Spurgeon, Charles Haddon - Manoahs Weib und ihr trefflicher Beweisgrund.

Und Manoah sprach zu seinem Weibe: „Wir müssen des Todes sterben, dass wir Gott gesehen haben.“ Aber sein Weib antwortete ihm: „Wenn der Herr Lust hätte, uns zu töten, so hätte er das Brandopfer und Speisopfer nicht genommen von unseren Händen; er hätte uns auch nicht solches alles erzeiget noch uns solches hören lassen, wie jetzt geschehen ist.“

Richter 13,22.23.

Die erste Bemerkung, die aus dieser Erzählung von Manoah und seinem Weibe sich uns aufdrängt, ist diese: dass wir oft um Güter beten, die uns zittern machen, wenn wir sie empfangen. Manoah hatte darum gebeten, den Engel zu sehen, und er sah ihn; auf sein Ansuchen ließ der Wundersame sich herab, ein zweites Mal sich zu offenbaren, aber die Folge davon war, dass der gute Mann mit Staunen und Schrecken erfüllt ward, sich zu seinem Weibe wandte und ausrief: „Wir müssen des Todes sterben, dass wir Gott gesehen haben.“

Brüder, wissen wir immer, warum wir bitten, wenn wir beten? Wir flehen um einen unzweifelhaften Segen, und doch, wenn wir die Art kennten, auf welche der Segen notwendig kommen muss, so würden wir vielleicht zaudern, ehe wir mit unserer Bitte drängten. Du hast sehr um Wachstum in der Heiligung gebeten. Weißt du, Bruder, dass dies fast in jedem Falle vermehrte Trübsal bedeutet? Denn wir machen nicht viel Fortschritt im göttlichen Leben, außer wenn es dem Herrn gefällt, uns in dem Feuerofen zu prüfen und mit vielen Feuern zu läutern. Wünschst du dieses Gut auf diese Bedingung hin? Bist du willig, es zu nehmen, wie es Gott gefällt, es zu senden und zu sagen: „Herr, wenn geistliches Wachstum Leiden einschließt, wenn es lange Krankheit bedeutet oder tiefe Niedergeschlagenheit der Seele, wenn es den Verlust von Eigentum mit sich führt, wenn es die Hinwegnahme meiner liebsten Freunde einbegreift, doch mache ich keinen Vorbehalt, sondern schließe ins Gebet alles ein, was zu dem guten Zwecke nötig ist. Wenn ich sage, heilige mich ganz, Geist, Seele und Leib, so überlasse ich das Verfahren dabei deinem Rat.“ Gesetzt, du wüsstest wirklich, dass es all dieses auf dich bringen würde, würdest du nicht mit tieferem Ernste darum bitten? Ich hoffe, du würdest nicht schwanken, sondern alle Kosten überschlagend, dennoch wünschen, von der Sünde befreit zu werden; aber jedenfalls würdest du deine Bitte mit Überlegung vorbringen, jede Silbe wägend, und dann, wenn die Erhörung käme, würdest du nicht so erstaunt sein über ihre eigentümliche Form. Sehr oft ist der Segen, um den wir flehen, die Ursache des Leidens, über das wir klagen. Wir kennen Gottes Weise nicht. Wir schreiben ihm Wege vor, die es ihm nicht gefällt, einzuschlagen, eben wie John Newton bekannte, es getan zu haben, als er um Wachstum in der Gnade bat. Er sagt:

„Ich hoffte, dass in gnädiger Stund
Er hören würde all mein Schreien,
Und durch der Liebe Allgewalt
Die Sünde töten, Ruh’ verleihen.

Statt dessen ließ er fühlen mich
Das Böse, das verborgen lag,
Und ließ der Hölle zornige Macht
Die Seele quälen Nacht und Tag.

Ja, selbst durch seine eig’ne Hand
Schien nur mein Wehe stets vermehrt;
Zu nichts ward mir jeder Plan
Und jede Freude schien zerstört.“

Dies ist des Herrn Weise, das Gebet um Glauben und Gnade zu erhören. Er kommt mit Zuchtruten und lässt uns leiden für unsere Torheiten, denn so allein kann er unseren kindischen Geist davon befreien. Er kommt mit scharfen Pflugscharen und reißt die Seele auf, denn so allein können wir ihm eine Ernte liefern. Es kommt mit glühendem Eisen und brennt uns bis ins Herz; und wenn wir fragen: „Warum all dieses?“ so kommt die Antwort: „Dies ist, worum du gebeten hast, dies ist die Art, wie der Herr deine Bitte erhört.“ Vielleicht mag in diesem Augenblick das Gefühl der Ermattung, das einige von euch jetzt haben und das euch fürchten macht, ihr würdet des Todes sterben, auf Rechnung eurer eigenen Gebete zu setzen sein. Ich möchte, ihr sähet eure gegenwärtigen Leiden in diesem Lichte an und sprächet: „Im Grunde kann ich nun sehen, dass mein Gott mir genau das gegeben hat, was ich von seiner Hand gesucht habe. Ich bat darum, den Engel zu sehen und ich habe ihn gesehen, und nun ist mein Geist in mir niedergeschlagen.“

