluchtsort, an dem man vorbeigeht? Doch nichts. Ebenso wenig nützt dir Jesus etwas, wenn du ihn nicht annimmst mit deinem Herzen als deinen Erlöser und dich nicht ihm übergibst mit deinem Herzen, um ihm ganz anzugehören; wenn du ihm nicht vertraust und dich selbst nicht ihm anvertraust. Vergebens hätte Noah die Arche gebaut, wenn er später nicht hineingegangen wäre; und Zoar würde dem Lot keinen Dienst bewiesen haben, wenn er nicht dorthin hätte fliehen wollen. Vergebens ist Jesus für dich in die Welt gekommen und vergebens wird dir das Evangelium verkündigt, wenn du nicht an Jesus glauben willst.

Wer nun an den Herrn Jesus glaubt, ist der gerettet, gleichviel wie er forthin lebt? Wir fragen dich, wie Jemand leben würde, der durch Schuldgefühl und Betrübnis über seine Sünden zu Jesu getrieben ist und ihn angenommen hat, um durch ihn den freien Zugang zum Himmel zu haben und sich ihm übergeben hat, um innig mit ihm vereinigt vor dem Dienst und dem Lohn der Sünde geborgen zu sein. Wir fragen dich, wie sie leben sollen, die in sehr enger Gemeinschaft leben mit Jesu Christo, dem Sohn Gottes, dem Gerechten, durch welchen sie den Heiligen Geist empfangen. Von dem Glauben an Jesum kann die Bekehrung nicht getrennt, die Wiedergeburt nicht fern gehalten werden. Grade wie man an Jesum glauben muss, wenn man sich bekehren, wiedergeboren werden will, so muss man als ein Erneuerter leben, wenn man an Jesus glaubt.

Ihr seid meine Freunde, so ihr tut, was ich euch gebiete, sagt der Herr. Ist Jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur, sagt sein Apostel. An Jesus glauben und in der Sünde leben, passt ebenso zu einander, als Gott bekennen und dem Teufel dienen.

Jesus hat sich für uns dahingegeben, uns zu erlösen von aller Ungerechtigkeit und sich selbst ein Volk zu reinigen, das fleißig wäre zu guten Werken.

Bekehrt euch, sagte schon Johannes der Täufer. Bekehrt euch, sagte Jesus selbst. Bekehrt euch, sagten die Apostel des Herrn.

Wer an Jesus glauben will, ohne sich bekehren zu wollen, will ein Kind Gottes werden, ohne aufzuhören, ein Feind Gottes zu sein. Urteilt selbst, ob das möglich ist.

Aber wenn dann diejenigen, welche an Jesus glauben, noch sündigen, - oder sündigt man nicht mehr, sobald man an Jesus glaubt?

Jede Sünde ist von Gott verflucht und muss darum mit aufrichtiger Reue, tiefer Betrübnis und bitterer Selbstanklage vor ihm bekannt werden. Die an den Herrn Jesus glauben, machen sich noch täglich Sünden schuldig, so dass sie, müssten sie aus ihren Werken, durch ihre Heiligung gerechtfertigt werden, sicher verloren gehen würden. Dass sie dennoch nicht verloren gehen, obschon sie noch sündigen, verdanken sie dem, dass ihre Rettung nicht von ihrer Gerechtigkeit abhängt, und dass sie fortwährend zu dem Herrn Jesus ihre Zuflucht nehmen, um in ihm Vergebung der Sünden zu empfangen. Wer daraus Freiheit zum Sündigen ableitet, bezeugt damit, dass er noch nicht wiedergeboren ist; die in der einen oder andern Sünde fortleben können, obschon sie Jesum bekennen, verhöhnen den Mittler Gottes und der Menschen und verdienen Kinder des Teufels zu heißen.

Aber Kinder Gottes dürfen diejenigen genannt werden, die mit Christus aufs Innigste durch den Glauben an ihn verbunden, der Sünde abgestorben, zu einem nur Gott geweihten Leben auferstanden sind. Zu ihnen sagt Johannes: „und ob Jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist.“ Zu ihnen sagt Petrus: „haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ Zu ihnen sagt Paulus: „aus Gnaden seid ihr errettet worden durch den Glauben und das nicht aus euch, sondern es ist Gottes Gabe, nicht aus den Werken, auf dass sich kein Fleisch rühme.“ Zu ihnen sagt Jesus: ich bin der Weinstock; ihr seid die Reben; wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht, denn ohne mich könnet ihr nichts tun; darin wird mein Vater geehrt, dass ihr viele Frucht bringt. Einen jeglichen Reben aber, der da nicht Frucht bringt, wird er wegnehmen und einen jeglichen, der da Frucht bringt, wird er reinigen, dass er mehr Frucht bringe. Zu ihnen kommt das Wort: wacht, betet, kämpft, beharrt bis ans Ende. Wer überwindet, spricht der Herr, dem will ich geben, mit mir auf meinem Stuhl zu sitzen, gleich wie ich überwunden habe und bin gesessen mit meinem Vater auf seinem Stuhl. Alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt, und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Glaube an den Herrn Jesum Christum und du wirst errettet werden. Siehe, das ist das Alpha und das Omega der Lehre der Seligkeit. Diesem Glauben ist an Wert nichts zu vergleichen. Für diesen Glauben stellst du vergeblich etwas anderes an die Stelle. Jesus allein errettet und allein durch den Glauben an Jesus werdet ihr mit dem Erretter verbunden.

