Spurgeon, Charles Haddon - Die drei Zeugen.

Drei sind, die da zeugen auf Erden: Der Geist und das Wasser und das Blut; und die drei sind beisammen.
1. Joh. 5, 8.

Das Christenthum erhebt sehr hohe Ansprüche. Es macht den Anspruch, der wahre Glaube zu sein und der einzig wahre. Es kündigt seine Lehren als göttlich und deshalb als unfehlbar an; während es für seinen großen Lehrer, den Sohn Gottes, göttliche Verehrung verlangt und unbedingten Glauben und Gehorsam der Menschen. Seine Gebote ergehen an alle Creatur, und obgleich seine Autorität von Millionen Menschen verworfen wird, so blickt es doch zuversichtlich vorwärts auf eine Zeit, wo die Wahrheit die allgemeine Herrschaft erlangen und Jesus, der Herr, seine Macht an sich nehmen und regieren wird. Nun, um so hohe Ansprüche zu rechtfertigen, muß das Evangelium starke Beweise vorbringen und dies thut es. Es hat keinen Mangel an äußern Beweisen, diese sind reichlich vorhanden und da viele gelehrte Männer ihre ganze Lebenskraft daran gewandt, sie gründlich zu führen, so ist es für mich weniger nöthig, eine Zusammenfassung derselben zu versuchen. Heutzutage wird kaum ein Stein umgekehrt in jenen Ruinen des Orients, der nicht die Wahrheit des Wortes Gottes verkündet und je tiefer die Menschen sowohl in die Geschichte als in die Natur hineinblicken, desto klarer wird die Wahrheit der biblischen Berichte. Das Arsenal der äußern Zeugnisse ist wohl versehen mit den Waffen des Beweises. Das Evangelium trägt aber auch in sich selber sein eignes Zeugniß, es hat eine selbstbeweisende Kraft. Es ist so rein, so heilig, so ganz und gar über die Empfindungskraft des gefallenen Menschen hinaus, daß es von Gott sein muß. Doch weder mit diesen äußern noch innern Beweisen haben wir es heute Morgen zu thun, dagegen werde ich eure Aufmerksamkeit auf die drei Zeugen lenken, von welchen der Text redet, drei große Zeugen, die noch unter uns sind, deren Zeugniß die Wahrheit unsrer Religion erweist, die Gottheit unsers Herrn und die künftige Alleingeltung unsers Glaubens. Unser Text redet von drei Zeugen, dem Geist, dem Wasser und dem Blut: möge der heilige Geist, der unser „Ausleger“ ist, uns in die volle Bedeutung dieser sehr bemerkenswerthen Stelle hineinführen.

I.

Ich will euch zuerst darauf aufmerksam machen, daß unser Herr selbst durch diese drei Zeugen beglaubigt ward. Wenn ihr sorgfältig das neunundzwanzigste Kapitel im zweiten Buch Mosis oder das achte Kapitel im dritten leset, werdet ihr sehen, daß, wenn ein Priester geweiht ward, (und ein Priester war ein Vorbild Christi) immer drei Dinge gebraucht wurden: er wurde stets mit Wasser gewaschen, ein Opfer wurde gebracht, auf sein Ohr, seine Daumen und seine Zehen ward Blut gethan, und dann ward er mit Oel gesalbt, als Zeichen jener Salbung des Geistes, womit der kommende Hohepriester unsers Bekenntnisses geweiht werden sollte. So kam jeder Priester mit der Salbung des Geistes, mit Wasser und mit Blut, als ein Vorbild und wenn Jesus Christus in der That der Priester ist, der da kommen sollte, wird er an diesen drei Zeichen erkannt werden.

Die gottesfürchtigen Männer in alten Zeiten wußten sehr wohl, daß keine Hinwegnahme der Sünde stattfand, ausgenommen durch dies Dreifache: als Beweis dafür wollen wir Davids Gebet anführen: „Entsündige mich mit Ysop“ – d. h. mit dem Ysop in Blut getaucht – „daß ich rein werde; wasche mich“ – da ist das Wasser – „daß ich schneeweiß werde;“ und dann: „Tröste mich wieder mit deiner Hülfe und der freudige Geist erhalte mich.“ So wurden das Blut, das Wasser und der Geist von Alters her als nothwendig erkannt, um uns von Schuld zu reinigen und wenn Jesus von Nazareth wirklich im Stande ist, sein Volk selig zu machen von ihren Sünden, so muß er mit der dreifachen Gabe kommen – dem Geist, dem Wasser und dem Blut. Nun, so war es augenscheinlich der Fall. Unser Herr ward von dem Geist beglaubigt. Der Geist Gottes zeugte von Christo in den Sinnbildern und Weissagungen, „die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem heiligen Geist;“ und Jesus Christus paßt auf diese Weissagungen so genau, wie ein gut verfertigter Schlüssel zu dem Schlosse. Durch die Kraft des heiligen Geistes ward unsers Herrn Menschheit für ihn gebildet und bereitet, denn der Engel sprach zu Maria: „Der heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum auch das Heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden.“ Als unser Herr zur bestimmten Zeit sein öffentliches Amt antrat, fuhr der heilige Geist hernieder auf ihn, wie eine Taube und blieb auf ihm und eine Stimme ward gehört vom Himmel, die sprach: „Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe.“ Dies war in der That eins der sichersten Siegel dafür, daß unser Herr der Messias war, denn es war dem Johannes zum Zeichen gegeben von dem Geist der Weissagung: „Ueber welchem du sehen wirst den Geist herabfahren, und auf ihm bleiben, derselbige ist's, der mit dem heiligen Geist taufet.“ Der Geist blieb auf unserm Herrn, „nicht nach dem Maß,“ während seiner ganzen öffentlichen Laufbahn, denn er wird beschrieben als voll von dem Geist und geführt von dem Geist. Daher war sein Leben und Amt voller Kraft. Wie wahr sprach er: „Der Geist des Herrn ist bei mir, derhalben er mich gesalbet hat und gesandt zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu heilen die zerstoßenen Herzen, zu predigen den Gefangenen, daß sie los sein sollen und den Blinden das Gesicht.“ Wohl konnte Petrus sagen: „Wie Gott denselbigen Jesum von Nazareth gesalbet hat mit dem heiligen Geist und Kraft, der umhergezogen ist und hat wohlgethan und gesund gemacht alle, die vom Teufel überwältiget waren, denn Gott war mit ihm.“ Mächtige Zeichen und Wunder waren das Zeugniß des göttlichen Geistes für die Sendung des Herrn Jesus. Der Geist blieb auf unserm Herrn sein ganzes Leben hindurch und um Alles zu krönen, gab der heilige Geist das völligste Zeugniß, nachdem Jesus gestorben und wieder auferstanden war, dadurch daß er am Pfingstfest in voller Kraft auf die Jünger herabkam. Der Herr hatte verheißen, seine Jünger mit dem heiligen Geist zu taufen und sie blieben zu Jerusalem in Erwartung der Gabe; auch wurden sie nicht getäuscht, denn plötzlich „wurden sie alle voll des heiligen Geistes und fingen an zu predigen mit andern Zungen, nachdem der Geist ihnen gab, auszusprechen.“ Jene zertheilten feurigen Zungen und jenes Brausen eines gewaltigen Windes waren heilige Zeichen, daß er, der herabkam, Herr und Gott war. Die Apostel sprachen: „Wir sind seine Zeugen über diese Worte, und der heilige Geist, welchen Gott gegeben hat denen, die ihm gehorchen.“ Das Wort der Apostel strafte die Menschen durch den heiligen Geist „um die Sünde und um die Gerechtigkeit und um das Gericht,“ wie der Herr es vorher gesagt; und dann tröstete der Geist die Bußfertigen, und sie glaubten an den erhöhten Heiland und wurden am selbigen Tage noch getauft. Dies Wort unsers Herrn war reichlich erfüllt: „Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, den Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir.“ So zeugte der heilige Geist auf deutliche Weise für unsern Herrn von seiner Geburt, sein Leben hindurch und nach seiner Himmelfahrt.