Eine zweite Bemerkung ist diese: Sehr oft ist tiefe Niedergeschlagenheit des Geistes der Vorläufer eines besonderen Segens. Es war für Manoah und sein Weib die höchste, denkbare Freude ihres Lebens, der Gipfel ihres Ehrgeizes, dass sie die Eltern eines Sohnes sein sollten, durch den Gott beginnen wollte, Israel zu erlösen. Freude erfüllte sie – unaussprechliche Freude – bei dem Gedanken daran; aber zu der Zeit, wo die frohe Botschaft zuerst mitgeteilt ward, wurde wenigstens Manoah so schwermütig, dass er sagte: „Wir müssen des Todes sterben, denn wir haben einen Engel des Herrn gesehen.“ Nehmt es als allgemeine Regel an, dass ein trüber Himmel einen Gnadenregen bedeutet. Erwarte süße Gunst, wenn du scharfe Trübsal empfindest. Wenn Gottes große Wagen mit Segen beladen, zu deiner Tür kommen, wirst du oft genug vorher die Räder furchtbar rollen und fröhnen hören. Du wirst vielleicht denken, es sei der Totenwagen, da es doch deines Vaters Schätze sind, die vor die Tür gefahren werden. Erinnerst du [dich] nicht, dass die Apostel erschraken, als sie in die Wolke auf dem Berg Tabor eintraten? Und doch war es in dieser Wolke, wo sie ihren Meister verklärt sahen; und ihr und ich, wir haben manche Furcht gehabt vor der Wolke, in die wir eintraten, obgleich wir darin mehr von Christo und seiner Herrlichkeit sehen sollten als je zuvor. Die Wolke, die du fürchtest, ist die äußere Wand des geheimen Zimmers, worin sich der Herr offenbart. Es ist der dicke Vorhang, der das Tageslicht auszuschließen scheint, aber wenn wir dahinter gehen, so sehen wir das helle Licht der Herrlichkeit Gottes über dem Gnadenstuhl scheinen. Leiden kommen vor den Tröstungen, wie Johannes der Täufer mit seinem rauhen Gewand vor Jesus, dem Trost Israels; seid deshalb guten Mutes.

Gelobt sei Gott für rauhe Winde. Sie haben manche Barke heimwärts geblasen, die sonst ins Verderben gesegelt wäre. Gelobt sei Gott für das Leid; es ist Christi schwarzer Hund gewesen, der manches Schaf hereingeholt, das sonst in den Rachen des Wolfes sich verirrt hätte. Gelobt sei unser Meister für das Feuer; es hat die Schlacken hinweg gebrannt. Gelobt sei unser Meister für die Feile; sie hat den Rost hinweggenommen. Nicht an und für sich betrachtet sind diese Dinge Segnungen, aber sie werden oft darin verwandelt durch die mächtige Hand Gottes und sie sind häufig die Vorboten großer Gnaden, die noch kommen. Ehe du Simson in deinen Armen tragen kannst, Manoah, musst du dahin gebracht werden, zu sagen: „Wir werden des Todes sterben.“ Ehe der Prediger vor Tausenden das Wort predigt, muss er erst ausgeleert werden und unter einem Gefühl von Unfähigkeit zittern. Ehe die Sonntagsschullehrerin ihre Mädchen zu Christo bringt, muss sie dahin geführt werden, zu sehen, wie schwach und ungenügend sie ist. Ich glaube allemal, wenn der Herr im Begriff ist, uns in seinem Haushalt zu gebrauchen, so nimmer er uns wie eine Schüssel, wischt uns rein aus und stellt uns aufs Gesims und dann nachher nimmt er uns herunter und legt seine eigene himmlische Speise darauf, womit er die Seelen anderer füllen will. In der Regel muss ein Entleeren, ein von unten nach oben kehren und ein Beiseitesetzen stattfinden, ehe der größte Segen kommen kann. Manoah fühlte, dass er sterben würde und doch konnte er nicht sterben, denn er sollte der Vater von Simson sein, dem Befreier Israels und dem Schrecken der Philister.

Lasst mich eine dritte Bemerkung machen, welche diese ist – großer Glaube ist in vielen Fällen Anfällen von Schwäche unterworfen. Welchen großen Glauben Manoah hatte! Sein Weib war unfruchtbar, doch, als der Engel ihr gesagt, dass sie ein Kind gebären würde, glaubte er es, obgleich kein himmlischer Bote zu ihm persönlich gekommen war – glaubte er es so, dass er nicht den Mann Gottes zum zweiten Mal sehen wollte, um zu hören, dass es so sein sollte, sondern nur, um zu wissen, wie er das Kind erziehen sollte, das war alles. „Wohl,“ sagt der alte Bischof Hall, „mag der der Vater des starken Simson sein, der einen so starken Glauben hatte.“ Er hatte in der Tat einen starken Glauben und doch sagt er hier in Bestürzung: „Wir werden des Todes sterben, denn wir haben Gott gesehen.“ Beurteilt nicht einen Menschen nach einem einzelnen Wort oder einer einzelnen Handlung, denn dann werdet ihr ihn gewiss falsch beurteilen. Feiglinge sind gelegentlich tapfer, und die Tapfersten sind zuweilen Feiglinge; und es gibt Menschen, die tatsächlich schlimmere Feiglinge sein würden, wenn sie ein bisschen weniger feige wären als sie es sind. Ein Mann kann zu feige sein, um zu bekennen, dass er furchtsam ist. Der zitternde Manoah war so aufrichtig, so geradeheraus und ehrlich, dass er seine Gefühle aussprach, die ein Schlauerer vielleicht verheimlicht hätte. Obgleich völlig glaubend, was Gott gesprochen hat, war doch zur selben Zeit dieser Zweifel an ihm, als Resultat seines Glaubens an die Überlieferung: „Wir müssen des Todes sterben, denn wir haben Gott gesehen.“