Nun müssen wir uns selbst fragen: seid ihr zu dem seligmachenden Glauben gekommen? Wenn man es euch mal fragte, was würdet ihr sagen?

Vielleicht antwortet ihr, das ist eine Sache zwischen Gott und mir. Ganz richtig. Aber sagt ihr das etwa, um euch den Antworten zu entziehen? Es gibt solche, die wohl fühlen, wohl zugeben müssen, dass sie nicht an Jesus glauben; die dabei sehr gut wissen, dass sie dann noch nicht errettet sind, die jedoch vor ihrem wahren Zustande mutwillig die Augen verschließen und dann auch keine Rechenschaft geben wollen, eben so wenig anderen als sich selber, darüber, was sie sind. Gehört ihr zu diesen? Sicherlich ist es eine Sache zwischen Gott und euch, ob ihr an Jesus glaubt. Aber nirgends werdet ihr in der Schrift verboten finden, über euren Glauben an Jesus zu sprechen. Im Gegenteil, ihr verherrlicht den Herrn Jesus dadurch, wenn ihr, wo es nicht am unrechten Orte geschieht, erklärt, dass ihr ihn eures vollkommenen Vertrauens für würdig haltet.

Wie es auch sei, wenn ihr nicht an den Herrn Jesus glaubt, so gebt Gott Rechenschaft von den Gründen, warum ihr seinen Sohn nicht für euren Heiland erkennt, und euch selber von den Folgen, welche das sicher für euch haben wird, wenn ihr dabei beharrt, zu denen zu gehören, die nicht geglaubt haben.

Vielleicht antwortet ihr: ich habe allezeit geglaubt. Aber wie ist das möglich? Einmal müsst ihr doch zuerst den Herrn Jesus als euren Heiland angenommen haben, einmal zuerst eingesehen haben, dass ihr ein verlorener Sünder seid. Habt ihr allezeit geglaubt, so möchte man zu dem Schlusse kommen, dass ihr auch allezeit ein Wiedergeborener gewesen seid und das ist doch nicht möglich. Nein, allezeit habt ihr nicht geglaubt an den Herrn Jesus. Einmal müsst ihr zuerst zu der Einsicht in eure Sünden gekommen sein, einmal zuerst eingesehen haben, dass ihr als ein verlorener Sünder zu dem Herrn Jesus kommen musstet? Seht ihr es heute ein? Erkennt ihr in diesem Augenblick, dass ihr unter dem Fluche des Gesetzes seid und unter dem Zorn Gottes, wenn ihr euch betrachtet, so wie ihr durch eure Sünden seid? Vielleicht zweifelt ihr, denn grade die, welche sagen, dass sie immer an Jesus geglaubt haben, sind keineswegs von ihrem Sündenelend überzeugt. Aber ich will das „immer geglaubt haben“ ruhen lassen, um euch jetzt zu prüfen: erkläre dich mal im gegenwärtigen Augenblick. Ist Jesus jetzt für dich dein Sühnopfer, dein Hohepriester, dein Erlöser und Herr? Sagst du nun bei dir selber: ich verdiene die ewigen Höllenstrafen um aller meiner Ungerechtigkeiten willen, aber ich bin freigesprochen, weil Jesus für meine Missetaten gestorben ist und ich zu seinem Blute meine Zuflucht genommen habe? Glaubst du nun an Jesus und glaubst du deshalb, dass du durch ihn im Himmel sicher einen Platz finden wirst? Wenn du immer geglaubt hast, musst du dies auch immer geglaubt haben. Wirst du nicht zugeben müssen, dass hieran sehr viel gemangelt hat?