Es ist auch klar, daß unser Herr mit Wasser kam. Ich habe euch gezeigt, daß jeder Priester mit Wasser gewaschen wurde; unser Herr war nicht unrein und deshalb hätte man denken sollen, daß er dies entbehren könnte; aber, „um alle Gerechtigkeit zu erfüllen,“ war sein Erstes, im Jordan von der Hand Johannes des Täufers gewaschen zu werden. So kam er an die Thür seines Amtes durch jene Wassertaufe, welche bedeutet, daß er im Begriff war, sein Volk selig zu machen durch Tod, Begräbniß und Auferstehung. Sobald jene Taufe vollzogen war, ja, und vorher schon konnte man sehen, daß er mit Wasser gekommen war, denn Wasser bezeichnet das reine, lautere und geheiligte Leben, welches die äußere Waschung versinnbildlichen sollte. Seine ersten Jahre der Verborgenheit waren heilige Jahre und seine späteren Jahre im Dienste Gottes waren fleckenlos. „In ihm war keine Sünde.“ Wer hat je ein Amt verwaltet, so rein wie das seine? Wo anders finden wir solch' unbefleckte Heiligkeit? Er kam nicht blos mit Wasser als einem Symbol, sondern mit dem, was das Wasser bedeutete, mit fleckenloser Reinheit des Lebens. Seine Lehre war so rein wie sein Beispiel. Zeigt mir eine einzige Sylbe in all' seiner Lehre, welche Sünde erzeugen, nähren oder entschuldigen könnte. Er war der Freund der Sünder, aber nicht der Vertheidiger ihrer Sünden. Seine Theilnahme für Sünder war die eines Arztes, der die Krankheit zu heilen sich bestrebt. Seine ganze Lehre kann man passend mit dem reinigenden und lebengebenden Wasser vergleichen und sie wirkte auf die Herzen der Menschen derartig. In diesem letzten Sinne namentlich kam er mit Wasser. Es ist bemerkenswerth, wie das Evangelium des Johannes beides ist, die Erläuterung und der Text seiner ersten Epistel, denn ihr findet da unsern Herrn Jesus schon im Anfang seiner Lehrthätigkeit mit Wasser kommen. Zu Nikodemus sagt er, daß der Mensch geboren werden müsse „aus dem Wasser und Geist;“ zu der Samariterin spricht er ausführlich über das lebendige Wasser; und am letzten Tage des Festes ruft er: „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke.“ Bei seinem Auftreten erließ er nicht blos diese Einladung, sondern allen, die an ihn glaubten, gab er das Wasser aus dem Lebensquell umsonst. So kam unser Herr mit Wasser in dem Sinne, daß er den Menschen ein neues, reines und reinigendes Leben mittheilte; denn Wasser ist das Sinnbild des neuen Lebens, das in der Seele der Gläubigen aufquillt, ein Leben, frisch und funkelnd, aufsprudelnd aus den ewigen Quellen des göttlichen Daseins; ein Leben, das auf immer fluthet und nur weiter und tiefer wird gleich dem Wasser Ezechiels und wächst in Fülle der Macht und Freude bis es in dem Ocean der endlosen Seligkeit mündet. Jesus kam, um diesen lebendigen Strom unter den Menschenkindern auszugießen. Gelobet sei sein Name!

Unser Herr beschloß sein Leben damit, seiner Jünger Füße zu waschen, ein geeigneter Schluß für ein Leben, das durch sein Beispiel stets reinigend gewesen war und noch immer das erhabenste Gegenstück zu den verderbten Beispielen der Welt bildet. Selbst nach seinem Tode behielt er das lehrreiche Sinnbild bei, als von seinem durchstochenen Herzen Wasser und Blut herausging, was Johannes augenscheinlich für sehr bezeichnend hielt, denn als er es niederschrieb, fügte er hinzu: „Der das gesehen hat, der hat es bezeuget und sein Zeugniß ist wahr; und derselbige weiß, daß er die Wahrheit saget, auf daß auch ihr glaubet.“ So war von dem Jordan bis zum Kreuze das Wasser sowohl das Sinnbild als das Wesentliche bei unserm großen Meister, während seine persönliche Reinheit und seine Gabe des Lebens an Andre es bewiesen, daß er von Oben gesandt war.