Ihr wisst, wie viele gleichartige Fälle es in der Schrift gibt. Seht auf den majestätischen Abraham, den Vater der Gläubigen – einen Fürsten kann ich ihn wohl nennen unter den Gläubigen; und doch verleugnet er sein Weib und sagt: „Sie ist meine Schwester.“ Dies beweist nicht, dass er keinen Glauben hatte; es zeigt nur, dass der stärkste Glaube mit Unglauben gemischt ist und die besten Menschen im besten Fall Menschen sind. So auch mit dem mächtigen Elias. Wenn ihr in auf dem Gipfel des Karmel seht, da zu Gott beten und das Feuer herabbringen, und wenn ihr ihn rufen hört: „Greift die Baalspropheten, lasst ihrer keinen entrinnen“, und diesen eisernen Mann betrachtet, wie er sie alle am Fuß des Berges schlachtet, wie? Ihr könnt es nicht für möglich halten, dass er derselbe zitternde Mann ist, der vor dem Angesicht Isabels flieht und unter dem Wacholderbaum der Wüste sich hinsetzt und schreit: „Lass mich sterben; ich bin nicht besser denn meine Väter.“ Aber so ist es. Es ist immer so. Gottes Heilige zeigen gewöhnlich ihre Schwäche in derselben Gnade, in welcher ihre Stärke liegt, und dieser große Gläubige, Manoah, wird durch einen elenden Anfall von Zweifel beunruhigt, welcher ihn so überwältigt, dass er plötzlichen Tod erwartet. Nun haben einige von euch kürzlich einen solchen Anfall zu bestehen gehabt? Wohl, lieber Freund, gib dem nicht nach. Lass es einen Anfall sein und lass ihn ein Ende haben, wie er es ohne Zweifel bei Manoah hatte. Er blieb nicht lange in seinem trostlosen Zustand, aber es war schlimm, so lange er dauerte. Es ist sehr schlimm, wenn Leute jeden Tag einen Anfall haben und noch schlimmer, wenn sie immer in solchen Anfällen sind. Es ziemt uns nicht, Entschuldigungen für unseren Unglauben zu machen oder uns zu gestatten, in gedrückter Gemütsstimmung zu bleiben. Unserer Seele muss nicht erlaubt werden, im Staube liegen zu bleiben. Wir müssen unser Herz befragen und sprechen: „Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ Doch seid nicht überrascht und verdammt euch nicht, als wenn euch etwas Seltsames widerfahren wäre, denn so ist es andern auch geschehen, dass, obgleich sie starken Glauben gehabt haben, sie zu Zeiten stark darin gefehlt haben.

Wiederum eine andere Bemerkung ist die, dass es eine große Gnade ist, einen christlichen Gefährten zu haben, und da Rat und Trost zu suchen, wenn eure Seele niedergedrückt ist. Manoah hatte ein treffliches Weib geheiratet. Sie war an gesundem Urteil ihm überlegen. Sie war das schwächere Gefäß von Natur, aber sie war stärker im Glauben und das war wahrscheinlich, weshalb der Engel zu ihr gesandt wurde, denn die Engel sprechen am liebsten mit denen, welche Glauben haben und wenn sie ihre Gesellschaft auswählen können, und das Weib mehr Glauben hat als der Mann, so werden sie das Weib früher aufsuchen als den Gatten; denn sie lieben es, Gottes Botschaften denen zu bringen, die sie mit Vertrauen aufnehmen. Sie war voll Glauben augenscheinlich, und als ihr Mann zitternd sprach: „Wir werden des Todes sterben“, da glaubte sie dieser misstrauischen Folgerung nicht. Überdies, obgleich man sagt, dass Frauen nicht mit Gründen streiten können, war doch hier eine Frau, deren Beweise logisch und überführend waren. Gewiss ist es, dass die Empfindungen der Frauen im allgemeinen klarer sind als die Vernunftschlüsse der Männer: sie sehen sogleich eine Wahrheit, während wir noch unsere Brille suchen. Ihr Instinkt ist gewöhnlich so sicher, wie unsere Schlüsse, und wenn sie noch dazu einen klaren, logischen Verstand haben, so sind sie die weisesten Ratgeber.

Wohl, Manoahs Weib hatte nicht nur klare Empfindungen, sondern treffliche Fähigkeit, Schlüsse zu ziehen. Sie bewies nach dem Text, dass es nicht möglich wäre, dass Gott sie töten sollte, nachdem was sie gesehen und gehört hatten. O, dass jeder Mann solch kluges, frommes Weib hätte wie Manoah! O, dass, wenn immer ein Mann niedergeschlagen ist, ein christlicher Bruder oder eine christliche Schwester bereitstände, ihn aufzuheitern mit einer Erinnerung an des Herrn vergangene Güte oder mit irgend einer gnädigen Verheißung des göttlichen Wortes. Es mag sein, dass es der Mann ist, der das Weib aufheitert und in diesem Fall ist es gleich schön. Wir haben eine christliche Schwester gekannt, die sehr nervös war und oft niedergeschlagen und unruhig; welche Gnade für sie, einen christlichen Gatten zu haben, dessen Glaubensstärke sie ermutigen kann, ihren Kummer hinweg zu lächeln, indem sie in der ewigen Treue und Güte Gottes ruht. Wie sorgsam sollten junge Leute in der Wahl ihrer Lebensgefährten sein! Wenn zwei Pferde zusammen ziehen, wie leicht gleitet der Wagen dann; aber wenn ein Pferd nach der anderen Seite zieht und das andere nach der entgegengesetzten, welche Verwirrung wird sicher daraus kommen? Nehmt an, Manoah hätte ein ungläubiges Weib gehabt. Ach, Manoah, wie würde dein Gemüt gesunken sein, tief, tief in Verzweiflung. Bis du deine eigene traurige Prophezeiung erfüllt hättest. Wäre er mit einem Weibe, wie Frau Hiob, geplagt gewesen und hätte sie ein bitteres Wort geäußert, gerade als er in Angst war, wie viel schwerer wäre sein Kummer geworden. Aber Frau Manoah war ein gläubiges Weib, sie führte den Beweis sehr verständig und ihr Mann fand wiederum Frieden.

Heute Abend wollen wir mit Hilfe des Heiligen Geistes die Beweisführung der Frau des Manoah aufnehmen und sehen, ob sie nicht auch unsere Herzen trösten wird. Sie hatte drei Stränge an ihrem Bogen, die gute Frau. Der eine war: Der Herr beabsichtigt nicht uns zu töten, sonst hätte er uns nicht alles dies erzeiget. Und der dritte war: Er will uns nicht töten, sonst würde er uns nicht solches hören lassen wie jetzt geschehen ist. So waren die drei Stränge an ihrem Bogen; angenommene Opfer, gnädige Offenbarungen und köstliche Verheißungen. Lasst uns bei jedem von diesen verweilen.

