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 ======Ahlfeld, Johann Friedrich - Wie nehmen Christen die Friedensbotschaft auf?====== ======Ahlfeld, Johann Friedrich - Wie nehmen Christen die Friedensbotschaft auf?======
  
-======Die Gnade unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, die Liebe Gottes des Vaters, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch Allen. Amen.======+Die Gnade unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, die Liebe Gottes des Vaters, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch Allen. Amen
  
 Text: Nahum Kap. 2, V. 1:\\ Text: Nahum Kap. 2, V. 1:\\
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 Sodann bringt uns der Friede unsere Kinder wieder. Ja, Herr, bringe sie wieder! Lass ihnen auch auf dem Rückweg widerfahren. Bringe sie uns unverletzt an Leib und Seele wieder. Lass aus der längen Zeit, welche sie ohne häusliche Ordnung gelebt haben, keine böse Wurzel in ihren Herzen zurückbleiben! - Der Friede löst die Bande der Gefangenen. Unsere vielen fremden Gäste werden in ihre Heimat zurückkehren, und unsere Kinder kommen wieder aus ihrem fernen Gefängnis. Der Friede bringt uns zwei alte deutsche Länder wieder, die im Laufe der Jahrhunderte stückweis mit List und Gewalt von dem alten Vaterland abgebröckelt und entfremdet sind. Ach Herr, bringe sie uns auch innerlich wieder, und gib denen, welche dort das Regiment übernehmen werden, Kraft, Liebe und Weisheit, sie wieder zu uns herüber zu führen! - Dieser Friede ist noch eine besondere Freude für unser sächsisches Volk. Länger als ein Jahrhundert hat es geheißen: „Wo wir stehen, ist trotz der Tapferkeit unseres Heeres die Niederlage. In diesem Kampf ist da, wo wir standen, der Sieg gewesen, und unser Heer hat ein Gutes beigetragen, denselben zu erringen.“ Der Friede heilt die geschlagenen Wunden, er baut die verwüsteten Felder wieder, er baut die neuen Trümmer wieder auf. Der Friede stillt den Groll der Völker. Er gibt wieder nüchterne und klare Augen, mit denen man auch das, was am Feind Gutes ist, anerkennt und ehrt. Der Friede öffnet die geschlossenen Grenzen, er stellt die Wege des Verkehrs wieder her, er gibt auch auf dem Meer wieder offene Bahnen, und redlicher Gewerbefleiß fasst Mut, sich wieder zu regen und an die Arbeit zu gehen. Der Friede gibt beiden Teilen Zeit und Ruhe, sich auf das zu besinnen, was sie an einander gesündigt haben, und Gnade zu suchen, wo Gnade Not ist. Das Alles ruht in dem einen Wort. Es ist wie ein reiches Schatzkästlein, das in jedem Fach neue Güter birgt. Darum freue dich, dass der Herr diese teure Botschaft hat kommen lassen. Das ist der Tag, den der Herr macht. Der Herr hat Großes an uns getan, lasst uns freuen und fröhlich sein. - Und wie die Botschaft in der Freude hineingeht in das Herz, so lasst sie: Sodann bringt uns der Friede unsere Kinder wieder. Ja, Herr, bringe sie wieder! Lass ihnen auch auf dem Rückweg widerfahren. Bringe sie uns unverletzt an Leib und Seele wieder. Lass aus der längen Zeit, welche sie ohne häusliche Ordnung gelebt haben, keine böse Wurzel in ihren Herzen zurückbleiben! - Der Friede löst die Bande der Gefangenen. Unsere vielen fremden Gäste werden in ihre Heimat zurückkehren, und unsere Kinder kommen wieder aus ihrem fernen Gefängnis. Der Friede bringt uns zwei alte deutsche Länder wieder, die im Laufe der Jahrhunderte stückweis mit List und Gewalt von dem alten Vaterland abgebröckelt und entfremdet sind. Ach Herr, bringe sie uns auch innerlich wieder, und gib denen, welche dort das Regiment übernehmen werden, Kraft, Liebe und Weisheit, sie wieder zu uns herüber zu führen! - Dieser Friede ist noch eine besondere Freude für unser sächsisches Volk. Länger als ein Jahrhundert hat es geheißen: „Wo wir stehen, ist trotz der Tapferkeit unseres Heeres die Niederlage. In diesem Kampf ist da, wo wir standen, der Sieg gewesen, und unser Heer hat ein Gutes beigetragen, denselben zu erringen.