Clemens von Rom - Erster Brief

Die Kirche Gottes, die Rom als Fremde bewohnt, an die Kirche Gottes, die Korinth als Fremde bewohnt, an die Berufenen, die geheiligt sind nach dem Willen Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus. Gnade und Friede möge euch vom allmächtigen Gott durch Jesus Christus in Fülle zuteil werden!

Aufgrund der plötzlichen und Schlag auf Schlag über uns gekommenen Unglücke und Mißhelligkeiten haben wir uns, meinen wir, erst etwas spät gekümmert um die bei euch in Frage stehenden Angelegenheiten, Geliebte - um den unpassenden und den Auserwählten Gottes fremden, abscheulichen und gottlosen Aufruhr, den einige unbesonnene und freche Personen bis zu einem solchen Grad von Tollheit entfacht haben, daß euer ehrbarer, allseits bekannter und allen Menschen liebenswerter Name in sehr üblen Ruf gebracht worden ist. Denn wer, der bei euch zu Gast war, hat sich nicht von eurem vortrefflichen und festen Glauben überzeugt? Wer die besonnene und milde Frömmigkeit in Christus nicht bewundert? Wer die großartige Weise eurer Gastfreundschaft nicht verkündet? Und wer die vollkommene und gewisse Erkenntnis nicht gepriesen? Denn ohne Ansehen der Person tatet ihr alles, und in den Satzungen Gottes wandeltet ihr, euch unterordnend euren Vorgesetzten und die gebührende Ehre erweisend den Ältesten bei euch. Den Jungen trugt ihr auf maßvoll und ehrbar zu denken. Den Frauen gabt ihr Weisung, alles zu verrichten mit untadeligem, ehrbarem und reinem Gewissen und dabei ihre Männer zu lieben wie es sich gebührt. Auch lehrtet ihr sie, nach dem Maßstab der Unterordnung das Hauswesen ehrbar zu versehen, in jeder Hinsicht verständig.

Und alle wart ihr demütiger Gesinnung, ohne Prahlerei, eher euch selbst unterordnend als (andere) unterordnend, lieber gebend als nehmend. Mit der Wegzehrung Christi wart ihr zufrieden und folgtet ihr; seine Worte hattet ihr sorgfältig in eurem tiefsten Herzen eingeschlossen, und seine Leiden waren euch vor Augen. So war tiefer und fruchtbringender Friede allen beschieden und ein unstillbares Verlangen, Gutes zu tun; und über alle war der Heilige Geist in vollem Maße ausgegossen. Und voll heiligen Willens strecktet ihr in gutem Eifer mit frommen Vertrauen eure Hände aus zum allmächtigen Gott, ihn anflehend, er möge gnädig sein, falls ihr in etwas unabsichtlich gesündigt hättet. Ein Wettkampf war bei euch Tag und Nacht für die ganze Bruderschaft, auf daß gerettet würde mit Barmherzigkeit und Gewissen die Zahl seiner Auserwählten. Lauter und unverdorben wart ihr und einander nichts nachtragend. Jeglicher Aufruhr und jegliche Spaltung war ein Greuel für euch; über die Verfehlungen der Nächsten wart ihr betrübt; ihre Mängel saht ihr als eigene an. Jegliche Guttat ließt ihr euch nicht gereuen, bereit zu jedem guten Werk. Durch tugendreiche und verehrungswürdige Lebensweise ausgezeichnet vollbrachtet ihr alles in seiner Furcht. Die Weisungen und Gebote des Herrn waren auf die Wände eures Herzens geschrieben.

Alle Ehre und Fülle war euch verliehen. Da wurde erfüllt, was geschrieben steht: „Er aß und trank, und er wurde breit und dick, und er schlug mit dem Fuß aus, der Geliebte.“ Daraus Eifersucht und Neid, Streit und Aufruhr, Verfolgung und Unordnung, Krieg und Gefangenschaft. So erhoben sich die nicht Geachteten gegen die Geachteten, die Ruhmlosen gegen die Berühmten, die Unverständigen gegen die Verständigen, die Jungen gegen die Älteren. Deshalb sind Gerechtigkeit und Friede in weiter Ferne, weil jeder die Furcht Gottes verlassen und beim Glauben an ihn den klaren Blick verloren hat, auch nicht in den Satzungen seiner Gebote wandelt und sein Leben nicht (so) führt, wie es Christus entspricht, sondern jeder nach den Begierden seines bösen Herzens wandelt, ungerechte und gottlose Eifersucht tragend, wodurch ja der Tod in die Welt hineingekommen ist.

Denn so steht geschrieben: „Und es geschah nach einigen Tagen, da brachte Kain von den Früchten der Erde Gott ein Opfer dar, und auch Abel brachte seinerseits von den Erstlingen der Schafe und von ihrem Fett. Und es sah Gott auf Abel und auf seine Gaben, auf Kain aber und auf seine Opfer achtete er nicht Und Kain wurde sehr betrübt, und sein Antlitz wurde finster. Und es sprach Gott zu Kain: „Weshalb bist du betrübt, und weshalb ist dein Antlitz finster geworden? Hast du nicht gesündigt, wenn du richtig dargebracht, aber nicht richtig geteilt hast? Bleib ruhig, zu dir (geschieht) seine Rückkehr, und du wirst ihn beherrschen.“ Und es sprach Kain zu Abel, seinem Bruder: „Wir wollen auf das Feld gehen.“ Und es geschah, als sie auf dem Feld waren, erhob sich Kain gegen Abel, seinen Bruder, und er tötete ihn.“ Seht, Brüder, Eifersucht und Neid haben Brudermord bewirkt. Wegen Eifersucht entfloh unser Vater Jakob vor dem Angesicht Esaus, seines Bruders. Eifersucht bewirkte, daß Joseph bis zum Tode verfolgt wurde und in Sklaverei kam. Eifersucht zwang Mose, vor dem Angesicht Pharaos, des Königs von Ägypten, zu fliehen, als er von seinem Stammesgenossen zu hören bekam: „Wer hat dich als Oberster oder als Richter über uns eingesetzt? Willst du mich etwa umbringen, so wie du gestern den Ägypter umgebracht hast?“ Wegen Eifersucht hielten sich Aaron und Miriam außerhalb des Lagers auf, Eifersucht führte Dathan und Abiram lebendig in den Hades hinab, weil sie Aufruhr gemacht hatten gegen den Diener Gottes, Mose. Wegen Eifersucht ertrug David Neid nicht nur von den Fremdstämmigen, sondern wurde er auch von Saul, dem König Israels, verfolgt.

Aber wir wollen mit den alten Beispielen aufhören und wollen kommen zu den Wettkämpfern der jüngsten Zeit: Nehmen wir die edlen Beispiele unseres Geschlechts. Wegen Eifersucht und Neid sind die größten und gerechtesten Säulen verfolgt worden und haben bis zum Tode gekämpft. Halten wir uns vor Augen die tapferen Apostel: Petrus, der wegen ungerechtfertigter Eifersucht nicht eine und nicht zwei, sondern viele Mühen erduldet hat und der so - nachdem er Zeugnis abgelegt hatte - gelangt ist an den (ihm) gebührenden Ort der Herrlichkeit. Wegen Eifersucht und Streit hat Paulus den Kampfpreis der Geduld aufgewiesen: Siebenmal Ketten tragend, vertrieben, gesteinigt, Herold im Osten wie im Westen, hat er den edlen Ruhm für seinen Glauben empfangen. Gerechtigkeit hat er die ganze Welt gelehrt und hat Zeugnis abgelegt vor den Führenden; so ist er aus der Welt geschieden und ist an den heiligen Ort gelangt - größtes Vorbild der Geduld.

Diesen gottgefällig wandelnden Männern wurde hinzugesellt eine große Menge von Auserwählten, die viele Martern und Qualen wegen Eifersucht gelitten haben und zum vorzüglichen Beispiel bei uns geworden sind. Wegen Eifersucht sind Frauen verfolgt worden, die als Danaiden und Dirken schreckliche und gottlose Mißhandlungen erlitten haben, zum sicheren Ziel im Glaubenswettlauf gelangt sind und das edle Ehrengeschenk empfangen haben, sie, die körperlich Schwachen. Eifersucht hat entfremdet die Gattinnen von ihren Männern und hat verändert das von unserem Vater Adam gesprochene Wort: „Das nun ist Gebein von meinen Gebeinen und Fleisch von meinem Fleisch.“ Eifersucht und Streit haben große Städte zerstört und große Völker ausgerottet.

Dies, Geliebte, schreiben wir nicht nur, um euch zu ermahnen, sondern auch, um uns selbst zu erinnern; wir befinden uns nämlich auf demselben Kampfplatz, und derselbe Kampf ist uns auferlegt. Verlassen wir deshalb die leeren und nichtigen Gedanken und kommen wir zu der ruhmvollen und ehrwürdigen Regel unserer Überlieferung, und sehen wir zu, was schön und was wohlgefällig und was angenehm ist vor dem, der uns gemacht hat. Blicken wir hin auf das Blut Christi und erkennen wir, wie kostbar es seinem Vater ist, denn um unseres Heils willen vergossen hat es der ganzen Welt die Gnade der Buße geschenkt. Gehen wir alle Generationen durch und beobachten wir, wie Generation für Generation der Herr Gelegenheit zur Buße gegeben hat denen, die sich zu ihm bekehren wollten. Noah hat Buße gepredigt, und die, die gehorchten, sind gerettet worden. Jona hat den Niniviten die Katastrophe gepredigt; als sie aber Buße taten für ihre Verfehlungen, haben sie Gott durch ihr Flehen versöhnt und haben Rettung erlangt, wiewohl sie Gott fremd waren.

Die Diener der Gnade Gottes haben durch den heiligen Geist über die Buße gesprochen, und er selbst, der Herr des Alls, hat über die Buße gesprochen mit einem Schwur: „Denn ich lebe, spricht der Herr, nicht will ich den Tod des Sünders, vielmehr die Buße“; dabei fügt er auch ein ausgezeichnetes Urteil hinzu: „Bekehrt euch, Haus Israel, von eurer Gesetzlosigkeit. Sprich zu den Söhnen meines Volkes: Wenn eure Sünden reichen von der Erde bis zum Himmel und wenn sie röter sind als Scharlach und schwärzer als Sacktuch, und ihr bekehrt euch zu mir von ganzem Herzen und sprecht: „Vater“, so werde ich euch erhören wie ein heiliges Volk.“ Und an einer anderen Stelle sagt er so: „Wascht euch und werdet rein, entfernt die Bosheiten aus eurem Leben vor meinen Augen. Laßt ab von euren Bosheiten, lernt Gutes zu tun, trachtet nach (gerechtem) Gericht, rettet den Unterdrückten, schafft Recht der Waise und gebt Gerechtigkeit der Witwe, und auf, laßt uns miteinander rechten, spricht der Herr; und wenn eure Sünden wie Purpur sind - wie Schnee werde ich sie weiß machen; wenn sie aber sind wie Scharlach, so werde ich sie wie Wolle weiß machen; und wenn ihr wollt und auf mich hört, so werdet ihr die Güter des Landes essen. Wenn ihr aber nicht wollt und nicht auf mich hört, wird das Schwert euch verzehren. Denn der Mund des Herrn hat dies gesprochen.“ Da er also alle seine Geliebten der Buße teilhaftig machen wollte, hat er (sie) gestärkt durch seinen allmächtigen Willen.