I.

Und zuerst, angenommene Opfer. Ich will annehmen, dass ich zu einem Bruder spreche, der sehr geprüft ist und furchtbar niedergeschlagen und deshalb angefangen hat zu klagen:

„Der Herr hat mich verlassen,
Mein Gott will nicht mehr gnädig sein.“

Bruder, ist dies möglich? Hat nicht Gott vor Zeiten für dich das Opfer seines Sohnes Jesu Christi angenommen? Du hast an Jesum geglaubt, lieber Freund. Du glaubst jetzt an ihn. Lege die Hand aufs Herz und frage dich feierlich: „Glaubst du an den Sohn Gottes?“ Du bist imstande zu sagen: „Ja, Herr, ungeachtet all meines Elends glaube ich an dich und lege das ganze Gewicht der Angelegenheiten meiner Seele auf deine Macht, zu retten.“ Wohlan, dann hast du Gottes eigenes Wort, verzeichnet in seinem eigenen unfehlbaren Buch, das dich versichert, dass Jesus Christus an deiner Statt von Gott angenommen ward, denn er gab sein Leben für so viele, als an ihn glaubten, damit sie niemals stürben. Er stand als ihr Bürge und litt als ihr Stellvertreter; ist es möglich, dass dies nichts helfen sollte und dass sie dennoch verworfen würden? Der Beweis von Manoahs Weib war gerade dies: „Legten wir nicht das Böcklein auf den Felsen und ward es da nicht verzehrt? Es ward an unserer Statt verzehrt; wir werden nicht sterben, denn das Opfer ist verzehrt. Das Feuer wird uns nicht verbrennen; es hat sich über das Opfer verbreitet. Sahest du es nicht in Rauch aufsteigen und die Engel darin emporfahren? Das Feuer ist vergangen; es kann nicht auf uns fallen, um uns zu verderben.“ Wenn dies ins Evangelium übertragen wird, so ist es dies: Haben wir nicht den Herrn Jesus ans Kreuz geheftet sehen? Haben wir ihn nicht in äußerster Todesangst gesehen? Hat nicht das Feuer Gottes ihn verzehrt? Haben wir ihn nicht aufsteigen sehen, so zu sprechen, von jenem heiligen Feuer in der Auferstehung und Himmelfahrt, um in die Herrlichkeit einzugehen? Weil das Feuer des Zornes Gottes sich über ihn ergossen, werden wir nicht sterben. Er ist an unserer Statt gestorben. Es kann nicht sein, dass der Herr ihn hat leiden lassen, den Gerechten für die Ungerechten, und nun den Gläubigen auch leiden lassen wird. Es kann nicht sein, dass Christus seine Gemeinde geliebt und sich selbst für sie gegeben hat und dass der Herr unser aller Missetat auf Ihn gelegt hat und nun unsere Missetat auch auf uns legen will. Es wäre mit der Gerechtigkeit nicht vereinbar. Es würde das stellvertretende Opfer Christi zu einer Null machen, einer überflüssigen Grausamkeit, die nichts bewirkt hätte. Die Versöhnung kann nicht wirkungslos gemacht werden, die bloße Vorstellung davon wäre Lästerung. O sieh, meine Seele, sieh auf des Erlösers Kreuz, und wenn du siehst, wie Gott Christum annimmt, so sei voller Zufriedenheit. Höre, wie das „Es ist vollbracht“ auf Erden vor dem Thron Gottes wiederhallt, als er seinen Sohn von den Toten auferweckt und ihm Herrlichkeit verleiht, höre dies, sage ich, und indem du es hörst, achte auf die Kraft dieser Schlussfolgerung: Wenn der Herr uns töten wollte, würde er nicht seinen Sohn für uns angenommen haben? Wenn er uns sterben lassen wollte, würde er ihn auch in den Tod gegeben haben? Wie kann das sein? Das Opfer Jesu muss wirksam den Untergang derer verhindern, für die er sich als ein Opfer darbrachte. Jesus stirbt für Sünder, und [hat] doch den Sündern Gnade verweigert! Unbegreiflich und unmöglich! Meine Seele, was auch deine inneren Gefühle und der Aufruhr deiner Gedanken sind, das angenommene Opfer zeigt, dass Gott nicht willens ist, dich zu töten. Aber, wenn ihr es beachtet, in Manoahs Fall war ein Brandopfer und auch ein Speisopfer da. Wohlan, neben dem großen, herrlichen Opfer Christi, auf das wir trauen, haben wir, liebe Brüder und Schwestern, andere Opfer Gott dargebracht und wegen der Annahme dieser Opfer können wir uns nicht denken, dass er beabsichtigt, uns zu verderben.

Zuerst, lasst mich eure Gedanken zurückleiten zu dem Opfer des Gebetes, das ihr dargebracht habt. Ich will für mich selber sprechen. Ich rufe mir jetzt zurück, wenn ich mein Tagebuch geistig durchgehe, sehr viele Beispiele, wo ich den Herrn im Gebet suchte und er mich gnädig erhörte. Ich bin ebenso gewiss, dass meine Bitten erhört sind, als Manoah es nur sein konnte, dass sein Opfer auf dem Felsen verzehrt war. Kann ich hieraus nicht schließen, dass der Herr mich nicht verderben will? Du weißt, dass es mit dir so gewesen ist, lieber Bruder. Du bist in Schwermut versunken, du fängst an, viele Fragen in Betreff der göttlichen Liebe aufzuwerfen; aber es hat Zeiten gegeben – du weißt es, es hat – wo du den Herrn suchtest und er dich hörte. Du kannst sagen: „Da dieser Elende rief, hörte der Herr und half ihm aus allen seinen Nöten.“ Vielleicht hast du die Tatsache nicht in ein Buch eingeschrieben, aber dein Gedächtnis bewahrt den unauslöschlichen Bericht. Deine Seele hat sich des Herrn gerühmt und seiner Treue in der Verheißung, dass er seinem Volk in der Stunde der Not helfen wollte, denn du hast es zu deiner Freude so an dir selber erfahren. Nun, Bruder, wenn der Herr dich hätte töten wollen, würde er deine Gebete nicht gehört haben? Wenn er im Sinn gehabt, dich am Ende zu verstoßen, würde er dich so viele Male gehört haben? Wenn er Streit mit dir gesucht, so hätte er Ursache zu diesem Streit vor vielen Jahren schon gehabt und hätte sagen können: „Ob ihr schon viel betet, höre ich euch doch nicht.“ Aber da er euer Geschrei und eure Tränen gehört hat, und vielmals eure Bitten beantwortet, so kann er nicht beabsichtigen, euch zu töten.