“ Der Friede heilt die geschlagenen Wunden, er baut die verwüsteten Felder wieder, er baut die neuen Trümmer wieder auf. Der Friede stillt den Groll der Völker. Er gibt wieder nüchterne und klare Augen, mit denen man auch das, was am Feind Gutes ist, anerkennt und ehrt. Der Friede öffnet die geschlossenen Grenzen, er stellt die Wege des Verkehrs wieder her, er gibt auch auf dem Meer wieder offene Bahnen, und redlicher Gewerbefleiß fasst Mut, sich wieder zu regen und an die Arbeit zu gehen. Der Friede gibt beiden Teilen Zeit und Ruhe, sich auf das zu besinnen, was sie an einander gesündigt haben, und Gnade zu suchen, wo Gnade Not ist. Das Alles ruht in dem einen Wort. Es ist wie ein reiches Schatzkästlein, das in jedem Fach neue Güter birgt. Darum freue dich, dass der Herr diese teure Botschaft hat kommen lassen. Das ist der Tag, den der Herr macht. Der Herr hat Großes an uns getan, lasst uns freuen und fröhlich sein. - Und wie die Botschaft in der Freude hineingeht in das Herz, so lasst sie:
  
-II. +=====II. Im Dank hinaufgehen in den Himmel.=====
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-Im Dank hinaufgehen in den Himmel.+
  
 Halte deine Feiertage! ruft der Prophet Nahum. Heute ist ein solcher Feiertag, ein solcher Dankestag. Dass Gott mit uns gewesen ist, kann Niemand leugnen. In den ganzen achteinhalb Monaten des Krieges hat er uns von Sieg zu Sieg geführt. In der ganzen Zeit hat er unsere Heere vor großem Unfall behütet. Er ist der Hort und Siegesfürst gewesen. Das ist kein Schein; das ist keine trügerische Gabe, mit welcher er unser Volk um so tiefer ins Verderben stürzen will. Es ist ein klares Zeugnis und Siegel seiner Gnade und Barmherzigkeit gegen unser Volk. Darum heißt es heute bei uns: Halte deine Feiertage! ruft der Prophet Nahum. Heute ist ein solcher Feiertag, ein solcher Dankestag. Dass Gott mit uns gewesen ist, kann Niemand leugnen. In den ganzen achteinhalb Monaten des Krieges hat er uns von Sieg zu Sieg geführt. In der ganzen Zeit hat er unsere Heere vor großem Unfall behütet. Er ist der Hort und Siegesfürst gewesen. Das ist kein Schein; das ist keine trügerische Gabe, mit welcher er unser Volk um so tiefer ins Verderben stürzen will. Es ist ein klares Zeugnis und Siegel seiner Gnade und Barmherzigkeit gegen unser Volk. Darum heißt es heute bei uns:
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 Dass aber der Krieg mit seinem furchtbaren Ernst, wo der Todesengel stündlich auch neben dem gesündesten Mann herschreitet, hineintreibt in die Buße, in den Glauben, in das Gebet und in die tägliche Todesbereitschaft, das weißt du. Wenn nun dein Mann oder dein Sohn oder dein Bruder in diesem Kampf ein Sieger im höchsten Sinn des Wortes geworden ist, wenn er sich unter der Gnadenfahne des Herrn die hohe Gottesstadt und den ewigen Siegeskranz erobert hat, wenn er eingegangen ist in den Frieden, der kein Ende nimmt: dann dankt und lobt er heute ganz anders. Er lobt für Alles, was der Herr in dem Kampf errungen und erobert hat, obenan aber dafür, dass er selbst eine ewige Beute dieses Siegesfürsten geworden ist. Wenn nun dein Mann oder Sohn oder Bruder dort, mit lobt und preist, darfst du nicht trauern als der keine Hoffnung hätte. Du musst heute doch sagen mit dem Mann, der alle seine Kinder verloren hatte: „Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt.