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Krummacher, Hermann Friedrich - Das Vater Unser in elf Predigten - Dein Name werde geheiligt.

Ev. Matthäus 6, V. 9.

Dein Name werde geheiligt! so lautet die erste Bitte des „Unser Vater“; ihr folgen zwei andere, in denen ebenfalls das Dein vorklingt: Dein Reich komme, Dein Wille geschehe! In der zweiten Hälfte sodann tritt dem dreimaligen Dein das viermalige „uns“ gegenüber, während in der Anrede ein „Unser“ dem dreimaligen Dein vorangeht, und im Beschluss wieder ein Dein dem viermaligen „uns“ folgt. In diesem Wechsel des unser und dein und des dein und unser spiegelt sich das Wesen und die Natur des Gebets. Es webt zwischen Erd und Himmel, zwischen dem Menschenherzen und dem Herzen Gottes ein Band; es trägt die Anrufung, die Lobpreisung, das Flehen und das Danken der Kreatur in Gottes Ohr und Herz hinein. Welch eine hohe Gnade und Ehre, welch ein herrliches Privilegium des Menschen, dass ihm Gottes Ohr und Herz offen steht, dass er vor Gott sein Herz ausschütten darf. Die Ordnung der Bitten aber, in welcher das Dein dem uns vorangeht, soll uns ein Fingerzeig sein, mit welchem Sinn wir betend vor Gott treten sollen. Manch einer nennt es beten, wenn er in der Not und Verlegenheit Gott anschreit, dass er ihm seinen Willen tun soll; er behandelt den Herrn im Himmel nicht als seinen Herrn, sondern als seinen Knecht; mit seinem Notgebet will er ihn, so zu sagen, dingen oder zwingen, dass er als ein dienstwilliger Knecht besorgt, was ihm aufgetragen wird. Geschieht dann nicht, was der törichte Mensch begehrt hat, so lästert er das Gebet, als wäre es unnütz und murrt wider Gott, als wäre er ungerecht und gebärdet sich also wie die blinden Heiden, die ihren Fetischgott wegwerfen, wenn ihnen, nachdem sie ihm gute Worte gegeben, doch ein Unfall begegnet. Vor solcher Torheit warnt uns die Reihenfolge der Bitten im Gebet des Herrn: Gott und seine Sache und Ehre geht voran, und dann kommen wir mit unseren Nöten und unserm Begehren. Wollen wir mit dem Allerhöchsten reden und zu ihm beten, wie sichs gebührt, so muss unser betendes Herz sich auch vor ihm als dem Allerhöchsten neigen und seine Sache und Ehre muss unseres Herzens allerhöchstes und allererstes Anliegen sein. Des Allerhöchsten Ehre und unser Heil sind nicht wider einander. Wie könnte uns sonst auch der Herr in dem „Unser Vater“ um Beides beten lehren? Wir beten auch um unser Heil, wenn wir beten, dass Gott sich verherrliche als der Vater des Lichts, von dem alle gute und alle vollkommene Gabe kommt, und bei welchem kein Wechsel des Lichts und der Finsternis ist. Und indem wir der Bitte um unser Heil die 2. Stelle geben, beten wir, dass wir kein anderes Gut und Heil begehren, als was zur Ehre unseres Gottes dient und zu seinem Rate stimmt.

Die erste unter den drei Bitten, in denen das „Dein“ regiert, zugleich die, die in dem ganzen Chor der Bitten den Neigen führt, haben wir heut näher zu betrachten:

Dein Name werde geheiligt; wir sehen

1. was der Name Gottes bedeutet,
2. worin die Heiligung des Namens Gottes besteht,
3. was die Bitte um die Heiligung des Namens Gottes in sich schließt.

I.