Wiederum, du brachtest ihm vor Jahren nicht bloß deine Gebete, sondern dich selber. Erinnere dich der frohen Stunde, wo du sprachst:

Nimm hin, o Gott, dein ist die Gabe,
Was ich nur bin und was ich hab’.
Mach du damit, wie’s dir gefällt;
Dir sei es völlig heimgestellt.“

Du gabst dich selber Christo hin, Leib, Seele, Geist, all deine Güter, all deine Stunden, all deine Talente, all deine Fähigkeiten und alle, die du noch erreichen könntest, und du sprachst: „Herr, ich bin nicht mein eigen, sondern ich bin teuer erkauft.“ Nun, nahm der Herr dich damals nicht an? Du hast bis zu diesem Augenblick eine lebhafte Erinnerung des süßen Gefühls der Annahme, was du damals hattest. Jetzt noch singt dein Herz:

„Solange Jesus bleibt der Herr,
Wird’s alle Tage herrlicher.“

Obgleich du gegenwärtig in großer Not bist, so wünschst du doch nicht, bis die Übergabe deines Herzens rückgängig machen, im Gegenteil, du erklärst:

„Nun, höchster Gott, ich geb’ aufs neue
Dir Leib und Seel zum Opfer hin,
Erwecke mich zu neuer Treue
Und bilde mich nach deinem Sinn.“

Nun, hätte der Herr die Übergabe deiner selbst an ihn angenommen, wenn er dich zu verderben meinte? Würde er dich dahin gebracht haben, zu sagen: „Ich bin dein Knecht, deiner Magd Sohn, du hast meine Bande zerrissen?“ Würde er dir gestattet haben, zu erklären, wie du kühn heute Abend behaupten kannst: „Ich trage die Malzeichen des Herrn Jesus an meinem Leibe“, indem du dich freust, der Zeit deiner Taufe an ihn zu gedenken, wodurch dein Leib, mit seinem reinem Leibe gewaschen, für des Herrn Eigentum auf ewig erklärt wird. Würde er dich fähig machen, eine Freude zu fühlen, sogar in dem Zeichen deiner Hingabe, sowohl wie in der Hingabe selbst, wenn er im Sinn hätte, dich zu töten? O, gewiss nicht! Er verstößt keinen, der sich ihm hingibt. Das kann nicht sein.

Einige von uns, liebe Freunde, können sich erinnern, wie aus diesem letzten Opfer andere herausgewachsen sind. Der Herr hat sie auch zu andern Zeiten angenommen, denn unsere Werke, unser Glaube und unsere Liebesarbeit sind von seinem Geist gesegnet worden. Es sind einige von euch, wie ich dessen mit Freuden gedenke, durch die Gott kleine Kinder bekehrt hat, die ihr versucht habt, zu lehren. Ihr habt einige im Himmel, die ihr zum Heiland gebracht habt und es sind andere auf der Erde, auf die ihr mit großer Freude blicken könnt, weil es Gott gefallen hat, euch zum Werkzeug ihrer Buße und Bekehrung zu machen. Einige von euch, wie ich sehe, sind Pastoren, andere predigen an den Straßenecken und es hat Zeiten in eurem Leben gegeben – ich bin gewiss, ihr wünscht, es wären zehnmal so viele – in welchen es Gott gefallen hat, eure Anstrengungen gelingen zu lassen, so dass Herzen sich Jesus übergeben haben. Nun, ihr setzt keine Hoffnung auf diese Dinge und beansprucht auch kein Verdienst, weil ihr eurem Meister gedient habt, aber doch meine ich, können sie als Grund zum Trost gebraucht werden und ihr mögt sagen: Wenn der Herr mich hätte verderben wollen, würde er mich instandgesetzt haben, sein Evangelium zu predigen? Hätte er mir geholfen, über Menschenseelen zu weinen? Würde er mich fähig gemacht haben, jene lieben Kinder, wie Lämmer zu seinem Busen zu führen? Würde er mir meinen sehnsuchtsvollen Wunsch erfüllt haben, Frucht in seinem Weinberg zu tragen, wenn er mich nicht hätte segnen wollen? Gewiss, er wird mich nicht dem Judas gleichen lassen, der das Evangelium predigte und seinen Meister verriet? Sondern, nachdem er mich angenommen hat und mir Freude in meinem Werk gegeben und Erfolg, da wird er fortfahren, mir bis ans Ende zu helfen. Wie Wesley es ausdrückt:

„Wollt’ er verdammen mich zur Höllen,
Um meiner vielen Untreu willen,
Würd’ er in seinen Dienst mich stellen
Und mich mit Segen darin füllen?“

Dieses sind vergleichsweise kleine Dinge, aber zuweilen helfen kleine Dinge unseren kleinen Seelen. Kleine Fische sind süß und kleine Diamanten sind kostbar, und oft leiten kleine Zeugnisse zu großem Frieden. Sie können uns wenigstens helfen, während wir nach etwas Besserem aussehen, so dass wir uns aus unserem Kummer aufrichten und die höheren Freuden ergreifen.

