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-======Krummacher, Gottfried Daniel - Die Wanderungen Israels durch die Wüste nach Kanaan (26).====== +======Krummacher, Gottfried Daniel - Die Wanderungen Israels durch die Wüste nach Kanaan  26. Predigt (Ritma).======
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-**Sechs und zwanzigste Predigt.**+
  
 //Vierzehnte Lagerstätte: Ritma.// //Vierzehnte Lagerstätte: Ritma.//
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 **4. Buch Mosis 12 und 33,18.** **4. Buch Mosis 12 und 33,18.**
  
-Hosianna! so rief jene Kinderschaar dem Herrn Jesu bei seinem Einzug in Jerusalem entgegen: Hosianna in der Höhe! Hosianna dem, der da kommt in dem Namen des Herrn! Es war ein Ruf der Bewillkommnung, der Freude, der Bitte und der Hoffnung. Die Erwachsenen sammt den Kindern erhuben dieß Geschrei in der Meinung, das Reich Gottes sei jetzt in seinem vollen Durchbruch auf Erden begriffen. Und sie hatten Recht, mochten sie auch von diesem Reich unrichtige Begriffe haben, und die erstaunliche Begebenheit nicht mit in Anschlag bringen, welche ihm den Weg bahnte. Es dauerte aber nicht lange, so hatte Petrus gegen das Vorurtheil zu kämpfen: nachdem die Väter entschlafen, bliebe alles, wie es gewesen. Oft schon hat man sich die Sachen allzu günstig und dann wieder allzu ungünstig gedacht, und das eine Mal allzuviel gehoffet, das andere Mal allzuviel gefürchtet. Als Jesus auf Erden wandelte, glaubten seine Jünger schon, sich in die ersten Staatsämter theilen zu können, als er darnach starb, sank ihre Hoffnung so ganz in’s Grab, daß sie an keine Erlösung Israels mehr dachten. Als sie sich darauf von seiner Auferstehung überzeugten, die sie lange für ein Mährlein hielten, waren sie gleich mit der Frage bei der Hand: Wirst du **jetzt** wieder aufrichten das Reich Israel? worauf Jesus weder Ja noch Nein antwortete, sondern sagte: euch gebühret nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat. Was für Hoffnungen und Erwartungen werden in ihnen lebendig geworden sein, als in Jerusalem erst 3000 und bald darauf 5000 auf einmal gläubig wurden, bis eine schwere Verfolgung in den Weg trat, welche die ganze Gemeine zerstreute, und die Juden noch jüdischer machte wie zuvor. – Auf eine ähnliche Weise ist es mehrmals gegangen. Zur Zeit der Reformation glaubte man, und wie es schien mit Recht, das **eine** Mal das ganze Papstthum müsse fallen, und die ihm bis dahin ergebensten Reiche würden ihm abtrünnig werden, aber immer wurde seine Wunder wieder heil – das **andere Mal** urtheilte man mit eben so viel Recht, es sei um die Reformation geschehen, selbst da, wo sie am festesten gewurzelt war. – Es war wohl ein Mal aller Anschein dazu da, die Wahrheit und Gottseligkeit werde zur Herrschaft gelangen, und auch wieder, sie werde ganz von der Erde verschwinden, und ihre wenigen Anhänger in kurzem ausgestorben sein. – Wie nahe hat man nicht schon oft das tausendjährige Reich geglaubt, und gemeint, aufs deutlichste nachweisen zu können, es sei in vollem Anzuge, und man möge nun getrost rufen: Hosianna dem Sohn David! – Eben so geht’s im Innern. Wie viele Seelen haben zur Zeit, da es ihnen mit David wohlging, auch mit ihm gerufen: nimmermehr werde ich daniederliegen, sind aber auch mit ihm erschrocken, wenn der Herr sein Angesicht verbarg; und wie sie das eine Mal dachten, sie würden nie wieder zweifeln, so das andere Mal, sie würden nie wieder glauben, nie wieder sich freuen können+Hosianna! so rief jene Kinderschaar dem Herrn Jesu bei seinem Einzug in Jerusalem entgegen: Hosianna in der Höhe! Hosianna dem, der da kommt in dem Namen des Herrn! Es war ein Ruf der Bewillkommnung, der Freude, der Bitte und der Hoffnung. Die Erwachsenen samt den Kindern erhoben dies Geschrei in der Meinung, das Reich Gottes sei jetzt in seinem vollen Durchbruch auf Erden begriffen. Und sie hatten Recht, mochten sie auch von diesem Reich unrichtige Begriffe haben, und die erstaunliche Begebenheit nicht mit in Anschlag bringen, welche ihm den Weg bahnte. Es dauerte aber nicht lange, so hatte Petrus gegen das Vorurteil zu kämpfen: nachdem die Väter entschlafen, bliebe alles, wie es gewesen. Oft schon hat man sich die Sachen allzu günstig und dann wieder allzu ungünstig gedacht, und das eine Mal allzu viel gehofft, das andere Mal allzu viel gefürchtet. Als Jesus auf Erden wandelte, glaubten seine Jünger schon, sich in die ersten Staatsämter teilen zu können, als er darnach starb, sank ihre Hoffnung so ganz ins Grab, dass sie an keine Erlösung Israels mehr dachten. Als sie sich darauf von seiner Auferstehung überzeugten, die sie lange für ein Märlein hielten, waren sie gleich mit der Frage bei der Hand: Wirst du **jetzt** wieder aufrichten das Reich Israel? worauf Jesus weder Ja noch Nein antwortete, sondern sagte: euch gebühret nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat. Was für Hoffnungen und Erwartungen werden in ihnen lebendig geworden sein, als in Jerusalem erst 3000 und bald darauf 5000 auf einmal gläubig wurden, bis eine schwere Verfolgung in den Weg trat, welche die ganze Gemeine zerstreute, und die Juden noch jüdischer machte wie zuvor. – Auf eine ähnliche Weise ist es mehrmals gegangen. Zur Zeit der Reformation glaubte man, und wie es schien mit Recht, das **eine** Mal das ganze Papsttum müsse fallen, und die ihm bis dahin ergebensten Reiche würden ihm abtrünnig werden, aber immer wurde seine Wunder wieder heil – das **andere Mal** urteilte man mit eben so viel Recht, es sei um die Reformation geschehen, selbst da, wo sie am festesten gewurzelt war. – Es war wohl einmal aller Anschein dazu da, die Wahrheit und Gottseligkeit werde zur Herrschaft gelangen, und auch wieder, sie werde ganz von der Erde verschwinden, und ihre wenigen Anhänger in kurzem ausgestorben sein. – Wie nahe hat man nicht schon oft das tausendjährige Reich geglaubt, und gemeint, aufs deutlichste nachweisen zu können, es sei in vollem Anzuge, und man möge nun getrost rufen: Hosianna dem Sohn David! – Eben so geht’s im Innern. Wie viele Seelen haben zur Zeit, da es ihnen mit David wohlging, auch mit ihm gerufen: nimmermehr werde ich daniederliegen, sind aber auch mit ihm erschrocken, wenn der Herr sein Angesicht verbarg; und wie sie das eine Mal dachten, sie würden nie wieder zweifeln, so das andere Mal, sie würden nie wieder glauben, nie wieder sich freuen können.
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-Wir sind jetzt in unsrer Betrachtung bis ganz nahe an Canaan gekommen, es mag eine halbe Stunde weit sein. Laßt uns sehen, was sich da begiebt.+
  
-Dies ist die vierzehnte Lagerstätte. Die Ereignisse derselben sind betrübender Artaber auch zugleich warnend und lehrreichDie Heilige Schrift bezieht sich mehrmals darauf. Laßt uns denn kurze diese Ereignisse selbst betrachtenund sodann auch die Lehre erwägen, die für alle folgende Zeitalter darin liegt.+Wir sind jetzt in unserer Betrachtung bis ganz nahe an Kanaan gekommenes mag eine halbe Stunde weit seinLasst uns sehenwas sich da begibt.
  
