Staupitz, Margaretha - An Martin Luther

26. März 1545

Mein armes gepeth zuuor, achtbar wirdiger, lieber her doctor Martinus, meinem besundern guten freund bitte ich arme elende verlassene fraw vmb gotteswillen vnd der obersten vmb gerechtigkeyt willen, Ir wollet mir arme, elende fraw hulf vnd beystendigk sein, wenn ich von aller welt verlassen bin, von freunden vnd kindern vnd woldet s. ch. f. g. vleissig vor mich bitten, dass s. ch. f. g. mir einen beystand vnd hulf thun wolt vber mein veterlich vnd mutterlich gerechtigkeyt, die ich hab mit grosser muhe vnd vnkost mussen gewinnen vber Heinrich von Lundenau vnd Eberth von Lundenau, der den jungen vormunden ist, dass sie mir alles das veterlich vnd mutterlich gerechtigkeyt innen behalten haben, das mir vor gott het geburet, gar nichts bekummen, dass ich grosse muhe vnd vnkost darauf mussen legen, dass ich mehr dann driethalbhundert gulden daruber vorczeret hab, dass ich arme, elende fraw grossen nodt vnd elend habe mussen leiden vnd grosse verfolgung darzu von etlichen zu Wurtzen, mich aus den stuben in der kirchen gestossen, mich geschendet vnd gelestert haben, dass ich solchs nie vmb sie vordienet hab vnd seind mir alle schreiber vnd bothenleufer vnd fur verpoten wurden, dass ich alleczeit daruon vorhindert bin worden, dass ich nehst Dinstag eine meyl weges habe gegangen, dass ich keinen schreiber nach fuhr und botenleufer hab konnen bekommen, dass mir ßo groß vnd elend vnder augen steust. Nach einmal bith ich vmb gottes vnd der gerechtigkeyt willen, Ir wollet doch ßo freundlich vnd hulflich sein, dass ich dach das bekommen mochte, dass mir vor ch. f. g. vnd furstlich hofericht gemacht vnd zugesprochen ist von den herren des hofengerichts, dieweyl Ir ßo guth eins seyth gewesen mot doctor Staupitz vnd mit meinem juncker, den goth beide gnad, vnd wollet mir dieß gepeth nocht vorsagen vnd wollet die beluhnung von goth nehmen vnd bith eine freuntliche antwort, dormit seyt goth, dem almechtigen befolen sampt Euer liebes weyb, meine liebe gefatter. Datum eylends aus Wurtzen, Dornstag nach Marie vorkundigung Anno Domini 1545.

Margaretha Staupitzin
nachgelassene wietfraw.

Quelle:Burkhardt, C. A. H. - Dr. Martin Luthers Briefwechsel

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