Soviel über den ersten Punkt. Frau Manoah schloss, wenn Gott ihr Opfer angenommen, so wollte er sie nicht töten; und das ist unser Beweisgrund heute Abend, denn er hat das große Opfer Christi angenommen und auch die Opfer, welche seine Gnade uns fähig gemacht hat, zu bringen, und deshalb beabsichtigt Er nicht, uns zu töten.

„Wer sagte, dass er dies täte?“ fragt jemand. Wohl, der Teufel hat das viele Male gesagt. Er ist ein Lügner von Anfang und ist nicht ein bisschen besser geworden. Er wird die Unverschämtheit haben, dies zu sagen, wenn du eben in Christi Nähe gewesen bist. Wenn du eben aus dem Betkämmerlein kommst, wird er dir außen vor der Tür entgegentreten und dir sagen, dass der Herr dich ganz verlassen habe, denn es gibt keine Grenzen für seine Falschheit. Antworte ihm, wenn er überhaupt der Antwort würdig ist, in der Sprache unseres Textes.

II.

Aber jetzt, zweitens, der zweite Beweisgrund war, dass sie gnädige Offenbarungen gehabt hatten. „Wenn der Herr Lust hätte, uns zu töten, er hätte uns nicht solches alles gezeiget.“

Nun, was hat der Herr dir gezeigt, mein lieber Bruder? Ich will ein oder zwei Dinge erwähnen.

Erstens, der Herr hat dir gezeigt, vielleicht vor Jahren, oder möglicherweise zeigt er dir in diesem Augenblick zum erstenmal – deine Sünde. Was für ein Anblick war dies, als wir ihn zuerst hatten? Einige von euch haben nie ihre Sünden gesehen, aber diese sind darum doch dieselben. In einem alten Haus ist vielleicht ein Keller, in den niemand geht und die Fenster sind immer geschlossen. Es sind hölzerne Fensterläden da, kein Licht dringt je hinein. Du lebst gemütlich genug in dem Haus und weißt nicht, was darin ist; aber eines Tages nimmst du ein Licht und gehst die Treppe hinunter und öffnest die halbverfaulte Tür, und wenn sie geöffnet ist, ach! Was für ein feuchter, verpesteter Geruch! Wie schmutzig ist der Boden! Alle Arten lebender Geschöpfe hüpfen unter deinem Fuß weg. Da sind Auswüchse, selbst an den Wänden – ein Haufen Wurzeln in der Ecke, die jene langen, gelben Schößlinge emporstrecken, die wie die Finger des Todes aussehen. Und da ist eine Spinne und da sind hundert ihresgleichen, von solcher Größe, wie sie nur in solch schrecklichen Plätzen sich finden. Du machst so rasch wie möglich, dass du wegkommst. Du liebst den Anblick nicht. Nun, das Licht machte den Keller nicht schlecht; das Licht machte ihn nicht schmutzig. Nein, das Licht zeigte nur, was da war. Und wenn du den Tischler kommen lässest, jene Läden wegzunehmen, die du durchaus nicht öffnen konntest, weil sie jahrelang geschlossen gewesen, und wenn das Tageslicht hereinfällt, so scheint es noch schrecklicher als beim Schein der Kerze, und du wunderst dich, wie du darüber weggegangen bist mit all diesen schrecklichen Dingen um dich her, und kannst nicht zufrieden oben leben, bis der Keller unten vollkommen gereinigt ist. Das ist gerade wie unser Herz; es ist voller Sünde, aber wir wissen es nicht. Es ist eine Höhle voll unreiner Vögel, eine Menagerie von allem, was schrecklich, wild und wütend ist – eine kleine Hölle, angefüllt mit Teufeln. Das ist unsere Natur; das ist unser Herz. Nun, der Herr zeigte mir das meine vor Jahren, wie er es bei einigen von euch tat, und das Resultat dieses Anblickes ist schrecklich. Wohl sagt Young: „Gott erspart jedem Auge, seinem eigenen ausgenommen, jenen furchtbaren Anblick: ein nacktes, menschliches Herz.“ Niemand sah je sein ganzes Herz, wie es wirklich ist. Du hast nur einen Teil gesehen, aber der ist so schrecklich, dass es genug ist, um einen Menschen wahnsinnig zu machen, wenn er das Böse in seiner Natur sieht.

Nun, lasst uns etwas Honig aus diesem töten Löwen nehmen, Bruder, wenn der Herr uns hätte verderben wollen, so hätte er uns nicht unsere Sünde gezeigt, denn wir waren froh genug vorher, nicht wahr? Auf unsere armselige Weise waren wir zufrieden genug, und wenn Er uns nicht hätte vergeben wollen, so sah es unserm Herrn nicht gleich, uns unsere Sünden zu zeigen und uns so zu quälen, ehe denn es Zeit war, wenn er nicht eben beabsichtigte, sie hinwegzunehmen. Wir waren Schweine, aber wir waren zufrieden genug mit den Trebern, die wir aßen; und warum uns nicht Schweine bleiben lassen? Dazu war es gut, uns unsere Unreinigkeit sehen zu lassen, wenn er nicht vorhatte, sie hinwegzunehmen? Es kann nie möglich sein, dass Gott absichtlich das menschliche Gemüt martert, indem er es seine Sünde erkennen lässt, wenn er nicht beabsichtigt, ein Hilfsmittel dagegen anzuwenden. O nein! Ein tiefes Sündengefühl wird dich nicht erretten, aber es ist ein Pfand, dass etwas in deiner Seele begonnen hat, was zur Errettung führen kann; denn dieses tiefe Sündengefühl sagt dir: „Der Herr legt die Krankheit bloß, damit er sie heilen kann. Er lässt dich die Fäulnis jenes unterirdischen Kellers deines Verderbens sehen, weil er dich davon reinigen will.“ So, liebe Brüder, wenn der Herr uns töten wollte, hätte er uns nicht solche Dinge gezeigt, wie die Verdorbenheit unserer Natur und das Entsetzen unsers Falles; aber da er uns unsere Blöße und Armut offenbart hat, so wünscht er uns zu bekleiden und reich zu machen.

