Spurgeon, Charles Haddon - Der Pfingst-Wind und das Pfingst-Feuer

„Und es geschah schnell ein Brausen am Himmel wie eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Uns es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie vom Feuer; und es setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes und fingen an zu predigen mit andern Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen.“
(Apg.2,2-4)

Von der Herabkunft des Heiligen Geistes im Anfang haben wir etwas zu lernen, in bezug auf sein Wirken in der Gegenwart. Bedenkt zum Eingang: was der Heilige Geist am Anfang war, das ist Er noch jetzt, denn als Gott bleibt Er immer derselbe; was Er damals tat, das ist Er noch jetzt zu tun imstande, denn seine Kraft ist keineswegs vermindert. Wir würden den Heiligen Geist sehr betrüben, wollten wir annehmen, daß seine Macht heutigentags geringer sei als zu Anfang.

Pfingsten war nach dem Glauben der Juden die zeit der Gesetzgebung. Wenn nun, als das Gesetz gegeben wurde, eine solche wunderbare Machtentfaltung auf dem Sinai geschah, stand dann nicht zu erwarten, daß auch, wenn das Evangelium gegeben wurde - des Dienst doch ein so viel herrlicher ist - eine besondere Enthüllung der göttlichen Gegenwart erfolgen würde? Wenn wir nun am Anfang des Evangeliums den Heiligen Geist große Zeichen und Wunder wirken sehen, dürfen wir, dann nicht nur eine Fortdauer - ja, wenn irgend etwas dann sogar eine vermehrte Entfaltung seiner Macht,–im Verlauf der Jahrhunderte erwarten? Das Gesetz hat aufgehört, aber das Evangelium wird nie aufhören! Es scheint heller und heller bis auf den vollen Tag des Tausendjährigen Reichs. Ich achte daher, daß wir (mit alleiniger Ausnahme der physischen Wunder) alles dessen, was der Heilige Geist am Anfang gewirkt hat, noch fortwährend, solange diese Haushaltung besteht, gewärtig sein dürfen. Es sollte nicht vergessen werden, daß Pfingsten das Fest der Erstlinge war, die Zeit, wo die ersten reifen Kornähren Gott dargebracht wurden; wenn wir nun am Anfang der Evangeliumsernte die Macht des Heiligen Geistes so deutlich sehen, dürfen wir nicht noch viel mehr erwarten, solange die Ernte ihren Fortgang nimmt, und am allermeisten, wenn die zahlreichsten Gaben eingebracht werden? Dürfen wir nicht den Schluß ziehen, daß, wenn Pfingsten schon so wunderbar war, die wirkliche Ernte noch viel wundervoller sein wird?

Der Vater hat uns den Tröster gesandt, damit Er in uns Wohnung mache, bis der Herr kommt. Der Heilige Geist ist nie zurückgekehrt, denn zufolge des Gebetes des Heilandes kam Er, um bei uns zu bleiben ewiglich. Die Gabe des Trösters ist keine vorübergehende, und die erste Entfaltung seiner Macht bleibt nicht nur eine einmalige. Der Heilige Geist ist hier, und wir sollten sein göttliches Wirken unter uns erwarten; und wenn Er nicht so wirkt, sollten wir uns untersuchen, um zu erfahren, woran es liegt;– ob nicht etwas in uns ist, das Ihn hindert, seine Energie zu beweisen, das Ihn aufhält, nicht so wirksam unter uns zu sein, wie Er es ehedem war. Gott gebe, daß unser Glaube an den Heiligen Geist so gestärkt und unser Verlangen nach Ihm so entzündet werde, daß wir die Erfüllung seiner Mission unter den Menschen wie am Anfang auch unter uns erleben mögen.

I.

Laßt mich also zuerst eure Aufmerksamkeit auf die lehrreichen Symbole des Heiligen Geistes richten, welche zu Pfingsten hervortreten. Es waren ihrer zwei. Es geschah ein Brausen wie eines gewaltigen Windes, und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer.

Betrachtet die Symbole von einander getrennt. Das erste ist Wind - ein Sinnbild der Gottheit und darum ein passendes Symbol des Heiligen Geistes. Oft hat sich Gott im Alten Bund unter dem Sinnbild von Odem oder Wind geoffenbart; bekanntlich ist das hebräische Wort für „Wind“ und „Geist“ dasselbe. Ebenso das griechische Wort. Die Übersetzter finden es nicht ganz leicht, bei Jesu Gespräch mit Nikodemus uns zu sagen, wann Er „Geist“ und wann „Wind“ gebraucht hat. Einige geben ganz richtig den Grundtext in der ganzen Stelle mit dem Wort „Wind“ wieder, während andere mit ebenso gutem Recht „Geist“ übersetzten. Das Wort im Grundtext bedeutet entweder das eine oder das andre oder beides. Der Wind ist der Erscheinung von allen materiellen Dingen eines der geistigsten, er ist unsichtbar, ätherisch, geheimnisvoll, darum sind die Menschen auf denselben verfallen, als dem Geist am nächsten verwandt. Bei der berühmten Vision Hesekiels, als er das Feld voll verdorrter Gebeine sah, wissen wir alle, daß der Geist Gottes unter dem belebenden Wind verstanden war, welcher auf die Weissagungen des Propheten hin herzukam und auf die Getöteten blies, bis sie wieder lebendig wurden. „Des Herrn Weg ist im Wetter“, so entfaltet Er seine Macht; „der Herr antwortete Hiob aus dem Wetter“, so offenbart Er sich, wenn Er seine Knechte belehrt.