Jesus kam auch mit Blut. Dies unterschied ihn von Johannes dem Täufer, der mit Wasser kam, aber Jesus kam „nicht mit Wasser allein, sondern mit Wasser und Blut.“ Wir dürfen nicht den einen Zeugen dem andern vorziehen, aber doch, welch' wunderbares Zeugniß für Jesus war das Blut! Von Anfang an kam er mit Blut, denn Johannes der Täufer ruft: „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!„ Nun ist das Lamm, welches Sünde trägt, ein geschlachtetes Lamm, ein blutendes Lamm; so daß Johannes zu der Zeit, als das Taufwasser über ihm war, sah, daß er für die menschliche Sünde bluten müßte. Während seiner öffentlichen Thätigkeit redete er oft deutlich von seinem künftigen Leiden und Blutvergießen, denn zu der versammelten Menge sprach er: „Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohns und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch,“ während er zu seinen Jüngern redete von dem Ausgang, den er in Kurzem erfüllen sollte zu Jerusalem. Dann zuletzt, als er all' unsre Sünden auf seine Schultern nahm in dem Kampf in Gethsemane, da zeugte das Blut, daß er in der That das Lamm Gottes sei und an jenem Kreuzesstamm, wo

„Er Alles trug, was Gott nur tragen kann,“

wo er selbstlos für seine Feinde starb, wo er eine schimpfliche Strafe litt, um die zu erlösen, welche ihn verworfen und verspottet hatten, da triumphirte seine unbesiegbare Liebe über den Tod selbst und ertrug den göttlichen Zorn ohne Murren, wie Niemand als der Sohn Gottes es hätte können. Der Messias sollte „ausgerottet werden und nichts mehr sein;“ er sollte sein Leben zum Schuldopfer geben, er sollte begraben werden wie die Gottlosen und „mitten in der Erde sein.“ Das Blut des Bundes sollte vergossen werden, das Passah-Opfer geschlachtet, der Hirte sollte geschlagen und das Lamm zur Schlachtbank geführt werden und deshalb konnte Jesus sich nur durch das Vergießen seines Blutes als der so lange angekündigte Messias erweisen. Wie rein auch sein Leben, wäre er nicht gestorben, so hätte er nicht der Heiland sein können, der bestimmt war, unser Aller Schuld zu tragen. Das Blut war nothwendig, um das Zeugniß vollständig zu machen. Das Blut mußte mit dem Wasser sein, das Leiden mit dem Dienen. Das frömmste Beispiel würde ihn nicht als den göttlichen Hirten erwiesen haben, wenn er nicht sein Leben für die Schafe gelassen hätte. Nehmt das Sühnopfer hinweg und Jesus ist nicht mehr als jeder andre Prophet, der wesentlichste Punkt seiner Sendung fehlt. Es ist klar, daß Der, welcher kommen sollte, der „Uebertretung wehren und die Missethat versöhnen“ sollte. Dies konnte nur durch eine Sühne geschehen und da Jesus diese Sühne durch sein Blut bewirkt hat, wissen wir, daß er der Christ Gottes ist. Sein Blut ist das Siegel seiner Mission, das wahre Leben seines Werkes.

So habe ich gezeigt, daß unser Herr von diesen drei heiligen Zeugen beglaubigt war.

II.

Nun, zweitens, möge Gott der heilige Geist mir helfen, daß diese Drei zu allen Zeiten stehende Zeugnisse für ihn bleiben.

Zuerst, der heilige Geist bezeugt bis auf diese Stunde, daß die Religion Jesu Wahrheit und Jesus der Sohn Gottes ist. Ich sage nicht, daß er dies überall bezeugt, denn es giebt Viele, die in menschlicher Weisheit und fleischlich hohen Worten predigen und Gott der heilige Geist wirkt nicht durch diese, weil er andre Werkzeuge wählt. Ich sage nicht, daß er für die Wahrheit zeugt, wo sie durch ein lauwarmes Amt oder eine gebetlose Kirche befleckt wird: aber ich sage dies, daß der Geist Gottes, wo immer Jesus völlig gepredigt wird, der große Zeuge für die Wahrheit seines Wortes ist; denn was thut er? Durch seine göttliche Kraft überführt er die Menschen von der Wahrheit des Evangeliums: und diese so Ueberführten sind nicht blos Personen, von denen man es, ihrer Erziehung nach, annehmen kann, daß sie glauben werden, sondern Männer wie Saul von Tarsus, die die ganze Sache verabscheuen. Er erweist seine Kraft an den Menschen und der Unglaube schmilzt dahin wie der Eisberg im Golfstrom; er berührt die Gleichgültigen und Sorglosen und sie thun Buße, glauben und gehorchen dem Heilande. Er macht die Stolzen zittern und die Gottlosen beben vor Furcht. Die Bekehrungen, welche gewirkt werden, wo Christus wahrhaft gepredigt wird, sind die Wunder, welche die Wahrheit des Evangeliums beglaubigen. Er, der die Hure keusch machen kann, den Trunkenbold mäßig, den Dieb ehrlich, den Rachsüchtigen versöhnlich, den Geizigen freigebig und was mehr als dies, den Selbstgerechten demüthig, ist in der That der Christ Gottes, und wenn der Geist all' dieses und mehr noch durch das Evangelium thut, so zeugt er damit klar von der Macht des Kreuzes. Dann geht der Geist auch aus unter die Gläubigen und zeugt durch sie von unserm Herrn und dem Evangelium. Groß ist die Verschiedenheit seiner Wirkungen, weshalb er die „sieben Geister Gottes“ genannt wird; aber in allen zeugt er von Christo; ob er lebendig macht, tröstet, erleuchtet, erquickt, heiligt, salbet oder die Seele entflammt, er thut es immer, indem er von dem Seinen nimmt und uns verkündiget. Wie kräftig tröstet er die Heiligen! Hat er euch nicht in tiefer Traurigkeit getröstet? Habt ihr nicht den Verlust eurer Lieben ohne Murren ertragen, weil der Tröster euch aufrecht hielt? Der wunderbare Einfluß, welcher Friede in euch wirkte durch das Evangelium, muß euch im Glauben gestärkt haben: und Andre, die eure Freudigkeit in schwerer Trübsal gesehen, werden, wenn nicht zum Glauben, doch wenigstens dahingebracht, zu fragen, was für ein seltsames Ding es sei, das den Christen Leiden ohne Murren ertragen läßt. Der Geist zeugt so von Christo, wenn er die Heiligen tröstet.