Der Apostel Paulus redete einst auf dem Richtplatz zu Athen die zahlreich versammelte Menge also an: „Ihr Männer von Athen, ich bin hindurch gegangen, und habe gesehen eure Gottesdienste und fand einen Altar, darauf war geschrieben: Dem unbekannten Gott. Wir verkündigen euch denselbigen, dem ihr unwissend Gottesdienst tut.“ Die Heiden Athens kannten Gott nicht, für sie hatte Gott keinen Namen. Dem Apostel Paulus aber war Gott kein unbekannter, namenloser Gott. Auch uns ist er es nicht. Zwar fehlt es unter uns nicht an solchen, die sich gebärden, als lebten wir noch in dunkel-heidnischer Unwissenheit und die mit diesem Sinne die Worte des Dichters nachsprechen: „Wer darf ihn nennen und wer bekennen: Ich glaube ihn? Nenn's wie du willst: Nenn's Glück, Herz, Liebe, Gott, ich habe keinen Namen dafür.“ Wer aber mitten in der christlichen Kirche ein solches Bekenntnis ablegt, der ist entweder dem Petrus ähnlich, der aus Menschenfurcht Jesum verleugnete und sprach: ich kenne den Menschen nicht, oder dem Pilatus, der seine Furcht vor dem heiligen Ernst der Wahrheit damit zu beschwichtigen suchte, dass er sich einredete, es gebe keine Wahrheit. Wer unter dem Schall des Evangeliums lebt und im Schatten des Kreuzes wohnt, und dennoch nur einen Altar mit der Inschrift: „dem unbekannten Gott“ zu errichten weiß, der gehört zu denen, von denen die Schrift sagt: die Toren sprechen in ihrem Herzen, es ist kein Gott.

Gott hat sich bekannt gemacht, Gott hat sich offenbart darum ist er denen, welchen das Licht seiner Offenbarung leuchtet, kein unbekannter und namenloser Gott. Freilich, Geliebte, es bleibt auch so dabei, dass Gott in einem Lichte wohnt, da Niemand zukommen kann, dass er ein unerforschlicher und ein verborgener Gott ist, denn den ganzen unendlichen Reichtum seines Wesens hat er unserem beschränkten endlichen Erkennen nicht offenbaren können, nur der Geist Gottes selbst durchforscht alle Tiefen der Gottheit. Aber was von Gottes Wesen, Willen, Gedanken und Wegen, Werken und Ratschlüssen uns zu wissen nötig und heilsam ist, das hat er uns bekannt gemacht, und auch der Einfältigste kann aus Gottes reichströmender Quelle der göttlichen Offenbarung und Erkenntnis schöpfen und darf mit Zuversicht sprechen, allen Toren und allen Klugen zum Trotz: Ich weiß, an wen ich glaube! Nun Geliebte, alles das, wodurch Gott sein Wesen und seinen Willen, seine Werke und seine Ratschlüsse den Menschen auf Erden kund gemacht hat und kund macht, also dass sie ihn erkennen und ihn nennen können, das ist sein Name. Es gibt aber zwei verschiedene Stufen und Arten der Kundmachung Gottes, die natürliche und die übernatürliche. Die natürliche geschieht wieder auf zweifache Weise: durch das Werk der Schöpfung und die Stimme des Gewissens. Der Name Gottes ist in dem weiten Reiche der Schöpfung allenthalben eingegraben: Die Himmel erzählen die Ehre Gottes und die Rechte verkündigt seiner Hände Werk. Sein Name leuchtet am sternenlichten Firmament und klingt durch das Wehen und Weben des Frühlings; auf jeden Grashalm, auf jeden Wurm im Staube hat Gott seinen Namen geschrieben.