-Die **erste** bedauernswürdige Begebenheit, welche uns im 12. Kapitel ausführlich gemeldet wird, führen leider ein paar Personen herbei, von denen man es am wenigsten hätte erwarten sollen, die Geschwister Mosis: Mirjam und AaronMirjam, Mosis Schwester, wird zuerst genannt, weil sie vermuthlich die Anstifterin des ganzen war, und ihren Bruder Aaron mit ihrer verkehrten Ansicht angesteckt hatteEs sollte über Mose her, wider welchen sich diese Beiden vereinigt hattenals hätte er nicht ohnehin Verdruß genug. Er nennt sich daher auch den **geplagtesten** oder **sanftmüthigsten** unter allen Menschen. Es ist allerliebst, daß man’s auf beiderlei Art geben kann. Im Text steht freilich der **sanftmüthigste**, am Rande aber ist dabei geschrieben, der **geplagteste**: **anaf** und **aniaf**, so daß man eins wählen mag. Es lautet allerdings etwas sonderbar, daß Mose selbst seine **Sanftmuth** so hoch gepriesen haben sollte, da man’s weit eher wird gelten lassen, wenn jemand seine **Plage** als übermäßig groß schildert. Wem dann nun jenes anstößig vorkommt, der mag dieses nehmen, wie Luther auch in seiner Uebersetzung thut. Aus dem nämlichen Grunde ist man z.B. berechtigt, die Worte Jes. 9, V. 2. statt: du machst der Heiden viel, damit machst du der Freuden **nicht** viel, zu übersetzen: damit machst **du ihm** viel Freude, weil zwar im Text das Wort: **nicht**, am Rande aber **ihm** steht. Beides lautet auf Hebräisch lo, die Uebersetzung durch **ihm** oder **nicht** macht aber einen großen Unterschied. – Indessen können wir’s dem Mose doch eben sowohl zugeben, daß er seiner Sanftmuth, als dem Paulo, daß er 2. Tim. 3. seines Glaubens, seiner Langmuth, seiner Liebe, seiner Geduld gedenkt. Heilige, die auf der einen Seite ein offenes Geständniß ihrer Gebrechen ablegen, mögen auf der andern auch ihr Gutes bekennen, denn ihre Demuth bleibt doch in beiden Fällen dieselbe, indem sie jenes sich selbst, dieses der Gnade beimessen. Uebrigens lernt sich Sanftmuth nicht ohne Plage, wenigstens gibt diese jener Gelegenheit hervorzutreten.+Dies ist die vierzehnte LagerstätteDie Ereignisse derselben sind betrübender Artaber auch zugleich warnend und lehrreichDie Heilige Schrift bezieht sich mehrmals darauf. Lasst uns denn kurze diese Ereignisse selbst betrachten, und sodann auch die Lehre erwägen, die für alle folgende Zeitalter darin liegt.
  
-War dem Mose seine Sanftmuth bisher bei so vielen Gelegenheiten gut zu statten gekommenso ward ihm auch jetzt dazu eine nicht angenehme Veranlassung gegeben. Mirjam und Aaron ärgerten sich an ihm und gaben ihm dies mit verdrießlichen Worten zu erkennenWomit gab er ihnen denn ein Aergerniß? Er **gab** es ihnen nicht, sondern sie **nahmen** einen Anstoß darandaß er eine Mohrin geheirathet hatte; und dies war’s auch noch so eigentlich nicht, was sie verdroß, sondern es war beleidigte Eigenliebe, gekränkter EhrgeizRedet denn der Herr allein durch Mose? fragten sieredet er nicht auch durch **uns****Wir** sind älter wie er, **wir** haben den Geist Gottes so gutwie er auch; und doch soll alles so gehenwie er es verordnet, das sind wir müde; wir wollen mitsprechen, mitanordnen, mitbefehlen, und nicht alles uns gefallen lassen, was er anordnet. Seht da den Ehrgeiz, die Eigenliebe. Die Vorzüge anderer werden von diesen bösen Eigenschaften als Beleidigungen angesehenSie gönnen sie andern nichtsondern wollen sie selbst besitzenund suchen ämsig das herbei, was sie in dem Urtheil andrer verkleinern kannUnd diese Unart sehen wir hier sogar an ehrwürdigenja heiligen Personen hervorbrechenWie kläglichSollte nicht die Beziehung, worin wir gegeneinander stehenderjenigen unsrer Glieder gleichkommen, wie der Apostel will? Leidet ein Gliedso leiden sie alle sympathetisch mitwird eins herrlich gehaltenso freuen sich alle mit. Jedes Glied ist mit der ihm angewiesenen Stelle zufrieden, die Hand begehrt nicht Auge, der Fuß nicht Ohr zu seinJedes nützt an seiner Stelleauch der kleine Finge rund die kleine Zähemag es auch nicht von jedem Gliede gleich merkbar seinKein Glied darf zum andern sagen: ich bedarf dein nichtEins thut dem andern HandreichungWie könnte denn alles Augeund alles Moses sein. Sollten wir an anderer Sünden unser eigenes Elend – so sollen wir auch an anderer Herrlichkeit unsere eigene sehen. Denn was Christus Andern Vortreffliches schenktdas könnte er ja auch dir und mir gebenBist du denn niedrigso rühme dich deiner Hoheitbist du hochso rühme dich deiner Niedrigkeitbist du schwachso rühme dich deiner Stärkebist du stark, so rühme dich deiner Schwachheit.+Die **erste** bedauernswürdige Begebenheitwelche uns im 12Kapitel ausführlich gemeldet wird, führen leider ein paar Personen herbei, von denen man es am wenigsten hätte erwarten sollen, die Geschwister Mosis: Mirjam und Aaron. Mirjam, Mosis Schwester, wird zuerst genannt, weil sie vermutlich die Anstifterin des ganzen war, und ihren Bruder Aaron mit ihrer verkehrten Ansicht angesteckt hatteEs sollte über Mose her, wider welchen sich diese Beiden vereinigt hatten, als hätte er nicht ohnehin Verdruss genug. Er nennt sich daher auch den **geplagtesten** oder **sanftmütigsten** unter allen Menschen. Es ist allerliebstdass mans auf beiderlei Art geben kannIm Text steht freilich der **sanftmütigste**am Rande aber ist dabei geschrieben, der **geplagteste****anaf** und **aniaf**so dass man eins wählen mag. Es lautet allerdings etwas sonderbardass Mose selbst seine **Sanftmut** so hoch gepriesen haben sollteda mans weit eher wird gelten lassen, wenn jemand seine **Plage** als übermäßig groß schildertWem dann nun jenes anstößig vorkommtder mag dieses nehmenwie Luther auch in seiner Übersetzung tut. Aus dem nämlichen Grunde ist man z.B. berechtigtdie Worte Jes9, V2. statt: du machst der Heiden vieldamit machst du der Freuden **nicht** vielzu übersetzen: damit machst **du ihm** viel Freudeweil zwar im Text das Wort: **nicht**am Rande aber **ihm** steht. Beides lautet auf Hebräisch lo, die Übersetzung durch **ihm** oder **nicht** macht aber einen großen Unterschied– Indessen können wir’s dem Mose doch eben sowohl zugeben, dass er seiner Sanftmutals dem Paulodass er 2Tim3seines Glaubensseiner Langmutseiner Liebe, seiner Geduld gedenktHeiligedie auf der einen Seite ein offenes Geständnis ihrer Gebrechen ablegenmögen auf der anderen auch ihr Gutes bekennendenn ihre Demut bleibt doch in beiden Fällen dieselbeindem sie jenes sich selbstdieses der Gnade beimessen. Übrigens lernt sich Sanftmut nicht ohne Plagewenigstens gibt diese jener Gelegenheit hervorzutreten.
  