Und er thut dasselbe, wenn er die Seelen führt, erleuchtet und erhebt. Ich habe nicht die Zeit, auf alle seine Wirkungen einzugehn, laßt mich nur sagen, daß seine tröstenden, aufrichtenden Einflüsse vorzüglich in Zeiten der Verfolgung gesehen sind. Männer Gottes haben Qualen erduldet, bei denen zu verweilen peinlich für uns ist, doch haben ihre Feinde sie nicht besiegt; weder Blöße, noch Gefahr, noch Schwert haben sie von der Liebe Gottes geschieden. Blandina, in einem Netz von einem wilden Stier umhergeworfen und mit heißen ehernen Platten gebrannt, ermüdet ihre Peiniger; und Laurentius empfindet auf seinem Rost noch Freude genug, um sie laut zu äußern. Einer ruft in der Mitte der Flammen: „Nur Jesus allein!“ und ein Andrer schlägt seine brennenden Hände zusammen mit Siegesjauchzen, als seine Seele den Körper verläßt. Gottes Geist hat die Kirche bewahrt unter wüthenden und langen Verfolgungen, er erfüllte die Heiligen mit unerschrockenem Muth und freudiger Standhaftigkeit, die ihre Feinde sowohl in Staunen als in Schrecken setzte. So mächtig hat ihre Geduld die Welt überzeugt, daß es zum Sprichwort geworden: „Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche.“

Mit gleicher Macht zeugt der Geist Gottes für das Evangelium in großen religiösen Erweckungen. Wie wunderbar zeugte er für Christus in der Reformation! Kaum hatte Luther seinen Mund geöffnet, um die frohe Botschaft zu verkünden, als sogleich die Menschen sie begierig annahmen; sie sangen Psalmen, wenn sie das Feld pflügten oder das Weberschiff hin und her bewegten; das köstliche Wort war in Aller Munde. Es ward gesagt, die Engel hätten Luthers Schriften über die ganze Welt getragen: es war nicht der Fall, aber der heilige Geist läßt die Wahrheit gleich Feuerflammen fliegen. So war es in Whitfield's Tagen und in manchen Erweckungen, davon wird gelesen und einigen, die wir gesehen haben. Manchmal sind Menschen niedergeworfen in Convulsionen und zu andern Zeiten sind sie ohne äußere Gewalt mit gleicher Kraft in ihrer Seele erneuert worden. Wer, der in Edinburg gewesen ist und viele Hunderte hat durch die Straßen eilen sehen zu einem bestimmten Versammlungsorte, um da auf ihre Kniee zu fallen und Alle zugleich um Gnade zu schreien, hat zweifeln können, daß das Evangelium wahr sein müsse? Der Geist Gottes, der allmächtig ist im Reich der Geister und fähig, den menschlichen Willen zu leiten, ohne ihm Gewalt anzuthun, hat den verdunkelten Verstand der Menschen erleuchtet und sie erkennen lassen, daß Jesus Christus Gott unser Heiland ist. Ueberwältigt von der Liebe Jesu haben sie sogleich seinen Geboten Folge geleistet. Eine Kirche der bloßen Form mit einem Prediger, der aufsteht und eine officielle Rede hält und Gliedern, die mechanisch kommen und gehen, legt kein Zeugniß ab für die Religion, sondern erzeugt eher Ungläubige; aber wo wir das sehen, was Einige „wirkliches methodistisches Feuer“ und Andre „die alte protestantische Begeisterung“ genannt haben, oder vielmehr, wo wir den heiligen Geist sehen und mit ihm wunderbare Bekehrung, tiefe Buße, besondere Erleuchtung, himmlische und allgemeine Liebe, da haben wir unwidersprechliche Beweise von der Göttlichkeit unsers Glaubens.

Das nächste bleibende Zeugniß in der Kirche ist das Wasser – nicht das Wasser der Taufe, sondern das neue, in die Christen gepflanzte Leben, denn das ist der Sinn, in welchem der Meister des Johannes das Wort „Wasser“ gebraucht hat: „das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillet.“ Wo der Geist Gottes kommt, schafft er in dem Menschen eine neue Natur, rein, hell, frisch, kräftig wie eine Quelle, und die Thatsache, daß diese neue Natur in einer Menge Menschen existirt, ist ein stehendes Zeugniß für die Wahrheit des Evangeliums, denn keine andere Religion behauptet auch nur, das zu thun; sie mögen versuchen, die alte Natur zu bessern, aber keine kann sagen: „Siehe, ich mache Alles neu.“ Dies ist ein Vorrecht, das nur Jesu, unserm Herrn, gebührt.