“ Ja er sei gelobt, denn dein Gefallener hat mehr errungen denn Tausende von Lebenden! Dazu hüte dich, dass du dich, nachdem der Friede kaum geschlossen ist, nicht schon wieder mit Sorgen beschwerst. Das ist ein törichter Mann, der, wenn das Gewitter, das den Boden befruchtet aber auch manchen Stamm niedergeworfen hat, kaum vorübergezogen ist, angstvoll ausschaut, ob sich nicht schon wieder Wolken zu einem neuen Wetter zusammenziehen. Zunächst ist es unser Teil, uns zu freuen und Gott recht von Herzen zu danken. Und wer dem, der alle Dinge lenkt mit seinem gewaltigen Arm, recht herzlich danken kann, der sorgt und zagt nicht. Du sollst jetzt nicht fragen: „Wie lange wird der Friede dauern? Wird das gedemütigte stolze Volk Rache nehmen? Welche Völker werden sich zusammenrotten, um uns den so mühsam errungenen Kranz wieder zu entreißen?“ - Jetzt ist Friede! Jetzt freue dich und lobe den Herrn, meine Seele. Der Gott, welcher uns den Sieg verliehen hat, lebt und regiert auch künftig noch. Ringe du nur danach, dass du bei ihm in Gnaden bleibst. - Die Siegesbotschaft soll hinausgehen Dass aber der Krieg mit seinem furchtbaren Ernst, wo der Todesengel stündlich auch neben dem gesündesten Mann herschreitet, hineintreibt in die Buße, in den Glauben, in das Gebet und in die tägliche Todesbereitschaft, das weißt du. Wenn nun dein Mann oder dein Sohn oder dein Bruder in diesem Kampf ein Sieger im höchsten Sinn des Wortes geworden ist, wenn er sich unter der Gnadenfahne des Herrn die hohe Gottesstadt und den ewigen Siegeskranz erobert hat, wenn er eingegangen ist in den Frieden, der kein Ende nimmt: dann dankt und lobt er heute ganz anders. Er lobt für Alles, was der Herr in dem Kampf errungen und erobert hat, obenan aber dafür, dass er selbst eine ewige Beute dieses Siegesfürsten geworden ist. Wenn nun dein Mann oder Sohn oder Bruder dort, mit lobt und preist, darfst du nicht trauern als der keine Hoffnung hätte. Du musst heute doch sagen mit dem Mann, der alle seine Kinder verloren hatte: „Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt.“ Ja er sei gelobt, denn dein Gefallener hat mehr errungen denn Tausende von Lebenden! Dazu hüte dich, dass du dich, nachdem der Friede kaum geschlossen ist, nicht schon wieder mit Sorgen beschwerst. Das ist ein törichter Mann, der, wenn das Gewitter, das den Boden befruchtet aber auch manchen Stamm niedergeworfen hat, kaum vorübergezogen ist, angstvoll ausschaut, ob sich nicht schon wieder Wolken zu einem neuen Wetter zusammenziehen. Zunächst ist es unser Teil, uns zu freuen und Gott recht von Herzen zu danken. Und wer dem, der alle Dinge lenkt mit seinem gewaltigen Arm, recht herzlich danken kann, der sorgt und zagt nicht. Du sollst jetzt nicht fragen: „Wie lange wird der Friede dauern? Wird das gedemütigte stolze Volk Rache nehmen? Welche Völker werden sich zusammenrotten, um uns den so mühsam errungenen Kranz wieder zu entreißen?“ - Jetzt ist Friede! Jetzt freue dich und lobe den Herrn, meine Seele. Der Gott, welcher uns den Sieg verliehen hat, lebt und regiert auch künftig noch. Ringe du nur danach, dass du bei ihm in Gnaden bleibst. - Die Siegesbotschaft soll hinausgehen
  
-III. +=====III. Im Gelübde in die Zukunft.=====
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-Im Gelübde in die Zukunft.+
  
 Bezahle deine Gelübde. Wie es je und je Sitte gewesen ist, haben auch nach diesem großen Kampf die Sieger den Besiegten Friedensbedingungen auferlegt. Wir wollen uns aber bei denselben nicht lange aufhalten. Wir wollen hier die Wichtigkeit der eroberten Provinzen und ihrer Festungen nicht erörtern. Noch weniger wollen wir die Milliarden zählen und uns die gewaltige Summe klar machen. Aber daran wollen wir denken, dass auch der Siegverleiher den Siegern wie den Besiegten seine Bedingungen auflegt. Glaubt ja nicht, dass wir diese Siege, diesen Frieden nur so hinnehmen