-Die Mohren waren bei den Juden ein sehr verachtetes Volkwas sie auch noch sind, dem über sie, in ihrem Stammvater Ham oder Canaan von Noah ausgesprochenen Fluche gemäß: er sein ein Knecht der KnechteWie hat sich denn doch der blinde Stolz der Päpste so verirren könnendaß sie diese Fluchbezeichnung in ihren Titel aufgenommen haben? – Diese Verachtung fiel allerdings zum Theil auf Mose zurückda er eine Person aus so verachtetem Volke zum Weibe hatte.  Auch redete Moses nicht gut. Große Gnadengaben haben gemeiniglich auch ein großes Gegengewicht, damit theils der Mensch sich selbst nicht zu hoch stelle, sondern in der Demuth bleibetheils andere ihn nicht vergöttern, welches so leicht geschiehtPaulus wurde in den dritten Himmel entzücktdamit er sich aber der hohen Offenbarung nicht überhöhe, ward ihm gegeben ein Satans-Engel, der ihn mit Fäusten schlage. Ueberdas litt er Anfechtungen nach dem Fleischdie, mögen sie bestanden haben, worin sie wollen, im Stande waren, ihn bei andern verächtlich zu machen. Seine Gegenwärtigkeit hatte nichts imposantes. Seine Rede war verächtlich, seine Predigten waren ohne Glanz und Beredsamkeit, noch mehr wie seine Briefeseine Persönlichkeit hatte wenig empfehlendes. Die großen Genies sinken nicht selten in’s gewöhnliche herab, und große Gaben verlieren sich zuweilen auf die Dauer, wie der gewaltige Rhein im Sande. – Mirjameine Prophetineine Dichterineine Sängerin, dünkte sich über ihre Schwägerin weit erhaben, und verachtete nicht nur siesondern auch um ihrentwillen ihren Bruder, und wollte nicht geringer sein, wie er. Sie wollte Auge sein, da sie nur Ohr war. Sie war für den Augenblick nicht von Davids Gesinnungwelcher sagte: ich will noch geringer werden denn also– Aber was hatte sie für Grund sich zu erheben? Sie war keine Mohrinaber hatte sie das sich selbst und ihren eignen Maßregeln zu verdanken? und mochte jene eine Mohrin seinso war und blieb sie doch Mosis Weib, wie Salomo später auch eine solche heirathete, und mit übertriebener Liebe an ihr hing. Jawas bildete sich Mirjam doch wohl ein? Vor Gott ist hie ja kein Unterschied, sondern alle Menschen sind sich darin gleich, daß sie Sünder sind, und der Herrlichkeit Gottes ermangelnNicht die Farbe der Haut, sondern des Herzens; nicht die Abstammungsondern die Sünde macht verächtlichund wer einen andern seiner Sünden wegen verachtet, der mag doch noch zusehn**wie** er das thutdamit kein Pharisäer mit unterlaufeGott vergibt auch großen Sündernwenn sie Buße thunund verdammt Gerechte, welche Buße nicht zu bedürfen meinenJawirft nicht Gott Amos 9,alles in einen Haufenwenn er daselbst sagt: seid ihr Kinder Israel mir nicht gleich wie die Mohren? Halte deswegen nicht so hoch von diro Mirjam! sondern besieh deine eigene Gestaltob du nicht auch schwarz seist. Wohl dirwenn du wie jene salomonische Mohrin sagen kannst: ich bin schwarz aber lieblich.+War dem Mose seine Sanftmut bisher bei so vielen Gelegenheiten gut zu statten gekommenso ward ihm auch jetzt dazu eine nicht angenehme Veranlassung gegebenMirjam und Aaron ärgerten sich an ihm und gaben ihm dies mit verdrießlichen Worten zu erkennen. Womit gab er ihnen denn ein Ärgernis? Er **gab** es ihnen nichtsondern sie **nahmen** einen Anstoß darandass er eine Mohrin geheiratet hatte; und dies war’s auch noch so eigentlich nicht, was sie verdross, sondern es war beleidigte Eigenliebegekränkter EhrgeizRedet denn der Herr allein durch Mose? fragten sieredet er nicht auch durch **uns**? **Wir** sind älter als er, **wir** haben den Geist Gottes so gut, wie er auch; und doch soll alles so gehen, wie er es verordnetdas sind wir müde; wir wollen mitsprechenmitanordnenmitbefehlen, und nicht alles uns gefallen lassenwas er anordnetSeht da den Ehrgeizdie Eigenliebe. Die Vorzüge anderer werden von diesen bösen Eigenschaften als Beleidigungen angesehenSie gönnen sie anderen nichtsondern wollen sie selbst besitzen, und suchen emsig das herbeiwas sie in dem Urteil andrer verkleinern kann. Und diese Unart sehen wir hier sogar an ehrwürdigen, ja heiligen Personen hervorbrechenWie kläglich. Sollte nicht die Beziehungworin wir gegeneinander stehenderjenigen unserer Glieder gleichkommenwie der Apostel will? Leidet ein Gliedso leiden sie alle sympathetisch mitwird eins herrlich gehalten, so freuen sich alle mit. Jedes Glied ist mit der ihm angewiesenen Stelle zufriedendie Hand begehrt nicht Augeder Fuß nicht Ohr zu seinJedes nützt an seiner Stelleauch der kleine Finge rund die kleine Zähe, mag es auch nicht von jedem Gliede gleich merkbar sein. Kein Glied darf zum anderen sagen: ich bedarf dein nicht. Eins tut dem anderen Handreichung. Wie könnte denn alles Augeund alles Moses sein. Sollten wir an anderer Sünden unser eigenes Elend – so sollen wir auch an anderer Herrlichkeit unsere eigene sehen. Denn was Christus Andern Vortreffliches schenktdas könnte er ja auch dir und mir geben. Bist du denn niedrig, so rühme dich deiner Hoheit, bist du hoch, so rühme dich deiner Niedrigkeitbist du schwachso rühme dich deiner Stärke, bist du stark, so rühme dich deiner Schwachheit.
  