Vielleicht sagst du: ich kann nicht glauben. Hast du dir wohl mal Rechenschaft darüber gegeben, was dich am Glauben hindert? Wie, du kannst nicht glauben, dass der Herr Jesus ein vollkommener Heiland ist? Oder du kannst nicht glauben, dass er bereit sein würde, dich in Gnaden anzunehmen? Vielleicht ist etwas in deinem Herzen, wodurch du vom Herrn zurückgehalten wirst. Kannst du noch nicht beschließen, aller Ungerechtigkeit abzusagen? Ist vielleicht auch die eine oder andere Sünde da, der du im Stillen zu dienen fortfährst? Ists dir vielleicht kein Ernst mit der Bekehrung? Hält Habsucht dich auch zurück, oder Unkeuschheit im Verborgenen oder etwas anderes? Prüfe dich doch selbst. Sehr oft fehlt die Freudigkeit, zu dem Herrn Jesu zu gehen und sich seine Gnade zuzueignen deshalb, weil man festhält, was man verlassen muss. Andere dürfen ihre Zuflucht nicht zu Jesu nehmen, weil sie im Bekenntnis ihrer Sünden nicht aufrichtig sein wollen. Wenn du wirklich nicht an Jesum glauben kannst, so suche die Ursache davon in dir selbst und kämpfe gegen den Feind, der dich von dem Heilande abhält. Wenn du glauben willst, so wirst du es können, und wenn du wirklich geistlich arm bist und nach der Gerechtigkeit hungerst, wirst du es wollen. Was du in jedem Falle kannst? beten, ohne Unterlass beten, dass Gott durch den Heiligen Geist eine solche Gemütsstimmung in dir wirke, als nötig ist, um nirgends Ruhe suchen zu wollen und finden zu können, als zu den Füßen des Einzigen, der vollkommen retten kann.

Vielleicht sagst du: ich weiß nicht, ob ich wohl glaube. Hast du es noch nie gewusst? dann hättest du es schon längst untersuchen müssen. Du wirst wohl nicht sagen: man kann hier nicht wissen, ob man an den Herrn Jesus glaubt. Du wirst wohl zugeben, dass Jeder von sich selber wissen muss, ob er den Herrn Jesum angenommen hat; ob er sich dem Herrn Jesus als ein verlorener Sünder übergeben hat, oder ob er sich noch nicht ihm übergeben hat. Und du weißt das nicht? Dann halte ohne Zweifel dafür, dass du noch nicht an ihn glaubst. Aber das beunruhige dich! Beunruhigt es dich denn nicht, ganz und gar in Unsicherheit zu sein in Bezug darauf, was du auf die Frage antworten musst, ob du zur Hölle oder zum Himmel fahren wirst, wenn du heute Abend stürbest? Du glaubst nicht an den Herrn Jesus, wenn du wirklich nicht weißt, ob du zu den Seinen gehörst.

Erwache aus deiner Sorglosigkeit, wirf dich nieder vor ihm, der nicht hinausstoßen wird und sage im vollen Bewusstsein dessen, was du tuest, zu dem Herrn: ich suche bei dir mein Heil, ich baue auf dich meine Hoffnung, ich nehme dich an zu meiner Rettung.

Vielleicht sagst du: ich darf nicht erklären, dass ich glaube, weil ich vergebens nach den Früchten meines Glaubens suche. Aber wenn man dich mal fragt: suchst du deine Rettung, deine Rechtfertigung in dir selber oder in dem Herrn Jesus? Was antwortest du dann? Wenn man dich fragt: darfst du dich Jesu anvertrauen für diese Zeit und für die Ewigkeit? Wenn man dich fragt: bist du unruhig über deine Sünden und bleibst du unruhig, wenn du siehst auf Jesu Kreuz, auf Jesu Sühnopfer, auf Jesu Wort: es ist vollbracht? O wenn du durch Gottes Gnade so weit gekommen bist, dass du ganz und gar verzweifelst an deiner Rettung, so du allein auf dich selbst siehst und getröstet wirst, wenn du an Jesus denkst; wenn du Bedürfnis fühlst nach diesem einzigen Mittler und keine Ruhe hast, wenn du nicht bei ihm bist - fahre nun fort und erkläre freudig und getrost Jesus ist mein Herr und König, der mir Wohnung in seines Vaters Hause bereitet. Gleichwohl, ich rufe dir nicht zuerst zu: glaube doch, dass du glaubst, sondern: glaube an den Herrn Jesus Christus und bringe Früchte des Glaubens und der Bekehrung hervor. Lass deine Augen jedoch nicht zuerst auf den Früchten, sondern lieber auf den Sünden ruhen, deren du dich noch schuldig machst, und bekämpfe sie, indem du von dir selber auf Jesum und von Jesu auf dich selbst siehst. Das gläubige Sehen auf Jesum ist für die Sünden tödlich und für die Fruchtbarkeit in guten Werken gesegnet.

Ich kann enden. Setze du fort, was ich hier begonnen. Frage und untersuche dich selbst und freue dich in deinem Herrn, wenn du dich versichert halten magst, dass du durch Gottes Gnade zum Glauben gekommen bist. Lass das denn vor Allen, die deinen Wandel sehen, über allen Zweifel erhaben sein können. Du, der noch nicht glaubt, noch ist die Zeit der Gnade nicht zu Ende. Du, der du glaubst, der Herr bewahret dich; bewache dich selber als durch sein Blut erkauft. Die Gnade dessen, der durch sein vergossenes Blut ein Recht auf uns alle hat, sei mit uns Allen! Amen!

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