Darum wollen wir seinem majestätischen und herrlichen Willen gehorchen, und sein Erbarmen und seine Güte anflehend wollen wir uns niederwerfen, und wir wollen uns zurückwenden zu seiner Barmherzigkeit; wir wollen aufgeben die eitle Bemühung, den Streit und die zum Tode führende Eifersucht. Laßt uns unser Augenmerk richten auf jene, die in vollkommener Weise seiner majestätischen Herrlichkeit gedient haben. Nehmen wir Henoch, der im Gehorsam als gerecht erfunden und entrückt worden ist, und sein Tod ist nicht gefunden worden. Noah, der als gläubig erfunden worden ist, hat durch seinen Dienst der Welt eine Wiedergeburt verkündigt, und durch ihn hat der Herr hindurchgerettet die Lebewesen, die in Eintracht in die Arche hineingegangen waren.

Abraham, genannt „der Freund“, ist als gläubig erfunden worden, da er den Worten Gottes gehorsam war. Dieser ist aus Gehorsam fortgegangen aus seinem Lande und von seiner Verwandtschaft und aus dem Haus seines Vaters, damit er - ein kärgliches Land und eine schwache Verwandtschaft und ein kleines Haus verlassend - ererben sollte die Verheißungen Gottes. Denn er spricht zu ihm: „Zieh weg aus diesem Land und von deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde; und ich werde dich zu einem großen Volk machen und dich segnen und werde groß machen deinen Namen, und du wirst gesegnet sein; und ich werde segnen, die dich segnen, und ich werde verfluchen, die dich verfluchen, und es werden in dir gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.“ Und wiederum, als er sich trennte von Lot, sprach Gott zu ihm: „Erhebe deine Augen und sieh von dem Orte, wo du jetzt bist, nach Norden und Süden und Osten und zum Meer; denn das ganze Land, das du siehst, das werde ich dir geben und deinem Samen bis in Ewigkeit. Und ich werde deinen Samen machen wie den Staub der Erde; wenn jemand zählen kann den Staub der Erde, so wird auch dein Same gezählt werden.“ Und wiederum heißt es: „Gott führte Abraham heraus und sagte zu ihm: Blicke auf zum Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie auszählen kannst. So wird dein Same sein. Abraham aber hat Gott geglaubt, und es ist ihm angerechnet worden zur Gerechtigkeit.“ Wegen Glauben und Gastfreundschaft ist ihm im Alter ein Sohn geschenkt worden, und aus Gehorsam hat er ihn dargebracht als Opfer für Gott zu einem der Berge, die er ihm gezeigt hatte.

Wegen Gastfreundschaft und Frömmigkeit ist Lot aus Sodom gerettet worden, als alles Land ringsum gerichtet wurde durch Feuer und Schwefel; dabei tat der Herr kund, daß er die, die auf ihn hoffen, nicht im Stich läßt, die Widerspenstigen aber mit Strafe und Mißhandlung belegt. Denn als zusammen mit ihm seine Frau hinauszog, anderer Meinung (als er) und nicht in Eintracht, ist sie dazu als Zeichen gesetzt worden, indem sie eine Salzsäule wurde bis auf diesen Tag, damit allen bekannt sei, daß die Zweifler und die hinsichtlich Gottes Macht Schwankenden ins Gericht kommen und zum Warnzeichen werden für alle Geschlechter.

Wegen Glaubens und Gastfreundschaft ist Rahab, die Hure, gerettet worden. Als nämlich von Josua, dem Sohn des Nun, Späher nach Jericho ausgeschickt worden waren, da erfuhr der König des Landes, daß sie gekommen seien, ihr Land auszuspähen; und er sandte Männer aus, die sie ergreifen sollten, damit sie nach ihrer Ergreifung getötet würden. Die gastfreundliche Rahab nun nahm sie auf und verbarg sie im oberen Stockwerk unter dem Flachs. Als sich aber die Leute vom König einstellten und sagten: „Zu dir sind hineingegangen die Späher gegen unser Land; führe sie heraus, denn so befiehlt es der König“, da antwortete sie: „Zwar sind die Männer, die ihr sucht, zu mir hineingekommen, aber sie sind sofort weggegangen und ziehen ihres Weges“, wobei sie ihnen die entgegengesetzte Richtung wies. Und sie sprach zu den Männern: „Ganz genau erkenne ich, daß Gott der Herr euch dieses Land gibt; denn die Furcht und der Schrecken vor euch hat die überfallen, die es bewohnen. Wenn es nun geschieht, daß ihr es einnehmt, so rettet mich und das Haus meines Vaters.“ Und die sprachen zu ihr: „Es soll so sein, wie du zu uns gesagt hast. Wenn du nun erkennst, daß wir heranrücken, so sollst du alle die Deinen unter deinem Dach versammeln, und sie werden gerettet werden; denn alle, die außerhalb deines Hauses angetroffen werden, werden zugrundegehen.“ Und sie rieten ihr zusätzlich, ein Zeichen zu geben - etwas Rotes solle sie aus ihrem Haus heraushängen, womit sie kundmachten, daß durch das Blut des Herrn Erlösung zuteil würde für alle, die glauben und auf Gott hoffen. Seht, Geliebte, daß nicht nur Glaube, sondern auch Prophetie in der Frau gewesen ist.

Laßt uns also demütig sein, Brüder, indem wir abtun alle Prahlerei und Aufgeblasenheit und Torheit und Zornesaufwallungen, und laßt uns tun, was geschrieben steht. Es sagt nämlich der Heilige Geist: „Nicht soll sich rühmen der Weise in seiner Weisheit, und nicht der Starke in seiner Stärke, und nicht der Reiche in seinem Reichtum, sondern wer sich rühmt, der soll sich rühmen im Herrn, ihn zu suchen und zu üben Recht und Gerechtigkeit.“ Vor allem aber (laßt uns) eingedenk sein der Worte des Herrn Jesus, die er gesprochen hat, als er lehrte Milde und Langmut. So nämlich hat er gesagt: „Erbarmt euch, damit ihr Erbarmen erlangt; vergebt, damit euch vergeben werde. Wie ihr tut, so wird euch getan werden; wie ihr gebt, so wird euch gegeben werden; wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden; wie ihr euch gütig erweist, so wird euch Güte erwiesen werden. Mit welchem Maß ihr meßt, mit dem wird euch zugemessen werden.“ Mit diesem Gebot und diesen Anordnungen wollen wir uns stärken, auf daß wir wandeln gehorsam gegenüber seinen heiligen Worten - demütig gesinnt. Denn das heilige Wort sagt: „Auf wen werde ich schauen außer auf den Sanften und Stillen und den, der meine Worte fürchtet?“

Gerecht und gottgefällig ist es also, Männer, Brüder, daß wir Gott gehorsam sind und nicht denen Folge leisten, die in Prahlerei und Unordnung Führer abscheulicher Eifersucht sind. Nicht den gewöhnlichen Schaden nämlich, sondern eine große Gefahr werden wir über uns bringen, wenn wir uns tollkühn den Bestrebungen der Leute preisgeben, die auf Streit und Zwistigkeiten hinzielen, in der Absicht, uns dem, was recht ist, zu entfremden. Laßt uns einander Güte erweisen, entsprechend der Barmherzigkeit und Milde dessen, der uns geschaffen hat. Denn es steht geschrieben: „Gütige werden Bewohner der Erde sein, die ohne Falsch aber werden übrigbleiben auf ihr; die Gesetzesübertreter hingegen werden davongerafft werden von ihr“ Und wiederum heißt es: „Ich habe den Gottlosen gesehen, sich erhebend und sich brüstend wie die Zedern des Libanon; und ich bin vorübergegangen, und siehe, er war nicht mehr; und ich habe geforscht nach seiner Stätte, und ich habe sie nicht gefunden. Bewahre Arglosigkeit und sieh auf Rechtschaffenheit, denn Nachkommenschaft gibt es für einen friedfertigen Menschen.“

Deshalb wollen wir uns denen anschließen, die in Frömmigkeit Frieden halten und nicht denen, die in Heuchelei Frieden wollen. Denn es heißt irgendwo: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, ihr Herz aber ist fern von mir.“ Und wiederum: „Mit ihrem Munde segneten sie, mit ihrem Herzen aber verfluchten sie.“ Und wiederum heißt es: „Sie haben ihn geliebt mit ihrem Munde, und mit ihrer Zunge haben sie ihn belogen; ihr Herz aber (war) nicht aufrichtig mit ihm, und sie haben nicht treu festgehalten an seinem Bund.“ Darum: „Es sollen stumm werden die trügerischen Lippen, die Gesetzlosigkeit reden wider den Gerechten.“ Und wiederum: „Ausrotten möge der Herr alle trügerischen Lippen, die prahlerische Zunge, die, die sagen: Unsere Zunge lobpreisen wir, unsere Lippen haben wir in der Gewalt. Wer ist unser Herr? Wegen des Elends der Armen und des Seufzens der Bedürftigen werde ich mich jetzt erheben, spricht der Herr. Anteil am Heil werde ich (ihm) geben, offen werde ich mit ihm verfahren.“