-Moses ist auch als ein Vorbild Christi zu betrachtenselbst in dieser seiner von Mirjam und Aaron mißbilligten Ehe. Die Gemeine der Auserwählten heißt Christi WeibEr ihr Mann. Aber was ist diese Gemeine von Natur denn andersals eine Mohrinhäßlich und ungestaltet. Und trat nicht Jesus wirklich als ein Brautwerber um solch eine Mohrin auf, da er nicht nur erklärteer sei gekommen zu suchen und selig zu machenwas verloren ist; Sünder zur Buße zu rufenund nicht die Gerechten; sondern sich auch so benahmdaß man von ihm sagen konnte: dieser nimmt die Sünder anund isset mit ihnenwie ja sogar einer von seinen Aposteln aus der verabscheutesten Classed.haus der Zöllnerzunft war. Und als nun vollends die Heiden herzugerufen wurdenso stieg der Unwille bei den Juden auf den höchsten Gipfelund sonderlich bei der Priesterschaft. Und im Ganzen macht eben **das** die christliche Religion so verhaßtwas sie so erwünscht und liebenswerth machtder Umstand nämlichdaß sie die Religion für arme Sünder istSo lieb sie aber deswegen den armen Sündern istdie durchaus keine andere Religion brauchen können, so ekelhaft ist sie den SattenReichenStarken– Mirjam und Aaron wollen keine Schüler seinwelche in allen Stücken an den Lippen Mose hängen sollen, sie haben selbst Verstand, sie können selbst rathen; sie sind keine Leute, die man gängeln und leiten muß, sondern die sich selbst schon zu regieren wissen. Und überallwo dieser Sinn herrschtda nimmt man auch Anstoß am Christenthum. Je ärmer und elender aber jemand geworden ist und wirddesto mehr söhnt er sich mit der christlichen Religion, selbst bis zu dem Lehrsatz von der ewigen Erwählung aus– Sie muß grade so und nicht anders sein, wenn sie für ihn passen sollDann darf kein Steinlein an diesem Gebäude anders verrückt oder gelegt werdensondern alles muß genau so bleiben. Owie lieb ist’s da der Seeledaß Jesus eine Mohrin, daß er Sünder nimmtEben dies tröstet sieund macht ihr Jesum so lieb.+Die Mohren waren bei den Juden ein sehr verachtetes Volk, was sie auch noch sind, dem über sie, in ihrem Stammvater Ham oder Kanaan von Noah ausgesprochenen Fluche gemäß: er sein ein Knecht der KnechteWie hat sich denn doch der blinde Stolz der Päpste so verirren könnendass sie diese Fluchbezeichnung in ihren Titel aufgenommen haben– Diese Verachtung fiel allerdings zum Teil auf Mose zurück, da er eine Person aus so verachtetem Volke zum Weibe hatte.  Auch redete Moses nicht gut. Große Gnadengaben haben gemeiniglich auch ein großes Gegengewichtdamit teils der Mensch sich selbst nicht zu hoch stellesondern in der Demut bleibeteils andere ihn nicht vergöttern, welches so leicht geschieht. Paulus wurde in den dritten Himmel entzücktdamit er sich aber der hohen Offenbarung nicht überhöhe, ward ihm gegeben ein Satans-Engelder ihn mit Fäusten schlage. Überdas litt er Anfechtungen nach dem Fleischdiemögen sie bestanden haben, worin sie wollen, im Stande waren, ihn bei anderen verächtlich zu machenSeine Gegenwärtigkeit hatte nichts imposantesSeine Rede war verächtlich, seine Predigten waren ohne Glanz und Beredsamkeit, noch mehr wie seine Briefe; seine Persönlichkeit hatte wenig empfehlendesDie großen Genies sinken nicht selten ins gewöhnliche herabund große Gaben verlieren sich zuweilen auf die Dauerwie der gewaltige Rhein im Sande. – Mirjameine Prophetin, eine Dichterin, eine Sängerin, dünkte sich über ihre Schwägerin weit erhaben, und verachtete nicht nur sie, sondern auch um ihretwillen ihren Bruder, und wollte nicht geringer seinwie er. Sie wollte Auge seinda sie nur Ohr warSie war für den Augenblick nicht von Davids Gesinnungwelcher sagte: ich will noch geringer werden denn also. – Aber was hatte sie für Grund sich zu erheben? Sie war keine Mohrin, aber hatte sie das sich selbst und ihren eigenen Maßregeln zu verdanken? und mochte jene eine Mohrin sein, so war und blieb sie doch Mosis Weibwie Salomo später auch eine solche heirateteund mit übertriebener Liebe an ihr hingJa, was bildete sich Mirjam doch wohl ein? Vor Gott ist hier ja kein Unterschiedsondern alle Menschen sind sich darin gleichdass sie Sünder sind, und der Herrlichkeit Gottes ermangeln. Nicht die Farbe der Haut, sondern des Herzens; nicht die Abstammungsondern die Sünde macht verächtlich, und wer einen anderen seiner Sünden wegen verachtetder mag doch noch zusehn, **wie** er das tut, damit kein Pharisäer mit unterlaufeGott vergibt auch großen Sündern, wenn sie Buße tun, und verdammt Gerechte, welche Buße nicht zu bedürfen meinenJawirft nicht Gott Amos 9,7 alles in einen Haufen, wenn er daselbst sagt: seid ihr Kinder Israel mir nicht gleich wie die Mohren? Halte deswegen nicht so hoch von dir, o Mirjamsondern besieh deine eigene Gestaltob du nicht auch schwarz seistWohl dirwenn du wie jene salomonische Mohrin sagen kannst: ich bin schwarz aber lieblich.
  
-Der Herr weiß aber die Seele, die er lieb hat, schon klein zu machen, wie er auch dort zu dem Manne sagtewelcher sprach: ich bin reich, welche ich lieb habe, die strafe und züchtige ich. So ging es auch der Mirjam und dem Aaron. Der Herr hörte es, was sie sagten. Er nahm eine ungnädige und doch noch gnädige Kenntniß davon**Der Herr hörte es.** Bedenkliches Wort! Wohl hat Hiob Recht und Ursachewenn er sich auch gegen Menschen seiner Gerechtigkeit rühmetdoch sobald er zu Gott redetsagt er: du wollest ja nicht Acht haben auf meine Sünde. Ach! – Gott siehet nicht wie ein Mensch. Der Mensch in seinem Leichtsinn hüpft leicht über seine sündlichen GedankenWorte und Werke hinweg, und aus den täglich vorkommenden Fehlern macht er sich durchgängig gar nichtsAber bei einem solchen Sinne wird er nicht gut fahrenAchtet er’s gering, so schlägt’s Gott so viel höher an, und nimmts so viel genauerDavid erschrickt mit Recht über der Vorstellungwenn Gott Sünde zurechnen wollteund sagt: wer kann in solchem Fall bestehen? Mirjam und Aaron schlugen es auch nicht an, was sie sagten, und meinten noch wohl großes Recht dazu zu haben, aber wie bald bekamen sie ein anderes Gesicht davon, und wie tief wurden sie alle Beide beschämt und gedemüthigt.+Moses ist auch als ein Vorbild Christi zu betrachtenselbst in dieser seiner von Mirjam und Aaron missbilligten EheDie Gemeine der Auserwählten heißt Christi Weib. Er ihr Mann. Aber was ist diese Gemeine von Natur denn anders, als eine Mohrin? hässlich und ungestaltetUnd trat nicht Jesus wirklich als ein Brautwerber um solch eine Mohrin aufda er nicht nur erklärte, er sei gekommen zu suchen und selig zu machenwas verloren ist; Sünder zur Buße zu rufen, und nicht die Gerechten; sondern sich auch so benahm, dass man von ihm sagen konnte: dieser nimmt die Sünder an, und isst mit ihnen, wie ja sogar einer von seinen Aposteln aus der verabscheutesten Klasse, d.haus der Zöllnerzunft war. Und als nun vollends die Heiden herzugerufen wurden, so stieg der Unwille bei den Juden auf den höchsten Gipfel, und sonderlich bei der PriesterschaftUnd im Ganzen macht eben **das** die christliche Religion so verhasst, was sie so erwünscht und liebenswert macht, der Umstand nämlichdass sie die Religion für arme Sünder ist. So lieb sie aber deswegen den armen Sündern istdie durchaus keine andere Religion brauchen können, so ekelhaft ist sie den Satten, Reichen, Starken. – Mirjam und Aaron wollen keine Schüler sein, welche in allen Stücken an den Lippen Mose hängen sollen, sie haben selbst Verstandsie können selbst raten; sie sind keine Leute, die man gängeln und leiten muss, sondern die sich selbst schon zu regieren wissen. Und überallwo dieser Sinn herrscht, da nimmt man auch Anstoß am Christentum. Je ärmer und elender aber jemand geworden ist und wirddesto mehr söhnt er sich mit der christlichen Religion, selbst bis zu dem Lehrsatz von der ewigen Erwählung aus. – Sie muss grade so und nicht anders sein, wenn sie für ihn passen soll. Dann darf kein Steinlein an diesem Gebäude anders verrückt oder gelegt werden, sondern alles muss genau so bleiben. O! wie lieb ist’s da der Seele, dass Jesus eine Mohrin, dass er Sünder nimmt. Eben dies tröstet sieund macht ihr Jesum so lieb.
  