Beachtet auch, daß dieser Wind am Pfingsttag von einem Brausen begleitet war,–dem Brausen wie eines gewaltigen Windes; denn obgleich der Geist Gottes in der Stille wirken kann, so geht es doch bei einer seligmachenden Wirksamkeit nicht immer geräuschlos zu. Ich bin der letzte, welcher von Versammlungen geringschätzig redet, bei welchen nur heiliges Schweigen herrscht, denn ich wünschte, daß wir mehr Ehrerbietung fürs Schweigen hätten; denn das innere Leben wird in der Stille genährt. Aber der Heilige Geist breitet das Reich Gottes nicht durch Schweigen aus, denn der Glaube kommt durch die Predigt. Es gibt ein Geräusch wie das Brausen eines gewaltigen Windes, wenn das Wort in der Verkündigung des Evangeliums durch ganze Länder und Völker ertönt. Wenn der Herr den Menschen keine Ohren oder Zungen gegeben hätte, so wäre schweigende Anbetung nicht nur am Platze, sondern notwendig gewesen, da Er uns aber Ohren gegeben hat, so muß es in Seiner Absicht liegen, daß wir etwas hören sollen, und da Er uns Zungen gegeben hat, so muß es seine Meinung sein, daß wir reden sollen. Einige von uns würden gern stille sein; wo aber das Evangelium einmal ungehemmten Lauf hat, gibt es notwendigerweise ein gewisses Geräusch. Das Brausen sollte ohne Zweifel bei dieser Gelegenheit die Aufmerksamkeit der Versammelten auf das richten, was geschehen sollte, sie aufrütteln und mit Ehrfurcht erfüllen! Es ist etwas unbeschreibliches Feierliches in dem Rauschen eines sich aufmachenden Sturmes, es beugt die Seele nieder vor dem erhabenen Geheimnis der göttlichen Macht. Welche passenderen Begleiter des göttlichen Wirkens konnte es geben als das tief feierliche Rauschen eines gewaltigen Windes.

Dieses Ehrfurcht einflößende Brausen wie eines gewaltigen Windes war ein deutliches Anzeichen davon, daß dieser Wind vom Himmel kam. Gewöhnliche Winde wehen aus dieser oder jener Himmelsgegend, aber dieser Wind kam aus dem Himmel selbst, er war ganz deutlich ein Luftzug von oben. Dies veranschaulicht uns die Tatsache, daß der wahre Geist, der Geist Gottes, nicht von diesem oder jenem Ort ausgeht, auch nicht von menschlicher Autorität beaufsichtigt oder bestimmt werden kann, sondern sein Wirken immer von oben her ist, von Gott selbst. Das Werk des Heiligen Geistes ist sozusagen der Hauch Gottes, und seine Macht ist immer in besonderer Hinsicht die unmittelbare Macht Gottes.

Dieser geheimnisvolle Wind kam also herab, drang in das Zimmer ein, wo die Jünger saßen, und erfüllte den Raum. Ein gewöhnlicher Wind würde sich draußen fühlbar gemacht und wahrscheinlich das Haus zerstört oder die Insassen beschädigt haben, wenn er seine Gewalt auf ein besonderes Gebäude gerichtet hätte; aber dieser himmlische Sturm erfüllte den Raum ohne ihn zu zerstören, segnete die harrende Schar, ohne sie niederzuwerfen.

Dies will so viel sagen: gleichwie Atem, Luft, Wind das Leben des Menschen ausmacht, so ist der Geist Gottes das Leben des geistlichen Menschen. Durch Ihn werden wir zuerst lebendig gemacht, durch Ihn werden wir später am Leben erhalten; durch Ihn wird das innere Leben genährt, gekräftigt, vollendet.

Dieser heilige Odem sollte sie nicht nur lebendig machen, sondern kräftigen. Welch ein Segen würde jetzt gerade für uns, die wir in dieser dicken Atmosphäre sitzen, ein Luftzug sein! Wie würden wir einen frischen Wind von der Höhe oder von der offenen See her willkommen heißen! Wenn die Winde der Erde schon so erfrischend sind, was muß erst ein Wind vom Himmel sein! Dieses Brausen eines gewaltigen Windes fegte bald alle von der Erde erzeugten Übel und Sünde hinweg, rüttelte die Jünger auf und stärkte sie für das Wort des Herrn. Sie nahmen in großen Zügen himmlisches Leben in sich auf; sie fühlten sich belebt, erneuert und mit Kraft angetan. Eine heilige Begeisterung kam über sie, denn sie waren erfüllt mit dem Heiligen Geist; und mit seiner Kraft gegürtet, erhoben sie sich auf eine höhere Stufe des geistlichen Lebens, als sie bisher eingenommen hatten.

Ohne Zweifel sollte dieser Wind die unwiderstehliche Macht des Heiligen Geistes dartun, denn so still, nachgebend und scheinbar schwach die Luft sein kann - setzt ihr sie in Bewegung, so wißt ihr, was für ein lebendiges Wesen unter euch ist, und laßt ihr diese Bewegung noch schneller werden, wer begreift dann die Macht des ruhelosen Riesen, welcher entfesselt ist. Siehe, sie wird zu einem Sturm, einem Orkan, einem Tornado. Nichts kann der Macht des Windes gleichkommen, wenn er entfesselt ist; ebenso laßt nur den Heiligen Geist, so verachtet Er unter den Menschen ist - so sehr, daß viele nicht einmal an seine Existenz glauben - mit der Füller Seiner Macht wirken, so werdet ihr sehen, was Er tun kann. Er kommt wie ein sanfter Zephyr, welcher die Blumen fächelt, ohne das am zartesten beflügelten Insekt von seiner Stelle zu bewegen,–und unsre Herzen werden getröstet. Er kommt wie ein belebender Luftzug; wir werden angeregt, mehr Fleiß zu tun; unsre Segel werden gelichtet, und wir fliegen vor dem Wind.

Er kommt mit noch größerer Stärke, und wir werfen uns vor Ihm in den Staub nieder, den Donner seiner Macht hörend, der mit einem Krach falsche Hoffnungen und Stützen zu Boden schlägt. Wie bricht dann alles zusammen, worauf fleischlich gesinnte Menschen ihr Vertrauen setzten und was ihnen felsenfest zu stehen schien! Wie werden dann der Menschen Hoffnungen, welche Eichbäumen gleich gewurzelt schienen, vor dem Odem des überführenden Geistes mit den Wurzeln ausgehoben! Wer kann vor Ihm stehen? O daß wir doch in diesen letzten Tagen etwas von diesem mächtig brausenden Wind erfahren möchten, der die Zedern Libanons zerbricht und alles, was sich seiner Macht widersetzt, vor sich her treibt!