Den Demütigen nämlich gehört Christus, nicht denen, die sich über seine Herde erheben. Das Szepter der Majestät Gottes, der Herr Jesus Christus, ist nicht gekommen im Gepränge der Prahlerei und des Übermuts, wiewohl er es gekonnt hätte, sondern demütig, wie der heilige Geist über ihn gesprochen hat. Er sagt nämlich: „Herr, wer hat unserer Predigt geglaubt? Und wem ist der Arm des Herrn offenbar geworden? Wir haben verkündigt vor ihm: Wie ein Kind (ist er), wie eine Wurzel in dürstender Erde. Er hat nicht Gestalt noch Herrlichkeit, und wir haben ihn gesehen, und er hatte nicht Gestalt und Schönheit, sondern seine Gestalt war verachtet, mangelhaft im Vergleich zur Gestalt der Menschen; ein Mensch, geschlagen, geplagt, und geübt, Schwäche zu tragen; denn abgewandt war sein Antlitz; er ist verachtet worden und ward nicht geschätzt. Dieser trägt unsere Sünden, und um unsertwillen leidet er Schmerz. Und wir meinten, er sei geplagt, geschlagen und gezüchtigt. Er aber ist verwundet worden um unserer Sünden willen, und er ist geschwächt um unserer Missetaten willen. Züchtigung lag um unseres Friedens willen auf ihm, und durch seine Strieme wurden wir geheilt. Alle sind wir wie Schafe irregegangen; jeder ist auf seinem Weg irregegangen. Und der Herr hat ihn dahingegeben für unsere Sünden, und da er im Unglück ist, öffnet er nicht seinen Mund. Wie ein Schaf ist er zur Schlachtbank geführt worden; und wie ein Lamm vor seinem Scherer stumm ist, so tut er seinen Mund nicht auf. In der Erniedrigung ist sein Gericht aufgehoben worden. Wer wird von seinem Geschlecht erzählen? Denn weggenommen von der Erde wird sein Leben. Aufgrund der Missetaten meines Volkes kommt er zu Tode. Und ich werde die Bösen hingeben für sein Grab und die Reichen für seinen Tod. Denn Gesetzlosigkeit hat er nicht getan, auch ist kein Trug in seinem Mund gefunden worden. Und der Herr will ihn befreien von seiner Qual. Wenn ihr (Opfer) gebt für eure Sünde, wird eure Seele sehen langlebenden Samen. Und der Herr will vermindern die Not seiner Seele, ihm Licht zeigen und ihn bilden mit Einsicht, rechtfertigen einen Gerechten, der vielen gut dient. Und ihre Sünden wird er hinwegnehmen. Deshalb wird er viele beerben, und der Starken Beute wird er verteilen, dafür daß seine Seele dahingegeben worden ist in den Tod und er unter die Missetäter gerechnet worden ist. Und er hat getragen die Sünden vieler, und um ihrer Sünden willen ist er dahingegeben worden.“ Und wiederum sagt er selbst: „Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, Gespött der Menschen und verachtet vom Volk. Alle, die mich sahen, haben über mich gespottet, mit den Lippen gemurmelt und den Kopf geschüttelt: Er hat auf den Herrn gehofft; der soll ihm helfen; der soll ihn retten, da er ihn liebt.“ Seht, geliebte Männer, wer das Beispiel ist, das uns gegeben ist! Wenn nämlich der Herr so demütig gewesen ist, was sollen wir tun, die wir durch ihn unter das Joch seiner Gnade gekommen sind?

Nachahmer wollen wir sein auch jener, die in Ziegen- und Schaffellen umhergezogen sind, das Kommen Christi verkündigend. Wir meinen aber Elia und Elisa, auch noch Ezechiel, die Propheten, dazu auch noch die, die ein (gutes) Zeugnis haben. Ein großartiges Zeugnis hat Abraham empfangen: „Freund Gottes“ ist er genannt worden. Und er sagt, als er die Herrlichkeit Gottes erblickt, demütig: „Ich bin Erde und Asche.“ Außerdem steht auch noch über Hiob geschrieben: „Hiob aber war gerecht und untadelig, aufrichtig, gottesfürchtig, alles Böse meidend.“ Aber er klagt sich selbst an mit den Worten: „Niemand ist rein von Schmutz, und währte sein Leben (nur) einen Tag.“ Mose ist genannt worden „treu in seinem ganzen Hause“, und durch seinen Dienst hat Gott Ägypten gerichtet durch ihre Plagen und Qualen. Aber auch jener, wiewohl überaus verherrlicht, hat keine prahlerische Rede geführt, sondern er sprach, als ihm aus dem Dornbusch ein Gottesspruch gegeben ward: „Wer bin ich, daß du mich sendest? Ich bin von schwacher Stimme und schwerer Zunge.“ Und wiederum sagt er: „Ich aber bin Dampf aus einem Topf“ Was aber sollen wir sagen über David, der ein (gutes) Zeugnis hat? Von ihm hat Gott gesagt: „Ich habe einen Mann gefunden nach meinem Herzen, David, den Sohn des Isai; mit ewigem Erbarmen habe ich ihn gesalbt.“ Aber auch er spricht zu Gott: „Erbarme dich meiner, Gott, nach deinem großen Erbarmen, und nach der Fülle deiner Barmherzigkeiten lösche aus meine Freveltat. Mehr und mehr wasche mich von meiner Missetat, und von meiner Sünde reinige mich. Denn meine Missetat kenne ich, und meine Sünde steht mir vor Augen allenthalben. An dir allein habe ich gesündigt, und ich habe getan das Böse vor dir. Auf daß du gerechtfertigt würdest in deinen Worten und siegst, wenn du gerichtet wirst. Denn siehe, in Freveltaten bin ich empfangen worden, und in Sünden hat mich meine Mutter begehrt. Denn siehe: Wahrheit hast du geliebt, das Unbekannte und das Verborgene deiner Weisheit hast du mir offenbart. Du wirst mich besprengen mit Ysop, und ich werde gereinigt werden; du wirst mich waschen, und ich werde weißer werden als Schnee. Du wirst mich hören lassen Jubel und Freude; jubeln wird demütiges Gebein. Wende dein Antlitz weg von meinen Sünden, und alle meine Missetaten lösche aus. Ein reines Herz schaffe in mir, Gott, und einen geraden Geist schaffe neu in meinem Innern. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und deinen heiligen Geist nimm nicht von mir. Gib mir wieder die Wonne deines Heils, und mit führendem Geist stärke mich. Ich werde Sünder deine Wege lehren, und Gottlose werden sich zu dir bekehren. Errette mich von Bluttaten, Gott - Gott meines Heils. Es wird frohlocken meine Zunge über deine Gerechtigkeit. Herr, meinen Mund wirst du öffnen, und meine Lippen werden verkündigen dein Lob. Denn wenn du ein Opfer gewollt hättest, hätte ich es dir gegeben; an Brandopfern wirst du kein Gefallen haben. Ein Opfer für Gott ist ein zerknirschter Geist; ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz wird Gott nicht verachten.“

So vieler und auf solche Weise bezeugter (Männer) demütige und bescheidene Art hat also durch den Gehorsam nicht nur uns, sondern auch die Generationen vor uns gebessert - diejenigen, die seine Aussprüche entgegennahmen in Furcht und Wahrhaftigkeit. Da wir also vieler großer und berühmter Taten teilhaftig geworden sind, laßt uns zurückkehren zu dem uns seit Anbeginn überlieferten Ziel des Friedens und unseren Blick richten auf den Vater und Schöpfer der ganzen Welt, und an seinen großartigen und überreichen Geschenken des Friedens und (an den) Wohltaten laßt uns festhalten. Schauen wir ihn mit dem Verstand, und blicken wir mit den Augen der Seele auf seinen langmütigen Willen; erkennen wir, wie er frei von Zorn ist gegenüber seiner ganzen Schöpfung.

Die Himmel, kreisend durch sein Walten, ordnen sich ihm in Frieden unter. Tag wie Nacht vollenden den von ihm angeordneten Lauf, ohne einander zu behindern. Sonne und Mond und die Chöre der Sterne durchlaufen entsprechend seiner Anordnung in Eintracht ohne jede Überschreitung die ihnen vorgeschriebenen Bahnen. Die fruchttragende Erde bringt nach seinem Willen und zu den entsprechenden Zeiten Nahrung hervor in Fülle für Menschen und Tiere und alle Lebewesen auf ihr, ohne daß sie sich sträubt und ohne daß sie etwas ändert an dem von ihm Festgesetzten. Der Abgründe unerforschliche und der Unterwelt unaussprechliche Gerichte haben Bestand durch dieselben Anordnungen. Das Becken des unendlichen Meeres, entsprechend seiner Schöpfertätigkeit gebildet für die Sammlungen (des Wassers), überschreitet die ihm ringsum gesetzten Schranken nicht, sondern wie er es ihm befohlen hat, so tut es. Denn er hat gesprochen: „Bis hierher sollst du kommen, und deine Wogen sollen in dir zusammenstürzen.“ Der für die Menschen uferlose Ozean und die Welten hinter ihm werden durch dieselben Anordnungen des Herrn regiert. Die Zeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter lösen einander in Frieden ab. Der Winde Standquartiere vollziehen zur bestimmten Zeit ihren Dienst ohne Anstoß; unversiegliche Quellen, für Genuß und Gesundheit geschaffen, reichen ohne Unterbrechung den Menschen zum Leben die Brüste. Und die kleinsten der Lebewesen halten ihre Zusammenkünfte in Eintracht und Frieden. Daß dies alles in Frieden und Eintracht sei, hat der große Schöpfer und Herr des Alls angeordnet - Wohltaten allen spendend, in überreichem Maß aber uns, die wir Zuflucht genommen haben zu seinem Erbarmen durch unseren Herrn Jesus Christus; ihm sei die Ehre und die Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Seht zu, Geliebte, daß nicht seine vielen Wohltaten uns zum Gericht werden, wenn wir nicht seiner würdig wandelnd das vor ihm Gute und Wohlgefällige tun in Eintracht. Denn es heißt irgendwo: „Der Geist des Herrn ist eine Leuchte, die die Kammern des Innern erforscht.“ Betrachten wir, wie nahe er ist und daß ihm nichts verborgen ist von unseren Gedanken und nichts von den Überlegungen, die wir anstellen. Es ist also richtig, daß wir seinen Willen nicht verlassen. Lieber wollen wir bei Menschen, die töricht sind und dumm und überheblich und sich in Prahlerei ihrer Rede rühmen, Anstoß erregen als bei Gott. Dem Herrn Jesus Christus, dessen Blut für uns gegeben worden ist, wollen wir Ehrfurcht erweisen; unseren leitenden (Männern) wollen wir ehrfürchtige Scheu entgegenbringen; die Älteren wollen wir ehren, die Jungen wollen wir erziehen in der Furcht Gottes; unsere Frauen wollen wir zum Guten lenken: Die liebenswerte Sitte der Keuschheit sollen sie aufweisen, die lautere Absicht ihrer Sanftmut sollen sie aufzeigen, die Milde ihrer Zunge sollen sie durch das Schweigen offenbar machen, ihre Liebe sollen sie nicht nach Neigungen, sondern allen, die Gott fürchten, in heiligem Wandel gleichmäßig zuwenden. Unsere Kinder sollen der Erziehung in Christus teilhaftig werden; sie sollen lernen, was Demut bei Gott gilt, was reine Liebe bei Gott erreicht, wie die Furcht vor ihm gut und groß ist und alle rettet, die in ihm fromm wandeln in reiner Gesinnung. Denn er ist Erforscher der Gedanken und Absichten; sein Odem ist in uns, und wann er will, wird er ihn wegnehmen.