können, wie wenn sich das von selbst verstände, wie wenn ihn Gott uns geben müsste. Ihr habt ja einst selbst auf den Knien und mit gefalteten Händen mit ihm verhandelt um den Sieg. Denkt ihr noch an das Klopfen der Herzen, als die Kriegserklärung herübergekommen war? als wir anbinden mussten mit dem Volk, das seit mehr denn fünfzig Jahren von allen seinen Schlachtfeldern als Sieger weggegangen war? Denkt ihr noch an die Tage, wo unsere Kinder auszogen, wo wir sie segneten zu dem großen Kampf? Denkt ihr noch an jenen Buß- und Bettag am 3. August, wo die Kirchen nicht Raum hatten für die Scharen derer, welche den Herrn in seinen Vorhöfen um Vergebung ihrer Sünde und um seinen gnädigen Beistand anrufen wollten? wo die Kirchen zu klein wurden? wo die Gemeindeglieder baten, es möchte doch am Nachmittage noch ein Betgottesdienst gehalten werden? Denkt ihr noch an die Freude und die Freudentränen, welche geweint wurden, als die Botschaft von den ersten Siegen bei Weißenburg und Wörth eintrafen? und an den Abend, wo es erst leise und dann immer lauter durch die Stadt lief, dass der Kaiser mit seinem letzten Heer bei Sedan gefangen sei? Was für Gebete, was für Gelübde und Dankopfer sind wohl bis dahin vor ihn gebracht! Der Herr sagt im 50. Psalm: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“ Du hast ihn angerufen, er hat dich errettet, so preise ihn nun auch. Er sagt in demselben Psalm: „Opfere Gott Dank und bezahle dem Höchsten deine Gelübde.“ Was sind denn das für Gelübde? Sie fangen bei dir selbst an. Du hast dem Herrn versprochen, wenn er unser Volk aus dieser großen Gefahr errette, dich ihm selbst zum Eigentum zu geben. Der die große Menge zur Beute und die Starken zum Raub nehmen soll, sollte auch dich haben. Wie nach einem harten Winter, wo der Frost tief in die Erde dringt, gewöhnlich ein um so fruchtbarerer Sommer folgt, so sollte auch für unser Volk auf den Herbst und Winter, der mit seiner Sorge, seiner Arbeit und seinen großen Opfern so tief in die Herzen hineinfror, eine neue fruchtbare Zeit folgen. So tue denn ab die welsche Leichtfertigkeit und den öden Unglauben, der die Völker verdirbt. Tritt fest unter die Fahne des Herrn, der uns den Sieg verliehen hat. Bezahle dem Höchsten deine Gelübde! Was sind das für Gelübde? Wir Alle haben uns gefreut wie die Kinder, als die Heere sämtlicher deutschen Stämme in einer Einigkeit und in einem gegenseitigen Vertrauen in den Krieg und in die Schlachten zogen, wie es bisher noch nie dagewesen war. Wohl standen die Heere sämtlicher Stämme unter dem König von Preußen. Aber wieder standen auch große preußische Scharen unter unserem Kronprinzen, bayerische Scharen unter preußischen und preußische unter bayerischen Führern. Und nirgends waren Hintergedanken oder Misstrauen. Jeder achtete und versorgte die Kinder der andern Stämme wie die des eigenen. Diese Einigkeit zu nähren und zu pflegen ist auch eins von den Gelübden, ist auch eine von unsern Aufgaben. Es darf kein Keil wieder in die alte deutsche Eiche getrieben werden, sie zu spalten und zu teilen. Zum Dritten gedenken wir hier noch einmal der Tapferkeit und Treue unseres Heeres. Wie viel haben wir diesen Männern zu danken! Wie haben wir uns ihrer gefreut! Vielen können wir diesen Dank nicht einmal aussprechen. Sie schlafen unter fremder Erde oder auch hier in der heimischen Gruft. Viele von ihnen haben aber arme Erben, arme hilflose Eltern, Witwen und Waisen hinterlassen. Diese sollen die Erben unseres Dankes sein. Das Vaterland soll und muss treulich für die sorgen, die zum Schutz seiner Grenzen, seiner Rechte und seiner Ehre ihr Leben in den Tod gegeben. Und auch die, welche als Krüppel oder mit gebrochener Gesundheit wiederkehren, sollen erfahren, dass sie an dem Vaterland, für welches sie gestritten und gelitten, eine treue Mutter und Versorgerin haben. Ich frage euch: „Wer ist wohl unter uns, der, als sie zum Kampf zogen, als sie sich als rechte Kinder des Vaterlandes bewährten, nicht vor dem Herrn gelobt hätte: „Herr, sie sollen, wenn sie als Krüppel und mit gebrochenen Kräften wiederkehren, nicht wieder wie ehemals als Bettler an den Straßen sitzen oder von einer Tür zur andern wandern?!“ Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert. Sie haben die schwerste Arbeit übernommen, bei welcher man Herz und Geist und Blut und Leben einsetzt. Wohlan denn, bezahle dem Höchsten deine Gelübde! - Und endlich denken wir noch an das Volk, mit dem nun Friede geschlossen ist. Wir haben den Krieg nicht gewollt, er ist uns aufgedrungen. Wir haben dies Volk trotz alles des Elends, des sittlichen und des äußeren, das es über uns gebracht hat, nicht gehasst. Dass sich aber während des Krieges diesseits und jenseits viel Bitterkeit in die Seelen eingeschlichen hat, das kann Niemand leugnen. Auch hier wolle uns Gott einen rechten Frieden geben; er wolle die Bitterkeit aus den Herzen nehmen. Er wolle uns erinnern an das Wort unseres Erbarmers: Liebt eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.“ Das ist Friede, wo Jeder zunächst um die Vergebung der eigenen Sünden, um eigene aufrichtige Bekehrung, und dann auch für den andern Teil um dasselbe bittet. Einer helfe die Wunden des Andern heilen. Einer beweise sich gegen den Andern als sein Bruder in dem Herrn. Bezahle dem Höchsten deine Gelübde! Bezahle deine Gelübde. Wie es je und je Sitte gewesen ist, haben auch nach diesem großen Kampf die Sieger den Besiegten Friedensbedingungen auferlegt. Wir wollen uns aber bei denselben nicht lange aufhalten. Wir wollen hier die Wichtigkeit der eroberten Provinzen und ihrer Festungen nicht erörtern. Noch weniger wollen wir die Milliarden zählen und uns die gewaltige Summe klar machen. Aber daran wollen wir denken, dass auch der Siegverleiher den Siegern wie den Besiegten seine Bedingungen auflegt. Glaubt ja nicht, dass wir diese Siege, diesen Frieden nur so hinnehmen können, wie wenn sich das von selbst verstände, wie wenn ihn Gott uns geben müsste. Ihr habt ja einst selbst auf den Knien und mit gefalteten Händen mit ihm verhandelt um den Sieg. Denkt ihr noch an das Klopfen der Herzen, als die Kriegserklärung herübergekommen war? als wir anbinden mussten mit dem Volk, das seit mehr denn fünfzig Jahren von allen seinen Schlachtfeldern als Sieger weggegangen war? Denkt ihr noch an die Tage, wo unsere Kinder auszogen, wo wir sie segneten zu dem großen Kampf? Denkt ihr noch an jenen Buß- und Bettag am 3. August, wo die Kirchen nicht Raum hatten für die Scharen derer, welche den Herrn in seinen Vorhöfen um Vergebung ihrer Sünde und um seinen gnädigen Beistand anrufen wollten? wo die Kirchen zu klein wurden? wo die Gemeindeglieder baten, es möchte doch am Nachmittage noch ein Betgottesdienst gehalten werden? Denkt ihr noch an die Freude und die Freudentränen, welche geweint wurden, als die Botschaft von den ersten Siegen bei Weißenburg und Wörth eintrafen? und an den Abend, wo es erst leise und dann immer lauter durch die Stadt lief, dass der Kaiser mit seinem letzten Heer bei Sedan gefangen sei? Was für Gebete, was für Gelübde und Dankopfer sind wohl bis dahin vor ihn gebracht! Der Herr sagt im 50. Psalm: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“ Du hast ihn angerufen, er hat dich errettet, so preise ihn nun auch. Er sagt in demselben Psalm: „Opfere Gott Dank und bezahle dem Höchsten deine Gelübde.