„Dich predigt Sonnenschein und Sturm,
dich preist der Sand am Meere,
bringt, ruft auch der geringste Wurm,
bringt meinem Schöpfer Ehre!
Mich, ruft der Baum in seiner Pracht,
mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht,
bringt unserm Schöpfer Ehre!“1)

Was Gott ins Buch der Natur von sich eingeschrieben hat, das fasst sich zusammen in dem Namen: allmächtiger und allweiser Schöpfer. Aber auch durch das Gewissen bezeugt er sich; auch da steht sein Name geschrieben. In jeder Warnung und Mahnung, in der Anklage und Bestrafung des Gewissens tut sich Gott kund als der heilige und gerechte, dem kein gottloses Wesen gefällt, und der sich nicht spotten lässt, der eine heilige Ordnung ausgerichtet hat und aufrecht erhält, nach welcher der Mensch sät, was er erntet. Was Gott auf die Tafel des Gewissens geschrieben hat, das lässt sich aussprechen in dem Namen: heiliger Gesetzgeber und allwissender gerechter Richter.

Aber, wenngleich Gott seinen Namen deutlich genug in das Buch der Natur und auf die Tafel des Gewissens geschrieben hat, das innere Auge des Menschen, die Vernunft, ist durch die Sünde zu sehr getrübt, als dass es diese Gottesschrift zu lesen vermöchte, ohne dass sie ihm Gott deutet. Das beweist die Geschichte der Menschheit: bei allen Völkern, denen nichts anderes von Gott Kunde gibt, als die Natur und das Gewissen, hat zu allen Zeiten die Abgötterei und das Heidentum geherrscht. Gottes Wort muss die Gottesschrift in Natur und Gewissen erst deuten. Gottes Wort, das ist die übernatürliche Sichkundmachung Gottes, seine Offenbarung. Diese Offenbarung hat sich stufenmäßig entfaltet. Gott hat seinen Namen nicht mit einem Mal ganz in die Welt hineingesprochen, sondern nach und nach. Die zwei Hauptstufen sind die alttestamentliche und die neutestamentliche. Was trotz der Natur und des Gewissens der kranken menschlichen Natur verborgen bleibt, das Dasein des allmächtigen Schöpfers und Regierers Himmels und der Erde, des heiligen Gesetzgebers der Menschen, des allwissenden und gerechten Richters der Welt, das hat Gott in der alttestamentlichen Zeit durch seine Gesandten und Boten durch Worte und Taten dem Bundesvolke Israel verständlich und nachdrücklich bezeugt. Er hat aber auch Solches dazu getan, wovon in dem Buche der Schöpfung und auf der Tafel des Gewissens auch mit dem gesundesten und schärfsten Auge nichts zu lesen ist, nämlich das, dass er barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue ist, dass er nicht Lust hat am Tode des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe, dass er Gedanken des Frieden und des Heiles hat über sein Volk Israel und über die gesamte Sünderwelt. An alles dies gedachte der fromme Israelit, wenn er den Namen Jehova aussprach: dass Gott der allmächtige Schöpfer, der heilige Herr, der gnädige Erbarmer ist, das ist Alles in diesem Namen beschlossen.

Darum sprechen auch die Beter zur Zeit des Alten Bundes: Jehova! Ich will anbeten in dem heiligen Tempel und deinem Namen danken, um deine Güte und Treue, denn du hast deinen Namen über Alles herrlich gemacht durch dein Wort.