Das zweite Pfingstsymbol war Feuer. Feuer ist ebenfalls ein häufiges Symbol der Gottheit. Abraham sah eine Feuerflamme, und Moses gewahrte einen brennenden Busch. Als Salomo sein heiliges und schönes Haus baute, bestand die Weihe desselben in dem auf das Opfer herniederfahrenden Feuer, welches bezeichnen sollte, daß der Herr daselbst war; denn als der Herr früher in der Stiftshütte wohnte, welche durch den Tempel aufgehoben war, offenbarte Er sich daselbst in einer Wolkensäule bei Tag und in einer Feuersäule bei Nacht. „Unser Gott ist ein verzehrendes Feuer“. Daher ist Feuer ein passendes Sinnbild für den Heiligen Geist. Laßt uns Ihm Ehrfurcht und Anbetung bringen. Die feurigen Zungen, welche sich auf einen jeden setzten, bekunden eine persönliche Besuchung des Gemütes und Herzens eines jeden der erwählten Schar.

Nicht um sie zu verzehren, kam das Feuer denn niemand wurde von der feurigen Zunge verletzt. Menschen, welche der Herr an seine Annäherung vorbereitet hat, laufen keine Gefahr bei seinem Besuche. Sich schauen Gott, und ihr Leben wird bewahrt; sie fühlen sein Feuer und werden doch nicht verzehrt. Dies ist das alleinige Vorrecht derjenigen, welche für solche Gemeinschaft mit Gott zubereitet und gereinigt sind.

Das Symbol sollte ihnen dartun, daß der Heilige Geist sie erleuchten wolle, wie Feuer leuchtet. „Er wird euch in alle Wahrheit leiten“. Von jetzt ab sollten sie nicht mehr unerzogene Kindlein, sondern Lehrer in Israel sein! Sie sollten die Völker, welche sie zu Jüngern machen sollten, lehren, darum war der Geist der Erleuchtung auf sie gekommen. Aber Feuer leuchtet nicht nur: es entzündet auch; und die Flammen, welche sich auf ihnen niederließen, zeigten ihnen, daß sie ganz von Liebe und Eifer glühen, von Selbstverleugnung brennen müßten, daß sie unter die Menschen gehen und zu ihnen nicht mit der kalten Zunge wohlüberlegter Logik reden sollten, sondern mit der brennenden Zunge leidenschaftlichen Flehens, das sie die Menschen bitten und überreden sollten, zu Christus zu kommen, damit sie leben möchten. Das Feuer bedeutete Inspiration. Gott war im Begriff, sie unter Seinem göttlichen Einfluß reden zu lassen, reden, je nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen. O seliges Symbol! Wollte Gott, daß wir alle seine Bedeutung in ganzer Fülle erführen und die feurige Zunge auf allen Knechten des Herrn säße! Möge ein Feuer in uns beständig brennen und unsre Sünde zu zerstören, eine heilige Flamme, um uns zu ganzen Brandopfern für Gott zu machen, eine nie erlöschende Flamme des Eifers für Gott, der Hingabe an das Kreuz!

Beachtet aber, daß das Sinnbild nicht bloß in Feuer, sondern in einer feurigen Zunge bestand, denn Gott will eine redende Gemeinde haben: nicht eine mit dem Schwert kämpfende Gemeinde - mit der Waffe haben wir nichts zu tun–,sondern eine Gemeinde, aus deren Munde ein Schwert geht, deren einzige Waffe die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus ist. Ich möchte nach dem, was ich von einigen Predigern weiß, glauben, daß, als sie ihr Pfingsten feierten, der Einfluß in Form von Blumenzungen sich auf sie setzte; aber das apostolische Pfingsten kennt keine Blumen, sondern nur Flammen. Was für schöne Predigten hören wir heutzutage, was für neue Gedanken, was für poetische Redewendungen! Dies ist nicht der Stil des Heiligen Geistes. Sanft und wild ist der Fluß der glatten Rede, welche von der Würde des Menschen handelt, von der Größe des Jahrhunderts, von der Abschwächung aller Strafe der Sünde und von der wahrscheinlichen Wiederherstellung aller verlorenen Geister, den Erzfeind mit eingeschlossen. Dies ist ein satanisches Predigtamt, listig wie die Schlange, schmeichelnd wie ihre verführerischen Worte an die Eva. Der Heilige Geist beruft uns nicht zu solcher Redeweise. Feuer, Inbrunst, Eifer, Leidenschaft, so viel ihr wollt, aber Effekthascherei durch glatte Phrasen und glänzende Perioden eignet sich besser für diejenigen, welche die Menschen täuschen wollen, anstatt ihnen die Botschaft des Allerhöchsten zu verkündigen. Der Stil des Heiligen Geistes ist derart, daß die Wahrheit dem Gemüt auf die eindringliche Weise nahe gebracht wird: er ist einfach, aber flammend, schlicht, aber verzehrend! Der Heilige Geist hat in der ganzen Bibel keinen einzigen kalten Satz geschrieben und niemals durch einen Menschen ein lebloses Wort gesprochen, sondern immerdar schenkt und segnete Er eine feurige Zunge.