-Sie waren all drei in der Stiftshütte. Plötzlich weiß der Herr sie alle drei hinaus. Warum Mose mit? Ohne Zweifel, auch ihn zu demüthigen, damit ihn das große Lob, das der Herr selbst ihm ertheilte, nicht aufblähete; denn der Herr nannte ihn seinen Knecht, der in seinem ganzen Hause treu sei, mit dem er mündlich redeund der den Herrn nicht in dunkeln Worten und Gleichnissen, sondern in seiner Gestalt sehe, und sprach: warum habt ihr euch denn nicht gefürchtetwider meinen Knecht Mose zu reden? Und der Zorn des Herrn ergrimmte sehr und wandte sich wegdazu die Wolke von der Hütte des Stifts. Da war lauter Unwille, und der Herr wandte ihnen verdrießlich den Rücken zuund stieß sie verächtlich von sichJetzt gingen ihnen die Augen aufIhr vermeintliches Recht verwandelte sich ihnen nun in lauter Unrecht. Sie wurden nun in ihren eignen Augen schwarz wie die Mohrinund ließen jetzt ihre Schwägerin gern in RuheSo sieht Gott nicht wie ein Mensch, und ein jeglicher mag sich wohl hütendaß er keinerlei Sünde gering haltesondern sie für das ansehewas sie ist, nämlich für das höchste Uebel**Demüthigdemüthig** müssen wir werden, und ein zerbrochen Herz haben, und uns fürchten vor seinem Wort, denn solche sieht der Herr an. Mirjam und Aaron waren begnadigte Personen, desto höher aber rechnete Gott ihnen ihre Unart an. Und ihrdie ihr Gott als Vater anrufetführet euren Wandelso lange ihr hie walletmit Furcht, denn es gilt vor ihm kein Ansehn der Person. Was ist das, wenn der Herr sich von einer Seele wegwendet und über sie ergrimmt, mag es auch in Gnaden geschehen! Das erfuhr Hiskia und sprach: vor solcher Betrübniß meiner Seele werde ich mich scheuen mein Lebenlang. Jos. 38.+Der Herr weiß aber die Seeledie er lieb hat, schon klein zu machen, wie er auch dort zu dem Manne sagtewelcher sprach: ich bin reichwelche ich lieb habe, die strafe und züchtige ich. So ging es auch der Mirjam und dem Aaron. Der Herr hörte eswas sie sagtenEr nahm eine ungnädige und doch noch gnädige Kenntnis davon**Der Herr hörte es.** Bedenkliches Wort! Wohl hat Hiob Recht und Ursache, wenn er sich auch gegen Menschen seiner Gerechtigkeit rühmetdoch sobald er zu Gott redet, sagt er: du wollest ja nicht Acht haben auf meine SündeAch! – Gott sieht nicht wie ein Mensch. Der Mensch in seinem Leichtsinn hüpft leicht über seine sündlichen GedankenWorte und Werke hinwegund aus den täglich vorkommenden Fehlern macht er sich durchgängig gar nichts. Aber bei einem solchen Sinne wird er nicht gut fahren. Achtet er’s gering, so schlägt’s Gott so viel höher anund nimmts so viel genauerDavid erschrickt mit Recht über der Vorstellungwenn Gott Sünde zurechnen wollte, und sagt: wer kann in solchem Fall bestehen? Mirjam und Aaron schlugen es auch nicht an, was sie sagtenund meinten noch wohl großes Recht dazu zu habenaber wie bald bekamen sie ein anderes Gesicht davon, und wie tief wurden sie alle Beide beschämt und gedemütigt.
  
-Jadabei bliebs nicht, sondern Mirjam wurde aussätzig wie Schnee, und so wurde bei Beiden eine große Zerknirschung bewirkt. Da war kein Trotzen mehr; kein Verachtenwas will die Mohrin; kein Prahlen: wir sind so gut wie ihr Mann. Ach nein! das war rein vergangen. Mirjam, die Anstifterin des Ganzenist so bestürztdaß sie kein Wort vorzubringen weiß, Aaron aber thut ein ganz demüthiges SündenbekenntnißAch mein Herr – so ehrerbietig redet er den Mann der Mohrin an – laß diese Sünde nicht auf **uns** bleibendamit **wir** närrisch gethan und gesündiget habenSie ist ja wie ein todtes Aas. Aaron dünkt sich kein Haar besser wie seine Schwester. Jetzt nennt er ihr beiderseitiges Verhalten: Sünde und NarrheitJetzt hat er kein größeres Anliegen, als daß dieselbe nur nicht auf ihnen **liegen** bleibe, und bittet Mosesden noch so eben verachteten Mosesdiesen Mittler des alten Bundesum seine Fürsprache bei Gott. – Ist dies nicht der Gang der Gnade bei allen Seelen, die sie demüthigt? Geht’s ihnen nicht auf eine ähnliche Weise? Owie wird da der Mittler des **neuen Bundes** so köstlich, und derjenige so unentbehrlich, der sonst so überflüssig schien, so lange man sich selbst wohl gefielund nur an anderen was auszusetzen fandwährend man an seinem eignen Elende blind warSind andre Mohrenman dünkt sich selbst aussätzig wie ein todtes Aas; erhub man sich sonst über Viele, so demüthigt man sich nun wohl unter alle, und begehrt nur Gnade und Erbarmen– +Sie waren all drei in der Stiftshütte. Plötzlich weiß der Herr sie alle drei hinaus. Warum Mose mit? Ohne Zweifel, auch ihn zu demütigen, damit ihn das große Lob, das der Herr selbst ihm erteilte, nicht aufblähte; denn der Herr nannte ihn seinen Knecht, der in seinem ganzen Hause treu sei, mit dem er mündlich rede, und der den Herrn nicht in dunklen Worten und Gleichnissen, sondern in seiner Gestalt sehe, und sprachwarum habt ihr euch denn nicht gefürchtet, wider meinen Knecht Mose zu reden? Und der Zorn des Herrn ergrimmte sehr und wandte sich wegdazu die Wolke von der Hütte des Stifts. Da war lauter Unwilleund der Herr wandte ihnen verdrießlich den Rücken zuund stieß sie verächtlich von sichJetzt gingen ihnen die Augen auf. Ihr vermeintliches Recht verwandelte sich ihnen nun in lauter Unrecht. Sie wurden nun in ihren eigenen Augen schwarz wie die Mohrin, und ließen jetzt ihre Schwägerin gern in RuheSo sieht Gott nicht wie ein Mensch, und ein jeglicher mag sich wohl hüten, dass er keinerlei Sünde gering halte, sondern sie für das ansehe, was sie ist, nämlich für das höchste Übel. **Demütig, demütig** müssen wir werden, und ein zerbrochen Herz habenund uns fürchten vor seinem Wortdenn solche sieht der Herr an. Mirjam und Aaron waren begnadigte Personendesto höher aber rechnete Gott ihnen ihre Unart anUnd ihr, die ihr Gott als Vater anruftführt euren Wandel, so lange ihr hie walletmit Furchtdenn es gilt vor ihm kein Ansehen der PersonWas ist daswenn der Herr sich von einer Seele wegwendet und über sie ergrimmtmag es auch in Gnaden geschehen! Das erfuhr Hiskia und sprach: vor solcher Betrübnis meiner Seele werde ich mich scheuen mein Leben lang. Jos. 38.
  