Wie unvergleichlich mehr Ursache ist nun zu solchem Gebet im Neuen Testament! In der neutestamentlichen Zeit bleibt die Erkenntnis Gottes nicht auf ein Volk eingeschränkt, sondern das Wort Gottes wird aller Kreatur gepredigt. In der neutestamentlichen Zeit folgt auf die Vorstufe der Offenbarung die Vollendungsstufe. In der neutestamentlichen Zeit erscheint statt der bloßen menschlichen Boten Gottes der Gottmensch Jesus Christus. Er heißt das Wort, die vollkommene Offenbarung Gottes: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, so predigt Johannes, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Und er selbst predigt: „Niemand kommt zum Vater, denn durch den Sohn und wem es der Sohn will offenbaren:“ und ein ander Mal: „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Und im hohenpriesterlichen Gebet betet er: „Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; aber ich kenne dich, und diese erkennen, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kund getan, und will ihnen kund tun, auf dass die Liebe, damit du mich liebst, sei in ihnen und ich in ihnen.“ Die Gottesoffenbarung in Jesu Christo, in seinem Wort und Werk, in seiner Person und seinem Leben, in seinem Sterben und seinem Auferstehen, sie umfasst, vollendet und krönt alle anderen Offenbarungen und Kundmachungen Gottes. Und der Inhalt aller alt- und neutestamentlichen Offenbarungen, alle alt- und neutestamentlichen Kundmachungen Gottes werden kurz zusammengefasst in dem Namen: „Unser Vater, der du bist im Himmel,“ dass Gott der Schöpfer, der Herr, der Richter aller Welt ist, dass er an uns das höchste Vaterrecht hat, dass er gegen uns die höchste Vaterhuld hegt, dass er das unbegreifliche Werk göttlicher Vaterliebe getan, indem er seinen Sohn für uns dahin gegeben hat, indem er sein Vaterherz und sein Vaterhaus uns ausschließt, so dass wir sollen Gottes Kinder heißen und des Himmels Erben werden das Alles ist beschlossen in dem Namen: „Unser Vater, der du bist im Himmel.“

II.

„Unser Vater, der du bist im Himmel; geheiligt werde dein Name!“ Wie wird denn der Name Gottes geheiligt? Von Heiligmachung des Namen Gottes kann nicht die Rede sein, denn er ist heilig. Den Namen Gottes heiligen kann nichts anderes bedeuten, als: ihn heilig halten, ihn ehren, d. h. so mit ihm umgehen, wie sichs gebührt. Wie geschieht das? Hat Gott seinen Namen genannt, dass die Menschen ihn kennen sollen, so ist offenbar das erste, was sich dem Namen Gottes gegenüber gebührt, dass sich die Ohren und die Herzen austun, ihn zu vernehmen. Wo Gott redet, da geziemt sichs, dass der Mensch höre. Darum gehört zur Heilighaltung des Namens zuerst, dass die Heilige Schrift und das heilige Abendmahl, dass das Haus des Herrn und der Tag des Herrn, dass der häusliche und der gemeinsame Gottesdienst in rechter Ehre und in fleißigem Gebrauch stehe. Aber freilich, nicht bloß mit dem Ohr darf gehört werden, sondern auch das Herz muss aufgetan sein, wie das Herz Samuels, da er sprach: Rede Herr, dein Knecht höret!, wie das Herz der Maria, da sie zu Jesu Füßen saß. Aus dem Herzen muss die Bezeugung des göttlichen Namens, das Ja des Glaubens, und das Amen der Anbetung antworten: „Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesu offenbart.“ Solches Hören gehört zur Heiligung des Namens und ist ihr Anfang.

Weiter aber gehört dazu, dass der gehörte und erkannte Name Gottes auch genannt und bekannt werde mit dem Munde, genannt im Gebet vor dem Thron der Gnade, genannt mit freimütigem Bekenntnis vor den Menschen. Von den Jüngern wird uns erzählt, wie sie nach der Himmelfahrt des Herrn verharrten einmütig im Flehen und Beten; von den Aposteln lesen wir: „Sie gingen fröhlich von des Rats Angesicht.“ Durch Anhalten am Gebet, durch Bekennertreue, die, wo es sein soll, auch zum Märtyrertum bereit ist, wird Gottes Name geheiligt. Während einer Christenverfolgung wurde ein christlicher Ritter, namens Gordius, zur Marter geführt. Freunde sprachen ihm zu, er solle doch durch ein zweideutiges Wort, durch ein auf Schrauben gestelltes Bekenntnis die Feinde täuschen, im Herzen könne er ja doch bei seinem Glauben bleiben und die Treue bewahren. Er aber antwortete: „Ich kann meine Zunge nicht zwingen, dass sie ihren Schöpfer und Werkmeister verleugne. Der mir das Herz gegeben, der hat mir auch die Zunge gegeben.“ Damit ging er getrost in den Feuertod. Das ist eins von 1000 Exempeln echter heiliger Bekennertreue.