Dies alles aber befestigt der Glaube an Christus. Er selbst nämlich ruft uns durch den Heiligen Geist folgendermaßen herbei: „Kommt, Kinder, hört mich, Furcht des Herrn werde ich euch lehren. Wer ist der Mensch, der Leben will, der es liebt, gute Tage zu sehen. Halte deine Zunge zurück vom Bösen und deine Lippen davon, Listiges zu reden. Wende dich vom Bösen ab und tue Gutes. Suche Frieden und jage ihm nach. Die Augen des Herrn sind auf die Gerechten (gerichtet) und seine Ohren auf ihr Gebet. Das Angesicht des Herrn aber (wendet sich) gegen die, die Böses tun, zu vertilgen von der Erde ihr Andenken. Es hat gerufen der Gerechte, und der Herr hat ihn erhört, und aus allen seinen Drangsalen hat er ihn befreit. Zahlreich sind die Geißelhiebe für den Sünder; die aber auf den Herrn hoffen, wird Erbarmen umfangen.“

Der allbarmherzige und wohltätig spendende Vater hat ein Herz für die, die ihn fürchten; freundlich und wohlwollend spendet er seine Gunsterweise denen, die mit einfältigem Sinn zu ihm kommen. Deshalb wollen wir nicht zweifeln, und unsere Seele soll sich nicht falschen Gedanken hingeben im Blick auf seine überschwenglichen und herrlichen Gaben. Fern sei von uns diese Schrift(stelle), wo es heißt: „Unglückselig sind die Zweifler, die gespalten sind in der Seele, die sprechen: „Das haben wir gehört auch zur Zeit unserer Väter, und siehe - wir sind als geworden, und nichts davon ist uns widerfahren.“ O ihr Unverständigen: Vergleicht euch mit einem Baum. Nehmt einen Weinstock: Zuerst verliert er das Laub, dann entsteht ein Sproß, dann ein Blatt, dann eine Blüte und danach eine unreife, dann eine reife Traube. Ihr seht, daß in kurzer Zeit die Frucht des Baumes zur Reife gelangt.“ Wahrhaftig: Schnell und plötzlich wird sein Wille erfüllt werden, wie es auch mitbezeugt die Schrift: „Schnell wird er kommen und nicht verweilen, und plötzlich wird der Herr kommen in seinen Tempel, ja, der Heilige, den ihr erwartet.“

Wir wollen beobachten, Geliebte, wie der Herr uns fortwährend anzeigt, daß es eine künftige Auferstehung geben wird, zu deren Erstling er den Herrn Jesus Christus gemacht hat, indem er ihn von den Toten auferweckte. Betrachten wir, Geliebte, die zu bestimmter Zeit geschehende Auferstehung: Tag und Nacht tun uns Auferstehung kund. Es entschläft die Nacht, es steht auf der Tag; der Tag vergeht, die Nacht kommt herbei. Nehmen wir die Früchte: Wie und auf welche Weise geschieht die Saat? Der Säemann ging aus und warf auf die Erde jedes der Samenkörner; die fallen auf die Erde trocken und nackt und lösen sich auf. Danach läßt die machtvolle Fürsorge des Herrn sie aus der Auflösung auferstehen, und aus dem einen erwachsen viele und bringen Frucht.

Betrachten wir das wunderbare Zeichen, das in den östlichen Gebieten geschieht, das heißt in den (Gebieten) um Arabien. Es gibt (dort) nämlich einen Vogel, der Phönix heißt. Dieser, in nur einem Exemplar vorhanden, lebt fünfhundert Jahre. Wenn er aber dem Ende schon nahe ist und er sterben muß, baut er sich ein Nest aus Weihrauch und Myrrhe und den übrigen Spezereien; daraufhin, wenn die Zeit erfüllt ist geht er hinein und stirbt. Wenn aber das Fleisch verfault, entsteht ein Wurm, der sich von den feuchten Sekreten des gestorbenen Tieres nährt und Flügel bekommt. Danach, kräftig geworden, nimmt er jenes Nest auf, worin sich die Knochen des früheren (Vogels) befinden, und dies tragend durchmißt er (die Strecke) vom arabischen Land bis nach Ägypten zur (Stadt), die Heliopolis heißt. Und am Tage, wenn alle es sehen, fliegt er zum Altar des Helios, legt es (dort) nieder und kehrt wieder zurück. Die Priester nun schauen in den Zeittafeln nach und finden, daß er nach Vollendung des fünfhundertsten Jahres gekommen ist.

Halten wir es nun etwa für groß und bewunderungswürdig, wenn der Schöpfer die Auferstehung aller, die ihm in der Zuversicht guten Glaubens fromm gedient haben, bewirken wird, wo er uns doch sogar durch einen Vogel seine erhabene Verheißung anzeigt? Es heißt nämlich irgendwo: „Und du wirst mich auferwecken, und ich werde dich lobpreisen.“ Und: „Ich bin eingeschlafen und bin entschlummert; ich bin aufgeweckt worden, weil du bei mir bist.“ Und wiederum sagt Hiob: „Und du wirst auferwecken dieses mein Fleisch, das dies alles erduldet hat.“

In dieser Hoffnung also sollen unsere Seelen gebunden sein an den, der treu ist in den Verheißungen und gerecht in den Gerichten. Der geboten hat nicht zu lügen, um wieviel mehr wird der selbst nicht lügen; denn nichts ist unmöglich bei Gott, ausgenommen das Lügen. Also soll der Glaube an ihn sich in uns neu beleben; und wir wollen bedenken, daß alles ihm nahe ist. Mit einem Wort seiner Majestät hat er das All gegründet, und mit einem Wort kann er es zerstören. Wer wird zu ihm sagen: Was hast du getan? Oder wer wird sich der Macht seiner Stärke widersetzen? Wann er will und wie er will, wird er alles tun; und keine der von ihm getroffenen Anordnungen wird vergehen. Alles ist vor seinem Angesicht, und nichts ist seinem Ratschluß verborgen, wenn „die Himmel die Ehre Gottes erzählen, das Firmament verkündigt das Werk seiner Hände. Der eine Tag macht kund das Wort dem (anderen) Tag. Und eine Nacht verkündigt Erkenntnis der (anderen) Nacht. Und es gibt keine Worte noch Reden, deren Stimmen nicht gehört werden.“

Da also alles gesehen und gehört wird, laßt uns ihn fürchten und laßt uns aufgeben die schmutzigen Begierden nach bösen Werken, damit wir durch sein Erbarmen bewahrt bleiben vor den zukünftigen Gerichten. Denn wohin kann einer von uns fliehen, vor seiner starken Hand? Welche Welt wird einen von denen aufnehmen, die von ihm desertieren? Es sagt nämlich irgendwo die Schrift: „Wohin soll ich gehen, und wo soll ich mich verbergen vor deinem Angesicht? Wenn ich weggehe zu den Enden der Erde, (so ist) deine Rechte dort. Wenn ich mein Lager hinbreite in die Unterwelt, (so ist) dort dein Geist.“ Wohin also sollte einer weggehen, oder wohin sollte er davonlaufen vor dem, der alles umfaßt?

Treten wir also hin zu ihm mit frommer Seele, reine und unbefleckte Hände zu ihm erhebend, in Liebe zu unserem gütigen und barmherzigen Vater, der uns für sich gemacht hat zum auserwählten Teil. So nämlich steht geschrieben: „Als der Höchste die Völker teilte, da er zerstreute die Söhne Adams, bestimmte er Gebiete für die Völker nach der Zahl der Engel Gottes. Anteil des Herrn wurde sein Volk Jakob, Israel sein Besitzanteil.“ Und an einer anderen Stelle heißt es: „Siehe, der Herr nimmt sich ein Volk aus der Mitte der Völker, so wie ein Mensch die Erstlingsgabe seiner Tenne nimmt. Und es wird hervorgehen aus jenem Volk das Allerheiligste.“

Da wir also ein „heiliger Teil“ sind, laßt uns alles tun, was zur Heiligung gehört. Laßt uns fliehen Verleumdungen, schmutzige und unreine Umarmungen, Trunkenheit und Umsturz und abscheuliche Begierden, schändlichen Ehebruch und abscheulichen Hochmut. „Gott nämlich“, so heißt es, „widersteht den Hochmütigen, Demütigen aber gibt er Gnade.“ Schließen wir uns also jenen an, denen von Gott die Gnade gegeben ist. Ziehen wir die Eintracht an, demütig, gesinnt, enthaltsam lebend, von aller Ohrenbläserei und Verleumdung uns fernhaltend, uns rechtfertigend durch Werke und nicht durch Werke. Es heißt nämlich: „Wer viel redet, wird entsprechend zu hören bekommen. Oder meint der Schwätzer, er sei gerecht? Gesegnet sei der Weibgeborene, der kurze Zeit lebt. Werde keiner, der viel Worte macht!“ Unser Lob sei bei Gott und nicht aus uns selbst. Denn die sich selber loben, haßt Gott. Das Zeugnis über unser gutes Handeln soll von andern erteilt werden, wie es unseren gerechten Vätern erteilt worden ist. Dreistigkeit und Übermut und Tollkühnheit bei den von Gott Verfluchten Milde, Demut und Sanftmut bei den von Gott Gesegneten.

Halten wir uns also an seinen Segen und sehen wir, welches die Wege zum Segen sind. Überdenken wir noch einmal das von Anbeginn Geschehene. Weshalb ist unser Vater Abraham gesegnet worden? Nicht deshalb, weil er Gerechtigkeit und Wahrheit durch Glauben getan hat? Isaak ließ sich voll Vertrauen, da er das Zukünftige wußte, gern als Opfer hinführen. Jakob verließ in Demut sein Land um seines Bruders willen und zog zu Laban und diente, und es wurde ihm das Zwölfstämme-Reich Israel gegeben.

Wenn jemand hierüber im Einzelnen aufrichtig nachsinnt, wird er die Größe der von Gott gegebenen Gaben erkenne. Von Jakob nämlich (stammen) alle Priester und Leviten ab, die dem Altar Gottes dienen. Von ihm stammt der Herr Jesus ab, soweit es das Fleisch betrifft. Von ihm stammen Könige und Fürsten und Herrscher ab über Juda. Seine übrigen Stämme aber stehen in nicht geringem Ansehen, da Gott die Verheißung gab: „Dein Same wird sein wie die Sterne des Himmels.“ Alle nun sind verherrlicht und groß gemacht worden nicht durch sich selbst oder durch ihre Werke oder durch das gerechte Handeln, das sie vollbrachten, sondern durch seinen Willen. Auch wir also, die wir durch seinen Willen in Christus Jesus berufen worden sind, werden nicht durch uns selbst gerechtfertigt, auch nicht durch unsere Weisheit oder Einsicht oder Frömmigkeit oder durch Werke, die wir vollbracht haben mit frommem Herzen, sondern durch den Glauben, durch den der allmächtige Gott alle von Ewigkeit her gerechtfertigt hat. Ihm sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Was sollen wir also tun, Brüder? Sollen wir aufhören, das Gute zu tun, und sollen wir von der Liebe ablassen? Möge der Herr dies ja nicht bei uns geschehen lassen! Vielmehr wollen wir uns beeilen, mit beharrlicher Bereitwilligkeit jedes gute Werk zu vollbringen. Denn der Schöpfer und Herr des Alls selber frohlockt über seine Werke. Mit seiner unübertrefflich großen Macht hat er nämlich die Himmel befestigt und sie mit seiner unbegreiflichen Weisheit geordnet. Die Erde schied er von dem sie umgebenden Wasser, und er gründete sie auf das feste Fundament des eigenen Willens. Den auf ihr umherlaufenden Tieren befahl er durch sein Gebot zu existieren. Das Meer und die Tiere darin, die er zuvor bereitet hatte, schloß er ein durch seine Macht. Zu allen hinzu formte er mit seinen heiligen und untadeligen Händen das Hervorragendste und Größte, den Menschen, als ein Abbild seines Bildes. Denn so spricht Gott: „Laßt uns den Menschen machen, nach unserem Bild und Gleichnis. Und Gott machte den Menschen, männlich und weiblich machte er sie.“ Als er nun dies alles vollendet hatte, lobte und segnete er es und sagte: „Seid fruchtbar und mehret euch.“ Laßt uns beachten, daß alle Gerechten mit guten Werken geschmückt worden sind, und daß der Herr selbst sich mit guten Werken geschmückt hat und sich darüber freute. Da wir nun dieses Vorbild haben, laßt uns ohne Zögern seinem Willen entsprechen. Mit unserer ganzen Kraft laßt uns vollbringen das Werk der Gerechtigkeit.