-Es war kaum nöthigdaß Aaron seinen Bruder zur Fürbitte für ihre Schwester aufforderte. Es schmerzte Mose selbst tief, der Aerger seiner Geschwister hatte ihn so groß nicht verdrossendas vom Herrn empfangene Lob hatte ihn nicht stolz gemachtEr erinnerte sich noch sehr gutwie er noch vor kurzem selbst so ungläubig gewesen war, und fühlte mehr Mitleidenals VerdrußMit großer Inbrunst betete er deswegen: **ach Gott, heile sie!** Wohl unsdaß wir **nicht** einen Hohenpriester haben, der **nicht** könnte Mittleiden haben mit unsrer Schwachheitsondern der selbst mit Schwachheit umfangen, allenthalben versucht ward, damit er barmherzig würde und Mitleiden haben könnte mit denendie schwach sindversucht werden und irrenweshalb wir nun mit Freimüthigkeit mögen zu dem Gnadenstuhl nahen, auf daß wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade findenauf die Zeitwenn uns Hülfe Noth sein wird. So sollen aber auch die Christen unter einander Mitleiden haben, und einer des andern Last tragennicht aber meisternd und richtend über einander herfahrenals die auch selbst noch im Fleische sind. Sehen wir doch später auch den Moses noch fehlen, so daß der Herr ihm und Aaron vorwirft: darumdaß **ihr** an mich nicht geglaubt habtdaß ihr mich heiligtet vor den Kindern Israel, sollt ihr diese Gemeine nicht in’s verheissene Land bringenJe demüthigerje bescheidenerje geringer in seinen eigenen Augendesto besser und desto sicherer.+Jadabei bliebs nicht, sondern Mirjam wurde aussätzig wie Schnee, und so wurde bei Beiden eine große Zerknirschung bewirktDa war kein Trotzen mehr; kein Verachten: was will die Mohrin; kein Prahlen: wir sind so gut wie ihr Mann. Ach nein! das war rein vergangen. Mirjamdie Anstifterin des Ganzenist so bestürzt, dass sie kein Wort vorzubringen weiß, Aaron aber tut ein ganz demütiges SündenbekenntnisAch, mein Herr – so ehrerbietig redet er den Mann der Mohrin an – lass diese Sünde nicht auf **uns** bleibendamit **wir** närrisch getan und gesündigt haben. Sie ist ja wie ein totes Aas. Aaron dünkt sich kein Haar besser als seine Schwester. Jetzt nennt er ihr beiderseitiges Verhalten: Sünde und Narrheit. Jetzt hat er kein größeres Anliegenals dass dieselbe nur nicht auf ihnen **liegen** bleibe, und bittet Mosesden noch so eben verachteten Mosesdiesen Mittler des alten Bundesum seine Fürsprache bei Gott. – Ist dies nicht der Gang der Gnade bei allen Seelen, die sie demütigt? Geht’s ihnen nicht auf eine ähnliche Weise? Owie wird da der Mittler des **neuen Bundes** so köstlich, und derjenige so unentbehrlichder sonst so überflüssig schien, so lange man sich selbst wohl gefielund nur an anderen was auszusetzen fandwährend man an seinem eigenen Elende blind warSind andre Mohrenman dünkt sich selbst aussätzig wie ein totes Aas; erhub man sich sonst über Vieleso demütigt man sich nun wohl unter alle, und begehrt nur Gnade und Erbarmen– 
  
-Mirjam sollte aber gründlich gedemüthigt werden. Mose Fürbitte ward also wohl erhörtjedoch nicht auf der StelleSie sollte sich als Eine betrachten lernender ihr Vater aus gerechtem Widerwillen ins Angesicht gespien hätte, und sich darüber schämenMose mußte sie sieben Tage lang außer dem Lager verschließenda erst wurde sie wieder heil. Owas werden das für sieben Buß- und Bettagefür sieben Schmerz- und Wehtage gewesen sein! Wird sie nicht mehrentheils auf der Erde gelegen haben, und sich wegen ihrer Thorheit und Sünde fast unausstehlich geworden sein? Diese Cur that ihr auch so wohldaß wir in der weitern Geschichte von keinem Fehler mehr lesenden sie begangen hätte. Gründlich müssen wir gedemüthigt werdendann werden wir auch gründlich geheiltDiese Demüthigungszeit dauerte bei den Kindern Israel ganze 40 Jahredamit alles kund würdewas in ihrem Herzen war. Paulus wollte auch gern viel früher von seinen Demüthigungsleiden befreit seinals es die göttliche Weisheit für zweckmäßig fand. Er wird sitzen und schmelzen die Kinder Levi. Er nimmt sich also Zeit dazu– +Es war kaum nötig, dass Aaron seinen Bruder zur Fürbitte für ihre Schwester aufforderteEs schmerzte Mose selbst tief, der Ärger seiner Geschwister hatte ihn so groß nicht verdrossen, das vom Herrn empfangene Lob hatte ihn nicht stolz gemachtEr erinnerte sich noch sehr gutwie er noch vor kurzem selbst so ungläubig gewesen war, und fühlte mehr Mitleiden, als VerdrussMit großer Inbrunst betete er deswegen: **ach Gottheile sie!** Wohl unsdass wir **nicht** einen Hohenpriester haben, der **nicht** könnte Mittleiden haben mit unserer Schwachheitsondern der selbst mit Schwachheit umfangen, allenthalben versucht ward, damit er barmherzig würde und Mitleiden haben könnte mit denen, die schwach sind, versucht werden und irrenweshalb wir nun mit Freimütigkeit mögen zu dem Gnadenstuhl nahenauf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade findenauf die Zeit, wenn uns Hilfe Not sein wird. So sollen aber auch die Christen unter einander Mitleiden haben, und einer des anderen Last tragen, nicht aber meisternd und richtend über einander herfahren, als die auch selbst noch im Fleische sindSehen wir doch später auch den Moses noch fehlen, so dass der Herr ihm und Aaron vorwirft: darum, dass **ihr** an mich nicht geglaubt habt, dass ihr mich heiligtet vor den Kindern Israel, sollt ihr diese Gemeine nicht ins verheißene Land bringen. Je demütigerje bescheidener, je geringer in seinen eigenen Augendesto besser und desto sicherer.
  
-Das Volk nahm einen herzlichen und aufrichtigen Antheil an der Demüthigung und Züchtigung dieser angesehenen Person, und zog nicht eher weiterals nachdem sie wieder aufgenommen warNach ihrer Wiederaufnahme aber brachen sie auf, und zogen in die Wüste **Paran**. Es war eine sehr großebergigte und erschreckliche Wüste. Ihr wißt, daß das hebräische Wort Wüste auch eine **Schule** heißen kann. Sie kommen also aus einer Schule in die andre. Und geht’s nicht wirklich also? Werden nicht immer neue Lectionen aufgegeben? Ich will dich unterweisen, heißt es Ps. 32. Wir kommen nicht aus der Schule, und was kann nützlicher sein? Meine nur niemand, er habe ausgelernt, und wäre jemand **wirklich** am letzten Kapitel, so könnte es wohl geschehendaß sein Meister ihn wieder zu den ersten zurückführteweil das erstmalige  Aufsagen etwas obenhin geschah, und es nun genauer genommen werden soll, oder wenn er das Hebräische **mit** den Selbstlautern lesen kannwird es ihm darauf **ohne** dieselben vorgelegt. – Als **Meister** kennen wir nur Einenund das ist Christus. Jener große Heilige war auch was in die große Meisterschaft hineingerathen, so daß er auch sagte: nach mir redete keiner. Er wurde aber so in die Schülerschaft zurückgedrängt, daß er sprach: ich will dich fragen, lehre mich; Hiob 42,4., und ein Anderer war so gelehrt geworden, daß er sagte: ich halte mich nicht dafür, etwas zu wissen, ohne allein Jesum Christum den Gekreuzigten. Wohl dem aber, der das vierfache Wissen hat, von welchem Johannes am Schlusse seiner ersten Epistel schreibt.+Mirjam sollte aber gründlich gedemütigt werden. Mose Fürbitte ward also wohl erhört, jedoch nicht auf der Stelle. Sie sollte sich als Eine betrachten lernen, der ihr Vater aus gerechtem Widerwillen ins Angesicht gespien hätte, und sich darüber schämen. Mose musste sie sieben Tage lang außer dem Lager verschließenda erst wurde sie wieder heilO! was werden das für sieben Buß- und Bettagefür sieben Schmerz- und Wehtage gewesen sein! Wird sie nicht mehrenteils auf der Erde gelegen haben, und sich wegen ihrer Torheit und Sünde fast unausstehlich geworden sein? Diese Kur tat ihr auch so wohl, dass wir in der weiteren Geschichte von keinem Fehler mehr lesen, den sie begangen hätte. Gründlich müssen wir gedemütigt werdendann werden wir auch gründlich geheilt. Diese Demütigungszeit dauerte bei den Kindern Israel ganze 40 Jahredamit alles kund würde, was in ihrem Herzen war. Paulus wollte auch gern viel früher von seinen Demütigungsleiden befreit sein, als es die göttliche Weisheit für zweckmäßig fand. Er wird sitzen und schmelzen die Kinder LeviEr nimmt sich also Zeit dazu– 
  