Wo der Name Gottes durch rechtes Hören mit Ohr und Herz, durch rechtes Nennen mit dem Munde in Gebet und Bekenntnis geheiligt wird, da wird auch ein Drittes nicht fehlen, was zur Heiligung des göttlichen Namens unerlässlich gehört, nämlich dass auch das Leben und der Wandel den erkannten und bekannten Namen Gottes preise. Je reicher die Erkenntnis, je lauter das Bekenntnis des Namens Gottes, um so ärger wird der Name Gottes entheiligt, wo nicht der Wandel dem Wort und dem Wissen entspricht. Luther sagt: „Gott ist gerecht, nein, wahrhaftig, gütig, barmherzig, das sind alles Gottesnamen, die alle eingeschlossen werden in dem Wörtlein: Dein Name; denn aller Tugenden Namen sind Gottes Namen. So folgt, dass alle Gotteskinder auch sollen sein gütig, barmherzig, keusch, gerecht, wahrhaftig, einfältig, freundlich, friedsam, voll süßen Herzens gegen alle Menschen, auch gegen die Feinde.“ Wie aber alle, die Gott ihren Vater und sich seine Kinder heißen, es ihm schuldig sind, ihren Wandel nach seinem Willen heilig und ihr Leben dem seinigen ähnlich zu gestalten, so sind sie es auch gleichermaßen ihren Mitmenschen schuldig. Der Apostel ermahnt die christlichen Frauen, dass sie sich also verhalten sollen, dass ihre Männer, wenn sie nicht gläubig sind, durch ihren Wandel ohne Wort gewonnen werden, wenn sie ansehen ihren keuschen Wandel in der Furcht, wie ihr Schmuck nicht etwas Auswendiges ist, sondern der verborgene Mensch des Herzens im unvergänglichen Wehen des stillen sanften Geistes, welches ist köstlich vor Gott. Und der Herr ruft allen seinen Jüngern und Jüngerinnen zu: „Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

III.

Besteht nun darin die Heiligung des Namens Gottes, so fragen wir weiter: was die Bitte um die Heiligung des göttlichen Namens in sich schließt.

Sie ist zuerst das Werk der Anbetung und Lobpreisung. Wenn wir sprechen, betend sprechen: „Dein Name werde geheiligt,“ dann wendet sich zuerst Herz und Auge hinauf zu dem, dessen Namen wir soeben in der Anrede ausgesprochen haben: „Unser Vater, der du bist im Himmel,“ und wir liegen anbetend im Staube vor ihm, der da herrlich ist und des Name heilig ist. Und aus der Tiefe steigt unsre Lobpreisung zu ihm auf; wir danken ihm mit Frohlocken, dass er seinen großen und süßen Namen uns. kundgetan, dass er in Jesu Christo sein Angesicht uns enthüllt, sein Herz uns ausgeschlossen hat und es klingt durch unsere Seele der Psalmenton: Lobe den Herrn, meine Seele, und, was in mir ist, seinen heiligen Namen!