Dies sind also die beiden Symbole; und ich möchte, daß ihr sorgfältig beachtet, was der Heilige Geist uns durch sie lehren will. Als Er vom Vater ausging und auf den Sohn kam, geschah es wie eine Taube: Friede ruhte auf der Seele dieses teuren Dulders während aller Tage seiner Arbeit und während seins ganzen Leidens, welches sie beschließen sollte. Seine Salbung ist die des Friedens; Er brauchte keine Flammenzunge, denn Er war bereits ganz feurig von Liebe. Als der Heilige Geist vom Sohn Gottes seinen Jüngern mitgeteilt wurde, geschah es zunächst als Odem: Er blies sie an uns sagte: „Empfanget den Heiligen Geist“! „Leben und volles genüge“ ist das Hauptbedürfnis der Knechte des Herrn Jesus; darum besucht uns der Heilige Geist. Haben wir erst einmal den Heiligen Geist von Christus als unser inneres Leben empfangen, sind wir lebendig gemacht, dann kommt er auch mit er Absicht zu uns, uns zum Segen für andere zu benutzen, und dann besucht Er uns als Wind, welcher unsre Worte davonträgt, und als Feuer, welches der Wahrheit, die wir aussprechen, einen Weg brennt. Nun erst werden unsre Worte lebensvoll und zündend, der Odem des Geistes trägt sie davon, und sie werden zu Funken, welche in der Menschen Seelen fallen und in ihnen ein Verlangen nach Gott entzünden. Wenn der Heilige Geist auf mit oder auf euch oder auf irgend jemand von uns ruht, um uns zum Dienst tüchtig zu machen, so wird es auf diese Weise sein: Er4 wird uns nicht nur Leben für uns selbst, sondern eine feurige Energie zum Verkehr mit anderen schenken. O so komme denn auf uns herab, mächtiger gewaltiger Wind und Feuerzunge, denn es tut der Welt sehr not! Sie liegt bewegungslos in der verpesteten Sumpfluft der Sünde und braucht einen heilenden Wind. Sie ist in dichte Nacht gehüllt und braucht eine helleuchtende Fackel der Wahrheit. Es gibt keine Gesundheit und kein Licht für sie außer von Dir, hochgelobter Geist! Komme denn über sie durch Dein Volk!

Nun faßt diesen beiden Symbole zusammen, und was habt ihr dann? Wind und Feuer zusammen! Ich habe sie bisher getrennt gehalten, und ihr habt ich jedem eine Kraft wahrgenommen. Was sind sie aber zusammengefaßt? Ein gewaltig brausender Wind ist schon an sich furchtbar. Wer kann ihm widerstehen? Seht, wie die stolzen Schiffe zusammenbrechen und die Könige des Waldes ihre Häupter neigen! Und Feuer allein? Wer kann ihm widerstehen, wenn es seine Beute verzehrt? Nun aber gar Wind und Feuer vereint wirkend! Denkt an die alte Stadt London! Als die Flammen anfingen sich zu entzünden, war es ganz unmöglich, ihrer Herr zu werden, weil der Wind die Flamme anfachte und die Gebäude zusammenbrachen vor dem Feuerstrom. Zündet die Prärie an! Wenn es regnet und die Luft stille ist, so mag das Gras aufhören zu brennen, aber sowie der Wind der Flamme zusetzt, wird man den Zerstörer dahinfahren sehen, das hohe Gras mit seinen Flammenzungen aufleckend. Wir haben kürzlich von brennenden Wäldern gelesen. Welch ein Rauch schwärzt den Himmel! Es wird dunkel am Mittag! Indem Hügel um Hügel ihre Opfer darbringen, meinen die Ängstlichen,, der Tag des Herrn sei gekommen. Eine geistliche Feuersbrunst von gleicher Größe zu erleben, das wäre eine sehr begehrenswerte Sache. O Gott, sende uns den Heiligen Geist auf diese Weise: gib uns den Odem geistlichen Lebens und gib uns das Feuer unauslöschlichen Eifers für die Sache Deines Reiches! O Du, der du unser Gott bist, antworte uns mit Feuer, wir bitten Dich! Antworte uns mit beidem, mit Wind und mit Feuer! Dann werden wir erkennen, daß du in der Tat Gott bist. Dein Reich verzieht, Dein Werk ermattet, o sende den Wind und das Feuer! Du wirst es tun, wenn wir alle eines Sinnes, alle gläubig, alle erwartungsvoll, alle durch Gebet zubereitet sind. Herr, versetze uns in diesen Zustand der Erwartung

II.