Das Dasein des neuen Lebens ist eine Thatsache. Wir selber kennen Viele, deren Leben rein und tadellos ist; sie haben Fehler vor Gott, aber vor Menschenaugen sind sie vollkommen und aufrichtig, tadellos und schuldlos. Das gottselige Leben der Christen ist ein gutes Zeugniß der Wahrheit des Evangeliums. Höre ich den Einwurf von Jemandem: „Aber manche Bekenner des Christenthums sind nicht heilig.“ Ich gebe das zu, aber dann weiß Jedermann, daß sie im Widerspruch leben mit der Religion, die sie bekennen. Wenn ich von einem lüsternen Muhamedaner höre, betrachte ich ihn nicht, als Einen, der sich im Widerspruch mit dem Muhamedanismus befindet; ist ihm nicht sein Harem erlaubt? Wenn ich von einem wollüstigen Hindu höre, halte ich ihn nicht für Einen, der seine Religion entehrt, denn einige seiner heiligen Gebräuche sind widerlich und nicht zu nennen. Das Gleiche kann man von allem Götzendienst sagen. Aber Jedermann weiß: wenn ein Mann sich als einen Christen bekennt und sich eines groben Fehlers schuldig macht, so ist die Welt voll von dem Skandal, weil sie den Widerspruch seines Wandels mit seinem Bekenntniß erkennt. Obgleich Einige beim ersten Auftauchen eines Aergernisses es umhertragen mögen und sagen: „Das ist eure Religion,“ so weiß die Welt doch, daß es nicht unsre Religion ist, sondern der Mangel an ihr. Warum macht sie so viel Aufhebens von einem gefallenen Christen? Sind die Ehebrecher so sehr selten, daß so viel Lärm gemacht werden muß, wenn ein Prediger, fälschlich oder mit Recht, des Verbrechens angeklagt wird? Der Welt Gewissen weiß, daß die Religion Jesu die Religion der Reinheit ist, und wenn die, welche sich Christen nennen, in Unreinigkeit fallen, so weiß die Welt, daß solche Handlungsweise nicht aus der Religion Christi entspringt, sondern ihr diametral entgegengesetzt ist. Das Evangelium ist vollkommen, und wenn wir uns völlig seiner Herrschaft übergäben, würden wir die Sünde verabscheuen und sie in uns ertödten und auf Erden das Leben der Vollendeten droben führen. O, möge Gott mehr und mehr in seiner Kirche das Zeugniß des neuen Lebens fördern, das Zeugniß der Heiligkeit, Liebe, Sanftmuth, Mäßigung, Gottseligkeit und Gnade: dies ist die Logik des Evangeliums, seine Syllogismen und Demonstrationen, die Niemand widerlegen kann.

Das dritte bleibende Zeugniß ist das Blut. Das Blut Christi ist noch auf der Erde, denn als Jesus starb, floß es auf die Erde und ward niemals aufgehoben. O Erde, du bist noch immer mit dem Blute des gemordeten Gottessohnes bespritzt und wenn du ihn verwirfst, wird es dich verfluchen. Aber, o Menschheit, du bist gesegnet mit den Tropfen jenes kostbaren Blutes, und wenn du an ihn glaubst, wird es dich retten. Rettet das Blut wirklich von Schuld, Schrecken und Verzweiflung? Wirkt es auf die Menschen? Laßt uns unser Gedächtniß fragen. Seine Antwort ist voll und klar. Ich spreche, was ich weiß und zeuge von dem, was ich gesehen habe. Ich habe das Blut Jesu Christi und die Liebe des menschgewordenen Gottes gepredigt und ich habe stolze, starkherzige Männer eine Fluth von Thränen vergießen sehen; der Fels hat geweint, wenn er mit diesem wunderbaren Stabe des Kreuzes geschlagen ward. Herzen, die den Donnern des Sinais widerstanden, sind bei den zarten Tönen von Golgatha zerschmolzen. Ja, und auf der andern Seite, ich habe Verzweifelnde, deren „Seele erhänget zu sein wünschte und ihre Gebeine den Tod,“ zu jenem theuren Kreuze aufblicken sehen und ihr Antlitz erhellte sich und unaussprechliche Freude verjagte die Verzweiflung. Wunder des Trostes hat das Blut bewirkt. Wir haben Menschen gesehen, die mit Gott im Kriege waren und der Heiligkeit feindlich, zu denen das Blut gesprochen hat: sie haben einen versöhnten Gott geschaut und sie sind selber mit ihm versöhnt worden. Wir haben sie ihre Waffen niederwerfen sehen vor der Macht des Blutes und rufen:

„Nichts hat mir's Herz genommen,
Als ich da angekommen
Auf Golgatha. Gott sei gepreist!“

Das Blut Jesu, nachdem es dem Gewissen Frieden zugesprochen, entflammt das Herz mit brünstiger Liebe und führt oft Menschen zu hohen Thaten der Hingabe, Selbstverleugnung und Selbstopferung, die kaum verstanden werden können, bis sie auf jene Liebe zurückgeführt werden, die am Holze blutete. Wohl konnten die Märtyrer für ihn bluten, der für sie gekreuzigt war; das Blut treibt den Menschen mächtig an, zu streben und zu arbeiten für Gottes Ehre. Ja, Brüder, das Blut hat eine solche schmelzende, solche bekehrende, solche besiegende, solche heiligende, solche freudenschaffende Macht für jedes Gewissen, das seine unvergleichliche Stimme hört, daß es mit dem Geist und Wasser ein überführendes Zeugniß für den Christ Gottes bleibt.

III.