-Die Wüstediese Schule hat ihre Namen von Schönheit, Schmuck, Zierdedenn das bedeutet das Wort ParanSeltsameine Wüste so zu nennen. Aber **heißt** nicht vieles gut, ohne es zu sein, und **ist** nicht vieles gut, ohne es zu **scheinen**Heissen wir nicht als natürliche Menschen die Welt mit ihrem Wesen gutAber wenn sie diesen Namen verdientewürde uns dann wohl empfohlen werdenweder sie, noch was in derselben ist, lieb zu habenWürde von ihr gesagt: sie liegt im Teufelund würde er ihr Gott genannt, denen aber, die sie lieben, alle Liebe Gottes abgesprochen, und es als etwas Unseliges bezeichnet werdenwer sie wieder lieb gewinnt? Heißt es nicht Unflath der Welt? Sagt nicht Habakukwer sein Gut mehret, ladet nur viel Schlamm auf sich, und wie lange wird’s währen? Dagegen sagt Christus von den Seinigen: sie sind nicht von der Weltwie auch ich nicht von der Welt bin, und mein ganzes Reich nicht von dannen ist. Und ach! wie vieles wird Paranwird gutschön, herrlich genannt, was doch nur eine Wüste ist; wird gesucht, begehrt, errungen, was doch geringgeschätzt oder gar verabscheut werden sollte. Adam nannte die ihm vorkommenden Dinge mit ihren **eigentlichen** Namen, wie Gott sie auch nannteAber dies Vermögen hat er, und wir mit ihm, längst verloren, und unsre Sprache ist verwirrtFürsten gehen zu Fuße, und Knechte reiten auf Rossen. Wie mancher König ist ein jämmerliche Sklave, und wie mancher verachteter Sklave ist ein König ewiglich. Wie mancher Reiche ist blutarm, und wie mancher besitzt keinen Thaler und ist reicher als Crösus; wie viele Narren heißen Weise, und wie viele hochgelehrte Meister in Israel wissen nichts. – Aber wie manches heißt eine Wüste, was doch eine Schule und Unterweisung – heißt eine Wüste, was doch Paran, geschmückt genannt werden sollte. – Die Züchtigung z.B., wenn sie da ist, dünkt uns nicht Freude, sondern eine Wüste, wirkt sie aber nicht eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet sind? Die Erkenntniß und das Gefühl seiner Sünden: welche Wüsteaber welche heilsame Schule! Wer sollte nicht Anfechtungen scheuen? und doch sagt Jacobus: selig ist der Mann, der sie erduldet, ja er sagtachtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallet– Wer fliehet nicht die Trübsale, aber welche Schönheit mußten diejenigen darin entdecken, die sich nach Röm. 5 derselben sogar rühmtenwissenddaß sie Geduld wirkeGeduld ErfahrungErfahrung Hoffnung, und Hoffnung nicht zu Schanden werden läßt– Jagilt dies nicht sogar vom Evangelium überhaupt? Es dünket natürlichen Menschen eine Thorheit, eine dürre, ungenießbare Wüste, die des zurückschreckenden viel enthält. Der Eine glaubt unauflösliche Widersprüche darin zu entdecken, der Andere Ungereimtheit und Unverstand, aber in welches geschmückte Paran wandelt es sich für ihn um, wenn er auf dem Wege der Selbst- und Sünden-Erkenntniß zu der wahren Einsicht in dasselbe gelangt. Auf diesem Wege ist schon aus manchem Saulus ein Paulus, aus manchem Verfolger ein Beförderer der Gemeine geworden. Und so geht’s auch in andern Dingen. David fand in den nämlichen Drangsalenüber welche er sich bitterlich beklagt, von welchen er geglaubt hatteGott würde ihn damit verschonen, wenn er ihn lieb hätte, nachmals einen Anlaß seine Treue zu preisen, womit er ihn gedemüthigt hatte, welche ihm so nützlich wurde, daß er sagen konnte: ehe ich gedemüthigt ward, irrete ich, nun aber halte ich dein Wort. Hält er’s deshalb nicht seiner Seele vor: du wirst ihm noch dankenund sucht dadurch sich selbst zum Harren auf den Herrn zu erweckenund der allzugroßen Bekümmerniß zu steuern? War nicht das Gefängniß für Joseph der Weg zu den höchsten Ehren, und was konnte dem einen Schächer nützlicheres widerfahrenals daß er an ein Kreuz kam? und auf der andern Seitewer war in der  Wüste: der reiche Mann oder Lazarus, der voller Schwären vor seiner Thür lag? Johannes oder Herodes, der ihn enthauptete? – Sehe nur ein jeglicher zu, daß er nicht die Wüste statt Canaan erwähle, den Schein statt des Wesens. Ergreifet vielmehr das ewige Leben, wozu ihr berufen seid. Verleugnet, um Christi willen alles, und wisset, daß ihr’s in seiner Nachfolge hundertfältig erst mit, dann ohne Verfolgung wieder erlangen werdet.+Das Volk nahm einen herzlichen und aufrichtigen Anteil an der Demütigung und Züchtigung dieser angesehenen Personund zog nicht eher weiterals nachdem sie wieder aufgenommen warNach ihrer Wiederaufnahme aber brachen sie aufund zogen in die Wüste **Paran**. Es war eine sehr großebergige und erschreckliche Wüste. Ihr wisst, dass das hebräische Wort Wüste auch eine **Schule** heißen kann. Sie kommen also aus einer Schule in die andre. Und geht’s nicht wirklich alsoWerden nicht immer neue Lektionen aufgegebenIch will dich unterweisenheißt es Ps. 32. Wir kommen nicht aus der Schuleund was kann nützlicher seinMeine nur niemand, er habe ausgelernt, und wäre jemand **wirklich** am letzten Kapitelso könnte es wohl geschehendass sein Meister ihn wieder zu den ersten zurückführteweil das erstmalige  Aufsagen etwas obenhin geschah, und es nun genauer genommen werden solloder wenn er das Hebräische **mit** den Selbstlautern lesen kann, wird es ihm darauf **ohne** dieselben vorgelegt– Als **Meister** kennen wir nur Einen, und das ist ChristusJener große Heilige war auch was in die große Meisterschaft hineingeratenso dass er auch sagtenach mir redete keinerEr wurde aber so in die Schülerschaft zurückgedrängtdass er sprachich will dich fragenlehre mich; Hiob 42,4., und ein Anderer war so gelehrt geworden, dass er sagte: ich halte mich nicht dafüretwas zu wissenohne allein Jesum Christum den Gekreuzigten. Wohl dem aber, der das vierfache Wissen hatvon welchem Johannes am Schlusse seiner ersten Epistel schreibt.
  