Achtet nun weiter auf die unmittelbaren Wirkungen dieser Herabkunft des Heiligen Geistes! Diese Symbole sind nicht vergeblich gesandt. Wir haben es mit zwei unmittelbaren Wirkungen zu tun; erstens mit dem Erfülltwerden, zweitens mit der Gabe der Äußerung. Ich bitte um eure besondere Aufmerksamkeit für den ersten Punkt: das Erfülltwerden: „und es erfüllte das ganze Haus, da sie saßen“, aber nicht nur das Haus, sondern auch die Menschen: „Und wurden alle voll des Heiligen Geistes“. Als sie auftraten, um zu reden, bemerkten dies sogar die wüsten Spötter der Menge, denn sie sagten: „Diese Menschen sind voll“, und wenn sie auch hinzufügten: „süßen Weins“, so nahmen sie doch augenscheinlich eine besondere Fülle an ihnen war. Wir sind von Natur, arme, leere und - solange wir so bleiben - unnütze Wesen und müssen erfüllt werden von dem Heiligen Geist. Manche Leute scheinen zu meinen, daß der Heilige Geist bloß Äußerung verleihe, denn sie betrachten die göttliche Unterweisung in göttlichen Dingen als eine Sache von untergeordneter Wichtigkeit. Aber ach, wie viel Unheil entspringt aus dieser Annahme! Wie viel Geräusch und Geklapper entsteht durch leere Gefäße! Was reden diese Leute für eine Menge Nichts, und selbst, wenn dieses Nichts in Brand gerät, entsteht nicht viel daraus. Ich fürchte eine Erweckung dieser Art, wo das Erste und Letzte ewiges Geschwätz ist. Diejenigen, welche als Lehrer auftreten, bedürfen erst selbst, vom Herrn gelehrt zu werden! Wie können sie mitteilen, was sie nicht empfangen haben? Wo der Geist Gottes in Wahrheit wirksam ist, da füllt Er zuerst und gibt dann das Ausbrechen. O, daß ihr und ich in diesem Augenblick des Heiligen Geistes voll würden! „Voll“! Dann waren sei also nicht mehr kalt und tot und lebensleer, wie wir es so oft sind. „Voll“! dann war also kein Raum mehr für irgend etwas anderes in irgend einem von ihnen! Sie waren so völlig von der himmlischen Macht in Besitz genommen, daß für irdisches Verlangen kein Raum mehr blieb. Die Furcht war verbannt, jedes untergeordnete Motiv ausgestoßen; der Geist Gottes, der in ihr Inneres einströmte, trieb alles Ungehörige aus ihnen hinaus. Sie hatten vorher manche Fehler, manche Gebrechen. Aber an jenem Tage, da der Geist Gottes sie erfüllte, waren Fehler und Gebrechen nicht mehr bemerkbar. Sie wurden verschieden von dem, was sie je zuvor gewesen waren: Menschen, von Gott erfüllt, sind das Gegenteil von solchen, die von sich selbst erfüllt sind. Der Unterschied zwischen einem vollen und einem leeren Menschen ist in die Augen fallend. Reicht einem Durstigen ein leeres Gefäß dar: es mag viel Geräusch damit verbunden sein; doch wie spottet es seines Durstes, wenn er es zum Munde führt! Aber nun füllt es mit erquickendem Wasser: wenn es dabei auch schweigsamer zugeht - denn ein voller Becher erfordert behutsame Behandlung–,welch ein Segen, wenn er des Menschen Lippen berührt! Aus einem vollen Gefäß kann er sich satt trinken. Aus einer vollen Gemeinde kann die Welt Heil empfangen, aber niemals aus einer leeren. Das Erste, was uns als Gemeinde not tut, ist, erfüllt zu werden mit dem Heiligen Geist. Die Gabe der Äußerung wird dann von selbst nachkommen. Man fragt mich: „Dürfen die Schwestern reden, wenn auch nicht in der Gemeinde, so doch in kleineren Versammlungen“? ich antworte: „Ja, wenn sie voll sind des Heiligen Geistes“. Soll es diesem oder jenem Bruder gestattet sein, zu reden? Sicherlich, wenn er gefüllt ist, so möge er fließen. Darf ein Laie predigen? Ich weiß nichts von Laien, außer daß ich selbst kein Priester bin; aber es sollen alle reden, welche voll sind des Heiligen Geistes! Wo eine Quelle lebendigen Wassers ist, wer möchte sie hemmen, wer könnte sie hemmen? Laßt den überfließen, welcher voll ist, aber gebt wohl acht, daß er sich nicht anmaße, auszugießen, wenn er nichts in sich hat; denn wenn er es für seine offizielle Pflicht hält, in die Länge und Breite auszugießen, auszugießen, auszugießen, und doch nichts kommt, so bin ich gewiß, daß er nicht handelt getrieben von dem Heiligen Geist, sondern getrieben von seiner eigenen Eitelkeit.

Das nächste Pfingstsymbol war die Gabe der Äußerung. Sobald der Geist Gottes sie erfüllte, fingen sie an auszusprechen. Es scheint mir, sie fingen an zu reden, ehe das Volk zusammengekommen war. Sie konnten es nicht lassen, die innere Gewalt verlangte einen Ausdruck, sie mußten reden. Wenn der Heilige Geist über einen Menschen kommt, so wartet er nicht, bis er eine Zuhörerschaft von gewünschter Größe beisammen hat, sondern er ergreift die nächste Gelegenheit. Er redet zu einer Person, zu zweien, zu dreien, zu wem es sei, er muß reden, denn er ist voll und muß sich Luft machen.

Wenn der Geist Gottes einen Menschen erfüllt, so redet er auf verständliche Weise. Die Menge sprach verschiedene Sprachen, aber diese geistgelehrten Leute redeten zu ihnen in der Sprache des Landes, in welchem sie geboren waren. Dies ist eins von den Zeichen der Äußerung des Geistes. Wenn mein Freund zu einfachen Leuten in lateinischen Stil redet, so bürge ich euch dafür, der Heilige Geist hat nichts mit ihm zutun. Wenn ein gelehrte Bruder mit seiner großen Rede über die Köpfe seiner Gemeinde hinwegzielt, so mag er, wenn es ihm beliebt, seine Beredsamkeit auf Cicero oder Demosthenes zurückführen, aber er schreibe sie nicht dem Heiligen Geist zu, denn das ist nicht nach seiner Weise. Der Geist Gottes redet so, daß seine Worte verstanden werden, und wenn doch noch eine Dunkelheit übrig bleibt, so liegt sie in der Sprache, welche unser Herr selbst gesprochen hat.

Die Menge verstand aber nicht nur, sie fühlte auch. Die Worte dieser Pfingstpredigt waren Pfeile*, die den Zuhörern durchs Herz gingen. Die Wahrheit verwundete die Menschen; der „Getöteten“ des Herrn waren viele, denn die Wunden wurden dem lebenswichtigsten Organ beigebracht, dem Herzen. Sie konnten es sich nicht erklären. Sie hatten schon andere Redner gehört, aber dies war etwas ganz anderes. Diese Menschen redeten Funken, und ein Zuhörer rief dem andern zu: „Was will das werden“? Die Prediger sprachen Flammen, und das Feuer fiel in die Herzen der Menschen, bis sie erstaunt und bestürzt waren.

Dies sind die beiden Wirkungen des Heiligen Geistes: eine Fülle des Geistes fürs Predigtamt und in der Gemeinde und dann ein Feueramt und eine feurige Gemeinde, welche so reden, daß sie von den Umstehenden verstanden und gefühlt werden. Ursachen bringen Wirkungen hervor, die ihnen gleichen: dieses Wind = und Feuer = Predigtamt konnte nicht verborgen bleiben. Wir lesen: „Als diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen und wurden bestürzt“. Es gab natürlich eine Bewegung, denn es brauste ein gewaltiger Wind vom Himmel. Alle waren entsetzt und verwundet. Und während einige gläubiges erstaunen äußerten, hatten's andere ihren Spott. Das war ganz natürlich: es brannte da ein Feuer , und Feuer scheidet; so fing denn dies Feuer an zu scheiden zwischen dem Edlen und dem Unedlen, wie es immer der Fall sein wird, wo man es zur Anwendung bringt. Wir dürfen zu Anfang einer jeden wahren Erweckung eine Bewegung im Volk erwarten, einen gewissen Lärm und Aufregung, denn diese Dinge geschehen nicht im Winkel. Die Städte, in welchen sie geschehen, werden die Gegenwart Gottes merken, und die Menge wird von dem Ereignis angezogen werden. Dies war auch die unmittelbare Wirkung des Pfingstwunders.