Drittens laßt uns beachten, daß dieses dreifache, doch einige Zeugniß besonders stark in gläubigen Herzen ist. Johannes spricht: „Wer da glaubet an den Sohn Gottes, der hat solches Zeugniß bei ihm.“ Brüder, diese Drei zeugen beständig in unsern Seelen. Ich spreche nicht von vergangenen Jahren, sondern von gestern Abend, als ihr eure Kniee im Gebet beugtet und erhört wurdet. Zeugte nicht der Geist, als er euch beten half, daß das Evangelium keine Lüge sei. War nicht die Erhörung eures Gebetes ein gutes Zeugniß? An jenem Sabbathmorgen, als du betetest um Sammlung und Vergessen der Sorgen der Woche, und dir das wurde durch des Geistes Hülfe, bewies nicht diese heilige Ruhe deiner Seele dir, daß Christus in der That der Heiland ist? Du sitzest hier heut Morgen und dein Herz hat in dir gebrannt und dein Herr ist dir nahe gewesen, ist nicht diese Gemeinschaft, die der Geist dir gegeben, ein neues Zeugniß von Christo? Damals, als du so traurig warst und der Geist dich tröstete, als du so rebellisch warst und er dich ruhig machte „wie ein entwöhntes Kind,“ kräftigte dies nicht deinen Glauben? Damals, als du so im Dunkeln warst und er dich erleuchtete, als du in solchem Zwiespalt warst und er dich leitete – hattest du nicht einen frischen Beweis, daß Leben, Kraft, Göttlichkeit im Evangelium ist? Diese süßen Empfindungen wurden dir zu Theil, weil der Geist dir Jesum offenbarte. Er tröstete und erhob dich nicht durch das Gesetz, noch durch das Fleisch, sondern durch die Liebe Gottes, die in deinem Herzen ausgegossen ward, jene köstliche Liebe, die vom Kreuze unsers Herrn herabströmt. Ach, lieben Freunde, mir ekelt bis zum Tode vor dem modernen Geschwätz von der Heilsamkeit des Zweifels und der Schönheit des „freien Gedankens.“ Dies Geschwätz ist nur das Selbstlob einer Anzahl von heimlich Ungläubigen, die verrätherischerweise in Gottes Gemeinde sich verbergen. Es giebt eine kurze Art, mit Skeptikern fertig zu werden, die ich euch empfehle. Fragt sie, ob sie den heiligen Geist kennen? Ob sie ihn je in ihren eignen Seelen gefühlt? Wenn sie „Nein“ sagen, glauben wir ihnen; laß sie uns glauben, wenn wir erklären, daß wir die Wirkungen des heiligen Geistes fühlen. Dann ist der Streit zu Ende; wenn sie ehrlich sind, wir sind es auch, und wir zeugen von dem göttlichen Wirken des heiligen Geistes in unsern Seelen. Wenn sie niemals seine Kraft gefühlt haben, können ihre verneinenden Aussagen nicht im Geringsten die Wahrheit der unsrigen anfechten.

Das nächste Zeugniß in uns ist das Wasser, oder das neue und reine Leben. Fühlt ihr das innere Leben, meine Brüder? Ich weiß, ihr thut's – ihr fühlt es, kämpfend, ringend, streitend, manchmal die Oberhand gewinnend, und zu andern Zeiten seufzend und gebunden! Ihr fühlt es oft strebend, wünschend, hungernd, dürstend, verlangend, sehnend und zuweilen singend, jauchzend, tanzend und auffliegend zum Himmel. Ihr seid euch bewußt, daß ihr nicht seid wie vormals, ihr seid euch eines neuen Lebens in eurer Seele bewußt, das ihr vor dem Tage eurer Bekehrung nicht kanntet und dieses neue Leben ist der lebendige und unvergängliche Samen, der da ewiglich bleibet. Die Thatsache, daß ihr wißt, ihr seid von Gott geboren, verbietet jeden Zweifel an der Wahrheit, durch die ihr gezeugt seid; das Gefühl, daß euch vergeben ist, verbietet jeden Skepticismus, in Betreff der Thatsache, daß Christus Fleisch geworden ist und daß er der Sohn Gottes ist und sein Evangelium die Wahrheit Gottes. Dies Alles ist für euch klar.

Auch das Blut zeuget in uns. Geliebte, dies ist ein Zeuge, der uns nie im Stich läßt, der besser in uns redet denn Abels Blut. Es giebt uns solchen Frieden, daß wir glücklich leben und ruhig sterben können. Es giebt uns solchen Zugang zu Gott, daß wir zuweilen, wenn wir seine Kraft gefühlt, unserm Vater so nahe gekommen sind, als wenn wir ihn von Angesicht zu Angesicht gesehen. Und, o, welche Sicherheit läßt es uns genießen! Wir fühlen, daß wir nie umkommen können, so lange der purpurne Baldachin der blutigen Sühne über unserm Haupte ist. Welchen Sieg giebt es uns, es läßt uns ausrufen: „Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum!“ Dieses sind geheimnißvolle Empfindungen, die nicht auf Rechnung irgend welch' natürlicher Hinneigung zu solchen Bewegungen, denn wir sind von Natur ebenso leicht beunruhigt, wie Andre, und ebenso geneigt, göttliche Dinge zu vergessen. In Zeiten der Trübsal haben wir auf Jesu blutende Wunden geblickt und sind getröstet worden, wir haben die Gemeinschaft mit Jesu so selig gefunden, daß wir den Engel Gabriel nicht beneiden konnten.

Nun denn, ihr jungen Männer, ihr braucht keine „Beweise für's Christenthum“ zu lesen, der Beweis des Geistes, des Wassers und des Blutes ist besser. Derartige Bücher mögt ihr lesen, wenn ihr Lust habt, aber, gut wie sie sind, sie beweisen doch nur Haut und Schale unsrer Religion und das, was Leben giebt, ist der Kern. Wenn ihr in einfachem Gebet kommt und bittet, daß euer Herz mit Jesu Blut besprengt werde und wenn der Geist Gottes mächtig in euren Seelen wirkt, so daß eine neue bewegende Kraft in euch kommt und ihr in Folge dessen ein neues Leben führt, so habt ihr den besten Beweis der Welt. Ihr werdet über die Zweifler lachen und ihr werdet ein Feuer machen aus Colenso's „Einwürfen,“ dem „Essays and Reviews“ und dem ganzen Haufen werthlosen Plunders, der die Kirche verunreinigt und die Seelen der Menschen befleckt hat. O, ihr Himmel, daß wir es erleben mußten, den Tag zu sehen, wo Prediger uns sagen, daß es gut ist, zu zweifeln, wo Dichter denselben Skepticismus fast vergöttern, von dem Johannes sagt, daß er Gott zum Lügner macht (1 Joh. 5, 10) und der daher als Beleidigung Gottes und als der Fluch unsrer Zeit bezeichnet werden sollte. Geht, werft eure Zweifel fort, ihr faselnden Männer und träumenden Weiber, und beugt euch bußfertig zu den Füßen Jesu und ihr werdet weit mehr finden, als all' euer eingebildetes Lernen euch verleihen kann. Aber wenn ihr dies nicht wollt, so wißt: vergebens ladet ihr den, der euch gemacht hat, vor eure Schranken, vergebens setzt ihr euch über seinen Richterspruch zu Gericht und handelt als wäret ihr die Götter Gottes.