Aber er hat uns mehr als dies gezeigt, denn er hat uns die Hohlheit und Leerheit der Welt sehen lassen. Es sind hier einige gegenwärtig, die zu einer Zeit sehr befriedigt von den Vergnügungen und Freuden der Welt waren. Das Theater war ein großes Entzücken für sie. Der Ballsaal gewährte ihnen das höchste Vergnügen. Sich nach ihrer Laune kleiden und Geld für ihre Einsätze ausgeben, das war die Höhe des Entzückens; aber es kam eine Zeit, wo die Seele über all diesem eine geheimnisvolle Schrift erblickte, die, wenn sie verdolmetscht ward, so lautete: „Eitelkeit der Eitelkeiten, alles ist Eitelkeit.“ Diese selben Leute gingen zu denselben Vergnügungen, aber sie schienen ihnen so langweilig und sinnlos, dass sie weggingen und sagten: „Wir geben nichts mehr darum. Die Freude daran war vorbei. Was Gold schien, erweist sich nur als Vergoldung und was wir für Marmor hielten, war nur weiße Farbe. Der Firnis hat Risse bekommen, das Flittergold ist verblichen, die Farbe verschwunden, die Lustlosigkeit lacht wie Blödsinn und das Vergnügen grinst wie Wahnsinn.“ Ich habe Personen gekannt, die in diesem Zustand noch aufregendere Vergnügungen suchten. Sie dachten, wenn sie einen Schritt weitergingen, bis das, was bloßes Amüsement war, Laster wurde, so möchten sie darin vielleicht etwas finden. Sie haben es versucht, bis sie alle Becher bei des Teufels Gastmahl ausgetrunken und sie ekelerregend wie lauwarmes Wasser fanden, fade und widerlich. Das Gefühl der Übersättigung hat sie ergriffen und sie sind des Lebens müde geworden. Nun, Brüder, der Herr hat viele von uns dies auf verschiedene Weise gelehrt, selbst solche, die nie sehr weit in weltliche Vergnügungen hineingeraten sind; und so haben wir gelernt, dass nichts auf diesem weiten Erdenrund ist, was eine hungrige Seele befriedigen kann. Auch wir haben die Worte in unsern Herzen tönen hören: „Eitelkeit der Eitelkeiten; alles ist Eitelkeit;“ und denkt ihr nun, dass der Herr uns dies gelehrt hätte, wenn er uns töten wollte? Nein, gewiss nicht; er hätte gesprochen: „Lasst sie in Ruh’, sie sind dem Götzen hingegeben. Sie werden nur eine Welt haben, in der sie sich freuen können; lasst sie die genießen.“ Er hätte die Schweine bei ihren Trebern gelassen, wenn er sie nicht hätte in seine Kinder umwandeln und an seine Brust ziehen wollen. Ich meine, ich erzählte euch einst eine Geschichte, die dies veranschaulicht, von einer guten Gattin – einer guten Christin –, die bekehrt worden war. Ihr Mann blieb ein gottloser und liederlicher Mensch. Nichtsdestoweniger waren ihre Sanftmut und Geduld außerordentlich und eines Abends rühmte ihr Mann bei einem Trinkgelage, dass keiner eine solche Frau hätte, wie er. Sie wäre viel zu religiös, aber dennoch hätte es nie solche Frau gegeben; „und wenn ich nun zehn von euch zum Abendessen mit nach Hause nähme,“ sagte er, „obgleich es nach zwölf ist, würde sie euch bewirten, euch mit einem Lächeln empfangen und keine Silbe der Klage äußern.“

Sie glaubten es nicht und gingen also mit ihm. Sie saß auf, nach Mitternacht, müde, und der gottlose Mann sagte, er hätte seine Freunde mitgebracht und wünschte ein Abendessen für sie. Sie hatte es sorgfältig einzurichten und so gut wie sie konnte, das zu benutzen, was im Hause war; sie bat die Herren, ein wenig Geduld zu haben und zu warten; die Mahlzeit würde vielleicht nicht ganz so ausfallen, wie sie es gern möchte, da die Mädchen zu Bett wären, aber sie wollte ihr Bestes tun. Sie machte alles gut, die Gesellschaft saß nieder, die Frau behandelte sie höchst freundlich und der Mann hatte seine Wette gewonnen. Darauf fragten sie sie, wie sie solche Behandlung ertragen konnte und so edel handeln? Sie brach in Tränen aus, als sie wieder und wieder in sie drangen, und antwortete: „Ich habe lange für meinen Mann gebetet und ernstlich sein Heil gewünscht, aber mir ist bange, er wird nie selig werden und so habe ich mir vorgenommen, ihn so glücklich wie möglich zu machen, so lange er hier ist, da ich fürchte, er wird in der künftigen Welt nicht glücklich sein.“

Nun, denkt ihr nicht, dass Gott nach diesem Grundsatz mit euch und mir handeln würde, wenn er uns dem Verderben überlassen wollte. Würde er uns nicht jedenfalls erlauben, diese Welt zu genießen? Aber weil er uns gelehrt hat, dass diese Welt ein Betrug und ein Spott ist, so schließe ich, dass er uns nicht verderben will.

Aber er hat uns etwas Besseres als dies gelehrt; nämlich, die Köstlichkeit Christi. Wenn wir nicht furchtbar betrogen sind – selbst betrogen, meine ich – so haben wir gewusst, was es ist, von der Sündenlast am Fuße des Kreuzes frei zu werden. Wir haben gewusst, was es ist, die Angemessenheit und Allgenugsamkeit des Verdienstes Christi zu sehen, und wir haben uns in ihm mit unaussprechlicher Freude und voller Herrlichkeit gefreut. Wenn er uns hätte verderben wollen, würde er uns Christum nicht gezeigt haben.