Der gute Arbeiter nimmt mit Freimut das Brot für sein Werk; der faule und lässige sieht seinem Arbeitgeber nicht ins Gesicht. Es ist also nötig, daß wir bereit sind, das Gute zu tun. Denn von ihm (sc. Gott) her kommt alles. Er sagt uns nämlich im Voraus: „Siehe, der Herr, und sein Lohn ist vor ihm, zu vergelten einem jeden nach seinem Werk.“ Ermahnt uns also, daß wir, aus vollem Herzen auf ihn vertrauend, nicht träge und nicht lässig sind zu jedem guten Werk. Unser Rühmen und unsere Zuversicht stehe bei ihm! Ordnen wir uns seinem Willen unter! Beobachten wir die ganze Menge seiner Engel, wie sie bereitstehen und seinem Willen dienen! Es sagt nämlich die Schrift: „Zehntausendmal zehntausend standen bei ihm und tausendmal tausend dienten ihm, und sie riefen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth. Voll ist die ganze Schöpfung seiner Herrlichkeit.““ Auch wir nun, in Eintracht am selben Ort dem Gewissen entsprechend versammelt, wollen wie aus einem Munde beharrlich zu ihm rufen, damit wir teilhaftig werden seiner großen und herrlichen Verheißungen. Es heißt nämlich: „Kein Auge hat gesehen und kein Ohr hat gehört und in keines Menschen Herz ist gekommen, wie viel er bereitet hat denen, die auf ihn harren.“

Wie herrlich und bewundernswert sind die Geschenke Gottes, Geliebte! Leben in Unsterblichkeit, Freudigkeit in Gerechtigkeit, Wahrheit in Freimut, Glaube in Zuversicht, Enthaltsamkeit in Heiligung. Und dies alles fiel in den Bereich unseres Verstandes! Was ist es nun, was denen bereitet wird, die harren? Der Schöpfer und Vater der Ewigkeiten, der Allheilige selbst kennt ihre Größe und Schönheit. Laßt uns also kämpfen, um erfunden zu werden in der Zahl derer, die harren, damit wir der verheißenen Geschenke teilhaftig werden! Wie aber soll dies geschehen, Geliebte? (Es geschieht,) wenn unser Sinn voll Vertrauen und fest auf Gott gerichtet ist, wenn wir trachten nach dem ihm Wohlgefälligen und Angenehmen, wenn wir das seinem untadeligen Willen Angemessene ausführen, d.h. dem Weg der Wahrheit folgen, indem wir von uns abwerfen alle Ungerechtigkeit und Bosheit, Habsucht, Streiterei, Verschlagenheit und Hinterlist, Ohrenbläserei und Verleumdungen, Gotteshaß, Hochmut und Prahlerei, leere Ruhmsucht und Ungastlichkeit. Denn die, die dies tun, sind Gott verhaßt; aber nicht nur die, die es tun, sondern auch die, die ihnen Beifall spenden. Die Schrift sagt nämlich: „Zum Sünder aber sprach Gott: „Warum zählst du meine Gebote auf und nimmst meinen Bund in deinen Mund? Du hast doch Zucht gehaßt, und hast meine Worte nach hinten geworfen. Wenn du einen Dieb sahst, so liefst du mit ihm; und mit Ehebrechern machtest du Gemeinschaft. Dein Mund floß über von Bosheit, und deine Zunge redete tückisch Verdrehtes. Du saßest da und redetest wider deinen Bruder, und dem Sohn deiner Mutter legtest du eine Falle. Das hast du getan, und ich habe geschwiegen. Du meintest, Frevler, ich würde dir gleich sein. Ich werde dich überführen und werde dich dir selber vor Augen stellen.“ Begreift doch dies, ihr, die ihr Gott vergeßt, damit er (euch) nicht reiße wie ein Löwe und kein Retter da sei. Ein Lobopfer wird mich ehren, und dort ist der Weg, auf dem ich ihm zeigen werde das Heil Gottes.“

Dies ist der Weg, Geliebte, auf dem wir unser Heil gefunden haben - Jesus Christus, den Hohenpriester unserer Opfer, den Beschützer und Helfer unsrer Schwachheit. Durch diesen blicken wir zu den Höhen der Himmel, durch diesen schauen wir in einem Spiegel sein (sc. Gottes) untadeliges und allerhöchstes Antlitz; durch diesen sind die Augen unseres Herzens geöffnet worden; durch diesen wächst unser unverständiger und verdunkelter Sinn ins Licht empor; durch diesen hat der Herr uns kosten lassen wollen von der unsterblichen Erkenntnis: (Er,) der als Abglanz seiner Majestät um so viel größer ist als Engel, wie der Name vorzüglicher ist, den er geerbt hat. Denn so steht geschrieben: „Der seine Engel zu Winden macht und seine Diener zur Feuerflamme.“ Von seinem Sohn aber hat der Herr so gesprochen: „Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt. Fordere von mir, und ich werde (dir) Völker zu deinem Erbe geben und zu deinem Besitz die Enden der Erde.“ Und wiederum sagt er zu ihm: „Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.“ Wer nun sind die Feinde? Die Bösen und die seinem Willen sich Widersetzenden.

Laßt uns also, Männer, Brüder, den Kriegsdienst leisten mit aller Beharrlichkeit unter seinen untadeligen Befehlen. Laßt uns diejenigen beobachten, die für unsere Herrschenden Kriegsdienst leisten - wie wohlgeordnet, wie willfährig, wie gehorsam sie die Anordnungen vollziehen. Nicht alle sind Befehlshaber, auch nicht Führer von Tausendschaften, von Hundertschaften, von Fünfzigschaften und so weiter; sondern jeder vollzieht auf seinem eigenen Posten das vom König und von den Herrschenden Angeordnete. Die Großen können ohne die Kleinen nicht sein; und die Kleinen nicht ohne die Großen. Es gibt bei allem eine gewisse Mischung, und darin liegt die Brauchbarkeit. Nehmen wir unseren Leib: Der Kopf ist ohne die Füße nichts; so sind auch die Füße nichts ohne den Kopf Die geringsten Glieder unseres Leibes sind notwendig und nützlich für den ganzen Leib. Aber alle stimmen sie überein und geben sich einer einträchtigen Unterordnung hin, auf daß der ganze Leib bewahrt werde.

Es soll also bewahrt werden unser ganzer Leib in Christus Jesus, und es soll sich ein jeder seinem Nächsten unterordnen, wie es bestimmt ist in seiner Gnadengabe. Der Starke soll für den Schwachen sorgen, der Schwache aber soll den Starken achten. Der Reiche soll den Armen unterstützen, der Arme aber soll Gott dafür danken, daß er ihm (einen) gegeben hat, durch den seinem Mangel abgeholfen wird. Der Weise soll seine Weisheit nicht in Worten zeigen, sondern in guten Werken. Der Demütige soll sich nicht selber ein Zeugnis ausstellen, sondern er lasse es sich von einem anderen ausstellen. Wer rein ist im Fleisch, soll nicht prahlen, da er doch weiß, daß es ein anderer ist, der ihm die Enthaltsamkeit verleiht. Laßt uns also bedenken, Brüder, aus was für einem Material wir geschaffen worden sind, wie beschaffen und wer wir waren, als wir in die Welt hineinkamen, aus welchem Grab und welcher Finsternis der, der uns bildete und schuf, uns in seine Welt hineingeführt hat - der seine Wohltaten zuvor bereitet hatte, bevor wir geboren waren. Da wir also dies alles von ihm haben, müssen wir ihm in jeder Hinsicht Dank sagen: Ihm sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Unverständige, Unvernünftige, Törichte und Ungebildete verspotten und verhöhnen uns, da sie sich selbst erhöhen wollen in ihrer Einbildung. Was vermag denn ein Sterblicher? Oder was ist die Kraft des Erdgeborenen? Es steht nämlich geschrieben: „Keine Gestalt war vor meinen Augen, sondern ich hörte nichts als Hauch und Stimme: „Wie denn? Sollte ein Sterblicher rein sein vor dem Herrn? Oder ein Mann untadelig aufgrund seiner Werke, wenn er seinen Knechten gegenüber nicht vertraut, an seinen Engeln etwas Verkehrtes wahrgenommen hat? Der Himmel ist nicht rein vor ihm. Wieviel mehr aber jene, die Lehmhäuser bewohnen, zu denen auch wir selbst gehören, die wir aus demselben Lehm sind. Er hat sie geschlagen wie eine Motte, und vom Morgen bis zum Abend sind sie nicht mehr. Da sie sich selbst nicht zu helfen vermochten, gingen sie zugrunde. Er hauchte sie an, und sie starben, weil sie keine Weisheit hatten.“ Rufe doch, ob dich einer erhören wird, oder ob du einen der heiligen Engel sehen wirst. Denn fürwahr, einen Unverständigen rafft Zorn dahin, einen dem Irrtum Verfallenen tötet Eifersucht. Ich habe wohl gesehen, daß Unverständige Wurzeln schlugen, aber sogleich war ihre Nahrung verzehrt. Fern mögen sein ihre Söhne vom Heil; sie mögen verspottet werden vor den Türen der Geringen, und keiner soll sein, der sie befreit. Denn was jenen bereitet ist, werden Gerechte verspeisen; sie selbst aber werden von den Übeln nicht befreit werden.“

Da uns nun dies offenbar ist und wir einen Einblick erhalten haben in die Tiefen der göttlichen Erkenntnis, sind wir verpflichtet, alles der Ordnung gemäß zu tun, was der Herr zu festgesetzten Zeiten zu vollziehen befohlen hat, (daß nämlich) die Opfer und Dienste vollzogen werden. Er hat ja nicht befohlen, sie sollten aufs Geratewohl oder ohne Ordnung stattfinden, sondern zu festgesetzten Zeiten und Stunden. Wo und durch wen er den Vollzug will, hat er selbst durch seinen allerhöchsten Rat bestimmt, damit alles heilig geschehe und in Wohlgefallen angenehm sei seinem Willen. Die also zu festgesetzten Zeiten ihre Opfer darbringen, sind (Gott) angenehm und selig; denn indem sie den Vorschriften des Herrn folgen, verletzen sie die Ordnung nicht. Dem Hohenpriester nämlich sind eigene dienstliche Handlungen übertragen, und den Priestern ist ein eigener Platz zugewiesen, und Leviten obliegen eigene Dienstleistungen. Der Mensch aus dem Volk ist an die für das Volk geltenden Vorschriften gebunden.