So hab' ich versucht, zu zeigen, daß diese Drei in unsern Seelen zeugen; ich bitte euch nun, ihre Aufeinanderfolge zu beachten. Diese drei zeugen in uns: der Geist, das Wasser und das Blut, warum in dieser Ordnung? Weil sie in dieser wirken. Der Geist Gottes kommt zuerst in das Herz, vielleicht lange, eh' der Mensch darum weiß; der Geist schafft das neue Leben, welches Buße thut und den Heiland sucht, das ist das Wasser und dies neue Leben flieht zu Jesu Blut und erlangt Frieden. Der Geist wirkt mächtig, das neue Leben wird im Verborgenen geschaffen, dann wird der Glaube an das Blut erzeugt, und das dreifache Zeugniß ist vollständig. Wir haben diese Reihenfolge auch in unsern Tröstungen gefunden. Ich habe mich gefragt: „Weiß ich, daß Gottes Geist in mir ist?“ und mir ist bange gewesen, daß es nicht so sei; ich habe auf mein innres Leben, das Wasser, geblickt und bin dessen nicht immer gewiß gewesen, aber wenn ich davon weg, auf das Blut geschaut habe, dann ist alles klar genug gewesen! Jesus starb; ich werfe mich wiederum in seine Arme. Wenn ich nicht weiß, ob ich den Geist habe und zweifle, ob ich das lebendige Wasser habe, so weiß ich doch, daß ich an das Blut glaube und das bringt vollkommenen Frieden.

Nachdem ihr ihre Ordnung betrachtet, achtet auch auf ihre Verbundenheit. „Und diese drei sind beisammen,“ deshalb sollte jedweder wahre Gläubige das Zeugniß eines jeden haben und wenn nicht jedes zur rechten Zeit zeugt, so ist Ursache zu schwerem Argwohn vorhanden. Es sind z. B. Personen aufgetreten, die sagten, der Geist Gottes hätte sie getrieben, dies und das zu thun. Wir fragen sie, wie ist euer Leben? Giebt das Wasser Zeugniß? Habt ihr Vergebung erlangt? Zeugt das Blut für euch? Wenn auf diese Fragen keine Antwort gegeben werden kann, mögen sie vom Geist faseln, so viel sie wollen, das Zeugniß von ihrem Gnadenstand giebt dem schwersten Verdachte Raum. Wir haben Andre gekannt, die sagen: „Blickt auf mein Leben, ich bin sehr verschieden von dem, was ich früher war. Ich bin ein mäßiger, rechtschaffner, vortrefflicher Mann.“ Ja, aber glaubst du an das Blut Jesu? Das Zeugniß des Wandels ist gut, aber er muß aus dem Glauben kommen. Wenn du nicht an Jesum glaubst, fehlt dir ein wesentliches Stück, dein Beweis ist nicht gültig. Viele sagen uns: „Ich glaube, daß Jesus für mich starb,“ aber wir müssen sie um ihr Leben befragen. Bist du rein im Handeln? Ist eine Veränderung mit dir vorgegangen? Denn, merke dir, wenn nicht das Wasser mit dem Blute redet, hast du das dreifache Zeugniß nicht. Einige mögen sagen: „Wohl, wir glauben an Jesum und unser Leben ist ein andres geworden“, aber bedenkt, ihr mögt das sagen, doch ist dem so? Wenn es so ist, dann hat der Geist Gottes euch verwandelt; wenn ihr nur eure Erregung bis zu diesem Glauben gesteigert habt oder wenn ihr von eurem eignen freien Willen geboren seid, habt ihr das Zeugniß nicht, denn die, welche wirklich errettet sind, sind nicht von dem Geblüt, noch von dem Willen eines Mannes, sondern vom Geiste Gottes geboren.

Die drei Zeugen sind beisammen. Wer an Vergebung durch das Blut glaubt, glaubt auch an Heiligung durch das Wasser; wer auf Jesu Blut vertraut, ehrt immer den Geist Gottes; und auf der andern Seite, wer an den heiligen Geist glaubt, schätzt beides, das innere Leben und das reinigende Blut. Gott hat diese drei zusammengefügt und der Mensch soll sie nicht scheiden. Die alten Theologen redeten von „baptismus flaminis, baptismus fluminis und baptismus sanguinis.“ Mögen wir diese alle kennen und rühmen: den Geist, die Fluth und das Blut.

IV.

Zuletzt noch, diese Zeugen machen uns den endlichen Triumph unserer Religion gewiß. Wirkt der Geist durch das Evangelium? Dann wird das Evangelium das Feld behalten, denn der Geist Gottes ist allmächtig und völlig Herr über das Reich des Geistes. Er hat die Macht, den Verstand zu erleuchten, die Neigungen zu gewinnen, den Willen zu beugen und die ganze Natur des Menschen zu ändern, denn er wirkte nach seinem Gefallen und gleich dem Wind, „bläßt er, wo er will.“ Wenn er seine Allgewalt braucht, kann Niemand ihm widerstehn. Er bekehrte drei Tausend an Einem Tage und könnte ebenso schnell drei Millionen oder dreihundert Millionen bekehren. Er kann dies thun und er wird es. Der Wind weht zu Zeiten so sanft, daß er kaum der Flügel eines Schmetterlings bewegt, aber zu andern Zeiten braust er dahin als ein Tornado, Alles vor sich her peitschend; urtheilt nicht nach dem sanften Säuseln, was der volle Sturm sein würde, denn Keiner kann vor dem Winde Stand halten, wenn er in voller Kraft daherbraust. Laßt den Geist Gottes über dies Land wehen und er wird sogleich die Miasmen des Aberglaubens und die Wolken der Unwissenheit vertreiben.