Zuweilen haben wir auch starkes Verlangen nach Gott! Was für ein Schmachten nach Gemeinschaft mit Ihm haben wir gefühlt! Was für ein Sehnen, von den Sünden frei zu werden! Welches Seufzen nach Vollkommenheit! Welche Sehnsucht, bei Ihm im Himmel zu sein und welche Wünsche, ihm gleich zu sein, so lange wie hienieden sind! Nun, meint ihr, der Herr hätte dieses Sehnen, Trachten, Schmachten, Dürsten in unsere Seele gelegt, wenn er uns hätte verderben wollen? Wozu würde das gut sein? Hieße es nicht, uns quälen wie Tantales gequält ward? Würde es nicht eine überflüssige Grausamkeit sein, uns wünschen zu lassen, was wir niemals haben könnten und trachten nach dem, was wir nie erlangen sollten? O, Geliebte, lasst uns darüber beruhigt sein. Wenn er uns hätte töten wollen, so würde er uns nicht dieses alles gezeigt haben!

III.

Ich werde keine Zeit haben, bei der letzten Quelle des Trostes zu verweilen, bei dem, was der Herr zu uns gesprochen hat viele köstlichen Verheißungen. „Er würde uns nicht solche hören lassen, wie jetzt geschehen ist.“ Fast zu jeder Zeit, wenn ein Kind Gottes niedergedrückt ist, und zum Worte Gottes und Gebet geht und hinauf blickt, so wird es eine oder die andere Verheißung ergreifen. Ich weiß, ich tue es gewöhnlich. Ich könnte dir nicht sagen, lieber Bruder, welche Verheißung heute Abend für dich passt, aber der Herr weiß immer das rechte Wort zur rechten Zeit nahe zu legen; und wenn eine Verheißung mit großer Kraft in die Seele kommt und du imstande bist, sie am Gnadenstuhl geltend zu machen, dann kannst du sagen: „Wenn der Herr uns töten wollte, hätte er uns nicht solche Verheißung gegeben.“ Ich habe eine Verheißung, die vor meinen Augen hängt jeden Morgen, wenn ich aufwache und sie ist jahrelang an ihrem Platz geblieben. Sie ist eine Stütze für meine Seele. Es ist diese: „Ich will dich nicht verlassen noch versäumen.“ Wenn der Herr uns hätte töten wollen, so hätte er dies nicht zu uns gesagt.

Was ist deine Verheißung heute Abend, Bruder? Was hast du ergriffen? Wenn du keine ergriffen hast und fühlst, als wenn die keine gehörte, so sind doch solche Worte wie diese da: „Das ist ja gewisslich wahr und ein teuer wertes Wort, dass Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen.“ Und du bist einer. Ach, wenn Er dich hätte verderben wollen, so würde Er nicht ein Wort so umfassender Natur gesprochen haben, damit es dich mit einschlösse. Tausend Verheißungen gehen hinab in die tiefste Tiefe, in die je ein Herz fallen kann, und wenn der Herr eine Seele in der Tiefe verderben wollte, würde er nicht eine evangelische Verheißung selbst zu diesem Äußersten hinuntergesandt haben?

Ich muss schließen und deshalb möchte ich noch zwei oder drei Worte heute Abend zu euch sagen, die ihr unbekehrt seid, aber beunruhigt in eurem Gemüte. Ihr denkt, dass Gott euch verderben will. Nun, lieber Freund, ich meine, wenn der Herr dich hätte töten wollen, so hätte er dir nicht das Evangelium gesandt. Wenn ein Ratschluss und Vorhaben da gewesen wäre, dich zu verderben, so würde er dich nicht hierher gebracht haben. Ich freue mich, unbekehrte Leute an den Donnerstagabenden hier zu sehen. Wenn Seelen beginnen, die Wochengottesdienste zu lieben, so denke ich immer, dass ein Verlangen in ihnen ist nach dem Herrn Gott in Israel. Jetzt sitzt ihr hier, um zu hören, dass Jesus gestorben ist, um solche zu erretten, wie ihr seid. Ihr sitzt da, wo euch geheißen wird, ihm zu trauen und errettet zu sein. Wenn der Herr mich zu töten vorhätte, so denk ich nicht, er würde mich mit solcher furchtbaren Botschaft gesandt haben, euch von einem Christus zu sagen, der euch nicht retten könnte. Ich denke, an den Donnerstagabenden besonders darf ich hoffen, eine auserlesene Zuhörerschaft zu haben, die Gott zu segnen beabsichtigt. Außerdem: Einige von euch haben sehr merkwürdige Lebensrettungen erfahren. Ihr seid bei Unfällen zu Lande oder zu Wasser gewesen – vielleicht in Schlachten oder Schiffbruch. Ihr seid von einem Krankenbett wieder erstanden. Wenn der Herr euch hätte verderben wollen, gewiss, er würde euch damals haben sterben lassen; aber Er hat euch erhalten und ihr seid in vorgerückten Jahren; sicher, es ist Zeit, dass ihr Seiner Barmherzigkeit nachgebet und euch in die Hänge jener Gnade legt. Wenn der Herr euch zu verderben meinte, gewiss, er hätte euch nicht heute Abend hierher gebracht, denn möglicherweise spreche ich zu einem, der hier hereingekommen ist und sich wundert, warum? Die ganze Zeit über, da er hier gesessen, hat er zu sich selbst gesagt: „Ich weiß nicht, wie ich an diesen Ort geraten bin, aber hier bin ich.“ Gott will dich heute Abend segnen, hoffe ich, und er wird es, lieber Freund, wenn du dies Gebet zum Himmel hinauf schickst: „Vater, vergib mir! Ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir, aber um Christi willen vergib mir! Ich setze mein Vertrauen auf deinen Sohn!“ Du wirst ewiges Leben finden und dich freuen in dem Opfer, das Gott angenommen hat. Du wirst eines Tages in den Offenbarungen seiner Liebe dich freuen und in den Verheißungen, welche er dir gibt und sagen, wie wir heute Abend sagen: „Wenn der Herr uns töten wollte, hätte er uns nicht solches alles gezeigt.“ Der Herr segne euch um Christi willen. Amen.

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