-Laßt mich jetzt zum Schluß nur noch bemerkendaß der Ortwo sie sich in dieser ungeheuern Wüste lagertenRitma genannt wurdeauf deutsch heißt das Wachholderderen daselbst viele wachsen mochten, und wenn sie auch die Schlangen verscheuchtenwelche sich nicht in ihrer Nähe aufhaltendoch durch ihr stachelichtes Wesen wieder beschwerlich wurden. Canaan ist nun ganz nahe. Wir sind unmittelbar an den Gränzenhöchstens eine halbe Stunde von dannen. Hindernisse zum Uebergang in das Land sind keine daweder Fluß noch hohe BergeWir erheben billig ein FreudengeschreiJerusalemHebron und wie die Städte alle heißen, sind nicht fernMich deuchtwir hören von dorther läuten, und sehen die Heerden und Winzer an den Bergenhören diese singen und jene brüllen, und unsre Herzen hüpfen vor Freude.+Die Wüstediese Schule hat ihre Namen von SchönheitSchmuckZierdedenn das bedeutet das Wort Paran. Seltsameine Wüste so zu nennen. Aber **heißt** nicht vieles gut, ohne es zu sein, und **ist** nicht vieles gut, ohne es zu **scheinen**? Heißen wir nicht als natürliche Menschen die Welt mit ihrem Wesen gut? Aber wenn sie diesen Namen verdientewürde uns dann wohl empfohlen werden, weder sie noch was in derselben istlieb zu haben? Würde von ihr gesagt: sie liegt im Teufel, und würde er ihr Gott genannt, denen aber, die sie lieben, alle Liebe Gottes abgesprochen, und es als etwas Unseliges bezeichnet werden, wer sie wieder lieb gewinnt? Heißt es nicht Unflat der Welt? Sagt nicht Habakuk, wer sein Gut mehret, ladet nur viel Schlamm auf sich, und wie lange wird’s währen? Dagegen sagt Christus von den Seinigen: sie sind nicht von der Weltwie auch ich nicht von der Welt bin, und mein ganzes Reich nicht von dannen istUnd ach! wie vieles wird Paranwird gut, schön, herrlich genannt, was doch nur eine Wüste ist; wird gesucht, begehrt, errungen, was doch geringgeschätzt oder gar verabscheut werden sollteAdam nannte die ihm vorkommenden Dinge mit ihren **eigentlichen** Namen, wie Gott sie auch nannte. Aber dies Vermögen hat er, und wir mit ihm, längst verloren, und unsere Sprache ist verwirrt. Fürsten gehen zu Fuße, und Knechte reiten auf Rossen. Wie mancher König ist ein jämmerliche Sklave, und wie mancher verachteter Sklave ist ein König ewiglichWie mancher Reiche ist blutarm, und wie mancher besitzt keinen Taler und ist reicher als Krösus; wie viele Narren heißen Weiseund wie viele hochgelehrte Meister in Israel wissen nichts. – Aber wie manches heißt eine Wüste, was doch eine Schule und Unterweisung – heißt eine Wüste, was doch Paran, geschmückt genannt werden sollte. – Die Züchtigung z.B., wenn sie da ist, dünkt uns nicht Freude, sondern eine Wüste, wirkt sie aber nicht eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind? Die Erkenntnis und das Gefühl seiner Sünden: welche Wüste, aber welche heilsame Schule! Wer sollte nicht Anfechtungen scheuen? und doch sagt Jakobus: selig ist der Mann, der sie erduldet, ja er sagt: achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallet– Wer fliehet nicht die Trübsaleaber welche Schönheit mussten diejenigen darin entdecken, die sich nach Röm. 5 derselben sogar rühmten, wissend: dass sie Geduld wirke, Geduld Erfahrung, Erfahrung Hoffnung, und Hoffnung nicht zu Schanden werden lässt. – Ja, gilt dies nicht sogar vom Evangelium überhaupt? Es dünket natürlichen Menschen eine Torheit, eine dürre, ungenießbare Wüste, die des zurückschreckenden viel enthält. Der Eine glaubt unauflösliche Widersprüche darin zu entdecken, der Andere Ungereimtheit und Unverstand, aber in welches geschmückte Paran wandelt es sich für ihn um, wenn er auf dem Wege der Selbst- und Sünden-Erkenntnis zu der wahren Einsicht in dasselbe gelangt. Auf diesem Wege ist schon aus manchem Saulus ein Paulus, aus manchem Verfolger ein Beförderer der Gemeine geworden. Und so geht’s auch in anderen Dingen. David fand in den nämlichen Drangsalen, über welche er sich bitterlich beklagt, von welchen er geglaubt hatte: Gott würde ihn damit verschonen, wenn er ihn lieb hätte, nachmals einen Anlass seine Treue zu preisen, womit er ihn gedemütigt hatte, welche ihm so nützlich wurde, dass er sagen konnte: ehe ich gedemütigt ward, irrte ich, nun aber halte ich dein Wort. Hält er’s deshalb nicht seiner Seele vor: du wirst ihm noch danken, und sucht dadurch sich selbst zum Harren auf den Herrn zu erwecken, und der allzu großen Bekümmernis zu steuern? War nicht das Gefängnis für Joseph der Weg zu den höchsten Ehren, und was konnte dem einen Schächer nützlicheres widerfahren, als dass er an ein Kreuz kam? und auf der anderen Seite, wer war in der  Wüste: der reiche Mann oder Lazarus, der voller Schwären vor seiner Tür lag? Johannes oder Herodes, der ihn enthauptete? – Sehe nur ein jeglicher zu, dass er nicht die Wüste statt Kanaan erwähle, den Schein statt des Wesens. Ergreifet vielmehr das ewige Leben, wozu ihr berufen seid. Verleugnet, um Christi willen alles, und wisst, dass ihr’s in seiner Nachfolge hundertfältig erst mit, dann ohne Verfolgung wieder erlangen werdet.
  
-Brechen wir aber hier abum nächstens zu vernehmenwas sich nun weiters begiebt! Herrhilf deinem Volke, und segne dein Erbe, das dein harretAmen.+Lasst mich jetzt zum Schluss nur noch bemerkendass der Ortwo sie sich in dieser ungeheuren Wüste lagertenRitma genannt wurde, auf Deutsch heißt das Wachholder, deren daselbst viele wachsen mochten, und wenn sie auch die Schlangen verscheuchtenwelche sich nicht in ihrer Nähe aufhalten, doch durch ihr stacheliges Wesen wieder beschwerlich wurden. Kanaan ist nun ganz nahe. Wir sind unmittelbar an den Grenzen, höchstens eine halbe Stunde von dannen. Hindernisse zum Übergang in das Land sind keine da, weder Fluss noch hohe BergeWir erheben billig ein Freudengeschrei. Jerusalem, Hebron und wie die Städte alle heißen, sind nicht fern. Mich deucht, wir hören von dorther läuten, und sehen die Herden und Winzer an den Bergen, hören diese singen und jene brüllen, und unsere Herzen hüpfen vor Freude.
  
 +Brechen wir aber hier ab, um nächstens zu vernehmen, was sich nun weiters begibt! Herr, hilf deinem Volke, und segne dein Erbe, das dein harret. Amen.
  
 +{{tag>4_Mos_12 4_Mos_33}}