III.

Welches war nun der hervorragendste Gegenstand, über welchen diese geisterfüllten Menschen mit solch feurigen Worten predigten? Gesetzt dem Fall, der Heilige Geist wirkte ebenso mächtig in unseren Gemeinden wie damals. Worüber würden unsere Prediger predigen? Wir würden eine Wiederauflebung der alten Streitigkeiten über Prädestination und die freie Willensbestimmung des Menschen erleben, nicht wahr? Ich glaube nicht: diese sind glücklicherweise beigelegt, denn sie riefen nur Bitterkeit hervor, und meistens waren die Streitenden ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Oder wir würden viel darüber streiten hören, ob der Herr vor oder nach dem Tausendjährigen Reiche wiederkommt? Ich glaube nicht. Ich habe nie viel göttlichen Geist in Streitigkeiten über Zeiten und Stunden wahrgenommen, welche nicht klar geoffenbart sind! Oder würden wir gelehrte Abhandlungen über die Fortschritte der Theologie hören? Nein, gewiß nicht. Wenn der Teufel die Kirche beeinflußt, dann haben wir moderne Theologie; wenn aber der Geist Gottes unter uns ist, dann wird dieser Schutt hinweggetan. Worüber predigten diese Menschen? Ihre Zuhörer sagten: „Wir hören sie mit unseren Zungen die großen Taten Gottes reden“. Ihr Thema war: „Die großen Taten Gottes“. O dies sei bis zu meinem Sterbetag mein einziges und alleiniges Thema: „Die großen Taten Gottes“. Zuerst sprachen sie von der Erlösung, dieser großen Tat Gottes. Des Petrus Predigt war ein Beispiel, wie sie davon redeten. Er sagte dem Volke, daß Jesus der Sohn Gottes sei, daß sie Ihn gekreuzigt und erwürgt hätten, daß Er aber gekommen sei, die Menschen zu erlösen, und daß in seinem teuren Blut das Heil sei. Er predigte die Erlösung. O wie wird dies Land widerhallen von „Erlösung, Erlösung ,Erlösung durch das teure Blut“, wenn der Geist Gottes mit uns ist. Dies ist geeigneter Stoff für die Flammenzunge; dies ist etwas, das wert ist, vom göttlichen Wind dahin getragen zu werden. „Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit Ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu “. „Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde“. Dies ist eine von den großen Taten Gottes, von denen wir viel reden können.

Dann redeten sie sicherlich von der anderen großen Tat Gottes, der Wiedergeburt. In dieser ersten Gemeinde gab es kein Verschweigen des Amtes des Heiligen Geistes. Es wurde in den Vordergrund gestellt. Petrus sagte: „Ihr werdet den Heiligen Geist empfangen“. Die Pfingstprediger redeten von dem Werk des Geistes in des Geistes Kraft: Bekehrung, Buße, Erneuerung, Glaube, Heiligkeit, u. dgl. wurden frei besprochen und ihrem wahren Urheber, dem Heiligen Geist, zugeschrieben. Wenn der Heilige Geist uns wieder ein volles und feuriges Predigtamt schenkt, dann wird es wieder klar unter uns verkündigt werden: „ Ihr müsset von neuem geboren werden“, und dann werden wir ein Volk erstehen sehen, welches geboren ist nicht von dem Geblüt, noch von dem Willen des Fleisches, sondern von Gott und von der Kraft, welche vom Himmel kommt. Ein Predigtamt des Heiligen Geistes kann über den Heiligen Geist und seine heiligen Wirkungen im Menschenherzen nicht schweigen.

Und sehr klar redeten sie von der dritten großen Tat Gottes, der Vergebung der Sünden. Das war der Punkt, den ihnen Petrus so eindringlich machte: wenn sie Buße täten, so würden sie Vergebung der Sünden empfangen. O selige Botschaft: Vergebung, auch für das schwärzeste Verbrechen, eine Vergebung, welche das Blut Jesu erkauft hat, eine freie, volle, unverbrüchliche Vergebung, welche auch den Ärgsten der Argen zuteil werden soll, wenn sie ihre Waffen strecken und sich zu den Füßen Dessen neigen wollen, der einst an den Stamm genagelt war. Wenn wir uns als solche beweisen wollen, die unter göttlichem Einfluß stehen, dann müssen wir uns an die Botschaft väterlicher Vergebung für die wiederkehrenden Söhne halten. Können wir ein seligeres Wort verkündigen?

Dies sind die Lehren, welche er Heilige Geist, wenn Er mächtig wirkt, inmitten unseres Landes wiederbeleben wird: Erlösung, Wiedergeburt, Vergebung. Wollte ihr den Heiligen Geist auf eurer Arbeit ruhen haben, so stellt diese drei Dinge immer in den Vordergrund und lasset alle Menschen in ihren Zungen die großen und wunderbaren Taten Gottes hören!

IV.