Jeder von uns, Brüder, soll auf seinem eigenen Posten Gott gefallen mit gutem Gewissen, indem er die für seinen Dienst festgelegte Regel nicht übertritt, in ehrfürchtiger Scheu. Nicht überall, Brüder, werden dargebracht immerwährende Opfer oder Gelübdeopfer oder Sünd- und Schuldopfer, sondern nur in Jerusalem allein. Auch dort aber wird nicht an jedem Ort geopfert, sondern (nur) vor dem Tempel am Altar, nachdem die Opfergabe auf ihre Makellosigkeit hin untersucht worden ist, durch den Hohenpriester und die eben erwähnten Gehilfen. Die nun etwas gegen das seinem Willen Gemäße tun, erhalten als Strafe den Tod. Seht, Brüder: Je größer die Erkenntnis, derer wir für wert gehalten wurden, um so größer die Gefahr, der wir ausgesetzt sind.

Die Apostel sind für uns mit dem Evangelium beauftragt worden vom Herrn Jesus Christus; Jesus, der Christus, ist von Gott ausgesandt worden. Christus also von Gott her, und die Apostel von Christus her. Es geschah also beides in guter Ordnung nach dem Willen Gottes. Da sie also Aufträge empfangen hatten und mit Gewißheit erfüllt worden waren durch die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus und Vertrauen gefaßt hatten durch das Wort Gottes, zogen sie mit der Fülle des Heiligen Geistes aus, verkündigend, daß das Reich Gottes kommen werde. In Ländern und Städten also predigend setzten sie ihre Erstlinge ein, nachdem sie sie im Geist geprüft hatten, zu Episkopen und Diakonen derer, die künftig glauben würden. Und dies war nichts Neues; denn es war ja seit langen Zeiten geschrieben über Episkopen und Diakonen. So nämlich sagt irgendwo die Schrift: „Ich werde einsetzen ihre Episkopen in Gerechtigkeit und ihre Diakonen in Treue.“

Und was ist Erstaunliches dabei, wenn die in Christus von Gott mit einem solchen Werk Betrauten die eben Genannten eingesetzt haben? Wo doch auch der selige, treue Hüter im ganzen Hause, Mose, alle ihm übermittelten Anordnungen aufgezeichnet hat in den heiligen Büchern; ihm sind auch gefolgt die übrigen Propheten, die gleichermaßen Zeugnis ablegen für das von ihm im Gesetz Bestimmte. Jener nämlich, als Eifersucht erwuchs wegen der Priesterwürde und die Stämme in Aufruhr waren, welcher von ihnen geschmückt sein solle mit dem ehrenvollen Namen, befahl den zwölf Stammeshäuptern, sie sollten ihm Stäbe bringen, beschriftet mit dem Namen eines jeden Stammes. Und er nahm und band sie und versiegelte sie mit den Ringen der Stammeshäupter und legte sie in das Zelt des Zeugnisses, auf den Tisch Gottes. Und er verschloß das Zelt und versiegelte die Schlüssel ebenso wie die Stäbe. Und er sagte zu ihnen: „Männer, Brüder; welches Stammes Stab ausschlägt, den hat Gott auserwählt zum Priesteramt und zum Dienst für ihn.“ Als es Morgen geworden war, rief er ganz Israel zusammen, die sechshunderttausend Männer, und er zeigte den Stammeshäuptern die Siegel und öffnete das Zelt des Zeugnisses und holte die Stäbe hervor; und es fand sich, daß der Stab Aarons nicht allein ausgeschlagen hatte, sondern auch Frucht trug. Was meint ihr, Geliebte? Hatte Mose nicht vorhergewußt, daß dies geschehen würde? Ganz gewiß hatte er es gewußt. Aber damit keine Unordnung entstünde in Israel, hat er es so gemacht, damit verherrlicht würde der Name des Wahrhaftigen und Einzigen, welchem sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Auch unsere Apostel haben durch unseren Herrn Jesus Christus gewußt, daß es Streit geben würde über das „Amt der Aufsicht“. Aus diesem Grunde nun, da sie vollkommenes Vorherwissen empfangen hatten, setzten sie die eben Genannten ein und gaben danach Anweisungen, daß, wenn sie entschliefen, andere bewährte Männer ihren Dienst übernehmen sollten. Daß nun die, die eingesetzt worden waren von jenen oder danach von anderen angesehenen Männern unter Zustimmung der ganzen Kirche, und untadelig dienten der Herde Christi in Demut, still und nicht engherzig und von allen mit einem (guten) Zeugnis versehen lange Zeit hindurch - daß diese aus dem Dienst entfernt werden, halten wir nicht für recht. Denn keine kleine Sünde wird es für uns sein, wenn wir die, die untadelig und fromm die Opfer dargebracht haben, vom Episkopenamt entfernen. Selig die vorausgegangenen Presbyter, deren Heimgang reich an Frucht und vollkommen war; sie müssen nämlich nicht fürchten, daß jemand sie verdrängt von dem für sie errichteten Platz. Wir sehen nämlich, daß ihr einige, die einen guten Wandel führen, aus dem von ihnen untadelig in Ehren gehaltenen Dienst herausgedrängt habt.

Seid streitsüchtig, Brüder, und Eiferer - für das, was zum Heil dient! Ihr habt Einblick genommen in die heiligen Schriften, die wahren, die durch den Heiligen Geist (gegebenen?). Ihr wißt, daß nichts Unrechtes und nichts Gefälschtes in ihnen geschrieben steht. Ihr werdet nicht finden, daß Gerechte abgesetzt wurden von frommen Männern. Gerechte sind verfolgt worden, aber von Frevlern. Sie sind eingekerkert worden, aber von Gottlosen. Sie sind gesteinigt worden, von Missetätern. Sie sind getötet worden, von denen, die abscheulicher und ungerechter Eifersucht Raum gegeben hatten. Dies erlitten und ertrugen sie ruhmvoll. Denn was sollen wir sagen, Brüder? Ist Daniel von denen, die Gott fürchten, in die Löwengrube geworfen worden? Oder sind Ananias, Asarja und Misael von denen, die sich dem erhabenen und herrlichen Dienst des Höchsten widmeten, in den Feuerofen eingesperrt worden? Durchaus nicht! Wer nun sind die, die dies getan haben? Die Verhaßten und alles Schlechten Vollen steigerten sich bis zu einem solchen Grad von Wut, daß sie jene, die in frommer und untadeliger Absicht Gott dienten, in Pein stürzten, nicht wissend, daß der Höchste ein Verteidiger und Beschützer derer ist, die mit reinem Gewissen seinem vortrefflichen Namen dienen. Ihm sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Die aber ausgeharrt haben in Zuversicht, haben Ehre und Auszeichnung geerbt; sie sind erhöht worden und eingeschrieben von Gott in sein Gedächtnis von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

An solche Vorbilder nun müssen auch wir uns halten, Brüder. Denn es steht geschrieben: „Haltet euch an die Heiligen, denn die, die sich an sie halten, werden geheiligt werden.“ Und wiederum heißt es an einer anderen Stelle: „Mit einem unschuldigen Mann wirst du unschuldig sein, und mit einem Auserwählten wirst du auserwählt sein, und mit einem Verkehrten wirst du auf verkehrtem Wege sein.“ Halten wir uns also an die Unschuldigen und Gerechten; diese nämlich sind Auserwählte Gottes. Weshalb (gibt es) Streitigkeiten, Zornausbrüche, Spaltungen und Krieg bei euch? Oder haben wir nicht einen Gott und einen Christus und einen Geist der Gnade, der ausgegossen ist auf uns, und (ist nicht) eine Berufung in Christus? Warum ziehen und zerren wir die Glieder Christi auseinander und lehnen uns gegen den eigenen Leib auf und gehen bis zu einem solchen Grad von Tollheit, daß wir vergessen, daß wir untereinander Glieder sind? Denkt an die Worte Jesu, unseres Herrn. Er hat nämlich gesagt: „Wehe jenem Menschen! Es wäre für ihn besser, wenn er nicht geboren worden wäre, als daß er einem meiner Auserwählten Anstoß gibt. Besser wäre es, wenn ihm ein Mühlstein umgehängt und er versenkt würde ins Meer, als daß er einen meiner Auserwählten auf verkehrten Weg führt.“ Eure Spaltung hat viele auf verkehrten Weg geführt, viele in Mutlosigkeit gestürzt, viele in Zweifel, uns alle in Trauer; und euer Aufstand dauert fort!

Nehmt den Brief des seligen Apostels Paulus zur Hand. Was hat er euch zuerst am Anfang des Evangeliums geschrieben? Wahrhaft auf geistliche Weise hat er euch (Weisung) gesandt, ihn selbst und Kephas und Apollos betreffend, weil ihr auch damals Parteien gebildet hatten. Aber jene Parteineigung hat euch geringere Sünde zugezogen. Denn ihr hattet euch angeschlossen (von Gott) bezeugten Aposteln und einem nach ihrem Urteil erprobten Mann. Jetzt aber bedenkt, was für Leute euch auf verkehrten Weg geführt und das Ansehen eurer allseits bekannten Bruderliebe vermindert haben! Es ist schändlich, Geliebte, überaus schändlich und der Lebensführung in Christus unwürdig, wenn man hört, daß die sehr gefestigte und alte Kirche der Korinther wegen ein oder zwei Personen sich gegen die Presbyter erhebt. Und diese Kunde drang nicht nur zu uns, sondern auch zu denen, die anders gesinnt sind als wir, so daß auch Lästerungen vorgebracht werden gegen den Namen des Herrn wegen eures Unverstandes, für euch selbst aber obendrein Gefahr bewirkt wird.