Der heilige Geist wird mit Feuer verglichen. Wer kann des Feuers Kraft widerstehn? Sei es so wenig, wie ein Kuhhirt in seiner Laterne trägt, doch, seht es setzt eine Stadt in Flammen. In Einem Zündholz ist all' das Feuer auf jener Prairie enthalten; es wird ins trockne Gras geworfen und sieh, die Himmel selber werden versengt von der furchtbaren Hitze. „Ist des Herrn Geist verkürzt?“ (Micha 2, 7.) Ist etwas zu hart für den Herrn? Seht, die Erde war einst ein Chaos und der Geist brütete über ihr und diese schöne Welt entstand: laßt ihn in gleicher Weise über dies Chaos der Sünde kommen, und ein neuer Himmel und eine neue Erde, darin Gerechtigkeit wohnet, wird daraus hervorgehen. Das Evangelium muß ferner siegen, um des Wassers willen, welches ich als das neue, reine Leben gedeutet habe. Was sagt Johannes? „Alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt.“ Es ist unmöglich, daß das Evangelium besiegt werde, so lange noch Eine Seele in der Welt bleibt, die von Gott geboren ist. Lebendiger und unvergänglicher Same bleibet ewiglich! Die, welche die Kirche zerstören wollen, streuen nur ihren lebendigen Samen aus und wenn Satan einen Orkan erregt, so trägt er diesen Samen nur noch weiter. Der Satan saß einst Wochen lang, um einen Plan zu bilden und rief alle Teufel einen nach dem andern, bis das ganze Pandämonium in einem Conclave zusammen saß, und was, glaubt ihr, kam da heraus? Die Päpstliche Inquisition. Sie setzten diese entsetzliche Maschine ins Werk, um das zu unterdrücken, was sie Ketzerei nannten. Sie sagten, sie wollten bis zum Sattelgurt im Blut der Lutheraner reiten und sie lösten fast ihr Versprechen; aber ihre Grausamkeit half nichts, der lebendige Glaube blieb, und ihre Mordthaten und höllischen Grausamkeiten erregten die Welt nur zu Lauten der Theilnahme, die den Fortschritt des Evangeliums förderten. Redet nicht davon, daß der Papst zu Rom oder die Ritualisten oder die ungläubige Partei die Kirche des Evangeliums zerstören könnte, sie können ebenso leicht den Herrn selber vernichten, denn das innere Leben der Christen ist ein Funke, aus der ewigen Sonne des Lebens geschlagen, und kann nie erlöschen, so lange Gott lebt. Zuletzt noch, das Evangelium muß sich ausbreiten und siegen wegen des Blutes. Hat das Macht? O, ja, ich will euch sagen, wie Gott, der ewige Vater hat Jesu in einem Bunde, dessen Siegel das Blut ist, verheißen, daß er „Samen haben soll und in die Länge leben und des Herrn Vornehmen durch seine Hand fortgehen soll.“ So gewiß Christus am Kreuze starb, so gewiß muß er auf dem Throne des Weltalls sitzen. Gott kann seinem Sohne nicht lügen, kann seiner Wunden nicht spotten oder taub für seine Todesrufe sein und deshalb muß Christus haben, was der Vater ihm versprochen und er hat gesagt: „Heische von mir, so will ich dir die Heiden zum Erbe geben und der Welt Ende zum Eigenthum.“ „Vor ihm werden sich neigen die in der Wüste und seine Feinde werden Staub lecken;“ denn er muß herrschen, bis daß er alle seine Feinde unter seine Füße lege.

Brüder, was aus all' diesem folgt, ist: wenn ihr nicht auf Christi Seite seid, so steht es schlimm um euch, denn ihr werdet sicher unterliegen im Kampfe; aber wenn ihr auf Christi Seite seid, so sprecht nie zögernd oder zagend. Wenn ein neues Buch erscheint, um die Genesis zu widerlegen oder die Versöhnungslehre im Dunst aufzulösen, werdet nicht bange! So lange das Evangelium in der Welt ist, wird der Teufel Jemanden finden, um Bücher dagegen zu schreiben. Nehmt keine Notiz davon, sie können nicht Stand halten den Thatsachen gegenüber. Ein Philosoph schrieb einmal ein Buch, um zu beweisen, daß es keine Materie gäbe und einer seiner Leser glaubte dies, bis er zufällig seinen Kopf gegen den Bettpfosten stieß, da gab er die Theorie auf. Wenn ein Mensch die Macht des heiligen Geistes oder die Macht des inneren Lebens fühlt, giebt er nichts um Beweisgründe. Er hat eine eigengemachte Philosophie der Thatsachen, die seinem Zweck besser entspricht. Obgleich Andre ihn umringen mögen und sagen: „du bist kein Gelehrter,“ so fühlt er, daß es keine Gelehrsamkeit braucht, um das zu beweisen, was eine Sache persönlichen Bewußtseins ist, ebensowenig, wie wir einen Beweis brauchen, daß der Zucker süß ist, wenn wir ein Stück im Munde haben. Zweifelt ihr an dem Evangelium? Prüft es! Die Leute, welche gegen die Bibel sprechen, haben in der Regel sie niemals gelesen; die, welche über Christum spotten, kennen ihn nicht und die, welche die Wirksamkeit des Gebetes leugnen, haben nie gebetet. Nichts ist überzeugender, als Thatsachen. Kommt hinweg aus dem Bereich des Worte-Spinnens und Seifenblasen-Füllens ins thätige christliche Leben, und ihr werdet bald überzeugt werden durch das segensreiche Zeugniß des Geistes, des Wassers und des Blutes. Amen.

Quelle: Die Botschaft des Heils in Predigten von C. H. Spurgeon, Prediger in London. 1875. No. 8. Verlag von Ludwig Koch in Hamburg. Druck von Gebrüder Koch.

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