“ Was sind denn das für Gelübde? Sie fangen bei dir selbst an. Du hast dem Herrn versprochen, wenn er unser Volk aus dieser großen Gefahr errette, dich ihm selbst zum Eigentum zu geben. Der die große Menge zur Beute und die Starken zum Raub nehmen soll, sollte auch dich haben. Wie nach einem harten Winter, wo der Frost tief in die Erde dringt, gewöhnlich ein um so fruchtbarerer Sommer folgt, so sollte auch für unser Volk auf den Herbst und Winter, der mit seiner Sorge, seiner Arbeit und seinen großen Opfern so tief in die Herzen hineinfror, eine neue fruchtbare Zeit folgen. So tue denn ab die welsche Leichtfertigkeit und den öden Unglauben, der die Völker verdirbt. Tritt fest unter die Fahne des Herrn, der uns den Sieg verliehen hat. Bezahle dem Höchsten deine Gelübde! Was sind das für Gelübde? Wir Alle haben uns gefreut wie die Kinder, als die Heere sämtlicher deutschen Stämme in einer Einigkeit und in einem gegenseitigen Vertrauen in den Krieg und in die Schlachten zogen, wie es bisher noch nie dagewesen war. Wohl standen die Heere sämtlicher Stämme unter dem König von Preußen. Aber wieder standen auch große preußische Scharen unter unserem Kronprinzen, bayerische Scharen unter preußischen und preußische unter bayerischen Führern. Und nirgends waren Hintergedanken oder Misstrauen. Jeder achtete und versorgte die Kinder der andern Stämme wie die des eigenen. Diese Einigkeit zu nähren und zu pflegen ist auch eins von den Gelübden, ist auch eine von unsern Aufgaben. Es darf kein Keil wieder in die alte deutsche Eiche getrieben werden, sie zu spalten und zu teilen. Zum Dritten gedenken wir hier noch einmal der Tapferkeit und Treue unseres Heeres. Wie viel haben wir diesen Männern zu danken! Wie haben wir uns ihrer gefreut! Vielen können wir diesen Dank nicht einmal aussprechen. Sie schlafen unter fremder Erde oder auch hier in der heimischen Gruft. Viele von ihnen haben aber arme Erben, arme hilflose Eltern, Witwen und Waisen hinterlassen. Diese sollen die Erben unseres Dankes sein. Das Vaterland soll und muss treulich für die sorgen, die zum Schutz seiner Grenzen, seiner Rechte und seiner Ehre ihr Leben in den Tod gegeben. Und auch die, welche als Krüppel oder mit gebrochener Gesundheit wiederkehren, sollen erfahren, dass sie an dem Vaterland, für welches sie gestritten und gelitten, eine treue Mutter und Versorgerin haben. Ich frage euch: „Wer ist wohl unter uns, der, als sie zum Kampf zogen, als sie sich als rechte Kinder des Vaterlandes bewährten, nicht vor dem Herrn gelobt hätte: „Herr, sie sollen, wenn sie als Krüppel und mit gebrochenen Kräften wiederkehren, nicht wieder wie ehemals als Bettler an den Straßen sitzen oder von einer Tür zur andern wandern?!“ Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert. Sie haben die schwerste Arbeit übernommen, bei welcher man Herz und Geist und Blut und Leben einsetzt. Wohlan denn, bezahle dem Höchsten deine Gelübde! - Und endlich denken wir noch an das Volk, mit dem nun Friede geschlossen ist. Wir haben den Krieg nicht gewollt, er ist uns aufgedrungen. Wir haben dies Volk trotz alles des Elends, des sittlichen und des äußeren, das es über uns gebracht hat, nicht gehasst. Dass sich aber während des Krieges diesseits und jenseits viel Bitterkeit in die Seelen eingeschlichen hat, das kann Niemand leugnen. Auch hier wolle uns Gott einen rechten Frieden geben; er wolle die Bitterkeit aus den Herzen nehmen. Er wolle uns erinnern an das Wort unseres Erbarmers: Liebt eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.“ Das ist Friede, wo Jeder zunächst um die Vergebung der eigenen Sünden, um eigene aufrichtige Bekehrung, und dann auch für den andern Teil um dasselbe bittet. Einer helfe die Wunden des Andern heilen. Einer beweise sich gegen den Andern als sein Bruder in dem Herrn. Bezahle dem Höchsten deine Gelübde!