Stellen wir also dieses rasch ab, werfen wir uns nieder vor dem Herrn und flehen wir ihn unter Tränen an, daß er gnädig sei und sich mit uns versöhne und uns in den frommen, reinen Wandel unserer Bruderliebe zurückversetze. Denn dies ist das Tor der Gerechtigkeit, geöffnet zum Leben, wie geschrieben steht: „Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit; ich will durch sie eintreten und den Herrn lobpreisen. Dies ist das Tor des Herrn; Gerechte werden durch es eintreten.“ Von den vielen geöffneten Toren ist das (Tor) in Gerechtigkeit dasjenige, das in Christus ist. Selig alle, die durch es eintreten und ihren Weg gerade lenken in Heiligkeit und Gerechtigkeit, unbeirrt alles vollbringend. Mag einer gläubig sein, mag er fähig sein, Erkenntnis auszusprechen, mag er weise sein in der Unterscheidung der Worte, mag er heilig sein in Werken: Er muß doch um so demütiger sein, je größer er zu sein scheint, und muß suchen das allen gemeinsam Nützliche und nicht das Seinige.

Wer Liebe in Christus hat, der tue die Gebote Christi. Das Band der Liebe Gottes - wer vermag es zu beschreiben? Seine erhabene Schönheit - wer ist imstande, sie auszudrücken? Die Höhe, zu welcher die Liebe hinaufführt, ist unaussprechlich.

Liebe verbindet uns eng mit Gott, Liebe deckt zu die Menge der Sünden. Liebe erträgt alles, sie duldet alles. Nichts Gemeines ist in der Liebe, nichts Überhebliches. Liebe kennt keine Spaltung, Liebe lehnt sich nicht auf, Liebe tut alles in Eintracht. In der Liebe sind zur Vollendung geführt worden alle Auserwählten Gottes. Ohne Liebe ist nichts wohlgefällig bei Gott.

In Liebe hat uns angenommen der Herr; um der Liebe willen, die er zu uns hatte, hat Jesus Christus, unser Herr, sein Blut gegeben für uns nach dem Willen Gottes, und das Fleisch für unser Fleisch und die Seele für unsere Seelen.

Seht, Geliebte, wie etwas Großes und Wunderbares die Liebe ist, und von ihrer Vollendung gibt es keine Beschreibung. Wer ist würdig, in ihr erfunden zu werden außer denen, welche Gott für würdig erachtet? Erbitten wir also und erflehen wir von seinem Erbarmen, daß wir in der Liebe erfunden werden ohne menschliche Parteineigung, frei vom Tadel. Alle Geschlechter von Adam bis zum heutigen Tage sind vergangen; aber die, die in Liebe vollendet worden sind gemäß der Gnade Gottes, besitzen den Ort der Frommen. Sie werden offenbart werden beim Erscheinen der Herrschaft Christi. Denn es steht geschrieben: „Tretet ein in die Kammern einen kurzen Augenblick, bis daß vorübergegangen ist mein Zorn und mein Grimm. Und ich werde eines guten Tages (eurer) gedenken und werde euch auferwecken aus euren Gräbern.“ Selig sind wir, Geliebte, wenn wir die Gebote Gottes zu erfüllen suchten in Eintracht der Liebe, auf daß uns durch Liebe die Sünden vergeben werden. Denn es steht geschrieben: „Selig, deren Freveltaten vergeben worden und deren Sünden zugedeckt worden sind. Selig der Mann, dessen Sünde der Herr nicht anrechnet und in dessen Mund kein Falsch ist.“ Diese Seligpreisung bezog sich auf die, die auserwählt sind von Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. Ihm sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Für das also, was wir verfehlt und was wir getan haben aufgrund gewisser hinterlistiger Nachstellungen des Widersachers, laßt uns bitten, daß uns vergeben werde. Auch jene aber, die Anführer des Aufruhrs und der Spaltung waren, müssen auf die gemeinsame Grundlage der Hoffnung blicken. Die nämlich, welche in Furcht und Liebe wandeln, wollen, daß lieber sie selbst in Drangsale stürzen als die Nächsten. Lieber ertragen sie ihre eigene Verurteilung als die der uns schön und gerecht überlieferten Eintracht. Besser nämlich für einen Menschen ist es, ein Bekenntnis abzulegen über die Verfehlungen, als sein Herz zu verhärten, so wie verhärtet wurde das Herz derer, die einen Aufruhr gemacht hatten gegen den Diener Gottes, Mose, deren Verdammnis offenkundig wurde. Sie fuhren nämlich lebendig hinab in die Unterwelt, und der Tod wird sie weiden. Pharao und sein Heer und alle Führer Ägyptens, auch die Wagen und ihre Reiter, sind aus keinem anderen Grund ins Rote Meer versenkt worden und zugrunde gegangen, als deshalb, weil sich ihre unverständigen Herzen verhärtet hatten, nachdem die Zeichen und Wunder in Ägypten durch den Diener Gottes, Mose, geschehen waren.

Bedürfnislos, Brüder, ist der Herr von allen Dingen. Er braucht nichts von irgend jemandem, außer daß man ihm gegenüber bekenne. Es sagt nämlich der auserwählte David: „Ich will bekennen dem Herrn, und es wird ihm gefallen mehr als ein Jungrind, das Hörner ansetzt und Klauen. Sehen sollen es Arme und sollen sich freuen.“ Und wiederum heißt es: „Opfere Gott ein Lobopfer und bezahle dem Höchsten deine Gelübde. Und rufe mich an am Tage deiner Bedrängnis, und ich werde dich erretten, und du wirst mich preisen.“ „Denn ein Opfer für Gott ist ein zerknirschter Geist.“

Ihr kennt ja, ihr kennt sogar gut die heiligen Schriften, Geliebte und ihr habt euch vertieft in die Aussprüche Gottes. (Nur) zur Erinnerung also schreiben wir dieses: Nachdem nämlich Mose auf den Berg gestiegen war und vierzig Tage und vierzig Nächte verbracht hatte mit Fasten und Demütigung, sprach zu ihm Gott: „Steige eilends hinab von hier, denn gefrevelt hat dein Volk, die du geführt hast aus dem Lande Ägypten. Schnell sind sie abgewichen von dem Wege, den du ihnen geboten hast; sie haben sich Gußbilder gemacht.“ Und es sprach der Herr zu ihm: „Ich habe zu dir geredet einmal und zweimal folgendermaßen: „Gesehen habe ich dieses Volk, und siehe, es ist halsstarrig.“ Laß mich sie ausrotten, und ich werde auslöschen ihren Namen unter dem Himmel, und ich werde dich machen zu einem großen und wunderbaren Volk, ja, viel mehr als dieses. Und es sprach Mose: „Keinesfalls, Herr. Vergib die Sünde diesem Volk, oder lösche auch mich aus dem Buch der Lebenden.““ O große Liebe, o unübertreffliche Vollkommenheit! Freimütig spricht der Diener zum Herrn. Er fordert Vergebung für die Volksmenge, oder er bittet, daß auch er selbst ausgelöscht werde mit ihnen.

Wer nun unter euch edelmütig, wer barmherzig, wer erfüllt von Liebe? Er möge sprechen: Wenn es um meinetwillen Aufruhr und Streit und Spaltungen, so wandere ich aus, ich gehe fort, wohin ihr wollt, und tue, was von der Mehrheit verordnet wird. Nur soll die Herde Christi im Frieden leben mit den bestellten Presbytern. Wer dies tut, wird für sich großen Ruhm in Christus erwerben, und jeder Ort wird ihn aufnehmen. Denn „des Herrn ist die Erde und ihre Fülle“. Das haben die, die den nicht zu bereuenden Wandel Gottes beschreiten, getan und werden es tun.

Doch um sogar Beispiele von Heiden zu bringen: Viele Könige und Führer haben in Pestzeiten aufgrund eines Orakelspruchs sich selbst in den Tod gegeben, um durch ihr Blut die Bürger zu retten. Viele sind ausgewandert aus ihren eigenen Städten, um den Aufruhr nicht noch zu vermehren. Wir wissen von vielen bei uns, die sich selbst in Ketten überliefert haben, um andere zu erlösen. Viele haben sich selbst in Sklaverei begeben, und mit ihrem Kaufpreis haben sie andere gespeist. Viele Frauen, stark gemacht durch die Gnade Gottes, vollbrachten viele mannhafte Taten. Die selige Judith erbat bei der Belagerung der Stadt von den Ältesten, sie hinausgehen zu lassen in das Lager der Fremdstämmigen. Sich selbst also der Gefahr aussetzend ging sie hinaus aus Liebe zum Vaterland und zum Volk, das sich in der Belagerung befand, und der Herr gab den Holofernes in die Hand einer Frau. Nicht minder setzte auch die im Glauben vollkommene Esther sich selbst der Gefahr aus, um das Zwölfstämme-Volk Israels, als ihm Vernichtung drohte, zu retten. Denn durch ihr Fasten und durch ihre Selbstdemütigung bat sie den allsehenden Herrn, den Gott der Äonen. Der, als er die Demut ihrer Seele sah, rettete das Volk, um dessentwillen sie die Gefahr auf sich genommen hatte.

Auch wir also wollen beten für die, die in irgendeiner Verfehlung leben, damit ihnen Sanftmut und Demut verliehen werde, auf daß sie nachgeben - nicht uns, sondern dem Willen Gottes. So nämlich wird für sie fruchtbar und vollkommen sein vor Gott und den Heiligen das mitleidvolle Gedenken. Nehmen wir Züchtigung an, über die niemand aufgebracht sein darf, Geliebte. Die Ermahnung, die wir einander geben, ist gut und überaus nützlich; sie verbindet uns nämlich mit dem Willen Gottes. So sagt nämlich das heilige Wort: „Schwer gezüchtigt bat mich der Herr, doch dem Tode hat er mich nicht preisgegeben. Denn welchen der Herr liebt, den züchtigt er. Er geißelt jeden Sohn, den er annimmt.“ „Züchtigen wird mich“, heißt es nämlich, „der Gerechte mit Erbarmen, und er wird mich zurechtweisen; das Öl der Sünder aber soll mein Haupt nicht salben.“ Und wiederum heißt es: „Selig der Mensch, den der Herr zurechtgewiesen hat. Die Züchtigung des Allmächtigen weise nicht zurück. Denn er bewirkt Schmerz, und er stellt wieder her. Er schlug, und seine Hände heilten. Sechsmal wird er dich aus Trübsalen herausreißen, beim siebtenmal aber wird das Übel dich nicht treffen. In Hungersnot wird er dich retten vor dem Tod, im Krieg aus der Hand des Schwertes dich lösen. Und vor der Geißel der Zunge wird er dich verbergen, und keinesfalls sollst du dich fürchten vor den kommenden Übeln. Ungerechte und Frevler sollst du verlachen, vor wilden Tiere dich keinesfalls fürchten; denn die wilden Tiere werden mit dir in Frieden leben. Dann sollst du erfahren, daß in Frieden leben wird dein Haus; die Wohnstätte deiner Hütte soll keinesfalls Mangel haben. Erfahren sollst du, daß zahlreich (wird) dein Same, deine Kinder wie die Fülle des Krauts auf dem Acker. Ins Grab wirst du kommen wie reifes Korn, zur rechten Zeit geerntet, oder wie ein Garbenhaufe auf der Tenne, zur rechten Zeit eingebracht.“ Ihr seht, Geliebte, wie groß der Schutz ist für die, die vom Herrn gezüchtigt werden; denn als guter Vater züchtigt er, damit wir Erbarmen fänden durch seine heilige Züchtigung.