So soll es sein, Geliebte, so hat es auch der Herr gemeint, als er uns beten lehrte: Dein Name werde geheiligt. Aber er hat auch noch anderes gemeint. Das Wort: Geheiligt werde dein Name, heißt mit Recht eine Bitte. Die Bitte redet mit Gott von uns, das ist von denen, die das Wörtlein „unser“ in der Anrede umfasst, also von allen Menschen, uns selbst mit eingeschlossen. So fordert also die Bitte, dass wir bei unserm Aufschauen zu Gott, auch zuerst um uns und in uns schauen. Wir schauen um uns: Da wohnen noch Millionen auf dem Erdkreis, die den Vaternamen Gottes nicht kennen und nennen und falschen Göttern dienen. Da herrscht mitten in der Christenheit, welcher er seinen Namen geoffenbart, welche er berufen hat, ihm die Ehre zu geben, ach wieviel Gottvergessenheit über dem Rennen und Jagen und Treiben nach der Weisheit, dem Glück und den Gütern dieser Erde, wieviel Verunehrung Gottes durch Leugnung und Verfälschung des Evangeliums, durch Verachtung der Gnadenmittel, des Worts und Sakraments, durch Schändung des Sonntages durch Erwerbsbegier und Üppigkeit, durch Missbrauch des göttlichen Namens mit Schwören, Lästern, Lügen und Trügen, durch Übertretung der göttlichen Gebote mit Begehungs- und Unterlassungssünden. Und wie sieht's im eigenen Leben, im Hausleben, im Berufsleben, im geselligen Leben aus und wie in deinem Herzen? Ist in dir und deinem Leben alles Anbetung, Lob und Preis des göttlichen Namens? Heißt es immer bei dir: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege? Geschieht Alles was du tust durch Wort oder durch Werk im Namen des Herrn Jesu und mit Dank gegen Gott und den Vater durch ihn? Klingt durch dein ganzes Leben hindurch der Ton: Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre? Und doch soll es so sein, und der, den wir als Vater und Herrn anrufen, hat gutes Recht, zu uns zu sprechen: „ein Sohn soll seinen Vater ehren und ein Knecht seinen Herrn. Bin ich ein Vater, wo ist meine Ehre? Bin ich ein Herr, wo fürchtet man mich?“ (Maleachi 1,6.) Wahrlich, wir können das Wort: „Geheiligt werde dein Name“ nicht aussprechen, ohne schmerzliche, demütige, bußfertige Klage über so viel Verunehrung Gottes in der Welt und in unserem eigenen Herzen und Leben. Aber das Klagen wird zur Bitte, zur inbrünstigen Bitte, mit welcher wir den Vater im Himmel anrufen, dass er wolle ein Einsehen haben und der gräulichen Entheiligung seines Namens ein Ende machen, und dass er es in Gnaden gebe, dass seine heilige Vaterliebe und Gottesmajestät von allen Menschen und von uns selbst recht erkannt, gewürdigt und gepriesen werde.

Wir bitten den Herrn für Alle, die in Blindheit und Unwissenheit dahingehen: „Offenbare ihnen deinen Namen, dass sie dich kennen und nennen lernen.“ Wir bitten für die christliche Kirche: Wehre aller Lüge, die sich an dein Wort angehängt hat und anhängen will. Gib, dass die christliche Kirche mit allen ihren Lehrern und Dienern bei der reinen Lehre deines Wortes erhalten werde, und gib Kraft und Nachdruck der Verkündigung deines Wortes, dass es einschlage wie ein Blitz und in den Herzen ein Feuer anzünde. Wir bitten für Alle, die da wissen, aber nicht tun, die da bekennen, aber nicht von Herzen: Wehre der ärgsten Schmach deines Namens, dass, die ihn anrufen, doch nicht zu deiner Ehre leben. Wir bitten für uns: Mache uns zu rechten Hörern und Bekennern und Tätern des Worts und hilf uns, dass wir heilig als die Kinder Gottes danach leben.

Und, Geliebte, wir können so nicht beten, ohne dass wir bei unserer Bitte vor dem Throne Gottes zugleich das Gelübde niederlegen: Es soll unser Streben, Ringen, Trachten sein und bleiben, deinen Namen mit Herz und Mund und Wandel zu heiligen, und wir wollen an unserem Ort und Teil das Unsrige tun, dass der Entheiligung des Namens weniger werde auf Erden.

„Darin, spricht der Herr, wird mein Vater geehrt, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger,“ das hilf uns, lieber himmlischer Vater. Amen!