Welches waren nun die herrlichen Folgen dieser geistesmächtigen Predigt? Zuerst war es ein tiefes Gefühl, welches in den Herzen der Zuhörer durch das Kommen des Heiligen Geistes entzündet wurde. Es ist vielleicht nie in der ganzen Welt durch die Sprache von Sterblichen Menschen ein solches Gefühl hervorgerufen worden wie in der Menge zu Jerusalem an diesem Tage. Da sah man hier eine Gruppe und dort eine Gruppe, alle derselben Botschaft von den großen Taten Gottes lauschend; alle erregt und ergriffen; denn der himmlische Wind und das himmlische Feuer begleiteten die Predigt, und sie konnten nicht umhin, ihre Macht zu empfinden. Wir lesen: „Es ging ihnen durchs Herz“. Sie hatten schmerzliche Empfindungen, sie fühlten Wunden, durch welche ihre Feindschaft getötet wurde. Das Wort traf in das Innerste ihres Wesens hinein, es durchbohrte den Lebensnerv. Ach, die Leute heutzutage kommen in unsere Gotteshäuser, um den Prediger zu hören, und ihre Freunde fragen sei beim Nachhausekommen: „Wie hat er euch gefallen“? War das euer Auftrag, zu sehen, wie es euch gefiele? Kann euch das Nutzen bringen, wenn ihr euch so der Knechte Gottes bedient? Die Masse der Menschen scheint wirklich zu denken, daß wir nichts Besseres sind als Geigen- oder Schauspieler, welche die Bühne betreten, um euch eine Stunde lang die Zeit zu vertreiben. Oh, wenn wir gegen Gott und gegen euch treu sind, dann haben wir eine ernstere Obliegenheit, als die meisten Menschen wähnen. Das Ziel einer jeden wahren Predigt ist das Herz: wir arbeiten darauf hin, eine Scheidung zwischen eurem Herzen und der Sünde zu bewirken und euch Christo zu vertrauen. Unser Amt ist nichts nütze und entbehrt des göttlichen Siegels, wenn es die Menschen nicht zittern macht, sie nicht betrübt und sie dann zu Christus bringt, damit sie wieder fröhlich werden. Predigten werden zu Tausenden gehört, und doch wie wenig wirken sie, weil nicht auf das Herz gezielt wird oder doch die Schützen ihres Zieles verfehlen. Und unsere Zuhörer bieten uns oft ihre Herzen nicht als eine Zielscheibe dar, sondern lassen sie zu Hause und bringen uns nur ihre Ohren oder ihre Köpfe. Hier brauchen wir den göttlichen Beistand. Betet anhaltend, daß der Geist Gottes auf allen ruhen möge, welche im Namen Gottes reden, denn nur so werden sie ein tiefes Gefühl in ihren Zuhörern erwecken.

Darauf folgte dann ein ernstes Fragen. Es ging ihnen durchs Herz und sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: „Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun“? Eine jede Rührung ist an sich wenig nütze, wenn sie nicht zur Tat wird. Die Menschen zur Empfindung zu bringen, ist recht gut, aber es muß eine Empfindung sein, welche sie zwingt, sich sogleich aufzumachen oder doch wenigstens ernstlich zu fragen: Was sollen wir tun? O Geist Gottes, wenn Du auf mir, ja, auch auf mir ruhen willst, so sollen die Menschen nicht dahingehen und vergessen, was sie gehört haben, sondern sie sollen sich aufmachen, um den Vater zu suchen und seine Liebe zu kosten. Wenn Du auf allen den Brüdern ruhen wirst, welche Dein Wort verkündigen, so werden die Menschen nicht nur weinen, während sie zuhören, und eine Rührung empfinden, solange die Predigt währt, sondern sie werden nach hause gehen und fragen: „Was soll ich tun, daß ich selig werde“? Dies ist's was uns not tut. Wir brauchen keine neuen Prediger, sondern eine neue Salbung des Geistes. Wir brauchen keinen neuen Formen des Gottesdienstes, aber wir brauchen den Feuergeist, den Windgeist, damit Er durch uns wirke, bis überall die Menschen ausrufen: „Was muß ich tun, daß ich selig werde“?

Darauf folgte dann eine großartige Annahme des Wortes. Wir erfahren, daß sie das Wort gern annahmen, und zwar in doppelter Hinsicht: Petrus sagte ihnen, sie sollten Buße tun, und sie taten Buße. Es ging ihnen durchs Herz, sie empfanden eine tiefe Zerknirschung über das, was sie Jesus getan hatten, und zwar trauerten sie auf göttliche Weise: denn sie verließen ihre Sünde. - Sie glaubten aber auch an Den, den sie getötet hatten, und nahmen Ihn als ihren Heiland an, und zwar auf der Stelle, ohne länger zu zögern. Sie vertrauten Dem, welchen Gott vorgestellt hat zu einem Gnadenstuhl, und nahmen also das Wort völlig auf. Buße und Glauben machen die völlige Annahme Christi aus, und sie hatten beides. Warum sollten wir nicht diese beiden Wirkungen noch heute erleben? Wir werden sie erleben im Verhältnis unsers Glaubens.

Und was nun? Sie ließen sich taufen. Nachdem sie Buße getan und gläubig geworden waren, war der nächste Schritt, daß sie ihren Glauben bekannten, und das verschoben sie keinen Tag länger. Warum sollten sie auch? An bereitwilligen Händen fehlte es ja nicht, denn die ganze Schar der Gläubigen war froh, an der heiligen Handlung teilzunehmen, und so wurden sie am selben Tage getauft in den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wäre der Heilige Geist in ganzer Fülle unter uns gegenwärtig, dann würden wir niemals darüber zu klagen haben, daß so viele Gläubige nie ihren Glauben bekennen, denn sie würden ein heiliges Verlangen darnach tragen, ihren Heiland in der von Ihm verordneten Weise zu bekennen. Das Unterlassen hängt sehr häufig mit der Verfolgungsscheu zusammen, mit Unentschiedenheit, Liebe zur Bequemlichkeit, Stolz oder Ungehorsam; aber alles das verschwindet, wenn der himmlische Wind, das himmlische Feuer ihr heiliges Werk tun.

Aber noch mehr, es war nicht nur dies unfehlbare Bekenntnismittel vorhanden, sondern auch die andere Wirkung des Geistes Gottes: große Beständigkeit, „ Sie blieben in der Apostel Lehre“.