Ihr nun, die ihr mit dem Aufruhr begonnen habt, ordnet euch den Presbytern unter und laßt euch züchtigen zur Buße und beugt die Knie eures Herzens! Lernt, euch unterzuordnen, legt ab die prahlerische und hochmütige Überheblichkeit eurer Zunge! Denn es ist besser für euch, in der Herde Christi Mein und dazugerechnet gefunden zu werden, als über die Maßen in Geltung stehend aus ihrer Hoffnung verstoßen zu sein. Denn so spricht die vortreffliche Weisheit: „Siehe, verkünden will ich euch meines Mundhauchs Rede, will euch lehren mein Wort. Da ich rief und ihr nicht gehört habt, und da ich ausdehnte die Worte und ihr nicht darauf acht gabt, sondern habt wertlos gemacht meine Absichten und wart gegenüber meinen Zurechtweisungen nicht gehorsam: Darum will auch ich über euren Untergang lachen, will spotten, wenn über euch Verderben kommt, und wenn plötzlich Verwirrung über euch hereinbricht, (wenn) die Katastrophe da ist gleich einem jähen Windstoß, oder wenn über euch kommt Bedrängnis und Belagerung. Denn es wird sein, daß ihr mich anrufen werdet, ich aber werde euch nicht erhören. Suchen werden mich Böse und werden mich nicht finden. Denn Weisheit haben sie gehaßt, die Furcht des Herrn nicht angenommen; sie wollten nicht achten auf meine Ratschläge, haben verspottet meine Zurechtweisungen. Deshalb sollen sie die Früchte ihres Weges essen, und mit ihrer Gottlosigkeit sollen sie sich füllen. Denn dafür, daß sie Unrecht getan haben an Unmündigen, sollen sie getötet werden; und das Gericht soll die Gottlosen vernichten. Wer aber auf mich hört, der soll wohnen in Hoffnung, und er soll Ruhe haben ohne Furcht vor allem Bösen.“

Gehorchen wir also seinem allheiligen und glorreichen Namen und hüten wir uns vor den zuvor erwähnten durch die Weisheit an die Ungehorsamen gerichteten Drohungen, damit wir „wohnen“ im Vertrauen auf den heiligsten Namen seiner Majestät. Nehmt an unseren Rat, und ihr werdet es nicht bereuen. Denn es lebt Gott, und es lebt der Herr Jesus Christus und der Heilige Geist - der Glaube und die Hoffnung der Auserwählten, daß derjenige, der in Demut und beharrlicher Sanftmut ohne Wanken die von Gott gegebenen Satzungen und Anordnungen befolgt, eingeordnet und dazugerechnet sein wird zur Zahl derer, die gerettet werden durch Jesus Christus, durch welchen ihm sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Wenn aber einige dem von ihm durch uns Gesagten nicht gehorchen, so sollen sie erkennen, daß sie sich in Verfehlung und in nicht geringe Gefahr verwickeln werden. Wir aber werden unschuldig sein an dieser Sünde, und wir werden beten, darbringend inständiges Gebet und Flehen, daß der Schöpfer des Alls die abgezählte Zahl seiner Auserwählten in der ganzen Welt vollständig bewahren möchte durch seinen geliebten Sohn Jesus Christus, unseren Herrn, durch welchen er uns berufen hat von der Finsternis zum Licht, von der Unkenntnis zur Kenntnis der Herrlichkeit seines Namens, zu hoffen auf den Urgrund aller Schöpfung, deinen Namen, der du geöffnet hast die Augen unseres Herzens, um dich zu erkennen, den allein Höchsten im Höchsten, den Heiligen, ruhend im Heiligen. Der du demütigst den Stolz der Prahler, der du vereitelst die Pläne der Heiden, der du Demütige erhebst und die Hohen demütigst, der du reich machst und arm, der du tötest und machst lebendig, du allein Wohltäter der Geister und Gott allen Fleisches. Der du hineinsiehst in die Abgründe, der du Beobachter bist der menschlichen Taten, der du Helfer bist derer, die in Gefahr sind, der du Retter bist der Hoffnungslosen, der du Schöpfer bist und Aufseher jeglichen Geistes. Der du zahlreich machst die Völker auf Erden, und hast dir aus allen (die) erwählt, die dich lieben, durch Jesus Christus, deinen geliebten Sohn, durch welchen du uns hast erzogen, geheiligt, geehrt. Wir bitten dich, Herr, unser Helfer zu sein und unser Beschützer. Die unter uns in Bedrängnis sind rette, die Gestrauchelten richte auf den Betenden zeige dich, die Kranken heile, die Irrenden deines Volkes bring auf den rechten Weg. Sättige die Hungernden, erlöse unsere Gefangenen, richte auf die Schwachen, tröste die Kleinmütigen. Es sollen erkennen alle Völker, daß du allein Gott bist, und Jesus Christus dein Sohn, und wir dein Volk und Schafe deiner Weide.

Du hast ja die ewige Ordnung der Welt durch die waltenden Kräfte geoffenbart; du, Herr, hast den Erdkreis geschaffen: der Treue in allen Geschlechtern, gerecht in allen Urteilen, wunderbar in Stärke und Erhabenheit, der Weise bei der Schöpfung, und klug, das Geschaffene zu bewahren, der Gütige im Sichtbaren, und liebevoll für die, die auf dich vertrauen. Barmherziger und Mitleidiger, vergib uns unsere Frevel und unsere Ungerechtigkeiten und Verfehlungen und Vergehen, rechne nicht an alle Sünde deiner Knechte und Mägde sondern reinige uns mit der Reinigung deiner Wahrheit, und lenke unsere Schritte, in Heiligkeit des Herzens zu wandeln, und zu tun das Gute und Wohlgefällige vor dir und vor unseren Herrschern. Ja, Herr, laß leuchten dein Angesicht über uns zum Guten in Frieden, auf daß wir beschützt seien durch deine starke Hand und gerettet würden vor jeglicher Sünde durch deinen erhobenen Arm, und rette uns vor denen, die uns unverdientermaßen hassen. Gib Eintracht und Frieden uns und allen, die die Erde bewohnen, wie du sie gegeben hast unseren Vätern, als sie dich fromm anriefen in Glauben und Wahrheit, daß wir gehorsam werden deinem allmächtigen und herrlichen Namen, sowie unseren Herrschern und Regierenden auf Erden.

Du, Herr, hast ihnen die Befugnis zur Königsherrschaft gegeben durch deine erhabene und unaussprechliche Macht, damit wir erkennen die von dir ihnen gegebene Herrlichkeit und Ehre, uns ihnen unterzuordnen, keineswegs im Widerspruch zu deinem Willen. Ihnen gib, Herr, Gesundheit, Frieden, Eintracht, Beständigkeit, damit sie ausüben die ihnen von dir gegebene Regierungsgewalt untadelig. Denn du, Herr, himmlischer König der Äonen, gibst den Menschen Herrlichkeit und Ehre und Macht über das, was auf Erden ist. Du, Herr, lenke ihren Willen entsprechend dem, was gut ist und wohlgefällig vor dir, damit sie, in Frieden und Milde fromm die von dir ihnen gegebene Macht ausübend, Gnade bei dir finden. Der du allein vermagst, zu tun dies und noch größere Wohltaten unter uns: Dich preisen wir durch den Hohenpriester und Beschützer unserer Seelen, Jesus Christus, durch welchen dir gebührt die Herrlichkeit und die Majestät jetzt und von Geschlecht zu Geschlecht und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Über das, was unserer Religion angemessen ist, und was in allererster Linie notwendig ist zu einem tugendsamen Leben für die, die (ihr Leben) fromm und gerecht führen wollen, haben wir euch hinreichend brieflich unterrichtet, Männer, Brüder. Denn über Glauben und Buße und echte Liebe und Enthaltsamkeit und Besonnenheit und Geduld haben wir jeden Punkt berührt, daran erinnernd, daß ihr in Gerechtigkeit und Wahrheit und Langmut dem allmächtigen Gott fromm gefallen müßt, indem ihr Eintracht haltet, ohne Böses nachzutragen, in Liebe und Frieden, mit beharrlicher Sanftmut, wie ja auch unsere zuvor erwähnten Väter (Gott) gefallen haben, da sie demütig waren gegenüber dem Vater, dem Gott und Schöpfer, und gegenüber allen Menschen. Und daran haben wir euch um so lieber erinnert, als wir genau wußten, wir schrieben an Männer, die gläubig sind und hochangesehen und die sich vertieft haben in die Aussprüche der Unterweisung Gottes.

Es ist also angebracht, sich derartigen und so zahlreichen Vorbildern zuzuwenden, den Nacken zu beugen und den Platz des Gehorsams einzunehmen, damit wir, ablassend vom nichtigen Aufruhr, zu dem uns in Wahrheit vorgelegten Ziel gelangen ohne allen Tadel. Freude nämlich und Jubel werdet ihr uns bereiten, wenn ihr, gehorsam gegenüber dem, was von uns durch den Heiligen Geist geschrieben worden ist, den frevelhaften, aus eurer Eifersucht geborenen Zorn ausrottet gemäß der Bitte, die wir hinsichtlich Frieden und Eintracht in diesem Brief vorgebracht haben. Wir haben ferner gläubige und besonnene Männer gesandt, die von Jugend auf bis ins Alter untadelig unter uns ihren Wandel geführt haben; diese werden auch Zeugen sein zwischen euch und uns. Das haben wir aber getan, damit ihr erkennt, daß unsere ganze Sorge war und ist, ihr möchtet rasch zum Frieden kommen.

Im übrigen verleihe der allsehende Gott, der Herrscher der Geister und Herr alles Fleisches, der auserwählt hat den Herrn Jesus Christus und durch ihn uns zu einem erlesenen Volk, jeder „Seele“, die seinen erhabenen und heiligen Namen angerufen hat, Glauben, Furcht, Frieden, Geduld und Langmut, Enthaltsamkeit, Keuschheit und Besonnenheit, auf daß sie seinem Namen wohlgefällig seien durch unseren Hohenpriester und Beschützer Jesus Christus, durch welchen ihm sei Herrlichkeit und Majestät, Macht und Ehre, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.

Die von uns Abgesandten aber, Claudius Ephebius und Valerius Bito samt Fortunatus, schickt in Frieden mit Freude bald zurück zu uns, damit sie uns möglichst schnell von dem erwünschten und ersehnten Frieden und der Eintracht Bericht geben, damit um so schneller auch wir uns freuen über eure gute Ordnung. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch und mit allen überall, die berufen sind von Gott und durch ihn, durch welchen ihm sei Herrlichkeit, Ehre, Macht und Majestät, ewiger Thron, von Ewigkeit in alle Ewigkeit. Amen

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