Wir haben sehr viele Erweckungen menschlicher Art erlebt, und ihre Ergebnisse sind sehr unbefriedigend. Unter viel Aufregung hat es viele dem Namen nach Bekehrte gegeben, aber wo sind sie nach einiger Prüfung geblieben? Ich sehe mich in die traurige Notwendigkeit versetzt, zu erklären, daß soweit ich es beobachten kann, bei vielem, was eine Erweckung genannt wurde, viel gesät, aber wenig geerntet worden ist, was des Erntens wert war. Unsre Hoffnung war schmeichelhaft wie ein Traum, aber wie eine Vision der Nacht schwand sie dahin. Wo aber der Geist Gottes wirklich arbeitet, da bestehen die Bekehrten, da sind sie wohl gewurzelt und gegründet und bleiben beständig in der apostolischen Wahrheit.

Wir sehen alsdann, daß es nicht an reichlichem Gottesdienst fehlte, denn sie waren beständig, nicht nur in der Lehre, sondern auch im Brotbrechen und im Gebet und in der Gemeinschaft. Es war damals nicht schwer, eine Gebetsversammlung zustande zu bringen, nicht schwer, tägliche Kommunion aufrechtzuerhalten, es war kein Mangel an heiliger Gemeinschaft, denn der Geist Gottes war unter ihnen und die heiligen Ordnungen waren köstlich in ihren Augen.

Und dann fehlte es nicht an einer auffallenden Freigebigkeit. Es war nicht schwer, Mittel zusammenzubringen: die Freigebigkeit floß über, denn die Gläubigen schütteten alles in einen allgemeinen Fonds. Damals konnte man es in der Tat mit Augen sehen, daß Silber und Gold des Herrn sind. Wenn der Geist Gottes wirkt, dann ist es nicht nötig, dringende Aufrufe für Witwen und Waisen zu erlassen oder kniefällig für Missionsgebiete zu bitten, welche nicht besetzt werden können, weil es Geld fehlt. Es wird nicht an Geld mangeln, wo es nicht an Geist mangelt. Wenn der Geist des Herrn kommt, werden die Besitzenden ihre Güter an den Herrn abtreten: die, welche nur wenig haben, werden reich, indem sie von dem Wenigen dem Herrn geben, und diejenigen, welche schon reich sind, werden glücklich, indem sie das, was sie haben, dem Herrn weihen. Es ist nicht nötig, mit der Büchse zu kommen, wenn das Brausen wie eines gewaltigen Windes sich hören läßt und das Feuer alle Herzen in Liebe auflöst.

Und dann gab es eine beständige Freude. „Sie nahmen die Speie mit Freuden“. Sie waren nicht nur bei Gebetsversammlungen und Predigten fröhlich, sondern auch beim Frühstück und Abendessen. Was sie auch zu essen hatten, sie sangen dabei. Jerusalem war die glückseligste Stadt, welche es je gegeben hat, als der Geist Gottes dort war. Die Jünger sangen vom Morgen bis an den Abend, und ich zweifle nicht, die Draußenstehenden fragten: „Was bedeutet das alles“? Der Tempel war nie so besucht, es war nie zuvor so viel Singens, sogar die Straßen von Jerusalem und der Berg Zion hallten wider von den Gesängen der einst verachteten Galiläer.

Sie waren voll Freude, und diese Freude bewies sich im Lob Gottes. Ich zweifle nicht, daß sie dann und wann in „Halleluja“! oder „Ehre sei Gott“! ausbrachen. Es würde mich nicht wundernehmen, wenn aller formelle Anstand in alle Winde zerstreut war. Sie waren so freudig, so fröhlich, daß sie vor Freuden hätten springen mögen. Natürlich sagen wir niemals „Amen“ oder „Halleluja“. Wir sind so eiskalt und formell geworden, daß wir nie einen Gottesdienst auf irgend eine Weise unterbrechen, aber die Wahrheit ist, wir sind nicht so besonders froh, wir sind nicht so voll des Lobes Gottes, daß es uns Bedürfnis wäre, so etwas zu tun. Ach, wir haben leider sehr viel vom Geist Gottes verloren und sind in eine anständige Gleichgültigkeit und steife Ordnung hineingeraten! Gott sende uns eine herrliche „Unordnung“! O daß ein Windstoß käme, welcher die Gewässer in Bewegung brächte, in welchen unsre gepanzerten Brüder jetzt so stille vor Anker liegen, damit sie ganz umgedreht würden! Was uns, die kleinen Schiffe, betrifft, so wollen wir vor dem Sturm herfliegen, wenn er uns nur in den gewünschten Hafen bringt. O daß wieder Feuer vom Himmel fiele - Feuer, welches auch die Unempfindlichsten zerschmölze! Dies ist ein sicheres Heilmittel wider die Gleichgültigkeit. Wenn ein brennender Funke in eines Menschen Busen fällt, so weiß er es, und wenn das Wort Gottes in eines Menschen Seele fällt, so weiß er es auch. O daß solch Feuer sich zuerst auf die Jünger niederlassen und dann auf alle umher fallen möchte!

Denn es fehlte damals auch nicht an einem täglichen Zuwachs der Gemeinde. „ Der Herr tat hinzu täglich, die da selig wurden, zu der Gemeinde“. Es gab täglich Bekehrungen; Aufnahmen in die Gemeinde geschahen nicht etwa einmal im Jahr, sondern waren tägliche Vorkommnisse, „So mächtig wuchs das Wort Gottes und nahm überhand“.

O Geist Gottes, Du bist ja ebenso bereit, jetzt unter uns zu wirken, wie Du es damals warst. Verziehe nicht, wir bitten Dich, sondern wirke sogleich. Brich jede Schranke ab, welche das Hereinströmen Deiner Macht aufhält. Wirf sie um, wirf sie um, o heiliger Wind! Verzehre alle Hindernisse, o heiliges Feuer, und gib uns jetzt beides, flammende Herzen und feurige Zungen, um Dein Wort von der Versöhnung zu verkünden, um Jesu willen! Amen

Quelle: Neue Schriften der Volksmission / Nr 36 Der Pfingst = Wind und das Pfingst = Feuer Predigt von, C.H. Spurgeon neu durchgesehen von Otto Witt

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